Online Lesenacht – Folgen 1 – 14

Komm mit!
Der da hinten im Schatten steht und raucht…, was schnüffelst du? Ja, es ist ein fetter Joint, warum? Also, der mit dem Joint ist Prof. Dr. Coster. Er lehrt an der Technischen Hochschule das seltsame Fach Pataphysik. Der mit der abgewetzten Lederjacke ist mein Freund Nebenmann. Er hat die Strecke ausgesucht. Die zwei anderen Typen sind die Sportler Hennes und Erlenberg.

Warum die Sportler mitkommen wollen, weiß ich auch nicht. Der Lange mit den dunklen Haaren ist Erlenberg. Eigentlich interessiert sich dieser sonnige Mensch nur für alte Möbel und Flohmärkte. Von ihm würde ich mir an deiner Stelle allerdings nichts andrehen lassen. Nebenmann hat ihm letztens ein gebrauchtes Auto abgekauft. Im Innenraum stank es derart, dass man nicht eine Minute drin aushielt. Nebenmann suchte alles ab, konnte die Quelle des Gestanks aber nirgendwo finden. Dann stellte er den Sportler zur Rede, und erst nach langem Hin und Her gab Erlenberg zu, dass ihm vor den Rücksitzen Buttersäure ausgelaufen war. Er hätte gedacht, der Gestank verzieht sich nach ein paar Tagen wieder. Das Auto konnte man nur noch verschrotten; den Gestank von Buttersäure wirst du nicht mehr los.

Eventuell will Hennes,
der andere Sportler, dabei sein, weil er hofft, dass interessante Frauen mitkommen. Ich habe schon einen Spangenhals seinetwegen. Er hat mir eben meine Karte „Naturpark Nordeifel 1:50.000 aus der Hand genommen und gesagt, er wolle mir zeigen, wie man sie richtig faltet. Vor seinem Sportstudium ist er zuerst Bergmann, dann Ausbilder bei der Polizei gewesen – und von seiner Ausbilderzeit wisse er, wie man Karten zweckmäßig faltet. Jedenfalls riss meine schöne Karte durch seine Ausbilder-Kunst an den Falzbrüchen ein und bekam auch Flecken von seinen Drecksfingern ab.

Wir sind seit Anbruch der Dämmerung hier und haben uns schon ein bisschen umgesehen. Etwas unterhalb des Parkplatzes steht das äußerste Gebäude des Dorfes, ein verfallenes Fachwerkhaus, in dem ich mir garantiert die Krätze holen würde. Die Sportler interessierten sich allerdings sehr für das Schamott und mussten unbedingt durch ein zerbrochenes Fenster einsteigen. Der Mensch kann viele seltsame Neigungen entwickeln. Bei Erlenberg ist es zweifellos das zwanghafte Herumwühlen in Pröll und Gerümpel. Am Ende schoben sie von drinnen eine verrostete Blechtonne durchs Fenster.

Wenn man bedenkt, dass sie dreckig wie die Schweine hinterher krochen, ist so eine verrostete Blechtonne eine prima Ausbeute, oder?

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