Mein Lieblingswitz trägt Bart

„Wenn ich meine Frau küssen will“, sagt der Japaner, „muss ich in die Knie gehen. Aber nicht, weil ich so groß bin, sondern weil unsere Frauen so zierlich sind.“
„Wenn ich meine Frau umarmen will“, sagt der Araber, „muss ich meine Arme ganz weit ausbreiten. Aber nicht etwa, weil ich so kurze Arme hätte, sondern weil unsere Frauen so wunderbar drall sind.“
„Wenn ich“, sagt der Deutsche, „meiner Frau einen Klaps auf den Hintern gebe, bevor ich zu Arbeit gehe, dann wackelt der noch, wenn ich zurückkomme. Aber nicht etwa, weil meine Frau so einen dicken Hintern hätte, sondern weil wir in Deutschland so kurze Arbeitszeiten haben.“

Das war mal lange Zeit mein Lieblingswitz, weil er ein altes Witzschema radikal erneuerte durch seine überraschende Wendung im Schluss, die Akzentverschiebung weg von dem Geprotze über körperliche Merkmale hin zu sozialen Errungenschaften. Aber was ist, wenn die Frau morgens früher als er aus dem Haus muss, weil sie selbst einen Beruf ausübt? Funktioniert der Witz dann noch?

„Wenn ich meiner Frau einen Klaps auf den Hintern gebe, bevor sie zur Arbeit geht, dann wackelt der noch, wenn sie nach Hause kommt.“

Egal wie kurz die Arbeitszeit der Frau ist, es wäre nicht gut, wenn während der Arbeit ihr Hintern nachwackeln würde. Was würden die Kollegen sagen? Am heimischen Herd dürfte jeder Hintern nach Herzenslust wackeln, aber im Büro wäre das eventuell sexuelle Belästigung. Und aus Bahn und Bus würde sie vielleicht rausfliegen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Möglicherweise ist es auch grad umgekehrt. Der Mann macht in Ermangelung eines Jobs den Haushalt, und sie gibt ihm morgens einen Tritt, damit er den Hintern aus dem Bett hochkriegt. Der könnte dann ja noch wackeln, wenn sie zurückkommt, aber es wäre mit dem Arschwackeln eines Hausmanns vor Japanern oder Arabern kein Staat zu machen.

Und nicht zuletzt stimmt ja die Aussage von den kurzen Arbeitszeiten der Deutschen nicht mehr. Den Witz hörte ich in der Zeit der 35-Stunden-Woche. Inzwischen steigt ja die Wochenstundenzahl in vielen Branchen wieder. Zudem liegt die reale Arbeitszeit in vielen Betrieben höher, wenn man die Überstunden einbezieht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Realität des Witzes nicht mehr mit unserer Lebenswirklichkeit übereinstimmt, was man allein daran ablesen kann, dass man im Alltag so gut wie nie wackelnde Ärsche zu sehen kriegt. Und man darf das nicht einmal bedauern, nicht wegen der gestiegenen Arbeitszeit, nicht wegen skandalöser Überstundenregelungen, nicht wegen der Arbeitslosigkeit oder der Schufterei für einen Hungerlohn, sondern weil es politisch unkorrekt ist, statt eines Kusses auf den Mund einen Klaps auf den Hintern zu geben.

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Zwischen Sechs und Zehn und ein lachender Mund


Die Uhr zeigte mir einen Lachmund, als ich heute Morgen zum zweiten Mal aufwachte. Das erste Mal wars grad sechs Uhr gewesen, ich hatte mich noch mal hingelegt, war wieder eingeschlafen, und wie ich aufwache, lacht meine Uhr mich an. Ich hätte gedacht, die Zeigerstellung zehn nach zehn, die den Lachmund markiert, wäre längst privatisiert und in den Dienst der Juweliere und Uhrenverkäufer gestellt. Es muss bereits am Anfang des Irrenparadieses geschehen sein, das wir Konsum- und Warenwelt nennen, dass man eine an sich nicht übel beleumundete Zeigerstellung ergriffen und pervertiert hat.

Was also eigentlich ein unglaublicher Glücksfall ist, nämlich aufzuwachen genau um zehn Minuten nach zehn, einen Lachmund zu sehen und heiter in den Tag zu starten, haben die Händler und Schacherer entzaubert, indem sie die Zeigerstellung zum Regelfall gemacht haben. Grinsende Standbilder auf den Zifferblättern ausgelegter Uhren sollen die Kunden zu jeder Tageszeit günstig stimmen und zum Kauf anreizen. Es ist wie ein Topf mit vierblättrigem Klee, der einem zu Neujahr in den Supermärkten hinterher geworfen wird. Welch ein Glücksfall und welch eine Freude, wenn wir als Kinder auf grünen Wiesen ein vierblättriges Kleeblatt fanden. Kann man dieses Glück bannen, indem man vierblättrigen Klee in Töpfe sät und zwischen Knalltüten und Knallbonbons zum Kauf anbietet?

Zwischen sechs und zehn träumte ich etwas Seltsames. Ich war eine Sorte Praktikant in einem Unternehmen für Luxus-Events. Alles, was dort für die reiche, verwöhnte Kundschaft geplant wurde, war erlesen und teuer. Den Mitarbeitern waren bei ihren Ideen gar keine Beschränkungen auferlegt, weder hinsichtlich des Preises, der Machbarkeit oder des Sinns. Was das letzte betrifft, bekam ich aber einen kleinen Konflikt mit. Ein Mitarbeiter hatte den Käufern von Luxusautos mit vergoldeten Karosserien abverlangt, vor der Inbesitznahme des Autos einen Aufsatz zu schreiben. Diese Idee wurde allgemein als absurd angesehen und weil der Mitarbeiter in meinem Traum nicht auftauchte, konnte er seine Idee auch nicht verteidigen. Die anderen zerrissen sich das Maul darüber, aber natürlich auf distinguierte Weise, denn ein lautes Wort hörte man in diesem Eventunternehmen nie.

Wir hatten für eine verwöhnte Gesellschaft einen ganz besonderen Fußweg in die Innenstadt angelegt. Der war natürlich kurz, weil er keinerlei Mühe machen durfte. Es gab auf ihm kein Stäubchen, das ein Stolperstein hätte sein können, und es lag ein Teppich aus, in den ein Spruch, ein Satz eingewirkt war. Den hatte ich erdacht. Er war wegen seiner erlesenen Sprache mein ganzer Stolz. Leider hat ihn die verwöhnte Gesellschaft überhaupt nicht wahrgenommen.

Es war ungefähr so wie zur Fronleichnamsprozession auf unserem Dorf. Der Pastor in festlicher Gewandung trug die Monstranz durchs Dorf. Er wurde von zahlreichen Messdienern begleitet und vier Ehrenmännern in schwarzen Anzügen umringt, die den Baldachin trugen, um Priester und Monstranz zu schützen. Vielleicht hat es ja Zeiten gegeben, dass faule Eier wider Priester und Herrgott flogen. Und eine Schar Bauern mit Mistgabeln und Dreschflegeln … Der Grund für den Baldachin war jedenfalls vergessen, nur der Brauch hatte sich erhalten. Auf den Straßen war ein schmaler Teppich aus Blumen, und eine Straße setzte traditionell ihren ganzen Stolz darin, einen Teppich aus farbigem Sägemehl auszustreuen. Er war dicht, Zentimeterhoch, an den Kanten hart begrenzt und das verschieden eingefärbte Sägemehl formte die prächtigsten Bilder und Symbole. Als Kind habe ich immer davon geträumt, einmal einen Fuß auf diesen prächtigen Teppich zu setzen, einmal einen Fußabdruck darauf zu hinterlassen. Aber das durfte nur der Priester mit der Monstranz, alle anderen mussten seitlich des Teppichs gehen.

In meinem Traum war der Teppich nicht so klar definiert. Er wurde ja nicht beachtet. Schon war er überschritten, schon traf die Gesellschaft in den luxuriösen Räumlichkeiten am Zielort ein, wo sogleich der Champagner floss. Zur Gesellschaft gehörten zwei berühmte Künstler mit einem Gefolge schöner, rassiger Weiber. Für die hatten wir eine Kirche ausgesucht, die für ihre farbigen Fresken und Fensterbilder berühmt war, die ein Bauhauskünstler gestaltet hatte, den man nur in eingeweihten Kreisen kennt.

Der unangefochtene Anführer der Künstlergruppe war der Maler Baselitz. Er hatte nichts gemeinsam mit dem realen Maler Baselitz. In meinem Traum sah ich ihm ins Gesicht, als er die Tür zur Kirche öffnete und ein wunderbar farbiger Glanz herausströmte und sein Gesicht verklärte. Baselitz hatte ungleiche Augen. Eines war deutlich größer und von einer überirdischen Strahlkraft. Sogleich war ich in seinen Bann gezogen und musste mir eingestehen, dass Berühmtheit wohl manchmal auch berechtigt ist, indem die allgemeine Anerkennung, die Begeisterung für ein Werk, die exorbitanten Preise, die es erzielt, das alles sich in passenden Menschen ansammelt und ihnen da zur Verfügung steht, indem sie gelegentlich etwas davon aufblitzen lassen. So ein Blitz aus sozialer Energie hatte mich aus dem größeren Auge getroffen, bevor Baselitz die Kirche betrat und das Portal hinter ihm und seinem lustigen Gefolge ins Schloss fiel.

Von den anderen aber, von denen, die sich nur im Luxus ergingen, von denen kam ein wenig Kritik. Dass nämlich paradiesische Zustände wie wir von der Eventagentur für sie geschaffen hatten, dass diese Zustände durchaus kritisch zu sehen wären, indem sie den Menschen, für die sie gemacht sind, nichts abverlangen, was dazu führen würde, dass diese Personen degenerieren und total verblöden und letztlich überhaupt nicht mehr verdienen, an der Spitze der Gesellschaft zu stehen.

Da erwachte ich, und meine Uhr grinste mich an.

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Ich fürchte die Mutter aller Dinge – Velo-City-Night


„Velo“, nennen die Schweizer das Fahrrad, „Velo Love“ lautet das Motto der 2. Velo-City-Night Hannover 2013. Und weil es nicht gut ist, Dinge zu lieben, berücksichtigen die Veranstalter auch menschliche Kontakte. Für 2 Euro Startgebühr bekommen Singles gelbe Armbändchen, die anderen magentafarbene. Freilich ist vom Anbandeln während der Fahrt abzuraten, wenn eintausend Radfahrerinnen und Radfahrer sich auf die 22 Kilometer lange Wegstrecke durch Hannover machen und in erster Linie darauf achten müssen, nicht mit anderen zu kollidieren.

Man weiß ja nicht, wie sicher die anderen Teilnehmer sind, ob sie es gewöhnt sind, im Verband zu fahren, ob sie immer schön in der Spur bleiben oder Spaßvögel sind, die plötzlich seitlich ausscheren, weil sie es genießen, die gesamte Straßenbreite benutzen zu dürfen. Dieser Platz ist da, denn die Polizei begleitet das Fahrerfeld mit einem Führungsfahrzeug, und Polizisten auf Motorrädern sperren die Strecke für den Autoverkehr. Weiterlesen

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BILD und Teppichhausvolontär Schmock enthüllen: IM Merkel

BILD fragt heute: “Stand Angela Merkel dem System näher als bisher bekannt?” Natürlich! Gähn, was für eine Sensation. Unbekannt? Teppichhauskunden wissen längst mehr. Vor einem Jahr schon stellte der gewissenlose Teppichhaus-Volontär Hanno P. Schmock das Ergebnis seiner mühevollen Recherchen vor:

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Neues aus dem Notizbüchlein

Political correctness
Wenn wir wissen, dass die ersten Menschen aus Afrika kamen und Gott den Menschen nach seinem Vorbild schuf, darf man dann sagen, dass Gott ein Neger ist? Oder muss es korrekt heißen, Gott ist eine NegerIn?

Äugeln
Coster sagte, bei Edeka an der Kasse sei manchmal eine Frau mit den schönsten Augen nördlich der Alpen. Herr Leise Töne hat sie sich darauf mal angesehen und fand die Augen nichts Besonderes. Auch das Auge liegt im Auge des Betrachters.

Jahreszeiten
Wenn ich frühmorgens aus dem Fenster schaue und sehe die weißen Kirschblüten durchs Laub schimmern, dann habe ich mich schon mehrmals erschreckt und gedacht, verdammt, der Winter ist zurück.

Limmern
Auf der Limmerstraße wird schneller Bier getrunken als anderswo. Das liegt daran, dass die Flaschensammler schon immer bei Fuß stehen und einem die leere Bierflasche vom Hals pflücken.

Man kann schon mal durcheinander kommen
Ich saß einmal bei einem Freund in der Diele, als sein Telefon und seine Türglocke gleichzeitig klingelten. Da nahm er den Hörer der Wechselsprechanlage und rief aufgeregt: „Telefon“ hinein.

Die letzte Frage
Meine Lieblingsfigur in SF- und Horrorfilmen aus Hollywood ist der stereotyp auftauchende Mann, der in einer rätselhaft-bedrohlichen Situation ausruft: „Was zum Teufel soll das?!!!“ Und schon beißt ihm ein Außerirdischer den Kopf ab.

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Beine auf Abwegen – Hannover Marathon 2013

Maiwetter, linde Luft, blauer Himmel, prächtiger Sonnenschein, Hannover-Marathon. Ich sitze im Georgengarten auf der breiten Freitreppe des Wilhelm-Busch-Museums wie auf einer Tribüne, um die Parade abzunehmen. Zu Hause hatte ich nur einen flüchtigen Blick auf die Karte der Laufstrecke geworfen, so dass ich zuerst wähne, nah am Start zu sitzen. Dann müssten die ersten Läufer längst durch sein, denn jetzt ist es 10 Uhr, der Start war um 9 Uhr. Es herrscht aber noch Ruhe. Nur vereinzelte Spaziergänger haben den Weg so früh in den Park gefunden. Die meisten gehen ins Wilhelm-Busch-Museum, wo ein Konzert stattfinden soll.

Als die ersten Begleitmotorräder den Staub vor dem Museum aufwirbeln, merke ich, dass ich gegen Ende der Strecke warte, nämlich bei etwa Kilometer 38, wie ich später lese. Eine Weile schon stört ein Hubschrauber die sonntägliche Ruhe. Er kreist über der Strecke und kommt langsam näher. Der nervende Hubschrauber ist die Relaisstation für das Kameramotorrad, das natürlich beim ersten Läufer bleibt. Anders als bei einem großen Radrennen, wo der Spitzengruppe immer ein aufregend hupender Konvoi von Autos und Motorrädern voran fährt und Polizisten auf ihren Trillerpfeifen blasen, kommt der erste Läufer des Marathons ohne Tuten und Flöten heran.

Es ist ein
schmaler Schwarzafrikaner, nicht sehr groß, der offenbar kein Gramm Fett zuviel mitschleppt. Sein Schritt ist leicht und federnd, und Anzeichen von Müdigkeit sind nicht zu sehen. Das Kameramotorrad ist ihm dicht auf die Pelle gerückt, und der Kameramann tut alles, auch die geringste Regung in dem unbeweglich erscheinenden Gesicht einzufangen. Unklar bleibt, ob der Läufer das Klatschen sowie die aufmunternd anerkennenden Rufe der Zuschauer wahrnimmt. Wie ich noch in seiner Miene zu lesen versuche, da ist er auch schon vorbei. Am Ziel der 42,195 Kilometer langen Strecke durch Hannover wird der 30-jährige Südafrikaner Lusapho April nur 2:08:32 Stunden benötigt und damit einen neuen Streckenrekord aufgestellt haben.


Spitzenläufer April vor dem Wilhelm-Busch-Museum – Foto: Trithemius (größer: klicken)

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Boshafte Naturbetrachtung im Grünen

Auf das Waldrestaurant an der Mühle beim Annateich bewegt sich im lockeren Gänsemarsch eine Beerdigungsgesellschaft zu, gutsituierte Männer und Frauen mit ernsten Mienen. Wie sie der Reihe nach im Gasthaus verschwinden, um das Fell des teuren Toten zu versaufen, stelle ich mir vor, sie wären ans Ufer des Teichs gegangen und hinein, weil die dort heimischen Graugänse gerade ein aufgeregtes Geschrei anstimmen, als hätten sie sich davor erschreckt, wie schwarz gekleidete Gestalten eine nach der anderen ins Wasser gehen, immer weiter hinein, bis die Wellen über ihren Köpfen zusammenschlagen, und zuletzt sieht man hier und dort noch ein wenig schütteres Haar für Sekunden auf der Wasseroberfläche aufschwimmen, sich leicht ausbreiten, bevor es in die Tiefe gezogen wird. Dann blubbern die letzten Atemzüge nach oben, und endlich kehrt Ruhe ein.

Dass eine ganze Beerdigungsgesellschaft ins Wasser geht, wird den Teich leider überdüngen, und es wird Algenwachstum geben bis zum Umkippen des Teichs. Davor warnt sowieso bereits ein Schild. Man solle doch bitte die Graugänse nicht füttern, und Beerdigungsgesellschaften sollten sich fernhalten. Weil: Zuviel Kacke im See mit all ihren unerquicklichen Folgen. Ach, was für morbide Phantasien, wo doch der Wald so prächtig ergrünt und ein Vogelgezwitscher ringsum durch die Luft schießt, dass es eine Lust ist.


Der Annateich – Vor Tauchgängen wird gewarnt – Foto: Trithemius (größer: Klicken)
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Wir alle werden mit Uli Hoeneß am Nasenring rundgeführt


Warum Uli Hoeneß
gerade jetzt als “Steuersünder” gebrandmarkt wurde, obwohl die Finanz- und Justizbehörden wie auch die politische Klasse in München und in Berlin doch schon eine Weile von seiner Steuerhinterziehung gewusst haben, wird vielleicht verständlich, wenn man sich anschaut, welches Thema denn zuvor die Medien beherrscht hat. Welches Thema ist groß genug, dass man, um es aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verdrängen, den populären Fußballmanager des FC Bayern, Uli Hoeneß, am Nasenring rundführen muss?

Wenn man aus der Perspektive des einfachen Fußballfans hinaufschaut, dann geht es bei Hoeneß um großes Geld. Aber das ist gewiss nur deshalb so, weil kaum einer von uns eine Vorstellung hat von dem ganz großen Geld weniger Superreichen. Für sie ist ein Mann wie Uli Hoeneß ein lächerlich kleiner Wicht, der eine Würstchenbude besitzt und ein bisschen an der Börse herumgezockt hat. Ein Freund von mir, der Einblick in das Geschehen in einem Fußballverein hatte, sagte einmal: „Von der Mentalität her kommen Fußballtrainer und Vereinspräsidenten direkt hinter Zuhältern.“ Und so sieht auch ein Mann wie Hoeneß von oben, von den ganz hohen Etagen aus. Er ist denen nicht mehr wert als ein x-beliebiger Zuhälter. Aber man hat Mitleid. Wenn er schon über die Klinge springen muss, um höhere Interessen zu schützen, dann will man ihn doch nicht ganz zu Fall bringen, sondern bietet die besten Mitmäuler auf, die, nachdem sich die anfängliche Empörung gelegt hat, nun alles daran setzen, das Vergehen des Uli Hoeneß klein zu reden. Dann heißt es in der Welt:

„Wir sind alle ein bisschen Hoeneß – Die Debatte über das Steuergebaren des Bayern-Präsidenten ist an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten. Denn sie unterschlägt, dass es in Deutschland immer noch Volkssport ist, den Fiskus zu umgehen.“

Damit ist die argumentative Marschrichtung vorgegeben. Das Muster dieser Argumentation ist simpel und funktioniert vermutlich so gut, weil es simpel ist. Wir kennen es schon aus der Finanzkrise. Im Jahr 2008 in einer Dezembernummer des SZ-Magazins über die Finanzkrise schrieb SZ-Autor Christian Nürnberger:

„Rendite wird gemacht, weil wir alle es wollen – es war unsere eigene Gier, die die Banken befeuert hat.“

Dieses vereinnahmende „wir“ klingt nach der Verteidigungsstrategie aus dem Kindergarten: Die anderen haben das auch gemacht, das machen doch alle. Es ist im Fall Hoeneß sogar plausibel, denn aus der Sicht von Friede Springer oder Liz Mohn besteht kaum ein Unterschied, ob einer das Finanzamt um Paarmarkfuffzig oder um fünf Millionen betrügt. Für sie sinds allemal kleine Summen.

Was aber ist das Thema, das durch den stiernackigen Bayernpräsidenten verdrängt werden soll, was ging durch die Medien, bevor sein Fall ruchbar wurde? Offshore Leaks, die Enthüllungen über die immensen Summen, die in Steueroasen gebunkert sind. Hier geht es offenbar um das ganz große Geld, um das dubiose und zum Teil kriminelle Finanzgebaren von Banken, weltweit operierender Unternehmen, Diktatoren und schwerreicher Privatpersonen aus dem so genannten Geldadel. Die Daten wurden erst Anfang April bekannt. Und jetzt, Ende April ist das Thema so gut wie durch, und alle schauen nur hin zum Würstchenverkäufer Hoeneß. Es ist bezeichnend, welche Personen die öffentliche Debatte eines Landes verändern können. Kleine Fische, die sich groß wähnen, wie einst Zumwinkel und jetzt Hoeneß. Das wusste schon Karl Kraus:

„Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht,
werfen selbst Zwerge lange Schatten.“

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Einiges über einiges

Vorrede – Die nur geschrieben wurde, dem Leser gefällig zu sein

Es gab eine Zeit, einige Jahre ist das her, da habe ich täglich geschrieben, was nicht etwa bedeutet, ich hätte nur irgendwo rumgesessen und etwas in mein Notizbuch, das ich immer bei mir hatte, wenn ich es nicht zu Hause hatte liegen lassen, wobei mein zu Hause damals in Aachen war, hineingekritzelt, wie vielleicht böse Zungen behaupten würden, kämen sie denn hier zu Wort, sondern ich habe sauber abgetippte Texte, gelegentlich auch selbstfotografierte oder selbstgeklaute Bilder, Bildmontagen oder eigens erstellte Gif-Animationen, ja, sogar bei YouTube hoch geladene selbst gefilmte und geschnittene Videos in meinem Blog, das bekanntlich Teppichhaus heißt und aus drei Filialen besteht, die aber zu verschiedenen Zeiten jeweils das Haupthaus waren, wie jetzt dieses WordPressblog, in dem Sie, werter Leser gerade versuchen, sich durch ein Satzungeheuer zu wühlen, das Haupthaus ist, obwohl ich im so genannten Stammhaus noch immer die meisten Leser habe, wobei ich die Leserinnen nur nicht erwähne, weil mich keiner einen Sexisten schimpfen können soll, indem er behauptet, ich würde die Leserinnen gezielt ansprechen, was sozusagen eventuell sexuelle Belästigung sein könnte, man weiß es nicht, denn im Internet wirken Texte ja viel unvermittelter, suchen sich den Weg direkt ins Stammhirn, unter Ausschaltung der Logik und der Vorsicht, wozu speziell allen Leserinnen hier mal ausdrücklich angeraten sei, also zur Vorsicht, dass sie sich der Logik zu bedienen verstehen, versteht sich von selbst und wird keinesfalls in Zweifel gezogen, denn das Stammhaus hatte einst die eifrigste Leserschaft, was mich ungemein motivierte und dazu brachte, dort gut 1400 Postings zu veröffentlichen, veröffentlicht.

Hauptteil – In dem es um etwas Geheimes geht

In dieser Zeit träumte ich öfters einen Traum. Ich hatte da in meiner imaginären Wohnung, die ich aber gar nicht allein bewohnte, sondern die auf vertrackte Weise halböffentlich war, da war ein geheimes Zimmer, zu dem nur ich den Schlüssel besaß. Es war ein heller Raum, worin ein hellbrauner Schreibtisch direkt unter einem großen Fenster stand. Das Fenster ging auf eine belebte Straße hinaus. Auf dem Schreibtisch stand wiederum ein Computer, ein älteres Modell, aber noch funktionstüchtig, wie ich wusste. Auf diesen Computer war ich im Traum ungemein neugierig, denn ich hatte einst daran gesessen und einiges geschrieben, was eben nicht für die Augen meiner derzeitigen Mitbewohner bestimmt gewesen war, sondern für einen ganz anderen, nicht näher definierten Kreis. Es waren Inhalte, die ich völlig vergessen hatte. Leider gelang es mir nie, den Computer zu starten. Immer wurde ich davon abgehalten. Höhere Mächte griffen ein, sobald ich den Einschaltknopf presste, sandten mir Erdbeben, Feuerbrünste und Wasserfluten, um nur das Harmloseste zu nennen.

Schluss – In dem Einiges erhellt wird, aber längst nicht alles

Gestern, es war beinah Nacht, saß ich mit Herrn Leise Töne und dem von ihm so genannten Herrn Putzig in Putzigs Wohnung, weil nämlich unser Stammlokal „Vogelfrei“ geschlossen hatte. Wir tranken einiges. Von beiden erbat ich mir einen Rat, denn mir war am späten Nachmittag eine Frage gestellt worden, auf die ich nichts zu antworten gewusst hatte. Ich war mit dem Rad durch den frühlingshaften Maschpark gefahren. Vor zwei Bänken hatte ein junger Mann dunkler Hautfarbe in der Sonne gestanden und mir zugerufen:

„Hallo! Was geht?!“

Darauf hatte ich nichts zu sagen gewusst. Mir war die korrekte Antwort unbekannt gewesen. Zum Glück war ich schnell genug gefahren, so dass meine kommunikative Unfähigkeit verborgen bleiben konnte, denn ich hätte ja durchaus das richtig gesagt haben können, wäre aber zu schnell vorbei gewesen, so dass meine korrekte Antwort vom Fahrtwind verweht worden wäre.

Herr Leise Töne und Herr Putzig waren einer Meinung, die korrekte Antwort auf „Hallo! Was geht?!“ wäre: „Einiges!“, wobei Putzig das Ei von Einiges besonders betonte, ja, so lang zog wie einen Kaugummi, so dass es beinah wie “Aiiiniges” klang. Tatsächlich ist ja Einiges ungemein verheißungsvoll. Es kann sozusagen alles sein, was sich einer nur vorstellen kann. Einiges befindet sich auf meinem geheimen Traum-Computer. Einiges habe ich im Verlaufe der vielen Jahre als Blogger veröffentlicht. Einiges wurde von den Lesern kommentiert. Einiges hat Wurst-Uli der Steuer hinterzogen. Einiges ist überhaupt im Busch. Und, was das Wichtigste ist: Einiges erfahren wir nie und nimmer.

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Glänzende Tasten, Goldene Worte und falsches Ö

Ich habe meine Tastatur geputzt. Nicht einfach so mal dröber gewischt, sondern Taste för Taste herausgenommen, an den vier Kanten entlang geputzt und öber das Gesicht gewischt. Nach mehreren Jahren des Gebrauchs war es nötig geworden. Erfreut stelle ich an diesem Sonntagmorgen fest: Der Fröhjahrsputz meiner Tastatur hat sich gelohnt. Er wirkt sich auf alles aus, was ich schreibe. Die Texte schreiben sich wie von selbst, sind frisch und glänzend, ja, sie funkeln golden in der Sonne. Und: Sie vermitteln eine klare Sicht der Dinge, nicht wahr? “Nicht wahr?” Ist dieser Text etwa nicht glänzend, oder verstellt sein Glanz den Blick auf den Inhalt? Öberstrahlt er seine Leere? “Zaubern, Seiltrick, Nichts – und daröber Glasur” wie Gottfried Benn sagt?


Goldenes Tor – sinnlos, aber sieht schön aus – Foto: Trithemius (goldener: Klicken)

Ehrlich gesagt habe ich ziemlich schlechte Laune. Eine Prellung, die ich mir bei einem Fahrradsturz zuzog, hat mich die Nacht kaum schlafen lassen. Ich habe mich gedreht und gewälzt, den aufscheinenden Morgen herbeigesehnt, um festzustellen, wenn ich nicht liege, sondern sitze, ist’s auch nicht angenehmer. Aber ich kann mich ablenken. Saubere Tasten schmeicheln meine Fingerkuppen, als wörden sie den Fingern zurufen, komm zu mir und dröcke mich! Natörlich muss der Schreibende seine Gunst verteilen, aber es lässt sich kaum verhindern, dass manche Tasten bevorzugt werden, andere aber funkeln und rufen können wie sie wollen, meine Fingerkuppen besuchen sie einfach nicht. So können nicht alle Tasten den Beweis antreten, dass auch sie etwas Ordentliches hervorzubringen verstehen.

  • Kurze Unterbrechung

    Ich muss aufstehen und meine Glieder recken. Da schaue ich gleich mal aus dem Fenster. In der hinteren Ecke des Spielplatzes steht ein Tisch mit zwei Bänken links und rechts. Da sitzen sich in der Morgensonne zwei Männer gegenöber, ein stiernackiger in einem hellblauen Pullover, der um die Höften ein wenig spannt, und ein Hagerer in einer dunklen Jacke. Sie haben jeweils eine Bierflasche vor sich auf dem Tisch. Es ist noch köhl unter dem blauen Himmel, und nicht jedermann wollte jetzt an einer kalten Bierflasche lutschen. Aber die beiden genießen offenbar den Sonntag. Sie haben die Ellenbogen auf den Tisch gestötzt, schauen sich an und reden miteinander. Warum aber tun sie das auf einem Kinderspielplatz? Vielleicht erhöht das ihr Geföhl, keinen Anspröchen genögen zu mössen, so frei zu sein wie zu Kinderzeiten, nur dass sie damals noch kein Bier in der Öffentlichkeit trinken durften, sondern an der Mutterbrust hingen. Sie trinken jetzt auch kein Bier. Es ist gewiss noch gefroren und will erst raus durch den Flaschenhals, wenn die Sonnenstrahlen es aufgetaut haben.

Wo waren wir? Bei den Tasten, die heute ungetippt bleiben. Angenommen, mir wäre beim Säubern der Tasten eine zu Boden gefallen. Und ich hätte sie nicht aufheben wollen, weil mich die Prellung beim Böcken zu sehr schmerzt. Dann mösste ich jetzt auf den Buchstaben verzichten und ihn durch einen ähnlichen ersetzen. Als junger Mann, kaum dem Stimmbruch entwachsen, war ich Mitglied des Kirchenchors und durfte während der Messen auf die Orgelempore. Die Orgel unserer Pfarrkirche hatte eine defekte Pfeife, und der Köster war bemöht, die Note nicht zu spielen, sie quasi zu umspielen. Wenn er das mal vergaß, dann ertönte ein hässliches Quietschen, und unser Köster rief laut: „Scheiße!“ Unsere Messen waren also immer von “Scheiße!” begleitet, sicher ein Grund, weshalb ich vom Glauben abgefallen bin.

Ich hoffe sehr, lieber Leser, Sie haben nicht „Scheiße!“ gerufen, wo ich Ihnen ein falsches Ö zu lesen gab. Das hier ist doch ein frisch geputzter, hochamtlicher Sonntagstext. Die Ü-Taste ist sowieso längst wieder an ihrem Platz und kann jetzt rufen: üüüüüüüüüüüüüüüüüüüüü! (Falls jemand austauschen möchte).

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