Fünf Minuten kreatives Murmeln über Vögel und Frauen

„Frauen sind die Vögel unter den Menschen“, sagt S.
„Toller Satz, egal wie er gemeint ist.“
Da kommt die hübsche Kellnerin und stellt frisches Bier auf den Tisch, weshalb er abwartend verstummt. Wie sie weg ist, fährt er fort: „Weil du gesagt hast, dass Frauen ein weiteres Gesichtsfeld haben als Männer. Und Vögel haben das auch, können ihre Augen sogar unabhängig voneinander bewegen.“

Wenn er das weiß. Als die Kellnerin mir das Bier hingestellt hat und ich dachte, sie würde mich anlächeln, hat sie etwa derweil mit dem anderen Auge mit Steffen geäugelt, so dass ich vielleicht annehmen muss, ihr Lächeln galt gar nicht mir, sondern ihm? Umgekehrt, als die Kellnerin ihm ein frisches Bier hinstellte, hat sie jedenfalls nicht mit mir geäugelt. Da wäre mir lieber, sie würde das gar nicht können, sonst müsst ich die Verachtung persönlich nehmen.

„Sicher weiß ich das aber nur von Papageien und Wellensittichen, und ich gehe mal davon aus, dass das zumindest für Vögel, die unter hohem Verfolgungsdruck durch andere Vögel stehen, generell zutrifft.“

Dann trifft der
Satz „Frauen sind die Vögel unter den Menschen“ natürlich auch auf die Kellnerin zu. Fragt sich nur, ob sie unter hohem Verfolgungsdruck steht. Durch den Koch vielleicht? Eigentlich stehen attraktive Frauen ständig unter Verfolgungsdruck. Das muss ziemlich anstrengend sein. Zum Glück können sie die Augen unabhängig bewegen, so dass jede Andeutung von Verfolgung beobachtet werden kann. Das ist durchaus positiv zu verstehen, denn Verfolgung und Verfolgtes gehören zum Paarungsverhalten zur Erhaltung der Art. Das erklärt, warum Männer ein nach vorne gerichtetes Blickfeld haben. Sie sollen die Eine verfolgen und nicht nach anderen den Kopf drehen. Ob das bei Vögelweibchen und Vogelmännchen ähnlich ist? Oder haben beide ein gleich großes Sichtfeld?

Tauben jedenfalls scheinen in den Städten sehr fruchtbar zu sein. Und wie alle Stadtbewohner sind sie ziemlich cool. Die Tauben Hannovers sitzen auch schon mal auf dem Fahrradweg, sehen mich kommen und reagieren überhaupt erst im letzten Moment, so dass ich letztens vor einer Taube gebremst habe und um sie herum fuhr. Sie wackelte stolz davon.

Die mit dem weiten Blickfeld beherrschen eben die Welt. Ach so, die Überschrift: Eigentlich wollte ich über die Gedanken schreiben, die in dem intelligenten Interview: „Kreatives Dauergemurmel“ von Hanns-Josef Ortheil, Professor für Kreatives Schreiben, geäußert werden. Aber dann habe ich lieber ein bisschen Kneipengemurmel vorangestellt. Ist schließlich Feiertag.

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12 Kommentare zu Fünf Minuten kreatives Murmeln über Vögel und Frauen

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