Hhum, Schwerkraftwandel – Flashback (3)

Angenommen, ich wäre grad mal 1,60 Meter groß, ginge verträumt an einem Fotogeschäft vorbei, würde im Schaufenster plötzlich etwas entdecken, mich abrupt hinwenden und stupse mit der Nase den Busen einer Frau an, die mir nichts ahnend entgegenkommt. Was sollte ich dann am besten sagen? „Hhum!“? Das würde man mir bestimmt verübeln und mich einen Grobian schimpfen. Es war aber grad umgekehrt. Ich gehe nichts ahnend am Fotogeschäft vorbei, und plötzlich ändert eine Frau ihren Kurs Richtung Schaufenster, stupst ihre Nase gegen meine Brust und sagt: „Hhum!“ Dabei ist wieder genug Platz in der Stadt. Die Pilger sind weg.

In der Bäckerei trete ich zum ersten Mal seit langem an eine leere Theke. Die Bäckereifachverkäuferinnenauszubildende hantiert mit irgendwelchen Dingen herum und sagt: „Ich komme gleich zu Ihnen!“ Hübsch, in den letzten Wochen musste ich fünf Minuten anstehen, und jetzt sorgt man sich schon um Sekunden meines Lebens.

„Bitteschön, was darf’s sein?“
„Ich wäre fast verhungert.“
„O Gott, das wollen wir aber nicht!“

Zur Entschädigung dient Fräulein Pluralis Majestatis mir einen Feinschmecker-Pass an. Bis Ende Juni soll ich mir sieben Stempel verdienen, indem ich für mehr als drei Euro einkaufe. Der Stempel zeigt ein F für „Feinschmeckerpunkte“. Sieben Feinschmeckerpunkte werden mit Pain Parisien oder Focaccia gratis belohnt. Draußen am Tisch lese ich, dass die Rückseite des Passes vollständig ausgefüllt werden muss, Name, Anschrift, E-Mail. Warum das denn? Kriege ich dann die Bäckerblume frei Haus und als E-Paper? Oder will der Aachener Großbäcker in den lukrativen Datenhandel einsteigen?

Die Pilger sind weg, doch leider haben sie vor dem Dom einen knödelnden Gitarristen vergessen. Er darf erst heute wieder auf der belebten Krämerstraße sitzen, denn während der Heiligtumsfahrt räumten die grimmigen Sheriffs vom Ordnungsamt alle Bettler und Berber ab, aus christlicher Nächstenliebe.

Ob ich das Ende der hässlichen Hüfthosen-Mode noch erleben werde? Oder ist der optische Schwerpunkt der Frau auf ewige Zeiten nach unten gerutscht und ich nehme den Anblick von Dackelbeinen mit ins Grab? Ulkig sehen auch die Typen mit den tiefergelegten Hosenböden aus, wenn sie versuchen, die Hände in die Taschen zu stecken, aber nur mit den Fingerspitzen hineinlangen können. Was zieht die Hosen eigentlich so nach unten? Vermutlich liegt es am Schwerkraftwandel, und der Arsch geht als erster auf Grundeis.

Schöne Pfingsttage

Erstveröffentlichung 11. Juni 2007 in der Cafeteria der offenen bloguniversität

Dieser Beitrag wurde unter Flashback abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Hhum, Schwerkraftwandel – Flashback (3)

  1. Servus!

    Dich würde ich gern mal in einer Baggyhose sehn!..;-D

    Wenn versucht wird, mir Rabattkarten anzudrehn,
    lehne ich generell dankend ab und denke mir insgeheim:
    “Steckt sie euch in den Arsch!”..;-)

    Hast Du schon mal wieder dein E-Postfach gecheckt?
    Hab dir ein belgisches Akustikschmankerl zukommen lassen.
    Ich hoffe, es schmecket irgendwie..;-)

    Gruß aus dem weiss-blauen Tiefsüden!

  2. trithemius

    Hallo Herr Teufel,

    das wird man nicht erleben. Rabattkarten muss ich auch nicht haben. Die Musik habe ich mir angehört. Vielen Dank dafür. Kannte ich noch nicht.

    Schöne Grüße aus dem Norden!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>