Die Frau, die vom Himmel fiel

Eigentlich sollte ich von den Frauen ab sein, also kein Interesse mehr haben. Meine Beziehungen der letzten Jahre, wenn ich ehrlich bin – davor auch, sind neben Himelhochjauchzen immer Stress gewesen. Stress, der mein Denken verengte, Stress, der mich hinderte, etwas Sinnvolles zu tun, zumindest aber meine Kreativität blockiert hat. Wann immer nämlich eine Frau in mein Leben trat, war mir beispielsweise das Schreiben wie das Pflügen eines schweren, steinigen Ackers, und das Gespann waren Pferd und Ochse. Wie der Landmann weiß, bringt ein so ungleiches Gespann am Ende der Furche immer das Geschirr durcheinander.

Trotzdem bin ich seit ein paar Tagen von einer imposanten Frau fasziniert. Ich habe sie erstmals im Biosupermarkt gesehen, wo sie sich mit wohlklingender selbstbewusster Stimme in einer Sorte eigensinniger Unentschlossenheit einiges an der Bäckereitheke erklären ließ, dann aber nichts kaufte. Sie war in einem fremdartig anmutenden Schnitt von weiten Tuchen umhüllt. Ihr hübsches Gesicht hatte eine unregelmäßige rosa Tönung. Tags darauf in der Mittagshitze sah ich sie in einer kurzen Hose und hellem T-Shirt. Da wirkte sie etwas unproportioniert wegen ihrer ausgeprägten Waden bei sonst schlankem Wuchs. Ich löffelte gerade eine Suppe, als sie hereinkam. Unsere Blicke trafen sich kurz, doch sie zeigte keine Reaktion, fixierte mich aber beim Hinausgehen.

Später sah ich sie im Supermarkt gegenüber. Da hängt ein Spiegel an einer Säule gleich bei der Kasse. Sie trat seitlich aus der Kassenschlange und betrachtete sich minutenlang im Spiegel, als wäre sie in der Nacht vom Himmel gefallen und in diesem erstaunlichen Körper aufgewacht. Auf der Straße sah ich sie Erdbeeren aus einer gerade gekauften Schale essen. Am liebsten hätte ich ihr gesagt, dass das nicht gut ist für den menschlichen Metabolismus. Erstens wären die Erdbeeren mit Chemikalien bespritzt, zweitens würden die Leute ständig mit ihren ungewaschenen Fingern den Inhalt von in Supermärkten offen aufgestellten Schalen umsortieren. Man wisse also nicht, welche Bazillen an den Erdbeeren haften. Aber dann fiel mir wieder das Durcheinander im Geschirr ein, das Pferd und Ochse anrichten und wie mühsam es ist, sich dauernd nach Steinen zu bücken. Ich habe mein Fahrrad genommen und sie ihrem Schicksal überlassen. Was irdische Mikroben bei weiblichen Aliens anrichten, geht mich doch wirklich nichts an.

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