Ein Bild und seine Gedichte (4)


(Trithemius, Archiv)

Seht nur her: hier steh’n zehn Leute
bebend schier vor Stolz und Freude,
kregel, stolzgeschwellt und heiter,
vom Stift bis zum Abteilungsleiter.
Und erhellt von breitem Grienen
sieht man ihre eitlen Mienen.
Bedeutungsschwer ist der Moment,
wie man kaum einen zweiten kennt:
Den neuen Schlüssel für das Tor
vom Aachener Justizkontor
(nicht zu verwechseln mit dem alten),
dürfen sie hier in Händen halten!
Herr Roeger war dabei, zum Glück:
So blieb der große Augenblick
als Bild, gebannt auf Zelluloid,
erhalten für die Ewigkoit.

(KrassNick)

__________________________________

Ja, wer es sah, erkannt’s wohl klar:
bedeutungsschwer war ganz und gar,
was mit dem Fotoapparat
Herr Roeger einst verewigt hat:

Der Schlüssel, welchen die Gestalten
im Bild in ihren Händen halten,
der ist ein ganz besonders langer:
und das wirkt höchst bedeutungsschwanger.

So wirkt die Schlüsselhaltergilde
gar höchst bedeutsam auf dem Bilde,
welches der Nachwelt blieb erhalten
dank eines Fotografen Walten.

(nömix)

____________________________________

Es standen einst in langer Schlange
die Bonzen von Justitia.
Stolz hielten sie die lange Stange,
an der ein Bart befestigt war.

Damit öffnen diese Deppen
Tür und Tor von dem Gebäude,
in dem sie uns‘re Rechte neppen
leider nur zu ihrer Freude.

Justitia du bist doch blind
und nicht blöde, Menschenskind!
Der Bart muss ab, dann bleibt vom Stolz
nichts weiter als ein Stückchen Holz.

Das brechtsche Proletariat
liest hier von keinem Zügel,
den der Staat in Händen hat,
es sieht nur seinen Prügel.

(Shhhhh)
____________________________________

bürokratische hürden
seien vergessen.
die träger der würden
sind nun versessen,
justitias bürden,
neu zu vermessen

im langen spalier.
*

nach leisem gehüstel
blicken sie nüchtern,
die hand schon am schlüssel,
lächeln sie schüchtern.
zehn rührend gestalten,
ihres amtes zu walten,

im neuen quartier.

*
ihr herren und damen,
in des gesetzes namen!
nach menschlichen dramen,
und weit gesprengten rahmen,
lasst den eifer nicht erlahmen

und richtet gerecht,
dafür seid ihr hier.

(la mamma)

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10 Kommentare zu Ein Bild und seine Gedichte (4)

  1. Seht nur her: hier steh’n zehn Leute
    bebend schier vor Stolz und Freude,
    kregel, stolzgeschwellt und heiter,
    vom Stift bis zum Abteilungsleiter.
    Und erhellt von breitem Grienen
    sieht man ihre eitlen Mienen.
    Bedeutungsschwer ist der Moment,
    wie man kaum einen zweiten kennt:
    Den neuen Schlüssel für das Tor
    vom Aachener Justizkontor
    (nicht zu verwechseln mit dem alten),
    dürfen sie hier in Händen halten!
    Herr Roeger war dabei, zum Glück:
    So blieb der große Augenblick
    als Bild, gebannt auf Zelluloid,
    erhalten für die Ewigkoit.

    • trithemius

      Gut, dass Sie auch den Fotografen gewürdigt haben!
      Den Mann kenne ich sogar 😉

      • Ja, wer es sah, erkannt’s wohl klar:
        bedeutungsschwer war ganz und gar,
        was mit dem Fotoapparat
        Herr Roeger einst verewigt hat:

        Der Schlüssel, welchen die Gestalten
        im Bild in ihren Händen halten,
        der ist ein ganz besonders langer:
        und das wirkt höchst bedeutungsschwanger.

        So wirkt die Schlüsselhaltergilde
        gar höchst bedeutsam auf dem Bilde,
        welches der Nachwelt blieb erhalten
        dank eines Fotografen Walten.

        • trithemius

          Man muss bei allem Lob bedenken,
          Dass Fotografen Menschen lenken.
          Der Unsinn würde nicht gemacht
          Hätt’ Roeger die Knipse nicht mitgebracht.

  2. Es standen einst in langer Schlange
    die Bonzen von Justitia.
    Stolz hielten sie die lange Stange,
    an der ein Bart befestigt war.

    Damit öffnen diese Deppen
    Tür und Tor von dem Gebäude,
    in dem sie uns‘re Rechte neppen
    leider nur zu ihrer Freude.

    Justitia du bist doch blind
    und nicht blöde, Menschenskind!
    Der Bart muss ab, dann bleibt vom Stolz
    nichts weiter als ein Stückchen Holz.

  3. Das brechtsche Proletariat
    liest hier von keinem Zügel,
    den der Staat in Händen hat,
    es sieht nur seinen Prügel.

  4. bürokratische hürden
    seien vergessen.
    die träger der würden
    sind nun versessen,
    justitias bürden,
    neu zu vermessen

    im langen spalier.
    *

    nach leisem gehüstel
    blicken sie nüchtern,
    die hand schon am schlüssel,
    lächeln sie schüchtern.
    zehn rührend gestalten,
    ihres amtes zu walten,

    im neuen quartier.

    *
    ihr herren und damen,
    in des gesetzes namen!
    nach menschlichen dramen,
    und weit gesprengten rahmen,
    lasst den eifer nicht erlahmen

    und richtet gerecht,
    dafür seid ihr hier.

  5. oh, da fühl ich mich gleich herzlich aufgenommen. obwohl mir lyrisches ja eher selten aus den fingern fließt;-)

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