Übernehmen Sie Verantwortung – Kaufen Sie Backpulver!

„Atommüll muss schnellstens raus hier“, soll Umweltminister Norbert Röttgen bei seinem Besuch im maroden Atomlager Asse gesagt haben. Und hat dabei, wie das Foto zeigt, ganz zuckersüß geguckt.

Ja, prima, aber wohin damit? Vielleicht weiß der Ex-Astronaut Ulrich Walter Rat. Vor gut zwei Wochen hat er noch bei Jauch mit einem wild knatternden Geigerzähler an einem Tütchen Backpulver demonstriert, wie stark die natürliche Strahlung von vermeintlich harmlosen Alltagssachen ist, die manche bei sich in der Küche haben. Wohlwollend hat ihm dabei Atomlobbyist Woglfang Clement (tschuldigung für Vertipper, schuld ist Backpulver) zur Seite gestanden. Es freute ihn, solch einen Kaspar bei sich zu haben, dem wohl die kosmische Strahlung bei seinem Raumflug die Teile des Hirns verbruzzelt hat, die für das Schämen verantwortlich sind.

So ein Exastronaut nimmt sich ganz schön was raus. Immerhin haben ihn, sein “Backpulver” und den Geigerzähler Zigmillionen staunende Jauchzuschauer gesehen. Aber Ulrich Walter weiß, dass man einem Ex-Astronauten allzeit Narrenfreiheit zubilligt, im Gegenteil sogar meint, wenn ein Astronaut die Radioaktivität von einem Tütchen Backpulver misst, das wäre angewandte Wissenschaft auf dem hohen Niveau der Weltraumforschung. An Weltraumforschung glaubt der Deutsche nämlich unverbrüchlich. Schließlich hat die Weltraumforschung sogar die Teflonpfanne und … äh … ich glaub, … die elektrische Zahnbürste hervorgebracht. Dafür ist der dumme deutsche Fernsehzuschauer auf immer dankbar. O.K., das mit der Zahnbürste ist ein Hoax.

Vermutlich hatten sich die Spin-Doctors der Atomlobby dieses kindliche „Experiment“ à la Sendung mit der Riesenmaus ausgedacht.

Man nehme:
Ein Tütchen Backpulver,
einen Geigerzähler,
einen Exastronauten, der sich gerne mal wieder aufspielen will …
und lasse ihn in der TV-Sendung eines überforderten Moderators demonstrieren, wie harmlos atomare Strahlung ist.

Ob Jauchs Redaktion die Nummer überprüft hat? War der Geigerzähler geeicht? Und woher war das Backpulver? Könnte es aus der Asse stammen? Bei Dr. Oettker wird es nach der Sendung Atomalarm gegeben haben. Am Ende glaubt der dumme Deutsche jetzt, dass der Atommüll in Form von Backpulver unter die Leute gebracht wird. Es wäre jedenfalls eine elegante Entsorgung und Endlagerung. Ich will hier keinen Hoax erfinden. Die Entsorgung im Backpulvertütchen würde Jahrtausende dauern, bei den Mengen an Atommüll, die bislang schon angefallen sind. Für diese Lösung spräche allerdings, dass solcherart angereichertes Backpulver den Kuchen wahrscheinlich wunderbar locker macht.

Morgen kaufe ich ein Tütchen Backpulver. Es steht schon auf meiner Einkaufsliste.

Jeder muss das Seine leisten – im Zirkus des schlechten Geschmacks.

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15 Antworten auf Übernehmen Sie Verantwortung – Kaufen Sie Backpulver!

  1. Pingback: Röttgen sichert Bergung von Atommüll aus der Asse zu

  2. Vor nicht allzu langer Zeit wurde darüber berichtet, dass es in der Umgebung der Asse vermehrt zu Krebserkrankungen gekommen sei. Nach ein paar Tagen gab es dann Entwarnung, dies könne keinesfalls auf die dort gelagerten Atommüllbestände zurückzuführen sein.
    Wir sollten dort unten ein Klosterseminar für gestresste Politiker anbieten, wenn die Asse geräumt ist. Dafür wäre ich sogar bereit zu spenden – Steuern zahle ich ja nicht, bin ja Student.

  3. Als ich vier Monate nach dem japanischen GAU in Japan war, hatte mein Mitarbeiter einen Geigerzähler – vom Fraunhofer ausgeliehen – bei sich. Erstaunlicherweise gab es eine erheblich erhöhte radioaktive Belastung durch den Interkontinentalflug und bei den Binnenflügen. Aber das ist nicht wirklich etwas Neues. Der einwöchige Aufenthalt brachte dagegen keine gesteigerte Belastung. Eher das Gegenteil. Denn die Umgebungsstrahlung war niedriger als in Bayern. Aber das wußte ich bereits schon vorher.

    Dagegen war die Reaktion der Japaner bemerkenswert, als sie den Geigerzähler sahen. Sie waren neugierig, was das für ein Gerät sei. Und noch stärker waren sie interessiert, was das Gerät an Strahlenbelastung aufzeichnete. Sie selbst hatten diese Werte nicht. Die Gegend, in der ich war, lag im Westen hinter einem Höhenzug von Tokyo.
    Und da wurde mir bewußt, wie dumm wir nach Tschernobyl gehalten wurden: Keine Gefahr, aber bitte vor Betreten des Hauses die Füße abwaschen. Keine Gefahr, aber bitte kein Obst oder Gemüse ungewaschen verzehren. Ferrero Roche warb damals noch fleissig mit “Byzantiner Königsnüsse”, bis dann einige im Atlas nachschauten, wo denn Byzanz sich damals befand.

    Die Verwendung des Geigerzählers hatte ich abgelehnt, weil es keine Sicherheit gegen Strahlung bot. Und das Wissen hätte mir ebenfalls nichts gebracht. Als Bewohner des Tepco-demokratisch-vergewaltigten Landes wäre mir der Geigerzähler wichtig gewesen. Als Besucher war der Geigerzähler nur Gewissensberuhigung, denn die Entscheidung für einen Besuch und dessen Risiken geschah bewussten Wissens.

    Wer Backpulvertüten mit Geigerzähler absucht, der sollte nicht die Bananen vergessen. Sie enthalten eine Stahlendosis von 0.078 μSv (äquivalent zu 15 Bequerel) radioaktiven Kaliums. Und? Was sagt uns das? Gar nichts. Denn Kalium reichert sich nicht an. Mit jeder gegessenen Banane, wird die aufgenommene Menge Kaliums ersetzt und der Rest abgeschieden.
    nebenbei: Was ist Backpulver? Richtig. Es enthält “Kalium tartaricum” (KHC4H4O), was sich nun mal auch in Bananen wiederfindet. Bedrohlich? Nein, eher der Typ mit dem Geigerzähler. Der will den Menschen einreden, dass die Radioaktivität in der Backpulvertüte sich so verhält wie ein Fass mit radioaktiven Produkten. Nur: Backpulver und dessen Kalium reichert sich NICHT im Körper des Menschen an. Genauso wenig wie das Kalium der Bananen.
    Ich habe die Sendung nicht gesehen. Aber mein Wissen über Bananen und den Inhaltsstoffen von Backpulvertütchen und die Strahlenmenge radioaktiver Isotope in Bananen (Kalium), lässt mich diesen dämlichen Taschenspielertrick durchschauen.
    Wahrlich, ein dummer Zirkus schlechten Geschmacks.

    Nebenbei, im englischen Sprachraum gibt es bei der Radioaktivität auch den Begriff “Banana equivalent dose” (BED), um die Strahlung greifbarer zu machen. Und da lässt sich die Strahlung ganz plastisch auf Bananen umrechnen. Das gibt ein wenig Vorstellungskraft. Besonders wenn man sich dann auch noch vorstellen soll, die BED physisch gleich und sofort zu speisen. Und dann ist man wieder auf dem Level der wirklich gefährlichen radioaktiven Strahlung (weil im Körper anreicherbar): es wird einem kotzübel …

    • “Dosimeter” heisst das Ding vom Fraunhofer. Nicht “Geigerzähler”. Sorry.

      • trithemius

        Dankeschön für diese wirklich aufschlussreichen Informationen, mein Lieber. Wäre es nicht Jauchs Aufgabe gewesen, wenigstens annähernd etwas von dem zu sagen, statt hilflos dieses Schmierentheater zu erlauben. Wie schludrig arbeitet seine Redaktion. Und wir zahlen dafür noch Rundfunkgebühren.

        • Es wäre. Aber sie schmieren uns ja gerne an. Die Dummen, dass sind immer wir anderen. Wie schrieb Dürrenmatt? “So vermag heute jeder Esel eine Glühbirne zu Leuchten zu bringen – oder eine Atombombe zur Explosion.” Aber die Hintergründe dazu, die werden ungern erklärt. Denn es bedarf erheblich mehr Esel, um weiter zu machen …

  4. Gezz hörnse ma Herr Careca! Dat is ja wohl ma nen bisken zuviel Text. ….und dann schmeißense auch noch die Fremdworte durcheinander….von wegen Dosimeter und Geigerzähler….Menno! Wie soll denn da son Bildzeitungsleser durchblicken….sollter er überhaupt den Text – so ganz ohne Fotto – überhaupt zuende gelesen haben (wie gesacht…is ja viiiiiiiiiiiiiiiiiiel Text!)..und dann auch noch intelekktuell einsortiert haben. Da is doch son schmuckes Äkspermiment viel eindrucksvoller. Hörense doch auf mitti Bananen. Dat Backpulver hat doch gewonnen!

    • trithemius

      Isch laach misch kapott, leev Klara! Dat is doch ens ne jute Kommentar.

    • Okay, wie du wolle:
      “BANANE STRAHLEN WIE BACKPULVER! MENSCHHEIT WIRD TROTZDEM SO ALT WIE BILD! Wie bei Günther Jauch nachgewiesen wurde, strahlt Backpulver. Wie es auch Bananen tun. Aber alles unschädlich. Natürliche Strahlung, sagt der Experte.”

      Und dann direkt da drunter:
      “TEPCO IN NOT! Säuberungsaktion in Fukushima stockt. Es fehlt Personal. Das wird mit umgerechnet 12 Euro die Stunde bezahlt. Warum schicken wir unsere faulen Hartz-IV’ler nicht rüber? Oder Rentner, die sich noch etwas hinzuverdienen möchten? “Nein, ich will noch ein wenig tanzen”, war darauf die Antwort, der faulen Hartz-IV-Empfängerin, Hobby-Hure und Langzeitstudentin Tamara Barzowski, gebürtig aus Polen. Wie lange lassen wir uns solche Faulheit noch gefallen?”

      So. Demnächst nur noch Einzeiler-Kommentare.

      • trithemius

        Lieber keine Einzeilerkommentare. Die Länge war mal nötig im obigen Fall.

      • Na geht doch! Aba ganz so kurz musses ja gar nich sein. Eben einfach nur hin und wieder ein bischen Textauflockerung durch so ein hübsches Bildchen (z.Bsp. Mädchen mit Banane) damit der hart arbeitende Mensch am Abend nicht durch überdimensionierte Mentalattacken überfordert wird, und noch in Ruhe seine 12-13 kleinen Bierchen genießen kann. Immerhin reichen hierfür die sogenannte Schlicht-Sender als ‘Informationsträger’ allemal aus, bis der Ottonormalkonsument dann in den tatsächlichen Tiefschlaf verfällt. (böse Zungen behaupten ja, dass er erst gar nicht aufwacht……;-/.

        • trithemius

          Jetzt muss ich Careca aba in Schutz nehmen. Man kann leider gar keine Bilder in den Kommentarkasten einsetzen, nur ich darf das, eines der Probleme meiner Blogtechnik, wobei mir vielleicht nur jemand aus der Weltraumforschung helfen kann.
          Hier ein paar von mir sebst gemalte und verstrahlte Bananenrepublik-Bananen:

  5. Lo

    Backpulver! Wie pfiffig!
    Das ist doch d i e Lösung des Entsorgungsproblems!
    Rein ins Klo damit – einwirken lassen – und der Orkus strahlt! Wie neu.
    Und weg ist auch der Atom-Müll!

    Wer es nicht glaubt,
    sclage nach bei http://www.frag-mutti.de

    Zit.:
    “Herkömmliches Backpulver ist das Zauberwort. Bei Ablagerungen von Wasserstein oder ähnlichem, in Waschbecken, Toilette oder sonst wo, einfach ein kleines Tütchen Backpulver aufreißen, ein wenig davon auf die verschmutzten Stellen streuen, Wasser darauf träufeln (am besten eignet sich eine Blumenspritze o. ein Zerstäuber), kurz einwirken lassen und dann mit einem feuchten Lappen abreiben…..” (Zitat Ende)

    http://www.frag-mutti.de/tipp/p/show/category_id/2/article_id/404/Ablagerungen-in-Waschschbecken-oder-Toilette.html

    • trithemius

      “Herkömmliches Backpulver ist das Zauberwort”. Herrliche Zeiten brechen an. Und sogar das Klosett ist strahlend sauber. So ist das Entsorgungsproblem ziemlich demokratisch zu regeln. Jeder trägt dazu bei, die Backpulverhersteller verdienen auch was, und es gibt Kuchen.

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