Was über Kartoffeln, laermende Autoren und so …

Ich habe gestohlen – bei Frau Samtmut. Sie hat ein neues Konzept für ihr hochkulturelles, künstlicheres Blog erfunden. Punkt 2: „Anspruchsloser bloggen“. Oja, habe ich gedacht, das entlastet. Anspruchsloser bloggen – mal weg mit Recherchen, kunstsinnigen Formulierungen, Fotomontagen, wo man die Manipulationen nicht mehr sieht. Und Wissenschaft muss auch nicht immer sein. Früher war ja alles besser, auch mein Bloggen. Ich hatte nämlich anfangs den Ehrgeiz, so einfach wie möglich zu schreiben. Und oft habe ich angefangen zu schreiben und wusste nicht mal was. Dabei stellte sich raus, dass die Wörter sich auch so einfinden wie die Pferde, wenn sie den Stall wittern. Sie kommen einfach an und reihen sich irgendwo ein. Den Sinn bringen sie gleich mit. Das ist bequem.

Einmal schrieb mir ein bayerischer Autor eine E-Mail und fragte an, ob ich auf einem literarischen Autorenblog veröffentlichen wolle, dessen Moderator er sei. Prima, habe ich gedacht, die Südlichter können ruhig mal was von einem Rheinländer lesen, und habe zugesagt. Eine Weile hörte ich nichts mehr vom bayerischen Autor. Dann las ich plötzlich im Internet: Die Mitglieder des Autorenblogs Die Laermende Akademie hätten Teppichhaus Trithemius abgelehnt. „Was?!“, habe ich gedacht, haben die mich gefragt, damit sie mich öffentlich ablehnen können? Das ist ja die Höhe. Das kriegen die wieder.

Bisher hatte ich mir dieses Literaturforum nur flüchtig angeguckt, aber jetzt wollte ich doch wissen, wer mich da abgelehnt hatte und was die so schrieben. Sie alle waren sich stilistisch ähnlich, nämlich hochartifiziell in der Sprache. Lauter gespreizte Wendungen, von denen sie sicher sein konnten, dass noch kein normaler Mensch drauf gekommen war. Und „Kartoffeln“ oder Rüben kamen denen erst gar nicht in die Texte. Na, deren Kopf möchte ich aber nicht haben, habe ich gedacht. Dann habe ich dem bayerischen Autor eine Mail geschrieben. Ich hätte erst jetzt gesehen, was und wie er und seine Autoren schreiben und hätte gefunden, dass ich mit meinen Texten stilistisch gar nicht dazupasse. Denn ich hätte den Ehrgeiz, so einfach wie möglich zu schreiben.

Für eine gelungene Rede gebrauche gewöhnliche Worte
und sage ungewöhnliche Dinge.

(Arthur Schopenhauer)

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