Alles muss man selber machen – im surrealen Alltag

Im Supermarkt hatte ich schlechte Laune. Sie war aber schon vorher da gewesen. Mit leiser Verachtung habe ich meinen Einkauf in den Einkaufswagen geräumt und fand an den beiden offenen Kassen zwei Schlangen von bezahlwilligen Kunden. Leider stand ich so, dass ich querende Kunden durchlassen musste. Da kam so eine querende Kundin daher, querte aber nur halb und blieb vor mir in der Schlange stehen. Ich rief ihr in den Rücken: „Hallo, ich warte auch hier in der Schlange!“ Sie drehte sich um, sagte: „Mein Gott!“ und schob sich an mir vorbei nach hinten. Dabei schnaubte sie erneut: „Mein Gott!“ Wie sie hinter mir stand, sagte sie: „Mein Gott, kein Problem.“

Ich war jetzt ein wenig verärgert. Was hatte Gott mit alldem zu tun? Wir anderen Kunden in den beiden Schlangen riefen auch nicht andauernd nach Gott. Man stelle sich nur diese Jammerei vor. Darum sagte ich zu ihr: „Warum stellen Sie sich nicht gleich hinten an, wenn es für Sie kein Problem ist?“ Da war sie still und fügte sich. Aber das gab mir keine Befriedigung. Sofort ärgerte ich mich über meine Worte und dachte: Oje, hab ich aber schlechte Laune. Andererseits, so versuchte ich mich zu trösten, sie hat mich dreimal „mein Gott“ genannt. Ich hatte ihren Anruf erhört und ihr gegeben, was ihr zukam.

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13 Antworten auf Alles muss man selber machen – im surrealen Alltag

  1. trithemius

    Für gute Laune mal eben auf das Haifischlogo klicken.

  2. chap

    Haha … das passiert mir auch oft so ähnlich.
    Erst stellt sich da in der Warteschlange, in der ich warte, so unschuldig jemand neben mich, als würde der zu mir gehören. Und ich schaue diese Person ziemlich verwundert an. Und dann steht dieser Jemand mit einem Mal vor mir. Die Reaktion, wenn ich diese Person dann darauf hinweise, dass sie nicht vor mir, sondern nach mir an der Reihe ist, ist auch immer beleidigt sein.

    Jetzt, mit zeitlichem Abstand finde ich diese Szenen auch lächerlich. Aber aktuell sind sie nichts als lästig und ärgerlich.

    • trithemius

      In der Mensa geht dieser Trick noch besser. Manche sehen einen Bekannten weit vor sich in der Schlange, stellen sich ganz wie arglos zu ihm und fangen an zu plaudern, um dann in die Schlange einzurücken. Da wagt nie jemand was zu sagen.

  3. Wat’n nu los! Du bist ja noch miesmöppiliger drauf, als ich in meinen tiefsten Depressionen. Also die Aufplusterer in der Supermarktkassenschlange sind eigentlich nicht meine Freunde, tu mir das nicht an. Ich denke immer, der oder die, die sich vordrängeln, werden schon ihre Gründe haben, denn auch bei mir gab es mal Zeiten, wo ich einiges husch, husch zwischen Tür und Angel erledigen musste, und dankbar war für ein “Gehen sie ruhig vor” war.
    Es war eigentlich nicht die Zeit, die an einem zerrte, wenn man dort frustran herumlungerte, sondern die Nervosität, die diese kurze Zeit Einhalt nicht erlaubte, in der man so schön die Leute hätte beobachten können.
    Ach was soll’s, wenn die Sonne wieder scheint, sind alle misanthropischen Anwandlungen hoffentlich verflogen.
    :-)

    • trithemius

      Leider, leider, einmal im Jahr habe ich schlechte Laune, meistens im Winterhalbjahr. Was muss sie auch “Mein Gott” zu mir sagen, ich bin schließlich Atheist. Und schlimm war auch, es schien sogar die Sonne. Man kann sogar sagen, der Himmel lachte. Aber ich war so voller Grimm, dass ich dachte, der lacht über mich. Das freilich entschuldigt mein Verhalten ganz und gar nicht. Sie hatte nämlich nur ein Teil in der Hand. Ich glaube, es waren Kekse. Die arme Frau.

  4. Wenn mich jemand anpflaumt, weil ich mich vorgedrängelt habe – natürlich unabsichtlich und weil ich dachte, der andere merkt es nicht – entschuldige ich mich sofort, mache Platz und zeige dem ‘Pöbler’ dadurch, wie unfreundlich er ist. Selbst schuld, er hätte mich ja auch vorlassen können.

    • trithemius

      Wenn du dich vordrängen würdest bei mir, da bin ich sicher, es käme mir freundlich vor. ;)

  5. Gestern wollte sich ein Gedanke bei mir in meiner Schlange der Ideen vordrängeln. So nicht, sprach ich den vorwitzigen Gedanken an. Ich habe ihn verdrängt. Nach hinten. Seitdem bin ich so gedankenlos schlecht gelaunt.

    • trithemius

      Dazu schreibt Schopenhauer: “Die Gegenwart eines Gedanken ist wie die Gegenwart einer Geliebten. Wir meynen, diesen Gedanken würden wir nie vergessen und diese Geliebte könnte uns nie gleichgültig werden. Allein aus den Augen aus dem Sinn! Der schönste Gedanke läuft Gefahr, unwiederbringlich vergessen zu werden, wenn er nicht aufgeschrieben (…).”

      Wenn mein Kopf gedankenleer ist, bin ich auch schlecht gelaunt und sorge mich, ob’s je wieder anders wird.