Papiere des PentAgrion (26) – PentAgrion tritt auf

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Frau Holle

„Was machen Sie da?“

„Das sehen Sie doch. Ich umrunde den Dreiländerpunkt.“

„Sieht ulkig aus.“

„Mir egal. Was machen Sie hier, Gina? Ich habe Ihre Post schon bekommen, konnte sie nur nicht lesen. Reisen Sie mir hinterher bis auf den Dreiländerpunkt, um mich abzufragen?“

„Warum sollte ich Ihnen hinterher reisen? Es ist nicht erforderlich, denn ich bin in Ihrem Kopf.“

„Wie das? Dann hätten Sie mich eben nicht gefragt, was ich hier mache.“

„Ich wollte Sie nur ein bisschen necken, weil Sie zwar meine Briefe haben, nicht aber Ihre Blickrichtung ändern, obwohl sie um den Obelisken laufen. Sie müssten längst wissen, wer PentAgrion ist.“

„Dann helfen Sie mir, damit die Suche ein Ende hat.“

„Wenn Sie suchen, werden Sie nicht finden. Schauen Sie auf den Absender der Briefe. Den werden Sie unter der Sonne auch ohne Brille lesen können.“

„Gina Egport“

„Ja, so heiße ich. Was sagt Ihnen das?“

„Beinah alles. Wenn Sie in meinem Kopf sind, bin ich auch in Ihrem, da wir so dicht beieinander stehen. Gina Egport ist ein Anagramm. Sie sind PentAgrion.“

„Das hätten Sie schon früher herausfinden können, bei veränderter Blickrichtung. Wie kamen Sie auf die Idee, PentAgrion sei ein Mann?“

„Wegen Stijn van de Voorde, Aldebert, und weil ich dachte, „grion“ klingt männlich. Und jetzt kommen Sie einfach so vorbei und lösen im Handstreich alles auf. Allerdings fehlt in Ihrem Namen ein ‘n’.”

“Eine kleine Unstimmigkeit. Sagten Sie nicht, das Perfekte ist hässlich?”

“Gut. Aber was ist mit meinem Obernachbarn, vor dem Sie mich gewarnt haben?“

„Gar nichts. Ich wollte nur Ihre Aufmerksamkeit wecken. Sie hatten sich im grauen Netz verirrt.“

„Meinen Sie das Internet?“

„Genau. Und es ist anders als Sie glauben, ein graues Netz. Man kann es gelegentlich ein bisschen aufhellen. Aber weiß wird es nie.“

„Was ist Ihrer Meinung nach das weiße Netz?“

„Ganz einfach, es braucht keine Kabel. Es besteht aus gemeinsamen Ideen. Damit sie sichtbar werden, müssen graue Kommunikationsnetze genutzt werden, Internet und alle Kommunikationskanäle, die der Mensch noch kennt, besonders die persönlichen Kontakte. Nur von dem Schwarzen Netz und seinen Dienern halte man sich fern. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen. Ich habe auf der Erde nur ein Praktikum gemacht. Und es war recht schwer für mich. Derzeit sieht es nicht gut mit Ihrem Globus aus, und ich wäre geneigt, die Erde abzuschreiben. In Ihren Worten: “Der Mensch macht zuviel Mist.“

„Ach du liebe Zeit. Wir alle sind nur Volontäre im Internet und im Leben. Keiner von uns kennt sich gut genug aus, weil die vielen Netze kaum zu durchdringen sind.“

„Selbstbegrenzung und Balance, das ist der 1. Schlüssel.“

„Halt, Gina! Und die anderen Schlüssel?“

„Haben Sie vergessen, dass hinter jeder Antwort eine neue Frage wartet? Finden Sie vier weitere Schlüssel, das reicht.“

Gut, ich will es kurz machen. Der Jesuit Gracian sagt, man solle sich zu Guten gesellen. Das ist kein wirklich gutes Konzept. Gracian vermittelt in seiner Kunst der Weltklugheit überwiegend Machtstrategien. Er zeigt, wie man andere benutzen kann, indem man ihnen Energie abzieht. Man muss Gracians Ideen erweitern, denn sein eigenes Leben zeigt, das man durch solche Strategien ins Unglück rennt. Bei Aldebert war es vermutlich ähnlich. Er setzt unerlaubte Mittel ein, und aus denen kann nichts Gutes erwachsen.

2. Schlüssel: Starke teilen ihr Selbstvertrauen.
3. Schlüssel: Etwas mehr geben, etwas weniger nehmen.
4. Schlüssel: Achtsamkeit und kritischer Verstand.
5. Schlüssel: Die Plausibilität der Ereignisse knüpft sich an Realistisches.

Dazu ein Gleichnis: Angenommen, du bist als Hähnchen geboren und hast dir in den Kopf gesetzt, Opernsänger zu werden. Dann sind deine Aussichten schlecht. Du kannst hoffen und glauben, wie du willst, kannst dir sogar die Psychotechnik des Positiven Denkens draufschaffen oder einen Wunsch ans Universum schicken. Du musst dran glauben, und das ist dein Tod. Glaube kann eben nicht Berge versetzen, allenfalls im Märchen. Plausibel ist in deinem Fall, dass du in einem Schlachthaus mit den Füßen nach oben in ein Beförderungsnetz gehängt wirst, und eine vollautomatische Maschine köpft dich. Dann wirst du verpackt und man verschifft dich nach Afrika. Dort wirst du unter Wert verkauft, bis die einheimischen Züchter unter dem Konkurrenzdruck eingehen. Du vernichtest die Lebensgrundlage vieler Familien, obwohl gar nicht ganz da, sondern nur Teile von dir, die in Europa niemand essen will. Man kann sein Leben … ach, entschuldige, du bist nie ein Hähnchen gewesen, … man kann das Leben positiv beeinflussen, wenn man sich erreichbare Ziele steckt, Stufen, die man bewältigen kann. So stellst du deine Hoffnungen auf Füße. Das ist der Ausgleich zwischen der Magie des Lebens und deinem Verstand.

Wir haben fünf Schlüssel gefunden. Sie zusammen sind das Konzept der Sozialen Energie. Man könnte die Schlüssel auch anders nennen, denn nicht alles ist bedacht. Ich habe nur einen Kopf und konnte diese fünf Schlüssel nur mit eurer Hilfe zusammentragen. Dann habe ich sie vorgestellt, so gut es ging. Das Konzept der kreativen sozialen Energie versucht den Ausgleich zu finden zwischen Glauben und Wissen. Damit die soziale Energie fließen kann, müssen Menschen den Wunsch entwickeln, mit ihren Mitmenschen und den Dingen ungefähr auf Augenhöhe zu sein. Als ich meine Schriftsetzerlehre begann, war ich noch zu klein und reichte mit dem Arm nicht an die Großbuchstaben heran. Sie liegen im schräg aufgestellten Setzkasten in den oberen beiden Reihen. Deshalb brachte mir mein Meister ein Bänkchen, auf das ich mich stellen konnte. Dazu bückte er sich zu mir hinab und war für einen ausreichenden Moment auf meiner Augenhöhe. Unter diesen Bedingungen konnte ich an die Versalien heranwachsen.

Etwa auf Augenhöhe zu sein mit anderen, ist mir seither wichtig. Ich kriege sonst Rücken- oder Nackenschmerzen. Für die Papiere des PentAgrion musste ich nicht nur um mich schauen, sondern auch immer wieder nach unten und oben. Daher brauche ich ein bisschen Urlaub und ziehe mich langsam in die vernünftige Selbstbegrenzung zurück.

Die Papiere der PentAgrion haben mich bereichert. Es war ein erstes Projekt der Sozialen Energie, und der Anstoß kam von Gina Egport, einem weiblichen Wesen. Das sollte uns zu denken geben. In dieser Form war unser Projekt nur im Internet möglich. Inhaltlich wurde der interaktive Netzroman mitentwickelt durch die anderen Autoren und Kommentatoren. Sie alle sind aufgeschrieben. Ohne euch wäre das Projekt nicht viel wert, so aber könnte es sich gut entwickeln. Nur eines noch:

=> Fortsetzung: Ein Papier der Pentagria verschwunden

PentAgrion---Registratur
:idea: E I N H A R D S _ I N D E X – Das systematische Verzeichnis zu den Papieren des PentAgrion – erhellende Zitate, Hintergrundinformationen, Spekulationen, interne & externe Verknüpfungen, PentAgrion in anderen Blogs

=> Schlüssel zu den Papieren des PentAgrion, weitere Handlungsstränge und diverse Verknüpfungen

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22 Antworten auf Papiere des PentAgrion (26) – PentAgrion tritt auf

  1. Wunderbar! Weisses Netz! Technisch uneingeschränkt, Ideen beladen!

    Doch was steckt hinter dem Doppelpunkt am Ende des Textes?..

  2. Es stimmt, dieses Projekt hat Energien freigesetzt. Konstruktive Energien. Positive.

    Derzeit sieht es nicht gut mit Ihrem Globus aus, und ich wäre geneigt, die Erde abzuschreiben.

    Wenn alles auf der Erde kein Mist wäre, wie sollte man dann das auffinden können, was kein Mist ist? Es wäre ein Leben in Tautologien.

  3. Also, ein Teil meiner Neugier ist nun natürlich befriedigt. Hätt ich mir denken können/müssen, dass die Postbotin ein Schlüssel ist.
    Aber was wolltest du uns am Schluss noch mitteilen?! *ungeduldig auf der couch rumzappel*

  4. ich habe mich begrenzt – schlüssel eins ist jetzt knapp vier jahre her und damit endet es?

    machs gut!

  5. …Selbstbegrenzung und Balance, Selbstvertrauen, das sich durch Teilung vervielfältigt, die soziale Idee, mehr geben als zu nehmen, und zum Schluss Achtsamkeit, kritischer Verstand und realistische Ziele. Mit diesen Schlüsseln lässt sich jede Tür in ein weltliches Glück öffnen…
    Eine wunderbare Aussicht auf kommende Zeiten.
    Vielen Dank für diesen Erkenntnis!

  6. Hab’ ich ja gleich gewußt, die Gina isses.

    Gruß
    Meier

    • … und bei Egmond wurde der Ich-Autor ganz wach – Egmond hat doch sicher einen Hafen-, und vom Anagramm wurde in den Papieren auch mit Sicherheit gesprochen, aber ich finde nicht mehr, wann und in welchem Zusammenhang.
      Und außerdem Egport verarbeitet eigentlich Baumwolle, nichts mit Kaschmir, aber bei “tibetischrot” denkt man ja automatisch mehr an Baumwolle. Aber was kennt sich so’n “Papierfuzzi” schon mit Stoffen aus.
      :) )
      :

      • Der Zusammenhang von Egport und Egmond war mir natürlich auch sofort aufgefallen, mal sehen … “Mond” ist holländisch für ‘Mund’, frei übersetzt: Mündung – ahAA! Port – der Hafen … Mündung, Hafen – da haben wir’s: Egmond und Egport meinen das selbe, PentAgrion kann also nicht nur in der Zeit herumreisen, sondern auch frech das Geschlecht wechseln: Aldebert im 8. Jahrhundert, Gina Egport im 21., als Königin (‘regina’) der Schiffbrüchigen in Zeit und Raum und hafenlosen, müden Blogger – Trithemius hat wahrscheinlich schon ein Zimmer in einer Pension in Egmond gebucht, um sich zu erholen, trifft sich da mit Coster und Gina und trinkt guten Wein aus alten Gläsern.

        PS: Die Firma Egport kommt aus Indien – und wo wohnt der immer in tibetischrot gewandete Dalai Lama? Genau, in Indien. Eine weitere Inkarnation des/der PentAgrion?

        Fragt sich, den roten Hut lüpfend,
        Meier

  7. „Das hätten Sie schon früher herausfinden können, bei veränderter Blickrichtung. Wie kamen Sie auf die Idee, PentAgrion sei ein Mann?“
    Recht hat die Dame, man hätte ordentlich lesen sollen.
    “Wo sich das Männliche manifestiert steht Error.”
    und ein wenig weiter unten “… die Besitzerin des Weltwissens …”

    Na denn.
    :-)

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