Frau Nettesheim verdient sich einen Kaffee

trithemius & Frau NettesheimTrithemius
Liebe Frau Nettesheim, bezaubernde Hohe Frau, beste Teppichhausfilialleiterin des Erdballs. Stets lassen Sie mich ratlos, ob ich Ihre Schönheit oder Ihre Klugheit preisen soll, …

Frau Nettesheim
Heuchler, Schmeichler, Lügenbaron, was wollen Sie von mir?

Trithemius
Wären Sie gegebenenfalls bereit, mir einen Gefallen zu tun, der nur einen geringen Einsatz Ihrer Klugheit erfordert und nebenher geadelt würde durch Ihre Schönheit? (Völlig zu Unrecht, hehe!)

Frau Nettesheim
Und wären Sie bereit, sich Ihre barocken Phrasen zu sparen und endlich zu sagen, worum es geht.

Trithemius
Ähem, könnten Sie einmal den Advocatus diaboli spielen? Der Aufwand wäre gering für Sie. Denn die Fragen brauchen Sie nur aus den Kommentaren zu meinem letzten Teppich zu extrahieren.

Frau Nettesheim
Ist der Ihnen nicht ein bisschen zu groß geraten?

Trithemius
Ganz und gar nicht. Dieses lange Textil ist nur unerquicklich, wenn man es am Bildschirm betrachtet. Man kann den Text ja ausdrucken und in die Hand nehmen, denn ich finde, die Medien Druck und Blog sollten sich gelegentlich verbünden. Das gilt in diesem konkreten Fall, aber auch im übertragenen Sinne, bezogen auf Zeitung und Weblog. Viele Blogger profitieren vom Printmedium, aber es ist noch eine Einbahnstraße. Die meisten Printjournalisten sitzen auf dem hohen Ross, und aus der Distanz sieht man schlecht.

Frau Nettesheim
Ich kann nachvollziehen, dass sie sich nicht wie Fußgänger durch den Wildwuchs am Boden kämpfen wollen.

Trithemius
Ja, aber das müssen sie bei allen Themen machen, wenn sie sich gründlich und fundiert damit auseinander setzen wollen. Die Welt war noch nie ein bequemer Rasen, der sich bis zum Horizont überblicken lässt. Wer ein solch einfaches Weltbild hegt und auf dem Ross dahertrabt, ist nur ein alberner Ignorant, und Ignoranz ist ein Anschlag auf die eigene Intelligenz. Es kommt ja auch kein vernünftiger Mensch auf die Idee, den Dschungel zu verfluchen, weil keine Autobahnen hindurchführen. Die Biologen, die dort erforschen, was wächst und gedeiht, müssen sich zu Fuß vorkämpfen.

Frau Nettesheim
Wundert es Sie, wenn sich viele Leute gar nicht mit dem Medium Blog beschäftigen wollen? Schließlich wuchern da belangloses Unkraut, übelriechende Schmarotzerpflanzen und sogar giftige Gewächse.

Trithemius
Ich glaube, wir sollten nicht länger im Bild bleiben, denn wir wissen, dass in der Summe all diese Pflanzen den für den Globus lebenswichtigen Regenwald bilden.

Frau Nettesheim
Also, dann ganz konkret: Die Blogs weisen überwiegend belanglose und dumme Inhalte auf. Man kann darauf verzichten, sie zu lesen.

Trithemius
Dann spiegeln die Blogs also, dass die meisten Menschen blöd im Kopf sind. Aber die Finanz- und Wirtschaftskrise, Hunger, Kriege, weltweite Ausbeutung und die Vernichtung der Ressourcen führen uns vor Augen, dass vor allem die Herrschenden in Politik, Wirtschaft und in der Finanzwelt blöd im Kopf sind. Kann man den einfachen Menschen dann verdenken, dass sie sich an diesen Leuten orientieren. Sie wissen es doch nicht besser. Denn die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Religion setzen die Normen, bestimmen die Handlungs- und Verfahrensweisen und entscheiden über die Schicksale der Ohnmächtigen. Sie entscheiden letztlich auch, wie gebildet ihr Fußvolk ist. Und wenn sie selbst blöd im Kopf sind, müssen sie dafür sorgen, dass das Fußvolk noch blöder ist, denn sonst könnten sie ja ihre Herrschaft nicht mehr legitimieren.

Frau Nettesheim
Der Mensch ist eben unbelehrbar.

Trithemius
Im Gegenteil. Jeder Mensch ist bei seiner Geburt ohne Programm, um einmal ein technisches Bild zu wählen. Die Hardware ist ihm mitgegeben. Aber sie ist bei jedem gesunden Menschen sehr komplex und bietet vielfältige Möglichkeiten, und es kommt darauf an, welche Software man ihm aufspielt. Je klüger die Software, also die Erziehung, desto besser kann ein Mensch seine Anlagen entfalten. Es gibt viele herausragende Persönlichkeiten, Künstler, Wissenschaftler, Handwerker, Techniker, … – ja, Menschen können sogar eine herausragende Persönlichkeit entwickeln, die vieles vereint. Aber alle sind nur vorbildhafte Persönlichkeiten, wenn auch ihre Fähigkeit entwickelt ist, Mitmensch zu sein. Nur wenn der Mensch in der Lage ist, seine egoistischen Triebe zu zügeln, ist er wirklich klug, und nur eine allgemein entwickelte Klugheit sichert das Überleben der Gattung. Und da die Gattung Mensch die Macht über alle anderen Arten an sich gerissen hat, werden die meisten Arten mit dem Menschen untergehen, mal abgesehen von den Kakerlaken. Das sind vermutlich Außerirdische.

Frau Nettesheim
Aber der Karren steckt im Dreck. Wir können nichts machen, auch die wenigen einsichtigen Blogger nicht. Sie neigen dazu, ihren Einfluss zu überschätzen.

Trithemius
Alles Große ist schwer zu bewegen. Und so kann auch ein einzelner Blogger nichts erreichen. Aber er kann Mulitplikator sein, und er kann sich mit anderen Multiplikatoren im Blog und in den anderen Medien vernetzen. Vor allem muss er, wenn er einen gesellschaftlichen Auftrag verspürt, an die Lernfähigkeit des Menschen glauben. Jeder Lehrer, jeder in einem sozialen Beruf, jeder verantwortungsvolle Journalist kommt ohne diesen Glauben an den Menschen nicht aus.

Frau Nettesheim
Gut, dann würde ich die Rolle des Advocatus diaboli gern wieder lassen. Jetzt weiß ich, warum Sie mich mit Ihren übertriebenen Schmeicheleien geködert haben. Es macht keine Freude, am zarten Pflänzchen Blog herumzuzerren und zu sagen: „Du wächst ja nicht.“

Trithemius
Oh, das tut mir Leid, Hohe Frau. Dann mache ich Ihnen jetzt zum Dank und als Entschädigung einen Kaffee.

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34 Kommentare zu Frau Nettesheim verdient sich einen Kaffee

  1. Frau Nettesheim hat vollkommen recht: Viele »Blogs weisen überwiegend belanglose und dumme Inhalte auf. Man kann darauf verzichten, sie zu lesen.«

    Doch sie spiegeln nicht, dass die meisten Menschen blöd im Kopf sind. Sie zeigen, dass sich die meisten Menschen nur mit sich und dem Teller, von dem sie essen, beschäftigen wollen. Insofern sind diese Blogs nicht mehr und nicht weniger als ein Pendant dazu, was uns in den meisten Fernsehprogrammen vorgesetzt wird, und das schauen diejenigen, denne noch ein Rest Grütze im Kopf verblieben ist, doch auch nicht; und beides wiederum spiegelt den kulturellen Zustand einer Gesellschaft, dessen Niedergang von ein paar Bloggern nicht geändert werden kann.

    Seien wir ehrlich: letztlich schreiben wir nur für die wenigen, die auch lesen wollen und im Lernen einen Zugewinn erkennen. Unsere Zielgruppe ist und bleibt die kleine radikalen Minderheit, die schon immer bellte, während die Karawane sehenden Auges in den Abgrund zog.

    A. Paul Weber illustrierte das seinerzeit wie folgt:

    • Man ist geneigt, dir Recht zu geben. Aber ich habe keine Lust, den gefährlichen Zustand unserer Gesellschaft einfach hinzunehmen. Solange ich die Gelegenheit zum Schreiben habe, werde ich mich auch mit Kritik und Gegenentwürfen beschäftigen. Ich möchte auch kein Medium in Bausch und Bogen verdammen. Beim Fernsehen beispielsweise geschieht es oft, dass ich mir einen Beitrag anschaue und anschließend leise applaudiere, manchmal sogar hingerissen bin. Leider muss ich dazu ziemlich lange aufbleiben, denn die Verantwortlichen beim Fernsehen verstecken diese genialen Beiträge im Spätprogramm.

      Mit blöd im Kopf meine ich ja nicht, dass die Leute nichts wissen, sondern in Teilen das, was du hier anders umschreibst. Um in deinem Bild zu bleiben:

      Die menschliche Gesellschaft sitzt an einer sehr langen Tafel. Die Speisen werden von oben nach unten gereicht. Jeder kluge Tischherr muss darauf achten, dass alle an der Tafel etwas abbekommen, nicht nur die Fresser und Prasser am oberen Ende, sonst wird der Nachschub bald ausbleiben, und es entbrennen blutige Kämpfe um die Reste. Wer weiter unten an der Tafel sitzt, sollte auch nicht warten, bis dieser chaotische Zustand erreicht ist, sondern sich beizeiten fragen, warum auf seinem Teller immer weniger landet und manche sogar gänzlich leer ausgehen. Denn auch er hat eine Verantwortung für alle, weshalb es ratsam wäre, die da oben zu mahnen.
      Wo es am Überblick für die ganze Tafel fehlt, herrscht Blödheit.

      Ich glaube auch nicht, dass nur wenige sich Sorgen machen und etwas ändern wollen. Ihr Problem ist vielmehr, dass sie zu vereinzelt sitzen. Hier bietet das Internet aber eine Möglichkeit der Fernkommunikation, wie es sie nie zuvor in der Menscheitsgeschichte gegeben hat. Wenn die Menscheit also jetzt nicht in der Lage ist, das Lemminghafte aufzugeben, das Weber in seiner eindrucksvollen Zeichnung zeigt, wird sie gewiss keine weitere Chance mehr bekommen.

      • Ich finde, Rupi hat recht. Und noch ein weiterer Aspekt macht das Bloggen so substanzlos und verdient Erwähnung: seine Geschwindigkeit.
        Ich war ein paar Tage nicht auf blog.de und jetzt noch zu kommentieren ist eigentlich ein witzloser Beitrag. Der Hund, wenn du mir den respektlosen Vergleich erlaubst, hat gebellt und die Karawane ist schon längst weiter. Die Diskussion um deinen sorgfältig und schön geschriebenen Beitrag hat gerade mal 12 Stunden gedauert und schon ist sie im Orkus des World Wide Web.
        Blog.de ist eine riesige Kläranlage, in der jeder Beitrag automatisch zur Scheiße wird. Und weil es so schnell geht, sind die meisten Beiträge auch bloß Dünnpfiff. Da trägt niemand schuld daran, es ist im Medium selbst begründet. Auf diese Weise begriffen und genutzt macht das Bloggen, finde ich, richtig Spaß! Verspricht man sich etwas anderes oder mehr davon, kriegt man Bauchschmerzen oder Verstopfung.

        • Lieber Sittingfool,

          die Reaktionen auf Blogtexte sind nicht ganz so kurzlebig wie du sagst. Das kannst du an den Kommentarverweisen in der Randspalte sehen. Viele Texte werden per Suchphrase über Google gefunden, oder manche sind an prominenter Stelle verlinkt, z.B. bei Wikipedia. Über ein externes Tool, das ich seit Sommer 2007 habe, das also nicht den gesamten Zeitraum umfasst, kann ich sehen, welche Texte am häufigsten gelesen werden und wie lange der Leser verweilt hat. Der unangefochtene Spitzenreiter ist ein bei Wikipedia verlinkter Beitrag über Handschrift:
          http://abcypsilon777.blog.de/2006/05/31/einiges_uber_handschrift~843628/

          dicht gefolgt von einem über das Alphabet, der bei wikipedia meines Wissens nicht verlinkt ist:
          http://abcypsilon777.blog.de/2005/12/10/freie_bloguniversitat_das_alphabet~376154/

          und einem frühen Dialog mit Frau Nettesheim:
          http://abcypsilon777.blog.de/2005/11/29/vom_sterben_im_hellen_betrachtet~346352

          Zu den ersten beiden bekomme ich immer wieder mal neue Kommentare, und das geschieht bei vielen anderen Texten auch. Natürlich gibt es auch Texte, die mir am Herzen liegen, aber nur wenige Leser gefunden haben, ein Grund, weshalb ich an Manuskripten arbeite für eine Buchfassung.

          • Mir sind übrigens noch wesentliche Gegenargumente erst heute Nachmittag eingefallen, lieber Sittingfool: Wer liest denn eine Zeitung von vorgestern? Wer weiß nach zwei Tagen noch im Detail zu berichten, was er im Fernshen gesehen hat? Und wer erinnert noch ein Radio-Feature? Gegenüber der Zeitung haben Blogtexte den Vorzug, keine Alterungsspuren zu tragen, also immer aktuell zu wirken, und so flüchtig wie Radio- und Fernsehbeiträge sind sie allemal nicht. Und dann die Resonanz. Kein Printjournalist, kein Buchautor hat soviel Resonanz wie ein Blogautor.

          • Lieber Jules,
            da hätte ich vor Staunen über diese schönen und gelehrten Texte beinahe vergessen, was ich sagen wollte. Aber gerade angesichts dieser sorgfältigen Beiträge fällt es mir auch gleich wieder ein, denn es drängt sich auf: das Internet per se wird als Medium dem, was ich (am Ende eines Tages 😉 ) als Qualität über den Tag hinaus empfinde, nicht gerecht. Ich freue mich, wenn du an einem Buch arbeitest.

    • Ich erlaube mir, Kommentator Rupi und stichwortgebendem Autor Jules geradezu tosenden Beifall zu kredenzen.

      Ich shcätze besonders bei euch beiden die stets wortgewandten, humoristischen Beiträge, denen es gelingt, durchaus gewichtige Fragen leichtfüssig scheinend aufzuwerfen

    • Es gibt auch Blogs die kommerziell ausgerichtet sind, die dem geneigten Leser im Prinzip nur etwas verkaufen wollen.

      Bücher zum Beispiel hihi

  2. also lieber jules deine blogbeiträge die lohnen sich immer auszudrucken, was ich auch oft da bei dir mache, aber das meiste andere blogzeugs ja eigentlich eher nicht, da genügt scrollen ;D auch wenn sich das jetzt etwas überheblich liest!
    ich wünsche dir ein schönes pfingsten, bin ab morgen im urlaub …
    liebe grüsse
    vom ludi
    ps: klasse-nettesheim-dialog!

    • Das meiste nicht, lieber Ludi. Trotzdem ist es soviel, dass ich oft staune und von der Fülle überwältigt bin. Es geht auch nicht nur um die Blogs mit gesellschaftskritischen Themen. Das semantische Lernen umfasst mehr, wie Fritzsche auch sagt, was ich aber weglassen musste. Das semantische Lernen setzt bei jedem schöpferischen Prozess ein, der zur Aneignung von Wirklichkeit taugt, also auch in künstlerischer Gestaltung mit Mitteln der Sprache, auf die du dich meisterhaft verstehst, Mitteln der bildenden Kunst oder der Musik. Freilich muss das Isolierte, Selbstbezügliche ergänzt werden durch soziales Denken, damit alles gesellschaftlich wirksam sein kann.

      Lieben Gruß und vielen Dank
      Jules

  3. also lieber jules deine blogbeiträge die lohnen sich immer auszudrucken, was ich auch oft da bei dir mache, aber das meiste andere blogzeugs ja eigentlich eher nicht, da genügt scrollen ;D auch wenn sich das jetzt etwas überheblich liest!
    ich wünsche dir ein schönes pfingsten, bin ab morgen im urlaub …
    liebe grüsse
    vom ludi
    ps: klasse-nettesheim-dialog!

  4. also lieber jules deine blogbeiträge die lohnen sich immer auszudrucken, was ich auch oft da bei dir mache, aber das meiste andere blogzeugs ja eigentlich eher nicht, da genügt scrollen ;D auch wenn sich das jetzt etwas überheblich liest!
    ich wünsche dir ein schönes pfingsten, bin ab morgen im urlaub …
    liebe grüsse
    vom ludi
    ps: klasse-nettesheim-dialog!

  5. Die Welt war noch nie ein bequemer Rasen, der sich bis zum Horizont überblicken lässt.

    „Und jetzt mal ganz unter uns. Ich sach ja immer, der Ball ist rund und die Erde ist n Dorf. Und die Welt passt innen Stadion. Und wer ist der Chef vom Stadion. Ich.“ Fritz Eckenga beim täglichen „Kabarett im WDR2“.

    Alles Große ist schwer zu bewegen. Und so kann auch ein einzelner Blogger nichts erreichen.

    Wenn er es drauf anlegt, wird er es nie schaffen. Groß wird man nur, wenn andere einem auf die Schultern nehmen. Aber wenn wer sich tragen läßt, so muss er damit rechnen als korrumpiert bezeichnet zu werden. Niemand kann Multiplikator sein, man wird dazu gemacht. Es gab mal einen Artikel beim „Spiegel“, der einige Blogger von blog.de auf die exklusiven Schultern des Spiegels hievte. Sie erhielten ungeheuren Zulauf, auch wenn sie im Grunde nur 08/15-Blogs waren. Der anschließende Fall von den Schultern war dann tief. Jene Blogs gibt es nicht mehr. Blogs sind nichts anderes wie Stadien. Besucher kommen rein, feuern an, popularisieren. Und irgendwann bleiben die Zuschauer aus. Obwohl sich nicht viel getan hat. Aber die „Big Brother“-Quote unter den Blogs bleibt konstant.
    Wie hatte mir mal ein Mitleser in einem ausufernden Kommentar-Bereich eines meiner Post treffend geschrieben, zu dem Inhalt seines eigenen Blogs und wie er dazu stehe:
    „Alles andere ist Marketing.“

    • Ich meinte eigentlich, dass die Größe aus der Vernetzung der Kleinen entsteht. Die Kraft steckt im Netz, und sobald sich welche auf die Schultern heben lassen, um ihre Eitelkeit zu befriedigen, mindern sie die Kraft.

      Allerdings braucht so ein Netz auch solche Stellen, wo die Kraft erzeugt wird. Solche Knotenpunkte kann jeder mit Verantwortungsbewusstsein bilden.

      Ich staune über die Resignation, die mir hier begegnet. Aber ich kann es auch verstehen. Es gibt einfach zuviele negative Erscheinungen. Und was ich hier skizziere, verlangt Hoffnung.

      Marketing ist ja nicht grundsätzlich schlecht. Wer etwas gestalten will, muss auch darauf achten, des es eine Form hat, die andere nachvollziehen können. Nur wenn sich Marketing überwiegend oder ausschließlich in den Dienst egoistischer Motive stellt, ist es eine üble Waffe. Den wenigsten Menschen unterstelle ich auschließlich egoistische Motive. Es ist ja bei den meisten eine Mischung. Auf die Ausgewogenheit kommt es an.

      • Weniger Resignation als Zynismus. Es hängt damit zusammen, dass für Netzwerke erheblich mehr Zeit zur Verfügung stehen muss, als man selber hat. Zeitmanagement.

        • Genau deshalb will ich bald ein Gemeinschaftsprojekt starten. Es entlastet den Einzelnen, wenn viele zusammenwirken. Und da es ein offenes Projekt sein soll, muss eine gute Struktur her. Deshalb will ich nichts übers Knie brechen. Aber ich werde mich beizeiten melden.

  6. Also hab ich das nun richtig verdaut? Der Fisch stinkt zuerst im Blog. Aber nicht, wenn dort Kakerlaken aus dem Abfluß kriechen. Ja, so muß es sein, jetzt hab ich es endgültig kapiert.

    • Du verwirrst mich ein bisschen, denn ich dachte immer, der Fisch stinkt vom Kopf her, und die Kakerlaken kommen erst, um die Reste zu fressen. 😉

      • „Dann spiegeln die Blogs also, dass die meisten Menschen blöd im Kopf sind“
        Deshalb :>>

        • Guck mal ins Privatfernsehen und frag dich, wer ein Interesse daran hat, die Leute so zu verblöden. Und wie schwer ist es, sich dieser Verblödungsmaschinerie zu entziehen, da sie doch an das Kindliche und Verführbare im Menschen appelliert. Die Blogs spiegeln das, aber sie erzeugen es nicht, denn sie haben überhaupt keine Massenwirkung. Blogs sind kein Massenmedium, solange sie sich nicht wirksam vernetzen. Die Schule ist ein Massenmedium, das eigentlich die Aufgabe hat, den Menschen zu bilden und zu erziehen. Aber Schulen und Hochschulen lässt man zu Anstalten der kanalisierten Wissensvermittlung verkommen.

          • Ich weiß, das habe ich im letzten Beitrag ja auch so kommentiert. War nur ein kleines Scherzchen.
            Ich weiß nicht ob es mehr an den Massenmedien, der wie du es nennst kanalisierten Wissensvermittlung oder der schon früh beginnenden Erztiehung von Kindern zu Konsumzombies liegt. Aber ja, die Menschen verdummen zunehmend! Merkwürdig, gerade in der vergangenen Woche habe ich doch einige interessante Blogeinträge voller Kritik gelesen. Was mich in meiner Wahrnehmung bestätigt, ich bin also nicht bloß alt und verknöchert und schimpfe über die „Jugend“ :))

  7. Bedenken sollte man, dass vielleicht 5% der deutschen
    Bevölkerung bloggen. (Bayerisch – „Ein paar Hansl“ 😉
    Die meisten Community-Blogs (z.B Blog.de) sind mehr
    oder weniger ausdekorierte Chatrooms.
    (Siehe teils ellenlange Kommentarstränge,
    die thematisch kreuz und quer abweichen.
    (Da verhält es sich bei dir sehr vorbildlich. 😉

    Entscheidend ist doch auch das Motiv,
    warum man ein Blog führt/pflegt.
    Ist dir z.B noch nie aufgefallen, dass (vorwiegend)
    viele Frauen (ungebunden/geschieden) sich bei Blog.de
    einen neuen Liebhaber erhoffen, also nur deshalb bloggen.
    (Ich hab nächtelange Recherchen durchgeführt! 😉
    Andere nutzen das eigene Blog als Vermarktungsmedium,
    andere als Bildarchiv, andere als klassisches Tagebuch.
    Was mich selbst betrifft, liegt es mir fern,
    zu informieren bzw. irgendetwas den „Rezipienten“ anzudrehn. (Blog-PR ect.)
    Es ist ganz einfach Spass an der Freud‘.
    (Auch nutze ich meinen abgelegten Klänge auch
    hie&da ausser Haus. 😉
    Es soll ja wirklich auch Blogger geben,
    die keine anspruchsvollen Texte verfassen
    und trotzdem keine Deppen sind. 😉

    Mal gucken, was Du noch alles „fabrizierst“.. 😉
    (Was ich angenehm empfinde ist, dass Du ein
    ein bißchen lockerer geworden bist
    und nicht mehr so „voll erst“ rüberkommst.
    (Seriöses Auftreten und Humor beissen sich nicht. 😉

    • Ich werde ja nie müde zu sagen, dass die jeweiligen Motive einzelner Blogger ihre Berechtigung haben, unabhängig von den Inhalten. Denn das Emanzipatorische sehe ich im eigenständigen Schreiben und Gestalten gegenüber dem passiven Medienkonsum und dem fremdbestimmten Tun im (beruflichen) Alltag. Die ständige Kritik von außen am Bloggen ohne gesellschaftspolitischen oder künstlerischen Anspruch teile ich grundsätzlich nicht. Ich finde sie kurzsichtig und geistig schmalbrüstig. Was mich ein bisschen erstaunt, ist die Tatsache, dass auch viele Blogger sich untereinander nicht grün sind. Das gibt es in dieser ausgeprägten Form in keinem anderen Medium. Die Lust am Zanken ist immens groß. Vielleicht liegt das daran, dass die Gesellschaft insgesamt härter geworden ist, und kein anderes Medium so ungefiltert daherkommt. In diesem Sinne sind Blogs ein guter Gradmesser für den geistig-moralischen Zustand unserer Gesellschaft.
      Was Bloggerinnen betrifft: Deine gewiss mühevollen Recherchen haben eigentlich ergeben, dass Frauen stärker am emotionalen Miteinander interessiert sind und die Dinge weniger oft von einer abstrakten Warte aus behandeln. Was ist schlimm daran, das Medium zu nutzen, um Kontakte über die Geschlechtergrenzen hinweg zu knüpfen? Ich glaube, dass es bei vielen, Männern wie Frauen, wenn nicht erklärte Absicht, so doch ein Mitnahmeeffekt ist. Ich wäre unglücklich, wenn in meinem Blog keine weiblichen Stimmen zu vernehmen wären, denn das sichert unterschiedliche Sichtweisen, die sich ergänzen können. Zudem ist der Reiz der Geschlechter eine große Triebfeder für jede Leistung.

      Oder: Es macht einfach mehr Spaß.
      Und den soll ich ja auch nicht vernachlässigen, wie du sagst. 😉

      Dein Urteil über Blog.de kann ich gut nachvollziehen, weshalb ich auch glaube, dass ein neues, anders strukturiertes Teppichhaus hier nicht gut angesiedelt wäre, obwohl es ebenfalls lustvolle und humorige Elemente haben soll.

      • Pardon! – Fehlerteufelchen 😉
        Weniger „auch’s“ wäre auch angebrachter gewesen. 😉

        Zanken ist doch tief menschlich.
        (Zeter und Mordio! 😉
        Ich kreide es ja den Damen nicht an,
        wenn ein neuer Stecher fällig wird.
        Finds halt nur amüsant, wie die entsprechenden
        Damen das teils gekonnt kaschieren. 😉
        Ich gönne dir Damenbesuch! (Schmunzel)

        Was ich an dir schätze ist,
        dass Du es mit Liebe/Hingabe machst.
        (Und das Blog nicht mit Reklame zugepflastert ist.)
        Ich denke, Du würdest es nicht vermissen,
        dein Profilbild auf der Blog.de Startseite zwischen
        allerlei Herzibärchen-Blogs aufzufinden.
        Stimmts? 😉

        Frau Nettesheim wirds schon richten.. 😉

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