Ohnmacht des Federkiels und Macht der Tasten

Liebe Teppichhauskunden,

den Anstoß zu folgendem Text hat der Eifelphilosoph gegeben, in zweifacher Hinsicht. Zum einen hat er mich hier unter meinem Kommentar ermahnt, ihm nicht die aufklärerische Arbeit allein zu überlassen, derweil ich mich faul an Tempeln in der Sonne herumdrücke, um mich von der leibnizschen Muse küssen zu lassen, zum anderen hat er aus dem Buch „Generation Doof“ die Aussage extrahiert, Bloggen sei ein Kennzeichen der Doofen.

Diese Behauptung von Ahnungslosen wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn sie nicht im Einklang stünde mit ähnlichen Auslassungen in diversen Publikationen der Printmedien. Der selbsternannte Internetexperte Andrew Keen tönt in einem Buch vom „Zeitalter der schreibenden Affen“, Bernd Graff, leitender Kulturredakteur der Süddeutschen Zeitung und mitverantwortlich für den erbärmlichen Internetauftritt der SZ, sieht das Internet „in der Hand von Idiotae“ und Gregor Dotzauer dünkelt im Tagesspiegel unter dem Titel „Graswurzelverwilderung“ von der bloggenden „Gewaltwillkür (…) pseudonymer Existenzen“, die aus purer Selbstherrlichkeit einen „Kulturkampf“ angezettelt hätten, – um nur einige Beispiel zu nennen. Zu all dem habe ich mich bereits geäußert, und wer genug Muße findet, kann es unter den Links nachlesen.

Es gibt einen weiteren Grund für den zugegeben langen Beitrag, den ich in mehreren Teilen veröffentliche. (EDIT: Der Text ist inzwischen komplett.) Seit Herbst 2005 betreibe ich das Teppichhaus Trithemius mit Enthusiasmus und zuweilen Herzblut, denn ich habe von Anfang an im digitalen Medium Blog eine wundersame Erweiterung der bisherigen Publikationsmöglichkeiten gesehen, die mir und meinen persönlichen Interessen zu passen schien wie ein Handschuh. Das sehe ich noch immer so, doch derzeit bin ich ein bisschen blogmüde, um nicht zu sagen Blog.de-müde. So werde ich meine Aktivitäten hier langsam einschränken und vielleicht Ende des Sommers etwas Neues ausprobieren.

semantisches-Lernen

Einstweilen bin ich dabei, die fast 1400 Beiträge zu sichten, die sich im Teppichhauslager angesammelt haben, sie zu redigieren und zu sortieren, damit einmal etwas daraus werden kann, was sich bequem in die Hand nehmen und in Ruhe lesen lässt. Das ist keine Absage an das Medium Blog, sondern entspringt dem Wunsch, einige der Mängel der digitalen Publikation auszugleichen, die jeder Interneterfahrene kennt, Flüchtigkeit, rasche Vergänglichkeit, Fehlen eines materiellen Exemplars und gelegentliche Augenunlust beim Lesen vom Bildschirm. Über die Vorzüge werde ich weiter unten schreiben.

Bevor ich dazu komme, möchte ich noch einmal etwas zur Diskussion über alte und neue Medien beitragen. Ähnlich wie bei der Diskussion um die Orthographiereform ist die Debatte um den „Kulturkampf“ zwischen alten und neuen Medien von einer unsäglichen Flachheit gekennzeichnet. Das ist kein Kennzeichen der Machtübernahme der Generation Doof, sondern das Ergebnis vorschneller Urteile, die es schon zu allen Zeiten gegeben hat, denn der Mensch ist naturgemäß geistig träge. Allenfalls könnte man sagen, dass die ahistorische Denkweise auf dem Vormarsch ist und primär das Gegenwärtige und Augenblickliche beachtet wird. Diese verengte Sichtweise hat gewiss mit dem Übermaß an Informationen zu tun, die auf diversen Informationskanälen um Aufmerksamkeit buhlen, dem öffentlichen Getute und Geblase, dessen wesentliches Kennzeichen es ist, dass vier Wochen später kaum einer noch davon redet oder weiß.

Wenn ich versuche, die Diskussion auf Füße zu stellen, dann muss ich den Blick über den gegenwärtigen Tellerrand heben und ein bisschen in die Vergangenheit schauen. Ich habe mich bemüht, das in meinen Augen Wesentliche zu skizzieren. Man wird mir sagen können, dass dabei mancher Aspekt nur gestreift wurde oder sogar fehlt, aber ich schreibe ja hier keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern einen Diskussionsbeitrag, der schon jetzt den üblichen Rahmen eines Blogeintrags sprengen wird.

Der geneigte Leser wird sich also etwas Zeit nehmen müssen, doch ich kann immerhin damit trösten, dass ich mir diese Zeit und ein wenig mehr auch genommen habe. Passender Weise begeben wir uns zuerst auf Zeitreise in die jüngere Vergangenheit. Das ist notwendig, damit sich zeigen lässt, dass wir es nicht nur mit einem unerklärten Kulturkampf zu tun haben, sondern mit einem sich machtvoll anbahnenden gesellschaftlichen, kulturellen, vielleicht sogar politischen Umschwung, bei dem die neuen Medien zwar nicht Auslöser aber Katalysator sind und eine neue emanzipatorische Chance bieten.

=> 1 – Herrschaft über Kommunikationsmittel sichert Macht über Köpfe

Wer demnächst zur Europawahl ins Wahllokal geht, um auf dem Wahlzettel sein analphabetisches Kreuzchen zu machen, darf natürlich kein Analphabet sein, denn die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben ist schon erforderlich, wenn man an einer Alphabetkultur gesellschaftlich teilhaben will. Das gilt besonders für die Teilhabe an einer demokratisch organisierten Kultur. Die demokratische Teilhabe ist nicht selbstverständlich und steht auch nicht am Anfang der Entwicklung unserer Alphabetkultur.

Noch Ende des 19. Jahrhunderts war Geläufigkeit im Lesen und Schreiben nicht das erklärte Bildungsziel. 1872 schreibt der preußische Konsistorialrat Münchmeyer:

„Wo keine Lust zum Lesen ist, rege man sie nicht an. Es ist nicht zu wünschen, dass der Bauer Zeitungen liest, auch das Verlangen nach guter Lektüre soll, wenigstens unter Landleuten, nicht hervorgerufen werden.“

Im Jahr 1878 schreibt Staatsminister Hofmann anlässlich der ersten Beratung des Gesetzentwurfes zur Abwehr sozialdemokratischer Ausschreitungen im Reichstag:

„Wie leicht wird ferner all der gute Samen, den die Schule in das jugendliche Gemüt gestreut hat, zerstört und ausgerottet, wenn der junge Mann von dem Lesen, das er in der Schule gelernt hat, in der Weise Gebrauch macht, dass er sozialdemokratische Blätter studiert, wenn er etwa von seiner Fähigkeit im Schreiben (…) Gebrauch macht, um selbst Artikel in sozialistischen Blättern zu schreiben (…)“

Der Buchwissenschaftler August Demmin beklagt 1890, die Schreibmaschine werde „an den Grenzen Russlands aber, durch die bekannte Unwissenheit der russischen Beamten als ‚revolutionäres Werkzeug‘ in Beschlag genommen.“ Hier hatten die russischen Beamten anscheinend größeren Weitblick als Demmin.

Die Angst der herrschenden Klasse, der einfache Landmann oder lohnabhängige Arbeiter könnte über das Lesen mit subversivem Gedankengut in Berührung kommen oder sogar seine Meinung schriftlich äußern und verbreiten, ist noch größer als der ökonomische Zwang zur schriftlichen Kommunikationsfähigkeit aller Bevölkerungsschichten.

Der mit Beginn des 20. Jahrhundert sich abzeichnende Sinneswandel im staatlichen Bemühen um allgemeine Literalität und Bildung ist kein Akt der Menschenfreundlichkeit, sondern folgt ökonomischen Zwängen. Die sich rasch entwickelnde Wirtschaft benötigte Arbeiter, die Bedienungsanleitungen lesen konnten, Büroangestellte für die Korrespondenzen, Wissenschaftler und Ingenieure in großer Zahl, um die technische Entwicklung voranzutreiben. Und doch wurde die allgemeine Lese- und Schreibfähigkeit auch weiterhin als Bedrohung der Machtverhältnisse empfunden.

Demzufolge wurde in der Gewaltherrschaft des 3. Reiches die Presse geknebelt und dem Propagandaministerium unterstellt, doch die Nationalsozialisten setzten noch stark auf das Akustische und Theatralische, auf Massenkundgebungen und Aufmärsche als mediale Mittel. Dabei sind der Verbreitung von Botschaften natürliche Grenzen gesetzt, weshalb Joseph Goebbels den Volksempfänger entwickeln ließ. Er sollte in erster Linie propagandistischen Zwecken dienen. Doch dass sich ein Massenmedium auch in einer brutalen Diktatur nicht vollends kontrollieren lässt, zeigte das in den letzten Jahren des 2. Weltkriegs trotz Verbots und Strafandrohung aufkommende Abhören der Feindsender, wobei man sich vorsorglich eine schalldämmende Decke über den Kopf zog und darunter am Radio lauschte, im Volksmund: „Englischinhalieren“.

2 – Kontrollierter Neubeginn

Nach dem Zusammenbruch des 3. Reiches regten die westlichen Alliierten einen demokratisch kontrollierten Öffentlich-rechtlichen Rundfunk nach Vorbild der englischen BBC an. Zudem schufen sie in ihrem Einflussbereich eine Presselandschaft, mit der sie ein Mindestmaß an Meinungsvielfalt sichern wollten, indem sie in den Städten und Regionen je eine rechtskonservative und eine linksliberale Zeitung ins Leben riefen. Die Lizenzen dazu vergab man an Verleger. Es waren in der erblühenden Bundesrepublik gleichsam Lizenzen zum Gelddrucken.

Indem man also die Presse an Kapitaleigner übergab und sie nicht etwa genossenschaftlich oder selbstverwaltet organisierte wie den Rundfunk, legten die westlichen Siegermächte eine marktwirtschaftliche Orientierung der Zeitungen fest und eine damit einhergehende Staatstreue. Das beinhaltete eben nicht nur ein Bekenntnis zur Parteien-Demokratie, sondern sicherte eine Vormachtstellung der politischen Klasse und der Wirtschaft. Die Herstellungskosten einer Zeitung wurden und werden nämlich durch den Verkaufspreis nicht gedeckt, so dass ein Printerzeugnis nur bestehen kann, wenn man sich die Anzeigenetats der Unternehmen sichert. Wer wollte da durch allzu kritische Berichterstattung wichtige Anzeigenkunden verprellen. Und auch bei der journalistischen Bewertung von Tun und Lassen der politischen Elite ist Vorsicht und Fingerspitzengefühl geboten, denn wenn eine Zeitungsredaktion einmal in Ungnade gefallen ist, bekommt sie kein Interview mehr, und es werden ihr wichtige Informationen vorenthalten. Besonders die Lokalpresse befindet sich hier stets in einem Zwiespalt wegen der Nähe zu örtlich ansässigen Unternehmen und deren Vernetzung zu lokalen Politikern aller bürgerlichen Parteien, deren Willfährigkeit man sich durch Parteispenden und Protektion erkauft.

Die Kontrolle des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks funktioniert anders. Hier sichern sich die Parteien und Verbände den Einfluss durch die Besetzung des Rundfunkrats. Es sollen zwar alle wichtigen gesellschaftlichen Gruppierungen dort vertreten sein, doch seit Bestehen der Bundesrepublik haben die bürgerlichen Parteien ihren Einfluss auf die Rundfunkräte immer weiter ausgedehnt, mit dem Ergebnis, dass heute alle Führungspositionen der Öffentlich-rechtlichen Anstalten in Redaktion und Verwaltung nach dem Parteienproporz besetzt werden.

Die allzu staatstragende Presse geriet erstmals in der 68er-Bewegung unter Druck, spektakulär durch die Proteste der Außerparlamentarischen Opposition (Apo) gegen die Bildzeitung. Aber auch die seriösere bürgerliche Presse wurde stark kritisiert mit Ausnahme der Frankfurter Rundschau, die von 1945 an sozialistische und gewerkschaftliche Positionen vertreten hatte.

In den 70er Jahren entstand eine erste produktive Gegenbewegung zu den etablierten Medien. In fast allen großen Städten gründeten sich links-alternative oder links-anarchistische Stadt- und Stadtteilzeitschriften, eine Spätfolge der Studentenbewegung von 1968. Die meisten mussten aus wirtschaftlichen Gründen wieder aufgeben oder wandelten sich über die Jahre zu Hochglanz-Stadtillustrierten mit Gastro- und Shopping-Führern, Kleinanzeigen und Veranstaltungs-Tipps. 1978 entstand auch die linke überregionale TAZ. Sie ist bis heute das einzige erfolgreiche selbstverwaltete Projekt von Belang.

Gewinneinbußen und das Aufkommen neuer Satztechniken in den 70er Jahren zwangen auch die etablierte Presse zu Umstrukturierungen und Fusionen, viele Zeitungen verloren ihre Eigenständigkeit oder wurden eingestellt. Ehemals politisch unterschiedlich ausgerichtete Zeitungen erschienen in einem Verlagshaus, wurden in Teilen redaktionell zusammengelegt oder bekamen sogar einen gemeinsamen Chefredakteur, beispielsweise die Aachener Nachrichten und die Aachener Zeitung.

Im Jahr 2003 geriet die deutsche Presselandschaft in ihre bislang schwerste wirtschaftliche Krise, in deren Folge sich die Pressekonzentration verschärfte und viele Journalisten arbeitslos wurden. Allein die Frankfurter Rundschau strich damals 130 Stellen, was ihr jedoch nicht half. Innerhalb von drei Jahren sank die Zahl der Beschäftigten von 1700 auf 750. Im Jahr 2006 erwarb das Verlagshaus DuMont die Mehrheitsbeteiligung, 2007 wurde die FR auf das Tabloid-Format verkleinert, was sich zwangsläufig auf die Inhalte und die Länge der Texte auswirkte. Als überregionale linke Tageszeitung hatte die FR schon länger mit Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt. Im Jahr 1996 sagte der damalige Verlagsleiter Utz Grimmer, er sei gar nicht glücklich über das linke Image der Frankfurter Rundschau. Die potentiellen Werbepartner teurer Artikel würden ihm sagen: „Warum sollen wir in Ihrer Zeitung annoncieren? Die wird doch nur von linken Oberstudienräten gelesen, und die kaufen unsere Produkte nicht.“

Zusammenfassend lässt sich sagen: Was als von den westlichen Alliierten verordnete kontrollierte Pressevielfalt begonnen hat, ist aus verschiedenen Gründen zu einem weitgehend einheitlich ausgerichteten Zeitungsmarkt verkommen. Das liegt nicht allein an der Pressekonzentration. Ein wesentlicher Grund ist der zunehmende Einfluss der Verlagskaufleute auf die redaktionelle Arbeit. Aus Sorge um ihren Arbeitsplatz unterwerfen sich Journalisten und achten darauf, dass ihre Zeitung ein anzeigenfreundliches Umfeld bietet. Das Ergebnis aller Faktoren ist eine Beschränkung der Themen, eine einseitige Behandlung gesellschaftlicher Sachverhalte, die Vermischung von Nachricht und Kommentar zum Zwecke der Meinungsmache, die Filterung von Nachrichten, das Aufbauschen des Banalen, das voneinander Abschreiben – und alles zusammen bedingt den Verlust an Glaubwürdigkeit.

So haben fast alle Zeitungen mindestens im Wirtschaftsteil über Jahre hinweg einen strammen neoliberalen Kurs gefahren und wurden erst wach, als die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht mehr zu leugnen war. Es liegt also nicht allein am Internet, wenn sich Leser von den Printmedien abwenden, sondern auch an der empfundenen Kumpanei zwischen den Redaktionen und den gesellschaftlichen Macht-Eliten und deren Vorgaben.

Hier soll nicht generell das ehrliche Bemühen vieler Journalisten um saubere und kritische Arbeit bestritten werden. Ihretwegen hat die Presse noch immer eine wichtige politische und gesellschaftliche Kontrollfunktion und ist in diesem Sinne unverzichtbar. Doch die genannten negativen Einflüsse mindern insgesamt ihre Kraft, und in diese Phase der Schwächung des gealterten und maroden Mediums tritt seit einigen Jahren ein neues Medienverhalten.

Viele sind nicht mehr zufrieden damit, sich die tägliche Bevormundungsration aus dem lauen morgendlichen Zeitungsbad zu holen, sondern stellen sich aus dem Internet ihr eigenes Programm zusammen, sind ihre höchsteigenen Redakteure ohne Zensurschere im Kopf. Sie wollen nicht mehr nur Leser und Rezipienten sein, nicht mehr wie Ochsen an einem Karren angebunden durch eingefahrene Spuren trotten. Sie wollen eigene gedankliche Weg gehen, Schreiber, Produzenten und schöpferische Gestalter sein, und hier stellt ihnen das Internet vielfältige Möglichkeiten bereit, die dem Printmedium weit überlegen sind.

=> 3 – Erstickte Bildung

Wir wollen noch einmal in die zweite Hälfte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts zurückkehren und den anderen Aspekt dieses Beitrags betrachten, die Bildung. Wir haben zuvor gesehen, dass Bildung immer unter dem Diktat der jeweiligen Machtverhältnisse steht und die Bildungsinhalte ebenso stark von den Bedürfnissen und Erfordernissen der Wirtschaft abhängen. Konkret: Auch in unserer Demokratie nehmen Interessensvertreter aller wichtigen gesellschaftlichen Gruppen starken Einfluss auf die Lehrpläne, entscheiden also mit, was an den Schulen und Hochschulen gelehrt wird. Hier üben besonders die Interessensvertreter der Wirtschaft starken Druck aus, damit ihre späteren Arbeitnehmer über die erforderlichen Qualifikationen verfügen.

Die Entscheidung über Ausbildungswege, Stoff- und Lehrpläne sind immer Zukunftsentscheidungen, und da niemand die Zukunft kennt, die Entwicklungen aber immer rascher voranschreiten, muss in viele Richtungen geforscht werden, was gleichsam bedeutet, dass die Hochschulen nicht wertfrei arbeiten, also nicht Wissenschaft um ihrer selbst willen betreiben. Das gilt zumindest für jene Fachrichtungen, die sich mit gesellschaftlich und ökonomisch relevanten Themen beschäftigen. Die Freiheit von Bildung und Forschung ist eine Fiktion. Viele Forschungsvorhaben werden von der Wirtschaft initiiert und finanziert, und keine Universität könnte ohne diese Mittel auskommen.

So ist auch die Bildungsforschung natürlich nicht wertfrei. Es gab in der Bildungsforschung der 70er Jahre zwei Hauptströmungen.

– Im Sinne der Wirtschaft entwickelte man das programmierte Lernen, ein Lernen also, das den Menschen wie eine Maschine auszurichten trachtet. Klassische Beispiele sind das Lernen nach dem Multiple-choice-Verfahren, wo nur zwischen richtigen und falschen Antworten entschieden werden muss (man kennt es noch vom Unterrichtsmaterial in der Fahrschule oder von „Wer wird Millionär?“ bei RTL) und die Sprachlabors, in denen Lernende isoliert in Kabinen sitzen und über Kopfhörer und Mikrophon mit dem Ausbilder verbunden sind. Ich sage bewusst nicht Lehrer, denn ein Lehrer ist kein Dompteur und ein Schüler kein wildes Tier im Käfig, das es zu dressieren gilt. Das programmierte Lernen erlaubt kein eigenes Denken, erfordert und trainiert kein Sozialverhalten, sondern fördert das Konkurrenzdenken. Es vermittelt keine wirkliche Bildung.

Die Versuche mit dem programmierten Lernen scheiterten, der Mensch ist eben kein Computer. Es wurde bald deutlich, dass der immer komplexer werdende Arbeitsalltag selbstständiges Denken verlangt sowie die Fähigkeit der Kooperation und zur Teamarbeit.

– Die zweite Strömung war emanzipatorisch. Im Zuge der 68er-Bewegung waren die reformpädagogischen Ansätze vom Beginn des 20. Jahrhunderts wieder entdeckt worden, Montessori- und Waldorfpädagogik, die antiautoritäre Pädagogik des A.S. Neill in Summerhill, die Ideen des Célestin Freinet, der den Buchdruck in den Unterricht einbezog, die Kunsterzieherbewegung, die das Musische betonte, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Eine moderne Entwicklung ging von Hartmut von Hentig aus (Laborschule Bielefeld).

Rückblickend kann man sagen, dass unter dem Einfluss der emanzipatorischen Pädagogik die Paukschule sich wandelte, alle Strömungen aufnahm und auf diese Weise natürlich nivellierte, was eine Phase der mäßigen pädagogischen Freiheit einleitete, die jedoch rasch wieder versandete. Denn es mangelte ihr an Effizienz im Sinne von Wirtschaft und Politik. Allzu frei sollte der Mensch dann doch nicht denken. Solche Menschen sind schwer anzuleiten, schlecht zu instrumentalisieren und schwierig zu regieren.

Die Reformideen versandeten auch, weil in den 80er Jahren die Mittel für Bildung massiv zusammengestrichen wurden. In der Folge wurden über ein Jahrzehnt kaum noch neue Lehrer eingestellt, was nicht nur bedeutete, dass die Klassen immer größer wurden. Die Schulen waren auch vom pädagogischen Nachwuchs abgeschnitten, der mit neuen Ideen und Erkenntnissen der Hochschulen ausgestattet war. Das von Titanic-Zeichner Hans Traxler für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geschaffene Plakat „Unser Jüngster wird 50!“ ironisiert eine weitere Folge: Der Altersabstand zwischen Lehrern und Schülern wurde immer größer, was sich naturgemäß negativ auf das Lehrer-Schüler-Verhältnis auswirkte. Man versteht sich einfach schlechter über die Generationen hinweg.

Entgegen aller politischen Sonntagsreden mit den Beteuerungen wie wichtig Bildung sei, hat man die emanzipatorischen Bildungsansätze aus den 70er Jahren einfach ausgehungert. Der Mangel wurde verwaltet, die Schulen wurden beständig mit neuen Verwaltungsvorschriften und Ausführungsbestimmungen ausgebremst, die allesamt dazu dienten, den Notstand zu kaschieren. Dabei handelt es sich nicht um eine Verschwörung, sondern es ist eine Sorte Bedingter Reflex. Er speist sich aus der Angst der jeweils Herrschenden vor selbstständig denkenden Menschen. Da wundert es nicht, dass man die Bildung überwiegend in die Hände zweitrangiger Politiker gab und gibt. Von einem SPD-Landespolitiker hörte ich 1980: „Kein Politiker, der was werden will, geht in die Bildungspolitik.“

💡 4 – Aus dem Quark in die basisdemokratische digitale Hochschule

In den 70ern wandte man sich in einigen Geisteswissenschaften verstärkt der Kommunikationsforschung zu. Die Kommunikationsforschung brachte eine Fülle neuer Erkenntnisse hinsichtlich der Abläufe in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Ob sie das Zusammenleben erleichtert haben, sei dahingestellt. Vor allem aber brachten die Befunde der Kommunikationsforschung verfeinerte Techniken der Beeinflussung hervor. Wissenschaftler sind hinsichtlich der Auswirkungen ihrer Forschungen oft ziemlich naiv, aber es musste ihnen klar sein, dass sie an Methoden der Steuerung von Menschen arbeiteten. Wer sich in der heimlichen Beeinflussung seiner Mitmenschen einen Vorteil versprach, konnte sie sich zueigen machen, und das taten vor allem die Werbewirtschaft und die Politik. Denn inzwischen hatte sich die Medienlandschaft entfaltet und gewandelt.

Der Rundfunk verkam zunehmend zum Dudelfunk und wurde hinsichtlich seiner Bedeutung vom Fernsehen verdrängt. Über das Fernsehen lässt sich ein Massenpublikum erreichen und beeinflussen, und man wusste inzwischen viel besser, wie das ging. So drängten Politik und Wirtschaft massiv hinein. In der Politik wandte man sich wieder dem Theatralischen zu, dessen sich die Nationalsozialisten schon bedient hatten. Die Macht des gedruckten Wortes wurde von der Inszenierung im Fernsehen verdrängt, besonders vor Wahlen. Ein Wahlprogramm zu lesen ist viel anstrengender als einem Fernsehduell zwischen Kanzlerkandidaten zuzuschauen. Nun ist das gesprochene Wort aber flüchtig, und von Bildern bildet man keine Begriffe, aber sie appellieren ans Gefühl. Gefühle sind nachhaltiger, und so ist letzten Endes viel wichtiger, welche Figur die Kandidaten in einem Fernsehduell machen, wie sie rüberkommen.

In der heutigen Mediendemokratie kommt kein Politiker von Rang ohne Medienberater aus, und diese Leute regeln alles, bestimmen Kleidung, Beleuchtung, Kamerablickwinkel, trainieren Gestik und Mimik ein und natürlich schreiben sie auch die Reden. Mediendemokratie, das bedeutet auch, dass Politiker in die Talkshows drängen wie auch die Abgesandten und Handlanger der Wirtschaft, Unternehmervertreter, Wirtschaftprofessoren, die Ökonomen der Banken. Und sie alle haben dort jahrelang das neoliberale Credo gepredigt, das uns Finanzkrise und Wirtschaftskrise beschert hat.

Für die Werbewirtschaft gab es bis Anfang der 80er nur wenig Platz im Vorabendprogramm der Öffentlich-rechtlichen Anstalten, und deshalb verlangte sie nach dem Privatfernsehen. Die Zulassung war Ländersache, und von den damaligen Ministerpräsidenten gab sich besonders der CDU-Politiker Ernst Albrecht als vehementer Vorkämpfer. Seine Tochter ist übrigens Ursula von der Leyen. Albrecht versprach größere Meinungsvielfalt, doch bekommen haben wir audiovisuelle Werbung rund um die Uhr und Sendeformate, die sich ein denkender Mensch kaum ansehen kann, ohne erbrechen zu müssen. Die Bildung verkommen zu lassen und gleichzeitig diese gigantische Gehirnwäschemaschinerie zuzulassen, das ist ein nahezu verbrecherischer Anschlag auf das selbstbestimmte Denken. Wir sehen das Ergebnis, eine geistige und moralische Krise, die ein Ausmaß erreicht hat, dass man schier verzweifeln möchte.

Gibt es aus diesem Debakel überhaupt einen Ausweg, wenn die Massenmedien sich gewollt oder ungewollt in den Dienst der Mächtigen und Gierigen stellen, wenn die Politik eine Verdummung ihrer Bevölkerung zulässt oder sogar absichtsvoll betreibt?

Schauen wir einmal kurz auf die Ideen der Deutschdidaktik der 70er Jahre. Ihr ging es nicht mehr nur um Literatur, sondern um die Fähigkeit des Lesers, Literatur für eigene Zwecke in Gebrauch zu nehmen. Darüber hinaus soll er befähigt werden, Sprache als Element der Wirklichkeitserfahrung zu benutzen, also zum unbevormundeten Bilden von Begriffen und mithin freiem Denken.

Joachim Fritzsche hat diesen emanzipatorischen Ansatz besonders deutlich formuliert:

„Da Sprache durchaus ein taktisches Mittel zum Erreichen von Zwecken sein kann, da ferner die Menschen sehr unterschiedlich über dieses Mittel verfügen, erscheint es richtig, dass der Deutschunterricht alles tut, um die Ungleichheit zu beseitigen. (…) Erfahrungen werden sprachlich, wenn schon nicht gemacht, so doch verarbeitet. (…) Einen Sachverhalt begreifen heißt, ihn auf den Begriff zu bringen. Ich möchte dieses Begreifen, weil es etwas mit Bedeutungen zu tun hat, ‚semantisches Lernen’ nennen. (…) Besondere Bedeutung kommt dem semantischen Lernen dort zu, wo die Sachverhalte ihre Bestimmtheit erst durch die Sprache erhalten, also im sozialen und politischen Bereich. (…)

Jede Minute, die ein Mensch dazu nutzt, sich hinzusetzen und schreibend seine Gedanken auszurichten, ist ein aktiver und freier Akt der Wirklichkeitsverarbeitung, ein Training der gedanklichen Begriffsbildung. Das verschafft Klarheit über die eigene Situation, man wird sich seiner selbst bewusst, denn (Zitat Fritzsche):

a) Schreiben objektiviert. Während der Sprecher, mit dem, was er sagt, eine Einheit bildet, veräußert der Schreibende seine Vorstellungen und tritt ihnen gegenüber. Er kann sich selbst beurteilen wie einen Fremden. Das Subjekt wird Text.

b) Schreiben isoliert. Der Schreibende ist auf sich selbst angewiesen; keiner springt ihm bei, wenn ihm ein Wort fehlt; aber es fällt ihm auch keiner ins Wort.

c) Schreiben provoziert. Der Schreibende muss alles, was er zum Ausdruck bringen will, verbalisieren, d.h. ihm eine verstehbare Form geben. In der geschriebenen Sprache muss alles bis zu Ende gesagt werden.

d) Schreiben fixiert. Der Schreibende legt sich beim Schreiben fest, er verpflichtet sich. Seine Äußerungen werden interpretierbar, kritisierbar, diskutierbar.

Man wird leicht sehen können, dass Schreiben im Internet ideale Voraussetzungen für semantisches Lernen bietet, an die Fritzsche noch gar nicht hat denken können. Denn …

a) Schreiben per Tastatur und Bildschirm objektiviert wesentlich stärker als die Handschrift. Der Transport in die Druckschrift macht den Text noch fremder, und so lässt er sich leichter kritisch bewerten.

b) Schreiben ist ein isolierter Prozess, doch dem Schreibenden stehen jederzeit diverse Hilfsmittel zur Verfügung. Er kann sich im Schreibprogramm Synonyme anzeigen lassen, er kann sich bei Wikipedia oder im weiten Internet über einen unklaren Sachverhalt informieren und sich dort anregen lassen.

c) Schreiben im Internet zwingt viel stärker, eine Sache zu Ende zu denken, weil hier nicht ein fiktiver Leser mitgedacht wird, sondern es gibt reale Adressaten, und man ist ihnen zeitlich nah.

d) Die fixierten Gedanken werden veröffentlicht. Und auf die Veröffentlichung folgen unmittelbar Reaktionen. Im Idealfall entwickelt sich ein anregendes Gespräch oder eine Diskussion mit Lesern in den Kommentaren, man bekommt ggf. Hinweise, an die man nicht gedacht hat.

5 – Bloggen ist semantisches Lernen

Auch Blogger haben die von Fritzsche genannten unterschiedlichen Voraussetzungen bei den sprachlichen Mitteln. Und sie verfolgen beim Schreiben unterschiedliche Ziele, je nach Kenntnisstand und Veranlagung. Doch alle befinden sich im Prozess des semantischen Lernens. Es ist nach oben nicht begrenzt, es ist auch nicht zu vermeiden. Es lässt sich also ohne weiters sagen, dass Bloggen bildet.

„Die Buchdruckerei ist das College des armen Mannes“, sagt Abraham Lincoln. Diese Rolle hat das Internet übernommen, da mag die professionell schreibende Zunft höhnen wie sie will. Es ist gut und richtig, wenn jeder sich die Erlaubnis gibt, die wunderbare Universität des einfachen Menschen zu besuchen, um sich der geistigen Bevormundung durch die gelenkten Massenmedien zu entziehen. Es ist richtig und ratsam, nicht nur den zu Zeilen geordneten Gedanken von bezahlten Schreibern zu folgen, denn wir wissen nicht, welche Ziele ihre Geldgeber verfolgen. Es tut gut, sich die Oberhoheit über den eigenen Kopf von den bezahlten Schreibern zurückzuerobern, denn die geistige Bevormundung der Köpfe ist ein Faktor kultureller und politischer Macht. Und wenn auch die bezahlten Schreiber nicht die wirklich Mächtigen sind, so sind sie doch deren Vögte und Statthalter.

Man wende sich also getrost gelegentlich von ihnen ab und schreibe selber auf und lese bei denen, die ebenso handeln. Denn die wirkliche Kraft liegt in der sozialen Vernetzung. Das wird gesellschaftliche Folgen und Einfluss auf das Denken haben, ja, das Internet und die soziale Vernetzung werden das Denken verändern. Es liegt an uns, ob wir uns dort nur unterhalten und verblöden lassen wollen, oder ob wir es als basisdemokratische Universität begreifen, die keiner Zensur unterliegt und jedermann offen steht. Und es liegt an uns, diese offene Universität gegen jede Form der staatlichen Zensur zu verteidigen.

Jules van der Ley

(Foto: Trithemius)

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72 Kommentare zu Ohnmacht des Federkiels und Macht der Tasten

  1. Blogmüdigkeit grassiert ja nach wie vor und größtenteils bedaurlicherweise, ich hoffe, Dich hat es nicht so sehr erwischt, das Du das Teppichhaus gänzlich schließen wirst, liebr Jules

    • Lieber Einhard,

      über die Ursachen wäre einmal nachzudenken. Tatsächlich haben sich aus dem Freundeskreis des Teppichhauses mit den Jahren viele gute Blogfreunde verabschiedet, und das ist sogar manchmal ein bisschen schmerzhaft, denn es entstehen doch auch emotionale Bindungen. Alles geht so rasch im Internet, neue Freundschaften entstehen und vergehen, es ist Stress.
      Das Teppichhaus steht weiterhin offen, und ich werde auch gelegentlich was schreiben hier und in Kommentaren bei euch, aber ohne den Druck, den ich mir bislang gemacht habe.

      • Druck wirkt sich schnell sehr kontraproduktiv aus, auch und gerade der, den man slebst auf sich erzeugt.

        Also: laß es ruhig gelassener angehen, aber verlasse uns nicht 😉

      • die sache mit dem druck ist eine gravierende, grösser als alle mächte der welt, inklusive gravitationskraft, und deswegen entdrucke ich mich auch seit ein paar wochen, denn sonst …
        *daumendrück lieber jules, auf dass du es schaffst*
        herzlich
        ludi

        • Im Augenblick sieht es nicht danach aus, denn es gilt ja, die Diskussion zu führen, die ich angezettelt habe, lieber Ludi. Aber es kommen auch wieder ruhigere Zeiten. Die wünsche ich dir für den Augenblick und grüße herzlich.

          Jules

  2. Die FOrtsetzung werde ich mir morgen zu Gemüte führen, mein lieber. Blogmüdigkeit grassiert tatsächlich, die Gründe und Ursachen sind vielerlei. Aber das Teppichhaus lässt du hier im Falle deines Weggangs ja wohl bestehen, oder?

  3. Dein Hadern mit Blog.de verläuft wie Ebbe und Flut, lieber Jules. Diesmal singe ich Dir kein Requiem sondern hoffe, dass Du die für Dich richtigen Entscheidungen triffst und durchhältst.

    • Ich bin ja noch ein Weilchen hier, lieber Rupi, möchte mir aber den Druck herausnehmen, regelmäßig zu veröffentlichen, weil ich sonst mit den Manuskripten nicht vorankomme, denn du weißt ja, dass ich mich gern ablenken lasse. Über Blog.de sage ich hier nichts. Die müssen selbst wissen, was sie tun, wenn sie ihre vollmundig angekündigten Versprechungen nicht einhalten.

      • Mit der leichten Ablenkbarkeit haben wir beide ein großes gemeinsames Vielfach. Ich weiß auch oft nicht, was ich zuerst machen soll, und mir schwimmt das Hirn ob der vielen Möglichkeiten, die das Web bietet, immer wieder weg.

        Den Druck, täglich zu veröffentlichen, baust Du Dir allerdings selber auf, ich blogge inzwischen mit Wochenabstand und mehr; das reicht vollkommen aus.

        Zum unseren Anbieter Blog.de äussere ich mich nicht mehr. Ich bin ja sogar direkt betroffen, weil mir die vollmundigen Versprechungen direkt in die Maschine diktiert wurden. Da kannst Du Dir bestimmt vorstellen, wie betroffen ich bin …

        • Übrigens habe ich das letztens bei Blog.de angemahnt. Sie haben mir nicht geantwortet, sondern mich seither ganz von ihrer Startseite verbannt. Das finde ich wirklich ulkig und bestätigt auch meine Zweifel, dass sie ihre Versprechungen würden einlösen können. Es ist schade, denn hinsichtlich der Blogtechnik und der Vernetzung ist Blog.de gewiss eine der besten Plattformen.

          • So wie ein Verleger nicht eo ipse ein Freund guter Literatur sein muss, so ist auch der Hirte einer Blog-Cash-Cow nicht automatisch an leckerer Milch interessiert.

            Diese aus Autorensicht bittere Erkenntnis habe ich im Internet an vielen Stellen machen müssen – auch der Plan, alternative journalistische Projekte im Netz zu veranstalten (Beispiels ReadersEdition), wurde immer von den Betreibern boykottiert, die Masse statt Klasse wollten.

            Insofern würde ich den Bannspruch als eine Ehrerweisung sehen und dankbar annehmen. Warum willst du König im Müllhaufen sein?

            • So etwas Ähnliches habe ich auch gedacht, nur nicht so schön bildhaft in Worte gekleidet wie du es hier tust. Das erklärt auch mein Hin- und Hergerissensein, von dem du oben sprichst.

              Trotz der Erfahrungen, die du mit Alternativprojekten gemacht hast, will ich eins versuchen. Ich glaube nämlich, dass es an der Zeit ist für ein Gemeinschaftsprojekt. Da habe ich schon konkrete Vorstellungen, und sobald ich mit den Manuskripten fertig bin, gebe ich mich ran. Einstweilen blogge ich hier nur noch, wenn ich lustig bin.

              • Mehr habe ich hier noch nie gemacht. Einen gesellschaftlichen Auftrag oder eine reaktionelle Verpflichtung mag ich nicht erkennen. Es sind oft nur innere Zwänge, die uns treiben.

                Gemeinschaftsprojekte haben ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, und auch da läuft längst nicht alles rund. Du kennst meine Versuche auf dieser Plattfom von Autorenblog.blog.de über literaturzeitschrift.blog.de bis hin zu opernhaus.blog.de.

                Eins ist mir dabei erneut klar geworden: ohne feste Hierarchie und definierte redaktionelle Strukturen verwässert alles sehr schnell. Das ist wie ein Garten, in dem die Ungräser nicht in Schach gehalten werden. Der explodiert, aber in der falschen Richtung.

                Das Internet, und damit wieder zu deinem Thema, ist zwar ein faszinierendes Medium mit vielen neuen Chancen und Freiheiten, doch es funktioniert nach den gleichen Gesetzen wie alles andere auch.

  4. Dank dir für die wunderbare Darstellung der Entwicklung der schreibenden Zunft und lesenden Masse, und … ich beobachte auch bei mir eine zunehmende Zeitungslesemüdigkeit- aber auch Bloglesemüdigkeit- aus den von dir angeführten Gründen, … oder vielleicht doch nur aus der eigenen Trägheit heraus, oder … ich weiß es auch nicht. Jedenfalls würde ich ohne Papier und gedruckte Buchstaben auf selbigem ganz schön arm sein und alt aussehen. Hmmm, letzteres ist doch schon längst eingetreten, den Spruch muss ich mir nächstens verkneifen.
    :-/

    • Man kann ja, liebe Maranaz dem Alter nur mit Humor begegnen, und ich weiß ebenfalls, wovon wir sprechen. 😉
      Es freut mich, dass der Text dir gefällt. Morgen werde ich den Bogen zur Bildung, zur Bildungspolitik und dem Wert des eigenständigen Schreibens schlagen, und ich hoffe, ich kriegs hin.
      Die Lesemüdigkeit hat gewiss auch etwas mit der täglichen Informationsflut zu tun, es hilft hier nur die Selbstbegrenzung durch sorgfältige Auswahl.

  5. gut so!
    das echte leben ist doch noch einen tick wichtiger…
    und da ich ein fable für hunde habe bin ich nun ungewollt zu einem trendsetter geworden 😉
    der winter war lang und beschissen da freut man sich innerlich auf ein verlängertes verfrühtes sommerloch….

    *was neues ist immer gut,wenn auch nur am anfang

    • Manchmal weiß ich nicht mehr, was das echte Leben ist, denn ich sitze ja hier auch echt am Rechner und ich hoffe und vermute, auch du, lieber Popanz.
      Übrigens: Noch hat das Sommerloch nicht begonnen und nochmal
      übrigens: Ich habe dich im Verdacht, dass du mir das TAG „Printendealer“ verpasst hast. :))

      Dein Nachsatz gefällt mir da viel besser.

  6. Kurz und bündig:
    ..Du bist nicht allein!.. 😉

  7. Das muss ja auch alles mal gesagt werden! 😉

    Lieber Jules, wer außer Dir könnte alle diese Aspekte so gekonnt zusammentragen und verbinden? Ich habe diesen Text sehr gern gelesen, fand ihn interessant und lehrreich bis zum Schluß und deshalb kam er mir auch gar nicht so lang vor.

    Was blog.de angeht, können sie sich leider darauf ausruhen, dass man hiervon wegen des (trotz aller Müdigkeit immer noch einzigartigen) Austauschs mit anderen Bloggern irgendwie doch nie ganz die Finger lassen kann… Und darum mache ich mir auch keine Sorgen, dass Du irgendwann völlig abwanderst.

    Ganz lieben Gruß,
    Deine Theo

    • Liebe Theo,

      ich danke dir für dein Lob und für die Auskunft. 😉
      Du hast hier einen Aspekt herausgehoben, den ich leider nur streifen konnte, sonst wäre der Text hinsichtlich der Länge wirklich eine Zumutung. Der einzigartige Austausch ist für mich die große Antriebskraft, und wenn ich 1400 Texte geschrieben habe, dann eigentlich nur deshalb. So hat auch jeder, der an diesem Austausch teilgenommen hat und weitrhin teilnimmt, seinen Anteil daran.

      Mein Abwandern wird mit einem Neubeginn verbunden sein, den ich dir ja schon umrissen habe. Ich haue hier nicht einfach ab, ohne etwas Neues anzubieten, das den vielen Blogfreunden gerecht wird.

      Herzlichst
      Dein Jules

  8. ich wink Dir hier einfach mal kurz, Dein Text ist schön und ich mag ihn gern mit heftigen Kopfnicken unterstreichen…
    vor allem wird ja selten zugegeben, das durchaus emotionale Bindungen entstehen…

    ich denk wir sehen uns im Herbst in Berlin, Cuenta und ich wollen eine einfach nette Blogvorlesung organisieren, wo jede/r die/der mag von seinen Texten vorliest…
    (PS ohne blog.de :>> weil das ist und Bleibt in erster linie eine Firma, ein Geschäft, dort sind wir immer Kunden…)

    liebe Grüsse
    Karen

    • Das freut mich, obwohl es natürlich nicht heißt, dass ich um Abnicken frage. 😉

      Man neigt dazu, die emotionalen Bindungen zu unterschätzen, weil es heißt, es ist nur digital und nicht das reale Leben. Das sehe ich inzwischen ganz anders, und wann immer ich Blogfreunde real getroffen habe, fand ich bestätigt, dass man sich irgendwie schon gut kennt.

      Von dem Treffen in Berlin wusste ich noch nichts. Ich werde schauen, ob ich kommen kann. Wo finde ich darüber konkrete Angaben, fragt mit lieben Grüßen …
      Jules

      • … wir sind erst beim organisieren ganz am anfang, und cuenta ist vorerst im urlaub, daher gibts erst weitere infos (und konkretere angaben), wenn sie wieder da …
        auf unseren blogs und ich werde noch extra enträge dann dazu bloggen und bescheid geben 🙂

        liebe grüsse
        karen

  9. Lieber Jules,
    haben Sie nicht recht, die Blog-Verächter aus den Medien des gedruckten Wortes? Wenn sie bemängeln, dass die Masse der blogs einem Schweinetrog gleichen, in dem vieles – ohne echten Anspruch an Qualität – schnell gefressen und genauso schnell ausgeschissen wird? Einem Trog, in dem sich Perlen finden lassen wie die deinen, die für die Schnelleflüchtigkeit des Mediums viel zu schade sind? Nimm nur diesen Text von dir: wird er in diesem Rahmen eine angemessene Reaktion erfahren? Und wenn nicht (was ja sehr wahrscheinlich ist 🙁 ): legt das nicht an dieser Kombination gehetzter Leser in einem schnellhetzenden Medium, in dem Tempo immer vor Qualität geht?
    Es ist sehr freundlich von dir, wenn du uns bloggende Dilettanten vor den Vorwürfen der Printmedien in Schutz nimmst. Aber klar ist auch: Arbeit, wie die deine, die es wert ist, über den Tag hinaus erhalten zu bleiben, hat im bloggenden Internet per se nichts verloren. Ich kaufe mir aber gern ein sorgfältig editiertes Buch von dir. Das ist der Lauf der Dinge und kein Grund sich zu grämen. 😉

    • Lieber Sittingfool,

      im dritten und vermutlich letzten Teil werde ich versuchen darzulegen, worin die Chancen des Internets liegen. Ich bin da nicht so pessimistisch wie du jetzt in deinem Kommentar, weil ich die Sache prozesshaft sehe und positive Entwicklungen für möglich halte. Die augenblickliche Beobachtung scheint die Schelte zu bestätigen, berücksichtigt aber nicht den Rückkopplungseffekt kommunikativer Prozesse. Geistige Bevormund, das zunehmnde Versagen der Zeitungen, Zerstreuung durch Fernsehen und Kommunikationsschnickschnack, aber besonders der Bildungsnotstand haben die derzeitige Misere herbeigeführt. Es ist eine geistige Krise, die einhergeht mit der ökonomischen und moralischen Krise. Da müssen wir uns herausrappeln und brauchen nicht darauf zu hoffen, dass man es uns leicht machen wird. Ich hoffe aber auf die vielen klugen Köpfe, die sich eben auch im Internet tummeln, und auf das geistige Erwachen vieler.

      Danke für dein ausgezeichnetes Lob. Ich werde mich bemühen, die Erwartungen zu erfüllen.

      Lieben Gruß
      Jules

      • Bin ich pessimistisch? Sozusagen ein Kulturpessimist? Interessant, habe ich noch gar nicht darüber nachgedacht. 😉
        ich lese sehr gerne auf blog.de, ich blogge gerne, freue mich an den Kommentaren und am kommentieren und schätzte die sozialen Möglichkeiten, die Internet eröffnet. Aber mit Qualität oder gar Kunst hat das alles nichts zu tun. Ich glaube , zwei Eigenschaften des Internets stehen einer Werthaltigkeit grundsätzlich entgegen: erstens ist es zu schnelllebig/leichtflüchtig, denn Qualität (sei es Kunst oder inhaltsreicher, differenzierter Text) braucht Zeit zur Entfaltung und zur Wahrnehmung und zweitens ist das Internet für Publizisten aller Qualitäten viel zu leicht zugänglich – dadurch gibt es zu viel Müll. Ich finde das nicht schlimm, es ist doch schön, so ein Medium zu haben, aber ich staune manchmal über die Arroganz und Hybris mancher Blogger, die meinen, sie hätten die mediale Welt neu erfunden und stolz darauf sind, die alte mediale Welt nieder zu reißen. Wenn die Zeitungen, wie du schreibst, tatsächlich versagt hätten (der Meinung bin ich nicht), da nicht, weil sie Zeitungen sind. Und erst recht nicht ist zu erwarten, dass durch deren verschwinden, beziehungsweise ersetzen durch das Internet, irgendetwas besser wird. In dieser Hinsicht bin ich tatsächlich pessimistisch.
        Und zwischen den Zeilen, lieber Jules, interpretiere ich deine Blogmüdigkeit auch als leises Einverständnis mit meiner These: für echte Qualität ist das Internet viel zu schade. 😉
        PS: ich entschuldige mich für die Rechtschreibfehler und nehme mir die Freiheit, sie heute einfach mal auf Madame Spracherkennung zu schieben. Und mal ehrlich: wir sind im Internet! Wer interessiert sich da schon für Rechtschreibung?

        • Ich habe nie dafür plädiert, dass Zeitungen verschwinden sollten. Im Gegenteil, mir wäre lieb, das Medium würde wieder erstarken. Aber der Prozess des Ausblutens lässt sich derzeit nicht umkehren, allenfalls ein bisschen abmildern. Gelegentlich arbeite ich für Projekte, die junge Menschen an Zeitungen heranführen. Das tue ich aus der Überzeugung, dass Zeitungen wichtig sind.

  10. Nun … ein phänomenaler Text, will ich meinen. Nein nein, das Lob ist – mehr als verdient.

    Was soll man dazu noch schreiben als kleiner Feld-Wald- und Wiesenphilosoph … außer, das man hochachtungsvoll den Hut zieht?

    Erstmal eins: die Auseinandersetzung mit dem blätterschreibenden Pöbel ist unter unsere Würde, es ist
    eine herausragende Leistung von Dir, das Du sie suchst.

    Allein schon die Wortwahl dieser Banausen zeigt, welch´ Geistes Kind sie sind.

    Ähnlich haben müssen sich die Ritter hoch zu Ross gefühlt haben, als die Armbrüste billig herzustellen waren.

    Jeder Dödel konnte Durchlaucht vom Pferd holen, und das endgültig.

    Wo kommt man denn da hin?

    Zur ersten Abrüstungskonferenz der Weltgeschichte, von der Kirche zum Schutze des Adels einberufen.

    Blogger greifen mit billigsten Mitteln den Zeitungsadel an, denn bis man so weit niedergekrochen ist, das man „politische Kommentare“ verfassen darf, muß man eine lange Schleimspur hinterlassen.

    Hier geht es um die Macht des Zeitungsadels, der auf eimal von jedermann mit Armbrust aus dem noblen Kommentarsattel
    geschossen werden kann. Und denen ist das bewußt, und ihnen wird bange….weil sie die Leserbriefe nicht mehr zensieren können.

    Sie sind nicht dumm und wissen, wo das für sie endet:
    Hartz IV.

    Wer klagt, das sich auch gröbste Dummheit im Netz findet, darf gerne mal einen Blick in die Bunte, die Praline
    oder die Bildzeitung werfen….und sich dann beruhigt zurücklehnen.

    Dummheit ist kein Privileg der Netzgesellschaft.

    Schnelligkeit schon. Wer gewohnt ist, Doktorarbeiten zu korrigieren, tut sich schwer mit den Anforderungen des Mediums.

    Hier ist strenge Prioritätensetzung gefragt:
    was will ich erreichen?

    Dessen sollte man sich bewußt sein, bevor man Erwartungen formuliert.

    Bei mehr als 7000 Zeichen wird mir mulmig im Bauch … und ich kürze.

    Doch schlecht muß das nicht unbedingt sein … getretener Quark wird breit, nicht stark … soll Goethe mal gesagt haben.

    Das nebenher Geschriebens in umfangreicherer Form anderswo für andere Leser geschrieben wird … muß ja nicht ausgeschlossen sein.

    Der Netzbewohner jedoch … erwartet Kürze und Prägnanz.

    Und als Autor kann man sich auch aus positivem Grunde kurz fassen: mit Rücksicht darauf, das das Lesen von Überflüssigem dem Leser Zeit stiehlt, die er anderswo sinnvoller verwenden könnte.

    Ein Anspruch, der insofern auch neu ist.

    Doch Kürze ist nicht unbedingt in jedem Fall von Übel.

    Es ist … eine Herausforderung.

    Für Philosophen nicht ungewöhnlich, wenn sie … den akademischen Diskurs verlassen, eher zum Selberdenken anregen wollen als ihre Formulierungskünste zu zelebrieren.

    Darüberhinaus darf nicht vergessen werden … das Bildschirmglotzen strengt an.

    Dort liest sich nicht so angenehm….weshalb man nicht in Sack und Asche herumlaufen sollte, weil man dazu neigt, sich kurz zu fassen.

    Kann auch ein Beitrag zur Gesundheitsförderung des Lesers sein.

    Das … wollte ich nur nebenbei mal anmerken. Und warte natürlich auf die Fortsetzung …. die den großen geschichtlichen Bogen schließen wird.

    • Vielen Dank, mein philosophischer Freund, für die Anregung zu diesem Text. Seine Länge ist eigentlich ein Experiment. Denn ich wollte auch einmal der Behauptung entgegentreten, dass sich lange Texte für das Internet nicht eignen. Die Zahl der Kommentare beweist schon ein bisschen das Gegenteil. Was ich hier inhaltlich zum Ausdruck gebracht habe, liegt mir schon lange auf der Seele, und Ähnliches habe ich ja auch an anderer Stelle kürzer gesagt. Mir ging es hier um Begründungszusammenhänge, die sich leider nicht kürzer darlegen lassen, denn schon jetzt sind ja manche Aspekte zu stark verkürzt.

      Grundsätzlich stimme ich dir zu. Ich versuche meist, den Umfang auf eine Internetseite zu beschränken, so dass der Leser ihn insgesamt mit einem Blick erfassen kann. Bei längeren Texte wähle ich dann die Veröffentlichung in Etappen, wie ich es hier auch getan habe.

      Zu deiner treffenden Ritter-Metapher: Sie erinnert mich an Horst Fuhrmanns wunderbaren Aufsatz „Die selbstmörderische Antiquiertheit des Ritters“, wo er genau das thematisiert, was du auf die Journalistenzunft anwendest.

      • Nun … auch der zweite Teil … erfüllt mehr als alle Erwartungen. Weil er auch eine Perspektive beinhaltet, die über das Klagen über schlechte Zustände hinausgeht.

        Und es wiederholt sich möglicherweise etwas, was schon früher einmal so geschah:

        „Stadtluft macht frei“.

        Netzluft auch.

        Allerdings … betrübt mich Deine Müdigkeit. Erst recht, wo wir uns erst so kurz kennen. Ich möchte meinen Gefühlen in sofern Ausdruck verleihen, als das ich es Bedauern würde, Dich schon so früh zu verlieren……
        denn eine „Basisdemokratische Universität“ … wäre ein Projekt, das weit über Wikipedia hinausging.

        • Das Teppichhaus trägt ja schon lange den Untertitel „offene bloguniversität – cafeteria“. Inzwischen denke ich, dass die Cafeteria allein nicht reicht. Da müssen auch Seminarräume eingerichtet werden. Deshalb will ich bald ein Gemeinschaftsprojekt starten, und ich wäre froh, dich als Mitstreiter gewinnen zu können wie auch viele andere. Die basisdemokratische Universität existiert ja bereits innerhalb und außerhalb der Grenzen der Cafeteria. Aber es ist nötig, ihr eine vernetzte Struktur zu geben.
          „Netzluft macht frei“, ist ein toller Slogan.

          • Na gut. Gerne … nützliche erscheinende Dinge, die Zukunft lebensert machen – für viele Menschen – motivieren mich sehr. Melde mich freiwillig für den Lehrstuhl alltagstaugliche Feld-Wald- und Wiesenphilosophie und angewandte Eifelpolemik.

            Seminarraum Eifelphilosoph kann ich schon anbieten … mehr … habe ich gerade nicht.

            Einfach „Bescheid“ sagen, wenn es losgeht. Ich bin dabei.

  11. Aah – das tut gut, sehr schön entwickelt. JedeR, der oder die länger ernsthaft blogt, wird wahrscheinlich früher oder später von dem Gedanken befallen, was das alles eigentlich soll und ob man sich nicht komplett davon verabschieden sollte, und immer wieder machen das ja auch Leute, was ich in den meisten Fällen sehr bedauerlich finde. Aber der Gedanke ist auch für mich verführerisch, die ganze Zeit, die man plötzlich wieder zur Verfügung hätte … aber ich bin mir sicher, nach einiger Zeit würde mir etwas fehlen, und wenn man dann noch einen so aufbauenden Artikel liest …
    Vielen Dank!

    Ach, übrigens, ich glaube, viele, die sich da so negativ äußern, machen das nicht unbedingt in böser Absicht, sie sind einfach Blog-inkompetent. Die klicken da ein bißchen herum, lesen hier und da, was jemand über seine Verdauung oder über den Ärger mit dem Chef etc. schreibt – und finden das natürlich völlig hohl. Das war auch meine Reaktion, als ich mit dem Bloggen anfing. Man muß das erstmal eine zeitlang machen, also eine entsprechende Kompetenz erwerben und sich vernetzen, um überhaupt mitreden zu können.

    • Diese Zweifel kenne ich in schwachen Momenten, und ich halte sie für gut und richtig. Man sollte bei allem, was man tut, gelegentlich innehalten und sich befragen, nicht nur beim Bloggen. Der Zeitfaktor spielt eine große Rolle, denn ich neige auch dazu, mein Leben nach dem Schreiben auszurichten. Aber manchmal sage ich mir: Warum nicht? Es ist ein schöpferischer Akt und der bietet ein Element der Freiheit, macht den Menschen eben erst recht komplett. Ist es besser, beständig nur fremdbestimmte Dinge zu tun?

      Tatsächlich ist das Medium Blog noch immer für viele ein Buch mit sieben Siegeln. Es hat ja auch erkennbare Kinderkrankheiten, aber die hat jedes Medium in seinen Anfängen.

  12. Ich muß zugeben, ich war voll freudiger Erwartung als das Privatfernsehen hier in Deutschland eingeführt wurde. Es waren ja nur ein paar harmlose Sendungen, und viel ferngesehen habe ich damals eh nicht; der jugendliche Drang heraus aus den – auch eigenen – vier Wänden ließ kaum Zeit dafür.
    Heute, wo ich gerne mal entspannt einen Abend vor der Mattscheibe verbringen würde, bietet das Programm fast nichts für mich. Die Klassiker laufen kaum noch, heute ist „Herr der Ringe“ ein Klassiker (nach fünf Jahren!), von Filmen wie „Citizen Kane“ redet ja schon keiner mehr. Und die EIgenproduktionen der Privaten? Ich sage nur ja, Brechreiz!

    Auch das mit dem Schreiben ist so eine Sache, es gibt viele Leute hier die viel bloggen, und dann ihre Blogfreunde mit den simpelsten Fragen „belästigen“. Stundenlang online aber noch nie von Wikipedia und Google gehört? Das gibt es offensichtlich! Auch werden längere Texte kaum gelesen. Ich habe mir in meinem alten Blog öfters die Mühe gemacht Texte zu verfassen die zum Nachdenken anregen und erkläre sollten, aber die Resonanz war fast null. Also führe ich meine Diskurse doch im Real Life und blogge hier kurz, bündig und eher harmlos vor mich hi. Nicht tragisch, es ist amüsant und auch informativ, aber die Möglichkeiten des Mediums ließen ja viel mehr zu als leichtes Geplänkel.

    Ich weiß was ich weiß und habe Gott sei’s gedankt auch so genügend Gesprächspartner, jedoch hat die Hinwendung zum ’sich nur unterhalten und verblöden lassen wollen‘ schon vor 25 Jahren schleichend eingesetzt. Ich fürchte um die Kinder die in dieser Welt aufwachsen, um ihre Stärke und den Willen sich dem zu entziehen.

    • Mir ging es eigentlich ähnlich, als das Privatfernsehen begann. Allerdings war ich auch von Anfang an skeptisch, was die vollmundigen Versprechungen von Meinungsvielfalt betraf. Dazu hätte es des Privatfernsehens nicht bedurft in einer noch relativ offenen Gesellschaft, und es ist blauäugig zu glauben, sie käme von denen, die mit dem Medium in erster Linie Geld verdienen wollen. Natürlich hatten hier viele Fernsehschaffende die Gelegenheit zu arbeiten, die sie sonst nicht bekommen hätten. Aber sie standen eben unter dem Diktat des Geldes.

      Das Medium Blog steht nicht unter dem Diktat, und die meisten Blogs haben ja auch kein Massenpublikum zu bedienen. Ich finde gut, dass jeder schreiben kann, woran ihm liegt. Man muss es ja nicht lesen. Dumm finde ich nur, dass Blog.de seine Blogempfehlungs-Seite so einseitig und banal gestaltet, denn dort bekommt man nicht den Eindruck von der Vielfalt und der vorhandenen Qualität.

      • Auf die Empfehlungen hier schaue ich schon lange nicht mehr, ebenso wenig auf meine Statistiken und Seitenzugriffe etc. Wer liest liest, und kann einen Kommentar hinterlassen oder auch nicht.
        Die interessantesten Blogs habe ich mehr oder weniger durch Zufall gefunden, und diese haben dann auch interessante Links in ihren Blogrolls.

      • Eben nachgesehen, immerhin doch 46 Kommentare auf den „großen Teppich“, und das ist bei so einem Eintrag schon sehr viel (auch wenn er in Häppchen serviert wurde)

  13. Das Problem ist, dass du mit deinem vortrefflichen Text natürlich recht hast, die, die ihn lesen sollten das aber nicht tun werden, da sie mit B**D und RTL ausgelastet sind.

    Trotzdem gilt nicht, die Flinte ins Korn zu werfen, es weiter gemacht, ohne Druck, aber Nadelstiche müssen gesetzt werden…

  14. Interessant wie du das geschriebene gegen das gesprochene Wort gesetzt hast. Es ist schon richtig, allzu gern diskutiere ich im Vorfeld eine Problematik am Telefon aus, bevor ich in einer schriftlichen Ausformulierung die Sache auf den Punkt zu bringen versuche, denn aufgeschrieben ist nichts mehr so leicht zurückzunehmen, und man sollte dann schon wissen, was es werden sollte, um es „ablegen“ zu können.
    Jedoch, wenn ich blogge, passe ich, wie auch gern bei einer Emailübermittlung, den Schreibstil doch mehr meiner gesprochenen, meistens doch etwas schludrigen Ausdrucksweise an, weil ich glaube, das erlaubt und verträgt das Medium und macht es etwas unterhaltsamer. Zum anderen wird im Blog viel mehr mit Bildmaterial agiert, denn dieses schont die Konzentration.
    Leserbrief und Bloggen sind für mich zwei verschiedene Welten, beim Bloggen erlaube ich mir mit Begeisterung eine gewisse Schlampigkeit.
    Man kann aber, wie man hier liest, auch anders, und das ist gut so. Dank für deine Exkursion in die Macht und Ohnmacht der großen und kleinen Köpfe im Wort.
    Gruß marana.

    • PS:
      Gesetzlich vorgeschriebene Warnung des Buchhandels auf sach- und fachbezogenen Einkaufstüten.

      Lesen

      :-/

    • Gesprochene wie geschriebene Sprache haben ja ihre Vorzüge und ihre Nachteile, sie ergänzen einander aber, wie alle Medien sich ergänzen können. Im Internet nähert sich die geschriebene Sprache der gesprochenen Sprache an. Daraus ergeben sich Nachteile, aber auch Vorzüge, die man noch gar nicht so recht erfassen kann. Dass Schrift einmal ein Element der zeitnahen wechselseitigen Kommunikation werden könnte, war vor dem Aufkommen des Internets eigentlich undenkbar. Unter diesem Effekt wird sich das Denken ändern, wie es sich verändert hat, als die Schrift allgemein gebräuchlich wurde. In der Buchkultur gab es wenige Schreiber und viele Leser. Das Internet stellt hier eine Ausgewogenheit her, die für den Einzelnen eine Erweiterung seines Bewusstseins und seiner Erfahrungsbereiche bedeutet. Ich neige dazu, das zu begrüßen aus den Gründen, die ich weiter unten skizziert habe.

      Lieben Gruß
      Jules

  15. Manche Blogger überschätzen ihren Einfluss auf den Lauf der Dinge enorm. Auch wenn man in einer kleinen Gruppe ständig lobend erwähnt wird und X schon wieder bestätigt, dass Y „zum Thema alles notwendige gesagt hat,“, wird aus fünfzig Lesern keine Massenbewegung.

  16. wenn man diese verbale hilflosigkeit auch lesen kann…muss man sie deshalb noch lange nicht verstanden haben…stellungnahmen zu künstlich er/gezeugten lebensumständen interessieren eben nur wenige,da die mehrheit wohl schlauer zu sein scheint und auf ergussreiche analysen zu gunsten eines schwimmbad besuches oder einem besuch in der eisdiele verzichtet…
    man muss eben prioritäten setzen

    *hatte die letzten 3x tage weder telefon noch internet…es waren 3 sehr interessante tage…nicht das ich jetzt etwas neues gelernt hätte,nein das sicher nicht, aber interessant waren sie schon..

    **man sollte es so wie früher machen,wo nur samstags gebadet wurde….internet nur einen tag in der woche,leute wir würden wieder reden…hätten wieder den kontakt zu einander der uns mal ausgemacht hat.

    • Ja, du machst dir interessante Tage, und hier fehlst du 😉

      Ich achte darauf, dem fassbaren Leben und diesen Kontakten immer den Vorzug zu geben. Denn das Internet läuft ja nicht weg. Deine Erfahrung kann ich bestätigen. Nach meinem Umzug war ich fast vier Wochen ohne Internet, und in dieser Zeit habe ich viel mehr gelesen und Musik gehört als sonst. Solche Phasen tun gut. Aber ganz verzichten aufs Internet wollte ich nicht, denn sonst hätten wir uns ja nie kennen gelernt. Und wer brät mir dann eins mit dem digitalen Nudelholz über?

      • …das problem ist leider „bei mir“ das ,dass internet mittlerweile ein suchtproblem darstellt…
        aus dem grund sind reale kontakte leider mangelware und das nudelholz soll ja nur „eventuell“ hinter der tür lauern…es soll einem nicht den tag oder die nacht versauen…einfach nur das bodenständige nicht ganz vergessen lassen….es muss sich halt auch lohnen wenn man mal etwas später nach hause kommt 🙄

        • Ich merke immer wieder, wie schwer es ist, sich der Faszination des Internets zu entziehen. Zum Glück habe ich gelegentlich Phasen, in denen mir das alles zuviel ist, in denen ich auch nicht schreiben kann. Man muss halt wie überall im Leben versuchen, eine Balance zu finden.

  17. boah, hättste nicht mal vorher schreiben können, wie lang datt geht?? und kaum bilder. :))

    ich denke, das wir uns in kürze auf die ersten zensurattacken auch in blogs einstellen dürfen, alldieweil ja im moment über hintertüren genau dies einzustielen versucht wird.

    und somit sind wir wieder auf dem stand 18hundertpfeifendeckel. aber hauptsache alle rennen wählen.

    diesen ganzen pseudo-intellektuellen flachzangen auf ihrem autorenthrönchen kann man noch relativ leicht durch die qualität der beiträge in vielen blogs etwas entgegenhalten (ich mein jetzt nicht meinen blog, klar!?)

    aber einer bundesmilchkuh mit dem vereinten bka im rücken contra zu bieten, könnte irgendwann schwierig werden.

    na, wie dem auch sei. wär schade, wenn du dich abmeldest wo ich gerade wieder ankomme. menno.

    • Tut mir leid. :)) Den Text habe ich in Etappen veröffentlicht, und du hast jetzt leider die ganze Dröhnung auf einmal gelesen.
      Deine Befürchtungen teile ich. Anders als viele Blogger haben viele Politker die emanzipatorische und in ihren Augen subversive Kraft des Internets längst erkannt und nutzen jede Gelegenheit, das zu knebeln.

      Noch bin ich ja hier, aber ich muss was ändern, sonst verliere ich die Lust. Wir bleiben so oder so in Kontakt, und im offenen neuen Teppichhaus sind Leute wie du auch gefragt.

      • ich habe / hatte die gleiche phase. im urlaub den blog nicht wirklich vermisst, dann keine zeit etc. aber durch ein ziemlich langes gespräch mit einem gemeinsamen blogfreund habe ich mich entschlossen, doch weiterzumachen.

        ich glaube, das es noch nicht generell zu spät ist, dem treiben, was unsere volksvertreter momentan an den tag legen, einhalt zu gebieten. die frage ist nur, wie erreicht man die menschen und vermeidet parallel, das päderasten sich als zensuropfer betrachten dürfen bzw. man selbst mit dieser brut in einen topf geworfen wird.

        den „widerstand“ des journalismus gegen mich / uns schreibende affen nehme ich eher als ansporn und muss eigentlich mehr darüber schmunzeln (und das will bei einem choleriker wie mir was heißen).

        neues teppichhaus? jetzt bin ich neugierig…

  18. Herzlichen Dank für diesen kurzen und prägnanten zeitgeschichtlichen Medienabriss, den ich Schulen gern als Pflichtlektüre empfehlen würde.
    In Deiner auszeichnungswürdigen Darstellung, sehe ich eine echte Chance der unkritischen Jugend von heute ein Stück weit die Augen für die Realitäten zu öffnen.
    Deshalb würde ich mich freuen wenn es erlaubt ist, diesen Beitrag weiter zu verbreiten. (u.a. auf meiner Webseite)
    Arbeite selber an einem Gymnasium, (als dumpf besenschwingender Hausmeister) und würde Deinen Artikel inkl. Urheberbezug gern der Fachbetreuung an die Hand geben.
    Im ürbigen erachte ich die Vernetzung der subkulturen Blogwelt als interessante und bereichernde Lebenserfahrung. Trotz der bestehenden Unverbindlich- und Flüchtigkeit würde mir echt etwas fehlen, wenn ich nicht täglich etwas Neues oder inspirierendes entdecken würde.

    • Hallo Klaus,

      vielen Dank für deine lobenden Worte. Selbstverständlich kannst du den Text verlinken oder anderweitig verbreiten. Ich erbitte nur eine Quellenangabe, und die hast du ja schon zugesichert. Im letzten Jahr war ich auf der zwanglosen Abschiedsfeier meiner ehemaligen Direktorin am Gymnasium und traf dort nicht nur Kollegen wieder, sondern auch einen klugen, gebildeten und studierten Mann, der das Bier zapfte und zu meinem Erstaunen kein Lehrer war, sondern eine ähnliche Funktion innehatte wie du. Ich hatte diesen Beruf freiwillig aufgegeben, und er wünschte sich, sein zu dürfen, wozu er studiert hatte. Das hat mich gerührt und auch ein bisschen wütend gemacht. Ich sah eine der Folgen der erbärmlichen Bildungspolitik, und man muss schon sehr blauäugig sein, darin nicht eine gewisse Absicht zu vermuten, nicht eine Verschwörung, wie ich oben schon gesagt habe, aber ein dumpfes Reagieren der Politik auf tief sitzende Ängste vor dem selbstständig denkenden Volk. Da ist es immer wieder ein Wunder, dass sich trotzdem viele kluge Köpfe in allen Generationen finden, selbst in der so oft gescholtenen Jugend. Ich war am Gymnasium gut 14 Jahre der gewählte SV-Lehrer und habe leider die Erfahrung machen müssen, dass gerade solche Schüler, die nicht nur ihren eigenen Bildungsweg gehen, sondern sich für ihre Mitschüler in der SV engagieren, im schulischen Alltag scheitern. Denn es fehlt die Zeit für solche Aktivitäten, und durch die Verkürzung auf 12 Schuljahre hat man sie noch beschnitten. Das alles ist deprimierend, und ich bin recht froh, dass ich die Misere nur noch von außen betrachten muss, denn auch Lehrer zerreiben sich im schulischen Alltag, und ich habe große Achtung vor allen Mitwirkenden der Schule, die sich nicht unterkriegen lassen.

      Beste Grüße
      Jules

      Nachtrag: Der autobiographische Bericht auf deiner Webseite ist erschütternd. Glückwunsch zur offenbar erfolgreichen Bewältigung schlimmer Erfahrungen und zu deinem Engagement.

      • Hallo Jules

        Um die sichere Einkommensstellung eines Oberstudienrats zu verschmähen, muss bei Dir ja schon einiges an Frust über die Leber gelaufen sein.
        Da kann ich nur hoffen, dass Du inzwischen Deine wahre Berufung gefunden hast.
        Ähnlich wie ich mich freuen kann so etwas wie meine Berufung im Handling abwechslungsreicher Verantwortungsbereitschaft gefunden zu haben.
        Zwar in manchen Belangen etwas unterfordert, bietet mir aber dafür genügend Freiräume um die soziale Schieflage in unserem Bildungswesen treffend zu erfassen, die mir später noch als hervorragende Steilvorlagen für weitere Bildungsreformforderungen dienen könnten.

        Wenn wirklich etwas erschütterungswürdig ist, dann ist es wohl eher die allgemeine Arroganz, wie mit demonstrativem Desinteresse, nichts unternommen wird um klar ersichtliche Missstände mit wirkungsvollen Präventionsmaßnahmen zu begegnen.
        Von daher teile ich Deine Ansicht, dass Bildungspolitik scheinbar bewusst Bildung und die Entwicklung selbstbewusster Mitbürger zu verhindern sucht, um der Wirtschaft weitgehend unmündige und stromlinienförmig vorselektierte Arbeitssklaven zuzuführen.
        Und uns wurde mal weis gemacht, in der ex-DDR seien die Menschen einer dauerhaften Gehirnwäsche unterzogen worden.
        Ich denke der heutige Westen ist in seinem Sozialwesen weit gravierender deformiert, als es der Osten je gewesen sein soll.
        Und ja, vielen Dank für Deine erteilte Erlaubnis 🙂
        MfG. Klaus

  19. Lieber Jules,
    den kompletten Text kann ich mir erst nach dem Urlaub zu Gemuete fuehren – aber solange du deine neue Adresse bekannt gibst ist das ja kein Problem
    liebe Gruesse aus Arizona
    reinhold

  20. Lieber Trithemius,

    vielen Dank für diese Klarstellung. Es ist wirklich oft so, dass man die Perspektive nicht oberhalbt des eigenen Zeitalters hebt. Dabei könnte die Menschheit noch so viel lernen!..

    Deinen Text muss man überall aushängen, an allen Wänden dieser Städte. Denn deine Worte sprechen Wahrheit.

    • Lieber Merzmensch,

      herzlichen Dank für dein freundliches Lob. Den Text an den Wänden zu finden, fände ich hübsch. Es wäre aber ein ziemlich großes Plakat 😉

  21. Was mir am Bloggen von Anfang an gefallen hat, ist, dass es ein demokratisches Medium ist und, zumindest was die Blog-Autoren betrifft, nicht profitorientiert. Was mir von Anfang an nicht gefallen hat, ist das Lesen langer Texte am Bildschirm (obwohl ich das meinen Lesern auch zumute). Aber man kann’s ja ausdrucken, und das werde ich auch tun, denn Dein gut recherchierter und fundierter Eintrag ist das Papier allemal wert. Vielen Dank dafür.

    • Ja, so sehe ich das auch, obwohl es natürlich längst bezahlte Blogger gibt. Ich lese inzwischen lieber vom Bildschirm als früher, weil es viele Texte eben nur so zu lesen gibt. Doch manches hätte ich auch gern in gedruckter Form. Hab mal eine Weile mit dem Gedanken gespielt, eine Blogzeitschrift zu machen, in der lesenswerte Texte versammelt sind. Aber dazu fehlt mir das Startkapital.

      Dankeschön, dass du dir die Mühe mit diesem Text hier gemacht hast und für das Lob.

      • Das mit den bezahlten Bloggern habe ich auch schon gelesen. Ich ahne verschwommen, worum es dabei gehen könnte, aber es interessiert mich nur mäßig oder nur insofern, als es mich wohl schon ärgern würde, außer dem Betreiber der Plattform, der ja seine Werbeeinnahmen dank der Einträge und dadurch bewirkte Klicks erzielt, noch weiteren Profiteuren die Taschen zu füllen (für lau). Mein Talent etwas, oder gar mich selbst, zu vermarkten, ist skandalös unterentwickelt. Im Blog schreibe ich wenigstens nicht nur für die Schublade, sondern bekomme ein bisschen Feedback.

        Es war übrigens keine Mühe, sondern ein Lesevergnügen und das Lob sehr wohl verdient.

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