Editorial – Neun Jahre Teppichhaus Trithemius müssen reichen

Liebe Leserin, lieber Leser! Liebe Freundinnen und Freunde dieses Blogs!

Niemand weiß, wieviel Zeit ihm noch bleibt. Wir wachen viele Male morgens auf und finden uns zurück im vertrauten Leben. Das nährt die Vorstellung, dass es ein Gewohnheitsrecht darauf gibt. Schon zweimal wurde ich nachdrücklich darauf hingewiesen, dass es ein solches Gewohnheitsrecht nicht gibt. Die Idee ist eine Anmaßung, eine Illusion, die uns die Gedanken an die eigene Endlichkeit erträglich macht. Bisher bin ich trotz Herzinfarkt, trotz Schlaganfall weiterhin morgens aufgestanden, habe mich auf meine Alltagstermine gerichtet, und wenn mir Zeit genug blieb, habe ich mein digitales Teppichhaus aufgesucht, ganz wie ich früher in meinem Tagebuch gelebt habe.

„Aber Bloggen! Wozu die Menschen heutzutage Zeit finden!“, schrieb mir einst voller gewolltem Unverstand Titanicredakteur Thomas Gsella. Als ich im Jahr 2005 das Bloggen für mich entdeckte, war mir rasch klar, dass ich an einer umfassenden kulturellen Revolution teilhatte, vergleichbar der Umwälzung, die um 1440 durch Gutenberg und seine Erfindung der Druckkunst angestoßen wurde. Das Blog war mir ein Tagebuch, das in eine bis dahin unbekannte Dimension hinausragte. Es bot mir vorne die Illusion einer 2. Dimension, vergleichbar einer leeren Tagebuchseite, war aber nach oben, zu den Seiten und nach hinten weit offen, quasi geöffnet für jeden. Natürlich waren und sind die Besucher gestaltlos, bestehen für mich nur aus Geist, der sich ein Bild gegeben hat. Umgekehrt bin ich für sie nichts anderes. Im Blog und für das Blog erzeugen wir Bilder und tauschen sie aus. Daher war ich bestrebt, meinem Blog ein besonders eindringliches Bild zu geben, das Bild eines Teppichhauses mit mir darin im grauen Kittel. Das Bild ist eher zufällig entstanden, aus einem für mich und die damaligen Leser notwendigen „Ausverkauf der schlechten Gefühle“. Die so entstandenen frisch getünchten digitalen Räumlichkeiten erwiesen sich aber als ausbaufähig. Darüber hinaus ist der Teppich ein Textil und daher verwandt mit dem Wort Text.

„Text“ hat ursprünglich nur die Bibel geheißen, weil die Worte der Bibel als unveränderlich galten, unveränderlich wie eine Textur, wie eine bestimmte Gewebestruktur, die auseinander fällt, wenn man nur ein Element daraus entfernt. Ein Blogtext ist genau das Gegenteil. Er hat eine dynamische Struktur, kann überall und jederzeit spurlos verändert werden. Weil der Mensch Bilder braucht, um zu verstehen, was er nicht anfassen kann, habe ich das Teppichhaus bevölkert. Es gibt eine schöne, niemals alternde Filialleiterin, Frau Nettesheim, und hinten im Lager schuftet ein Volontär, der gewissenlose Hanno P. Schmock. Irgendwo zwischen verstaubten Teppichstapeln hocken auch die chronisch arbeitsscheuen Teppichhaus-Humorexperten. Und beinah in Vergessenheit geraten ist das Pataphysische Institut und dessen Leiter Professor Jeremias Coster:

Nachtwache im Pataphysischen Institut der RWTH Aachen im Gebäude des Instituts für Nachrichtengeräte – Foto und Gif-Animation: Trithemius

Viele Jahre hat diese Bildhaftigkeit die Fantasie der Besucher beflügelt, und in den ersten Jahren gab es einen inspirierenden regen Austausch, so dass es mir möglich war, die Leistungsfähigkeit des Mediums Blog auszutesten mit allerlei verknüpfenden Experimenten und Aktionen. In allen neun Jahren des Bloggens habe ich vor allem die Kontakte genossen, den geistigen Austausch mit faszinierenden Menschen, über Zeit- und Ortsgrenzen hinweg, wie er sonst niemals möglich gewesen wäre. Jeder neue Akteur im Teppichhaus war mir eine Offenbarung und Bereicherung und Teil eines immer größer werdenden Netzwerkes.

In letzter Zeit hat sich in dieser Hinsicht viel verändert. Die Strahlkraft des Teppichhauses hat stark nachgelassen. Obwohl ich weiterhin meine Texte sorgfältig gestaltet habe und jeden Tag besser werden wollte, jeden Kommentar und den Menschen dahinter wichtig genommen habe, ist die Kommunikation im Teppichhaus eingeschlafen. Ich kann mich der Vorstellung kaum erwehren, dass ich das Teppichhaus in den Keller geschrieben habe. Es wird nach wie vor oft besucht, doch die meisten Kunden schauen nur und äußern sich nicht. Aber nur ihre Äußerungen könnten die Farben und Muster der Auslagen auffrischen und so recht zum Leuchten bringen. In seinen besten Jahren war das Teppichhaus als eines von 11 deutschen Blogs für den internationalen Blog-Award der Deutschen Welle nominiert.

Das war gerechtfertigt, weil das Teppichhaus ein überaus lebendiges Blog war. Davon sind wir jetzt weit entfernt. (für Details bitte Zumwinkel klicken)

Im November besteht
das Teppichhaus neun Jahre. Bis dahin will ich meine Aktivitäten in diesen Räumen auslaufen lassen. Anfang November werde ich eine Woche in Weimar sein und an der Bauhaus Universität zum Thema Handschrift lehren. Natürlich will ich weiterhin schreiben. Ich habe an einem Roman begonnen, der in sich beschließen soll, was ich kann und weiß. Der soll noch fertig werden, obwohl ich nicht mehr unendlich viel Zeit habe. Mein Therapeut fragte letztens, warum ich das Bloggen nicht aufgebe und mich voll meinem Roman widme. Ich sagte: „Mir würden die Kontakte fehlen.“ Aber wenn ich mir die Resonanz unter den letzten Arbeiten ansehe, muss ich feststellen, dass die Kontakte auch jetzt schon fehlen. Warum also weiter bloggen, den gut 2000 Texten in den drei Teppichhausfilialen weitere 1000 hinzufügen? Bloggen lebt vom Austausch. Wenn der Austausch fehlt, erübrigt sich für mich das Bloggen. O, ich habe noch einige Ideen, die ich abarbeiten möchte. Aber im November, nach neun Jahren, verlasse ich das Teppichhaus.

Beste Grüße, Ihr

P.S.: Vielleicht gibt es ab November an anderer Stelle ein Projekt, wo sich der Roman in seinem Fortkommen verfolgen lässt.

Musiktipp
Two Door Cinema Club
Undercover Martyn

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40 Antworten auf Editorial – Neun Jahre Teppichhaus Trithemius müssen reichen

  1. es kommt ja sehr erschwerend hinzu, dass ich gerade 6*7 ausrechnen musste, um hier zu kommentieren;-)
    nein, im ernst: ihr blog ist für mich eines der lesenswertesten, abwechslungsreichsten, sprachmächtigsten …. da wär es ÄUSZERST schade drum!
    und in letzter zeit (verregneter sommer?) dünkt mich, dass die blogwelt sich doch wieder ein wenig wiederbelebt. also: lassen gerade sie es NICHT bleiben! wie weiß ich denn sonst, dass der roman fertig ist?

    • trithemius

      Wenn es Sie tröstet: Ich muss ebenfalls rechnen, bevor ich Ihnen antworten kann. Inzwischen genieße ich die kleinen Erfolgserlebnisse. Wenn meine Rechnung vom Tool akzeptiert wird, dann ist’s mir fast als würde meine verehrte Grundschullehrerin mir einen Smilie ins Heft stempeln.
      Küss die Hand, gnä Frau, für die drei freundlichen Superlative. Gestatten Sie mir den sprach- und wirkmächtigen Gracian aus seiner “Kunst der Weltklugheit” zu zitieren:

      “Nicht abwarten, daß man eine untergehende Sonne sei

      Es ist eine Regel der Klugen, die Dinge zu verlassen, ehe sie uns verlassen. Man wisse, aus seinem Ende selbst sich einen Triumph zu bereiten. Sogar die Sonne zieht sich oft, noch bei hellem Scheine, hinter eine Wolke zurück, damit man sie nicht versinken sehe und ungewiß bleibe, ob sie untergegangen sei, oder nicht. Man entziehe sich zeitig den Unfällen, um nicht vor Beschämung vergehn zu müssen. Laßt uns nicht abwarten, daß die Welt uns den Rücken kehre und uns, noch im Gefühl lebendig, aber in der Hochachtung gestorben, zu Grabe trage. Der Kluge versetzt seinen Wettrenner bei Zeiten in den Ruhestand und wartet nicht ab, daß er, mitten auf der Rennbahn niederstürzend, Gelächter errege. Eine Schöne zerbreche schlau bei Zeiten ihren Spiegel, um es nicht später aus Ungeduld zu thun, wann er sie aus ihrer Täuschung gerissen hat. “

  2. 8-7 war jetzt vergleichsweise einfach! denn jetzt hab ich oben vor lauter panegyrik glatt aufs gratulieren vergessen. also: gratuliere zu neun jahren unveränderter qualität!

  3. und wieso krieg ich hier die schweren aufgaben? vier mal sechs…. naja.

    ich denke, das viele blogger, die in den nuller jahren (sagt man so?) angefangen haben einfach müde sind. oder so. und das die zeiten sich geändert haben. anders geworden sind. die trommeln trommeln zum krieg. oder so. naja, und facebook. alle schimpfen ´drüber, aber jeder hat´nen account.
    wie dem auch sei – alles gute, weiterhin!

    • trithemius

      Why Does It Always Rain On Me?

      Ja, da hast du vermutlich Recht. Ich hätte nie gedacht, dass die Begeisterung so rasch nachlassen würde, aber im Internet geht alles schneller. Wir beide kennen uns für Internetmaßstäbe schon ewig und haben erlebt, wie viele Blogger sich zurückgezogen haben und sich jetzt bei Facebook, Twitter oder sonstwo austoben. Ach, und die Zeiten: Oft leide ich am Weltschmerz und oft habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich nicht zu den Ungeheuerlichkeiten äußere, die ringsum längst alltäglich geworden sind. Das auszublenden wird immer mühsamer, es zu verarbeiten erst recht.
      Vielen Dank, Dir auch!

  4. Einerseits bin ich ganz bei dir und andererseits verstehe ich dich überhaupt nicht. Meistens brauchte ich in meinem kurzen Leben ungefähr sieben Jahre, bis mich der Hafer stach und ich etwas anderes tat, tun musste, häufig hatte dies mit Dingen zu tun, die mir lieb und teuer waren, die ich immer noch gern wieder tun würde und manchmal, nur so zum Spaß, auch tue. In den Fällen, wo ich die sieben Jahre über Gebühr strapazierte, fällt bzw. fiel es mir häufig schwer, einen ordentlichen Abschluss zu finden, dann verzettele ich mich und schiebe auf und hoffe auf Besserung oder eine spontane Befreiung oder irgendwas, aber es bleibt meist ein Ende auf Raten.
    Dein Ende auf Raten präsentierst du uns also im August, und irgendwie provozierst du natürlich auch, dein Ende hinauszuschieben, indem wir dich mit Kommentaren bombardieren, vielleicht nutzt es ja was, vielleicht aber auch nichts, wir werden sehen.
    Und noch etwas: du hast dein Blog garantiert nicht in den Keller geschrieben, du kennst das Rezept eines aktiven und präsenten Bloggerlebens nur zu gut, hast du mir doch selbst einmal erzählt, wie du einen sog. A-Blogger (also diejenigen, mit Klickzahlen weit über deinen) danach fragtest, wie er es schaffe, dass so viele Leute bei ihm sind. Er antwortete dir, dass er regelmäßig und oft kommentiere und zwar nicht nur in seinen Lieblingsblogs, sondern auch anderswo, dort, wo er eine Meinung zu hat und dort, wo er keine hat. Das ist natürlich nur ein Rezept, das hier ist ein anderes: [Externer Link]
    Es gibt im Leben zwei Sorten von Menschen, diejenigen, die man besucht und diejenigen, die einen selbst besuchen. Ich gehöre zu denjenigen, die immer andere besuchen, Herr Putzig gehört zu den wenigen, die ich kenne, die von anderen aufgesucht werden. Ich habe keine Ahnung, warum das so ist, ich bin kein schlechter Gastgeber und auch kein ungehöriger Besucher (meistens), aber so ist das nun einmal. Präsenz ist davon abhängig, wie oft man besucht oder besucht wird, wird man nicht oft genug besucht, heißt das, man muss sich eben auf die Socken machen.

    • trithemius

      Wer mich überhaupt nicht versteht, dem brauche ich nichts zu erklären. Also antworte ich dem, der “ganz bei mir ” ist. Anders als du junger Mensch muss ich mit meiner Kraft haushalten und sie bündeln. Es gibt für mich nicht mehr den Luxus der nach oben offenen Siebenjahresskala. Ich kann und will mich nicht täglich auf die Socken machen für die Ochsentour, wie der von dir angeführte Blogger mal UNGEFRAGT empfohlen hat. Soll ich etwa mein Teppichhaus buckeln und damit hausieren gehen? Ich brauche keine Rezepte und will auch nicht “netzwerken”, wie du es in einem schönen Experiment getan hast, woran ich mich auch beteiligt habe. Wenn ich mich darüber hinaus weiterhin verzettele, bekomme ich den Roman nie fertig, obwohl ich schon gefühlt ewig an ihm arbeite. Das Teppichhaus ist ein nach oben offenes Projekt, das beliebig enden kann, aber der Roman ist bisher nur Stückwerk. Sowas hinterlässt man nicht.
      Indem es mir schwer fällt, das geliebte Teppichhaus aufzugeben, nehme ich mir zwei Monate Zeit, mich davon zu lösen und mich dem anderen Projekt zuzuwenden.
      Zum Besuchtwerden oder nicht, halte ich es mit meiner Mutter und ihrem Satz: “Wer nit kütt, bliev do.” (Wer nicht kommt, bleibt da.)

    • trithemius

      [Externer Link]
      Du hast oben zu einem Blog verlinkt, zu dem ich keine Kontakte unterhalte. Im verlinkten Beitrag wird wiederum zu weiteren Blogs verlinkt, deren Inhalt ich nicht kenne. Darum habe ich den Link aus deinem Kommentar getilgt.

      • Das ist Zensur!!!!!1! Das ist ein freies Land, ich bin empört!!!!1!
        Mit diesem Blogger zusammen haben wir unseren Lesekreis gemacht, falls du dich erinnerst;)
        Ich hoffe, ich konnte die Wogen ein wenig glätten gestern Abend, spätestens heute Morgen. Es ging mir ja lediglich um das “in den Keller schreiben”.

        • trithemius

          Nur Vorsicht. Du weißt, dass man auch für den Inhalt verlinkter Blogs verantwortlich gemacht werden kann. Und ich habe keine Lust, die alle nach inkriminierenden Inhalten zu untersuchen.

          Egal, war lustig heut Morgen!

  5. iGing

    Ich werd’ es mir dann mal auf einem Teppichstapel gemütlich machen und mich nach und nach im verbleibenden Rest des Teppichhauses umsehen. Da trifft es sich gar nicht schlecht, wenn nicht ständig neue Teppichlieferungen hereinkommen, sonst komm’ ich da wieder nicht hinterher mit dem Stöbern. Viel Spaß beim Weben des neuen Teppichs!

    • trithemius

      Ein hübsches Bild! Oft habe ich befürchtet, dass die “ständig neuen Teppichlieferungen” die geneigte Kundschaft überfordern. Aber ich habe darin keinen Rhythmus. Wenn mich eine Sache beschäftigt, muss ich etwas dazu schreiben oder gestalten. Phasen der Unproduktivität. kann ich nicht gut aushalten und trachte danach, wieder Neues anzubieten, weil ich lange nicht wahrhaben wollte, dass ich die frühere Lebendigkeit nicht herbeischreiben kann. Muße zu bieten, ist natürlich auch eine Qualität.
      Vielen Dank! Und Ihnen viel Vergnügen beim ungestörten Stöbern!

  6. Neun Jahre reichen natürlich nicht, jedenfalls nicht uns Lesern. Man braucht doch auch positive Konstanten in seinem Leben, und wenn eine wegfällt, ist das sehr schade. Aber das sind egoistische Vorbehalte. Ich verstehe Dich sehr gut, besonders angesichts der nie nachlassenden Qualität Deiner Einträge kann ich mir vorstellen, daß sie viel Zeit kosten und Dich von anderen Dingen abhalten, die Dir auch wichtig sind. Die Aussicht auf einen fertigen Roman von Dir ist allerdings tröstlich.

    Manchmal habe ich mich auch schon gefragt, ob es nicht genug ist mit dem Bloggen, aber dann habe ich mir vorgestellt, wie das sein wird: Ich laufe weiterhin fotografierend durch die Welt und mache Fotos – für die digitale Schublade (=Festplatte). Viel mehr Spaß macht es, wenn man sie mit jemandem teilen kann, das (Mit-)Teilenkönnen ist geradezu Anlaß und Ansporn, und mir geht auf, was für ein Glück ich habe: Ich lebe in einer Zeit, in der ich ohne allzugroße Mühe ganz nach meinem Geschmack mit meiner Fantasie in die Öffentlichkeit gehen kann, und tatsächlich gibt es ein paar Leute, die das interessiert. Großartig! – trotz der gelegentlichen Müdigkeit.
    Was wirst Du mit Deinen Ideen machen, neben und nach Deinem Roman? Du kannst doch gar nicht anders als kreativ sein und schreiben, oder täusche ich mich? Für die Schublade schreiben? (Versteh mich nicht falsch, das ist kein hinterhältiger Überredungsversuch, weiterzumachen, es interessiert mich wirklich.)

    • trithemius

      Deine abschließende Frage hat mich ehrlich gesagt verblüfft, weil ich so weit in die Zukunft gar nicht gedacht habe. In den letzten Wochen beschleicht mich eine seltsame Endzeitstimmung, so dass ich froh bin, wenn ich den Roman noch fertigstellen kann. Lange Zeit war ich ganz naiv davon ausgegangen, dass es mir langsam immer besser gehen würde, was für einige meiner Probleme gilt. Doch ist gibt auch Stagnation und sogar gegenteilige Entwicklungen, linksseitige Schmerzen in Schulter, Arm und Hand, gegen die kein Kraut gewachsen scheint und auch die beste Physiotherapie nicht hilft. Und die Medikamente machen mich spätestens mittags völlig platt, so dass mir zum konzentrierten Arbeiten nur der Vormittag bleibt.
      Trotzdem bin ich froh über die Herausforderung des Lehrauftrags in Weimar und hoffe, es wird mehr daraus. Der Roman ist zwar in Teilen schon geschrieben, aber liegt mir mit diesen zu verknüpfenden Teilen als gewaltiges Massiv vorm Bauch, weil ich mir mal wieder zuviel vorgenommen habe.

      Ich finde toll, wie du deine Arbeit und deine Motivation zu bloggen beschreibst, finde auch, dass deine Fotoreportagen immer besser werden, was die Hintergrundinformationen betrifft und die feine Ironie, mit der du alles würzt. Ich lasse mich bestimmt weiter in deinem Blog blicken.

      .

      • Lieber Herr TT,
        mein Denken geht in etwa dieselbe Richtung, wie ich sie bei Herrn Videbitis herauszulesen meine, und ich möchte mich an seine trefflichen Ausführungen anhängen, aber anstatt nur “das finde ich auch” zu schreiben, mache ich dann noch ein paar Worte dazu.

        Das Schreiben wirst du sicher nicht aufgeben, das scheint mir deine Berufung zu sein, und da wird es doch trotz Änderung der Teppichhaus-Öffnungszeiten möglich sein, hin und wieder einen neuen sowieso verfassten Artikel in die Auslage zu legen, denn deine Leserschaft wird dir treu bleiben, das dürfte doch mal klar sein.
        :-)

        • trithemius

          Liebe Marana,

          Du hast ja miterlebt, als ich mich von der Plattform Blog.de verabschiedet habe. Damals ging und heute geht es darum, etwas Neues zu machen. Noch bin ich ganz unsicher, was denn jetzt werden soll und hoffe, bald morgens aufzustehen und mich auf die Welt meines Romans zu freuen wie es damals beim PentAgrion war, den du so wunderbar begleitet und gefördert hast. Gewiss werde ich nicht auf Kontakte mit den treuen Teppichauskundinnen und -kunden verzichten können und mich ab und zu entweder hier oder in einem neuen Blog melden.

          Bis dahin alles Liebe!

  7. Obwohl es ohne Teppichhaus irgendwie unvorstellbar scheint, kann ich natürlich verstehen, dass es dich drängt, vorrangig Wesentliches zu vollenden. Die Sache mit Roman und Lehrauftrag liest sich gut, und die Kräfte wollen gut eingeteilt werden. Aber lass bitte keine Endzeitstimmung aufkommen, fass weiterhin Mut und trotze den Schmerzen und Beeinträchtigungen so gut es geht, denn es ist nicht auszuschließen, dass wieder bessere Phasen kommen. (In meinem Umfeld kenne ich da einige bemerkenswerte Beispiele, mein Onkel fällt mir als erstes ein. Man möchte nicht glauben, womit einen das Leben bis ins hohe Alter doch noch überrascht, auch wenn man selbst vielleicht schon mehrmals meinte, das wäre es nun (fast) gewesen.)

    In diesem Sinne alles Gute für dich, deine Gesundheit und deine Vorhaben. Mögen sie dich stets davon abhalten, nicht mehr zu wollen. Du hast noch so viel zu geben, warst und bist mir sowie vielen anderen ein guter Lehrmeister. So einen möchte man nicht missen, auch wenn er selber meist zuwenig zurückbekommt. Klingt egoistisch, isses auch. Aber trotzdem … ;)

    • trithemius

      Deine guten Wünsche und tröstlichen Worte haben mich wirklich angerührt, liebe Jessie. Das Prädikat “Lehrmeister” zu sein, erfreut mich, zumal du ja zu den ganz frühen Freundinnen des Teppichhauses gehörst und meiner erfreulicher Weise noch immer nicht überdrüssig bist. ;)
      Die drei Teppichhäuser sind für mich durchaus etwas Wesentliches. Sie bleiben ja erhalten, bis dereinst die Server abgeschaltet werden. Es stecken viele Unwägbarkeiten in der digitalen Publikation. Wenn einer der drei Hoster der Teppichhäuser mal irgendwann die Geschäfte aufgibt, ist vieles weg. Zum Glück habe ich ja schon einige Texte in diverse E-Books geschaufelt. Es fehlen hier aber gestalterische Elemente und vor allem fehlt die Interaktion aus den Kommentaren, die, wenn man zurückblickt, ja längst mit den Texten verschmolzen ist. In gewisser Weise entspringt das Buchvorhaben auch einem Egoismus, nämlich mit dem Buch etwa wirklich Bleibendes zu schaffen.

  8. Dass Sie Ihr Teppichhaus schließen wollen, ist sehr betrüblich.
    Gutes Gelingen und guten Erfolg für Ihren Roman.

    • trithemius

      Ganz so schlimm soll es nicht werden. Es ist nicht so, dass ich abschließe und den Schlüssel wegwerfe. Die Türen bleiben offen und sollte es mich zu sehr jucken, kann ich mich jederzeit aus dem Off melden.
      Dankeschön für die guten Wünsche!

      • dann hoffe ich, dass es sie noch offt juckt. und dass sie ihren roman vollenden. und dass ich ab und zu hier was lesen kann.
        ich bin mittlerweile auch neun jahre dabei, es macht müde. ich habe aber festgestellt: wenn man in übung bleibt, dann klappt es auch mit dem roman (kurzgeschichten, essays) besser. ;-)
        sechs minus vier… nein, sechs minus ist vier… das schaff ich!

        • trithemius

          3+x=fünf
          Sie und wir dürfen stolz sein, solche Aufgaben lösen zu können. Offenbar sind sie schwerer als man denkt, denn bisher scheitern die Spam-Bots daran.
          Sie sind schon neun Jahre dabei? Schande, dass wir uns erst so spät begegnet sind. Ja, das tägliche Schreiben trainiert. Ich will darin auch nicht nachlassen. Schon am Samstag gibts was aus aktuellem Anlass.

  9. Jetzt habe ich heute erst diese Seite entdeckt und muß leider feststellen, daß sie frisch vollendet ist.
    Schade.

  10. Es stimmt. Bloggen lebt vom Austausch. Der Niedergang von blog.de war nur ein Symptom eines Wandels und das erstarken von Facebook- und Twitter-Blogging im Dienste von Kurzmeldungen. Auch ich bin diesem Verfallen.
    Es stimmt: Kommentare sind das Salz in der Blogsuppe. Und im Gegensatz zu einer Suppe kann es beim Bloggen nie genug an Salz fehlen. Fehlt das Salz, wird das Bloggen fad. Und mir waren die Kommentare von dir und zu dir immer eine Bereicherung gewesen. Stichwort “Lesenächte”. Seitdem du aus verständlichen Gründen “blog.de” den Rücken gekehrt hast, ist bei dir die Interaktion zurück gegangen. Ich selber hatte zweimal versucht meinen Blog zu verlagern, bin aber letztendlich bei blog.de verhaftet geblieben, denn weder auf twoday noch auf wordpress gab es irgendeine Resonanz (außer ein, zwei eklige Trolle). Ich verblieb also auf “blog.de” und wo meine Bloggerei hingekommen ist, kannst du erkennen (ja, gerade wieder etwas frisch gebloggt, was aber nicht wirklich tiefgründig ist, sondern eher plakativ und den neuen Lesegewohnheiten entsprechend).
    Es ist schade, dass dich die Änderungen der Lesegewohnheiten der Internetnutzer ebenso trifft. Aber es ist verständlich. Wenn ich sehe, auf welchen Seiten ich mich rumtreibe, dann wird mir klar, dass deine Klage berechtigt ist.
    Es schmerzt mich schon, dass du im November (der deutsche Depri-Monat schlechthin) dein Teppichhaus still legen wirst. Es ist schade, aber verständlich, wenn ich deine Situation berücksichtige. Aber das Gute ist, dass du nicht aufhörst zu schreiben und etwas Neues schreibst.
    Und warum ich jetzt an Hesses “Stufen” denke, kannst du dir denken.
    LG aus München
    Franz

    • trithemius

      Hallo Franz!
      Schön wieder von dir zu lesen!
      Hesses Gedicht “Stufen” konnte ich sogar mal auswendig. Da war ich 24 und begann gerade zu studieren. Verstehen kann ich es jetzt erst richtig:

      S t u f e n

      Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
      Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
      Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
      Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
      Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
      Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
      Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
      In andre, neue Bindungen zu geben.
      Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
      Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

      Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
      An keinem wie an einer Heimat hängen,
      Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
      Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.
      Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
      Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
      Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
      Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

      Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
      Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
      Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden …
      Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

      (Hermann Hesse)

      Danke, dass du daran erinnert hast. Ich bin froh, dass du wieder schreibst. Schließlich währt unsere Blogfreundschaft schon mindestens acht Jahre und wir haben viel zusammen gemacht wie etwa den PentAgrion. Dass das Internet-Romanprojekt nicht weiterkam, ist gewiss meinem Weggang von Blog.de geschuldet. Schade, dass du so schlechte Erfahrungen gemacht hast, als du dein Blog verlagern wolltest. Trolle waren für mich eine typische Erscheinung von Blog.de.

      Der November war für mich nie ein Deprimonat. In all den Jahren war ich besonders kreativ, wenns stürmt und regnet und mich nichts nach draußen lockt. Ich hoffe bis dahin dem Bloggen im Teppichhaus entsagen zu können und trotzdem produktiv zu sein.

      Lieben Gruß von der Leine an die Isar,
      Jules

      • PentAgrion war genial. Ein interaktives Internet-Romanprojekt, wie ich es zuvor nie in dieser Form kannte. Und die Erschaffung des Hintergrunds von PentAgrion hatte mir Spaß gemacht, obwohl ich bis heute nicht weiß, wo es hätte enden sollen. Nachdem mir alte Zeichnungen von einer Münchener Post-Untergrundbahn (zwischen Hauptbahnhof und Postverteilstation, der heutigen Börse) in die Hände fiel und ich dann noch jenes alte wirre Schriftstück “Himbeereis auf Stragula, oder Colabüchse am Westwall” (Verfasser und Urheberrechte mir absolut unbekannt und nach zweimaligen Lesen kam ich zur Meinung es beschrieb einen Teil der Mediengesellschaft der Mitte 80er Jahre) wiederfand, wollte ich daraus etwas machen, dem ich nicht gewachsen war. Die Idee lebt freilich und ist nicht gestorben und ich wollte schon mal bei dir nach der Möglichkeit der Nutzungsrechte an PentAgrion fragen. Aber dabei ist es geblieben, nachdem ich merkte, dass man in Short und Sneakers nie den Watzmann bezwingen kann. Auch wenn er gerade aus der Entfernung recht putzig erscheinen mag. Schreiben eines Romans ist mehr als die Aneinanderreihung von Kurzgeschichten, so wie ich sie schreibe.
        Dass du blog.de verlassen hattest, war zuvor passiert, aber du hattest ja weiter geschrieben. Aber auch bei dir ist PentAgrion in einer Sackgasse gestoppt worden, hatte ich bemerkt.
        Das alles hat mir die Faszination an PentAgrion nie genommen und es ruht in einer meiner Hinterstübchen noch als Idee einer verrückten Reise nach etwas, was es nie gibt, aber real ist. Die inkarnierte Phantasie eines sich langweilenden übersättigten Menschens.
        Aber Schreibblokaden entstehen auch, wenn sich Ideen vor dem Flaschenhals knubbeln, und die Worte nur noch aus den Fingern gepresst zu kommen scheinen. Egal, ob sie eine Tastatur bearbeiten oder einen Stift auf einem Blatt Papier wandern lassen. Und es stimmt, den Literaturpreis hatte ich bereits schon zwanzigmal durch meine ausformulierten Gedanken abgeräumt, aber da bislang noch keiner Gedanken lesen kann, habe ich noch nicht mal ne vermoderte Rübe abräumen können.
        Ich hatte vor zwei Monaten intensivsten Mailaustausch mit einer Schriftstellerin und die meinte zu Schreibblockaden, dass man sich einfach drauf einlassen soll. Einfach das niederschreiben, was einem durch den Kopf rauscht. Eine Stunde lang. Alles sich wegschreiben. Und nicht danach lesen. Jedenfalls nicht direkt danach. Und wenn es nichts wird mit Schreiben, dann einfach malen …
        (okay, mit Tastaturen geht es schlecht, auf den Monitor Smilies zu zeichnen, weil erstens Kunststoff auf der Oberfläche keine Spuren hinterlässt und zweitens eine Tastatur unhandlicher ist als ein schwarzer Edding, der widerum auf dem Monitor eindeutige Spuren hinterlässt … okay, ich komme vom Thema ab; aber erinnerst du dich noch an diese Tafeln mit dem Wischer? Du maltest da was drauf und wenn es Schitte war, Schieber von links nach rechts und zurück und schon war alles wieder weg …)
        Schreiben heißt gelesen zu haben. Gelesen zu haben heißt Zeit gehabt zu haben. Wird aber die Zeit so handvermessen, dass fürs Schreiben keine Zeit mehr übrig bleibt, dann wird auch nicht gelesen. Oder es wird weniger gelesen, um etwas zu schreiben. Für wen schreibe ich? Für mich? Für andere? Oder doch für mich? Die letzten Fragen treiben einem um und verfrachten den potentiellen Schreiber zu Facebook oder Twitter. Und bringt einem immer näher zur einer Art narzisstische Persönlichkeitsstörung. Und darum mag ich auch deine Schreibe, weil du weit entfernt von einer Störung bist. Ein Schreiber ohne narzisstische Persönlichkeit (auch wenn nicht ostentativ sondern wohl temperiert) ist kein Schreiber sondern nur ein Wörter-aneinander-Reiher, einer ohne Seele.
        Dass deine Ankündigung (du bist in meinem Smartphone RSS-Reader … Smartphone RSS-Reader sind die Killer für die Kommentare, weil man nur noch liest, aber nicht antworten kann, aber dann den Sprung in den Blog nicht tätigt, um dort zu interagieren) mich wieder in meinem Blog rief, ist für mich Fakt. Ob es hält, weiß ich nicht. Aber es hat mir wieder ins Bewußtsein gerufen, dass Schreiben nicht nur vom Lesen lebt, sondern Bloggen bedeutet Interaktion. Nur Lesen ist schön, aber wer nicht Reden (kommentieren/schreiben) will, bleibt stumm und ist weit entfernt von mehr.
        Hesse. Mit 17 las ich den “Steppenwolf” und blieb im “Traktat vom Steppenwolf” hängen. Mit 27 wagte ich den nächsten Versuch und schaffte das Buch zu erfassen. Mit 37 erhielt ich den “Steppenwolf” auf brasilianisch-portugiesisch und ich war gutmütig und verlieh dieses kostbare Geschenk von einem verehrten Freund an eine Brasilianerin, die es unbedingt lesen wollte, aber mir danach erklärte, sie hätte von mir nie ein Buch ausgeliehen … ich hätte es letztes Jahr lesen müssen (die deutsche Ausgabe), hätte ich diese Folge jetzt fortgeführt. Hesse ist ein Buch mit sieben Siegeln, welche seine Siegel immer wie ein Spiel aufbindet und neues präsentiert. Ich weiß ehrlich nicht, ab welchem Alter man Hesse empfehlen sollte, bis man ihn und seine einzelnen Werke überhaupt erfasst hat. Und wenn ich ihn sein Gedicht “Stufen” vortragen höre,

        http://www.youtube.com/watch?v=_LaACP5GMUg

        dann möchte ich am liebsten sagen:
        “Hey, alter Mann, du bist ein Sadist, der es liebt seine Leser zu foltern, bis sie den süßen Schmerz der Unwissenheit mit dem sinnlichen Rausch der Erkenntnis zum Orgasmus führst. Adam und Eva waren Anfänger, als sie einfach in nen Apfel bissen und erkannten, warum Äskulap einen Stab brauchte, an dem eine Schlange sich hochwindete und warum heute Bischöfe noch immer mit Stäben rumwandeln und bedauern, dass keine Schlange dran sich hochrankt, was aber viele Missbrauchte überhaupt nicht vermissen” …

        Ich schweife ab.
        Ich mache grad das, was mit die Schriftstellerin empfahl.
        Zurück zu deinem Post.
        Ich mag den November nicht. Nur Totentage. Allerheiligen. Allerseelen. Totensonntag. Buss- und Bettag. Tage werden kürzer und trister. Die Natur macht sich nackig und präsentiert sein trostloses Antlitz. Die Menschen mummeln sich ein und die Zeit der Leichtigkeit ist endgültig passé. Kleidung drückt nicht nur die Stimmung gewichtsmäßig die Schultern nach unten. Da ist der Dezember mit seinen Lichtern eine reine Wohltat (auch wenn es mir dann gleich wieder schlecht wird, denke ich an den Weihnachtsromantismus … -ismus, richtig gelesen …). Da hilft auch der 11.11. nicht mehr viel. Und der Dezember hat was von den tollen Tagen des Straßenkarnevals in Köln/Düsseldorf. Am Anfang mach ich begeistert mit und kurz darauf steig ich aus, weil ich merke, wie künstlich es ist. Gut, der Körper macht auch nicht mehr mit. Dauernd Bier schüttend und lächelnd “Helau” rufen. Das nimmt sich nichts mit Glühwein und “Stille Nacht, eilige Nacht”. Nein, November macht mich nicht fröhlich … mein Arzt hat meine Lebenserwartung dieses Jahr auf +15 Jahre datieren müssen, obwohl mein Körper verschleisstechnisch nicht übel da steht. Aber mein Herzinfarktrisiko ist erhöht und mein Job … ich sollte bei der Rentenanstalt eine Gratifikation beantragen, da ich offensichtlich rentenneutral ableben werde. Scharlatanerie? Mitnichten, es erinnert mich daran, dass ich übermorgen bereits von einem Auto niedergemetzelt werden kann, wenn ich nicht bereits heute anfange, meine Zeit zu nutzen. Und wenn ich nach 16 Jahren frage: “war da was?”, dann habe ich schon mehr erreicht, als mir so eine leichtsinnige Vorhersage abknapsen konnte (Weckrufe im Leben sind nie schlecht; schlecht könnte allerdings sein, dass wir Menschen alle mal ein Ende haben; allerdings wage ich hier den Ausruf: GOTT ERHALTE DIE IDIOTEN DIESER WELT … möglichst bald …)

        Irgendwann bekommt alles sein Ende. Ich erfuhr von deinen Schicksalsschlägen (mir würde jetzt nur noch das Wort “Lebensstationen” dazu einfallen) indirekt. Und ich muss im Grunde sagen, dass ich dankbar bin, dich persönlich kennengelernt zu haben. Auch wenn München nicht dein Pflaster ist und du dich sichtlich unwohl in der Kneipe fühltest (JA, minha culpa, wieso schlage ich nichts besseres vor, denn es gibt auch in München immer besseres als die Innenstadt, nur ich bin schlecht im Beschreiben von Lokalitäten und als GPS tauge ich nicht wirklich …).
        Hm, hatte ich gerade geschrieben “dich persönlich kennengelernt zu haben”? Asche auf mein Haupt, weil doppelplusungut. Es muss heißen “dich persönlich zu kennen”.

        Bin ich vom Thema abgeschwofen? Gut. Ich wünsche dir die Kraft für dein Buch (auch beim Korrekturlesen, weil es gibt nichts brutaleres als Betriebsblindheit in Sachen Semantik und Grammatik). Und noch eines:
        Bitte, bitte, bitte, komme nichtniemalsnichtnie überhaupt in die Nähe des Gedankens deine Blogs zu löschen. Du hast dich mal als “Internetkünstler” zu bezeichnen. Und das will ich in den nächsten zwanzig Jahren (siehste, meine Ziele liegen höher als medizinische Prognosen) belegt sehen! Teppichhäuser gibt es viele auf dieser Welt. Aber deines? Unikum.
        Und solltest du zuviel an der Leine gelegen haben, die Phantasie bietet unendlich große Betätigungsfelder, fern ab jeder Leine …

        LG aus dem Land der Bayern in Vorbereitung zum Besäufnissfest …
        Franz

        • Ich schreib zuviel … mehr als in meinem Blog …

        • trithemius

          Ja, mir scheint, es geht manchmal mit dir durch. Und von Schreibhemmung keine Spur. Ich glaube, Schreiben fällt immer leichter bei der Vorstellung einen Adressaten zu haben, einer der Gründe, warum das Bloggen so produktiv ist. Früher ahnte oder wusste ich, dass da draußen Menschen auf einen Text quasi gewartet haben, bei den Abendbummeln, bei dem Format “Sonntagstour” und eben auch während der heißen Phase des PentAgrions. Das beflügelt.
          Beim PentAgrion war ich natürlich auch durch die parallelen Handlungsstränge motiviert, die Du und Videbitis entwickelt habt. Einhards Index und Maranas Verknüpfungsprojekt nicht zu vergessen. Das war im 2. Band auf twoday.net schon anders, obwohl die inzwischen leider verstorbene Eugene Faust auch zu meiner Inspiration beitrug. Seit Januar ist ja auch Coster tot.
          Die Erfahrung, dass wichtige Bezugspersonen aus dem Leben scheiden, ist mit ein Grund, warum ich glaube, das Teppichhaus schließen zu müssen.
          Früher habe ich oft gehöhnt, dass der FAZ die Abonnenten wegsterben. Bin jetzt ebenfalls mit dem Phänomen konfrontiert.

          Aber keine Sorge, es bleibt alles erhalten, soweit ich das beeinflussen kann. Und bloggen werde ich weiterhin, im Ansichtskartenprojekt von Freund Merzmensch und eben in einem neuen Blog zu meinem Romanprojekt.
          Auch ich bin froh, dass wir uns real getroffen haben. (Ist schon wieder bald zwei Jahre her) Leider komme ich so bald nicht mehr nach München, weil meine Beziehung zu der zauberhaften T. beendet ist. Schon vor meinem Schlaganfall hatten wir uns einvernehmlich getrennt. Denn ich wollte ihrem Wunsch nach Familie nicht länger im Weg stehen.

          Indem ich geistig grad in München bin, macht es glatt ein bisschen schwermütig.

          Also: Viele Grüße und schönen Tag,
          Jules

  11. Ich lese hier nur gelegentlich mit (bin – tendenziell – eher der Gastgeberinnen-Typ, wenn auch etwas zu streitlustig, um darin wirklich gut zu sein).

    Als die Gäste dann auszubleiben begannen, besann ich mich auch auf den Roman, den ich schon lange habe schreiben wollen. Es geht mir ähnlich wie Ihnen: Die Kräfte lassen sich nicht so leicht auf beides verzetteln.

    Nun blogge ich doch wieder, weil mir die virtuelle Vernetzung fehlt. Und schreibe am Roman – und tue beides nicht richtig. Ich bin gespannt, wie das bei Ihnen herauskommt!

    • trithemius

      Ich fürchte, die virtuelle Vernetzung wird mir auch fehlen, weshalb ich mich nur halbherzig zurückziehe. Aber ab November werde ich testen, ob es mir so gehen wird wie Ihnen. Bisher habe ich am Roman noch nichts getan seit meiner Ankündigung, mich zurückzuziehen.

  12. graphodino

    Na ja, warum wundert mich das nicht; ich hoffe nur, Du lässt die Bloghäuschen stehen, auch, wenn Du sie nicht mehr bewohnst… ich hoffe, es wundert Dich nicht, dass ich auf den Roman neugierig bin…

    Gott ist tot – es lebe die Göttin!

    Herr Koske

    • trithemius

      Keine Sorge, bleibt alles erhalten. Dass du auf den Roman neugierig bist, freut mich. “Göttin” klingt ja schon besser als “Gott”. Aber hieße das nicht, Teufel mit Belzebub auszutreiben, lieber Herr Koske?

      • graphodino

        Ich werde die immer erneute Auffrischung meiner Kenntnisse der Grundrechenarten vermissen (die Institution “Teppichhaus” war nachher so selbstverständlich, dass man kein Aufhebens mehr davon gemacht hat, und vielleicht war das ja auch ‘n Fehler)…

        Mit vorzüglicher Hochachtung (ohne Ironie)

        Herr Koske

        PS: mit einer Göttin lässt sich vielleicht – Klischee-Alarm! – besser reden; er holt ja immer gleich sein Schmerzenswerkzeug und donnert göttlich fürwahr!

        • trithemius

          Dankeschön für die ironiefrei zum Ausdruck gebrachte Hochachtung. Das Selbstverständliche ist natürlich eine Illusion, wenn die “Institution” von einer Einzelperson abhängt. Ich finde auch bedauerlich, dass ich mich vor eine Wahl gestellt sehe und mich aus guten Gründen gegen das Teppichhaus entscheiden musste.
          Gegenwärtig bin ich dem gegenüber schon ein bisschen entspannter.

          Bei aller Verehrung der Frau, einfacher ist mit ihr nicht zurechtkommen, besonders wenn man sie auf den Sockel stellt, habe ich immer erlebt.

          Schöne Grüße,
          Dein Trittenheim

          • graphodino

            … ich habe die Gänsefüßchen womöglich falsch gesetzt, die hätten vielleicht besser zu (um?) “Institution” gemusst, nicht zu (um?) “Teppichhaus”…

            … ich bin mir sicher, dass ich noch des Öfteren durch das Teppichhaus schlurfen werde, auch, wenn der Direktor in – what a joke! – romantischer Auszeit sich ergeht…

            (… Frauen anzuhimmeln schien mir immer die beste Methode, sie auf Abstand zu halten… – das war nicht ironisch gemeint… funktionierte auch gut, weil unbewusst…)

            Möge das Große Energiefeld Dich behüten!

            Herr Koske

  13. Ich bin jetzt auch schon im achten Jahr und ich muss zustimmen dass es immer schwerer und schwerer wird (auch der Gesundheit welche keine mehr ist) fuer die Leserschaaft passende Inhalte zu generieren, weil…ja weil das Feedback ausbleibt.
    Da kaempft man um jeden Kommentar weil man sich darueber freut…und trotz den 800 Lesern aus der Statistik ist sogar bei “major events” auf der Weide fuehlt es sich ein wenig an wie kurz vor 12 im Amt welches Wahnsinnige macht wenn alle hinter den Tueren stehen und vermutlich wild kopulierend auf den Feierabend warten.
    Vielleicht sollte ich eine gewisse Menge Rechtschreibfehler in die Posts einfuegen, dann sehe ich mich zumindest der Kommentarflut der Grantler von Wohlwollen umglaenzt.
    Aber vermutlich ist mein Bezug zur Realitaet leider in der Waesche.

    Was ich eigentlich sagen wollte:
    Es hat mich sehr gefreut.
    Hier.
    Immer.

    Es gruesst ganz brav das Schaaf

    • trithemius

      Liebes Schaaf,

      danke für Ihren Kommentar. Hat mich auch gefreut. Leider sind wir uns nur selten begegnet, obwohl ich Ihren Blog eben sehr ansprechend fand.
      Den Abschnitt Ihres Kommentars mit dem wilden Kopulieren habe ich leider nicht verstanden. Aber egal, dabei sollte der Kopf sowieso ausgeschaltet sein.

      Herzliche Grüße und weiterhin viel Vergnügen beim Bloggen,
      Trithemius

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