Schmocks Trendkompass – Sommerblues, dicke Luft und Fisch

Morgens habe ich es schon eine Weile gehört, eigentlich nicht gehört. Die Vögel haben nämlich aufgehört zu singen, begrüßen das Tageslicht nicht mehr mit Pfeifen, Zwitschern, Tirili. Kürzlich war ich im Bad und eine scheußliche Taube gurrte vom Dach in den Luftschacht. Hörte sich aber an, als wäre sie zu Besuch, wie letztens die krächzende Krähe mich fürchten ließ, das wäre ein herbstlicher Auftakt. Die Singvögel aber haben die piepende Balz schon lange hinter sich, ihr Nachwuchs ist bestimmt schon flügge. Wenn ich aus dem Fenster schaue, dann werden die Bäume so erbärmlich vom Sturmwind gezaust, dass man sie glatt nach drinnen holen möchte. Nein, gar nicht, um sie zu verheizen. Meine Heizung verbrennt Gas und ist längst aus einem kurzen Sommerschlaf erwacht.

Heizen mit Holz ist sowieso nix, wie Maria Krautzberger, Präsidentin des Umwelt Bundesamtes am 19. August in Berlin sagte: «Wir empfehlen Kamine grundsätzlich nicht zum Heizen», weil der von der Weltgesundheitsorganisation vorgeschlagene Feinstaub-Grenzwert von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft am Tag selbst in ländlichen Regionen oft überschritten werde. Besonders belastet sei die Luft in so genannten Wohlstandsregionen. Demgemäß titelt das Handelsblatt nicht ohne Häme: „Dicke Luft im Speckgürtel“ und schreibt: „Den Experten zufolge stoßen die so genannten Kleinfeuerungsanlagen zusammen teilweise mehr Schadstoffe aus als der gesamte Straßenverkehr. Sie trügen damit im Herbst und Winter maßgeblich zur Überschreitung der Grenzwerte bei.“

O, wie ungerecht ist diese Welt, wenn man nicht mal im Speckgürtel sicher ist! Zuerst haben Neider das Sport Utility Vehicle (SUV) madig gemacht, weil diese schönen Autos angeblich zu viele Rußpartikel in die Umwelt blasen, wenn fürsorgliche Eltern ihre wohlgeratenen, süßen Kinder vom Anwesen im Grünen zur Kita, zur Schule, zum Ballett, Geigenunterricht oder weiter raus zum Pony fahren, und jetzt heißt es April April, mitten im August. Gerade ist der Wintervorrat für den Kamin eingekauft. Denn so wurde doch geworben: „Die Ökobilanz von Brennholz ist positiv.“ Und jetzt das! Das kommt davon, wenn auch Kreti und Pleti sich einen Kaminofen anschaffen dürfen, weil man sie verrückt macht mit der Aussicht, Heizkosten zu sparen. Dann stellen sie sich einen Kaminofen für Paarmarkfuffzig vom Baumarkt in die verkommene Bude, sparen sich natürlich den Ofensetzer, Hauptsache das Ding verbrennt ihre alten Stinkstiefel und sonstigen Dreck, denn für Holz will man natürlich das gute Geld nicht ausgeben. Und unsere Regierung sieht nur zu, wie der giftige Unterschichtsqualm an den Stadtrand und darüber hinaus geblasen wird und gibt „Empfehlungen ab“ wegen eines Wertes, den die Weltgesundheitsorganisation „vorgeschlagen“ hat. Naja, letztlich empfiehlt die Krautzberger nur, keine Kamine zu verheizen, dann wird schon alles gut.

Erschütternde 22900 mal verzeichnet Google umgekippte LKW. Wer nicht glauben mag, wie fallsüchtig die Kolosse sind, hier der Beweis. Klicken Sie nur auf recherchieren. Man fragt sich, wie kann ein LKW einfach umkippen? Welche Geschichten stecken dahinter? Beispiel: Auf dem Autobahnring rund um Brüssel kippte ein LKW mit 21 Tonnen Fisch um. Alle Fahrstreifen waren mit stinkendem Fisch versperrt, und so kam der Verkehr in und rund um Brüssel völlig zum Erliegen. Die Ursache? Diesmal wissen wir mehr dank dem investigativen VRT-Programm „De verhaal achter de veiten“


Die mehr als grobe Übersetzung: Wir sehen in der Mitte den betroffenen LKW-Fahrer, links seine Freundin hebt an,
Freundin: „Ja, es war sein erster internationaler Transport. Das will man dann nicht verpassen. Ich wollte schon mal mitfahren, vor allem, so international…21 Tonnen Fisch! Das ist wohl was, he? Ja, wie? Wir gingen zu seinem LKW um halb vier Uhr morgens. Und wer steht da? Madam!“
Madame: „Ja, und dann?
Die Freundin: „Das ist seine Ex!“
Madame: „JA UND DANN?! Ich hab es abgesprochen, ich habe doch angerufen, wahr oder nicht? Gibs zu! Ich habe angerufen, ich habe gesagt: ‚Ich muss nach Saventem, kann ich mitfahren mit dem LKW?‘ Ich bin gewohnt, mit auf dem LKW zu sitzen, ich bin Jahre mitgefahren, früher, mit dem LKW, ich meine…“
Freundin: „Das ist eine Absprache ohne mein Wissen! Und das finde ich … ich kann dann nicht so ….
Fahrer: Grummelgrummel, „Sprottelein, Sprottelein, guck ich wollte einfach…“
Madame: „Halt halt! Du sagst ‚Sprottelein zu ihr? WAS! Sagst du ‚Sprottelein‘ zu ihr oder zu mir? Du sagst ‚Sprottelein zu ihr, derweil es mein Kosename ist. Es ist wohl mein Ding! Du hast immer gesagt: ‚Du bist mein Sprottelein und wirst immer mein Sprottelein bleiben, solange’…“
Freundin: „Es gibt ein Sprottelein, ja Baby! Das finde ich nu oah!“
Fahrer schlägt ihr einen anderen Kosenamen vor.
Madame: „JA! Pack einen anderen Fisch! Es gibt Fische genug in der See!“
Freundin: „Das meine ich, von wegen ‚Sprottelein‘. Da flackert die Liebe wieder auf! Die sitzen nebeneinander, praktisch aufeinander und dann beginnt das zu stinken – nach Fisch! Keine Ahnung! Ich weiß es nicht!“ Darum dachte ich, ich menge mich was dazwischen, ich probiere was zu ….“
Madame: „Das hättest du besser nicht getan, dann stünde der LKW noch ganz normal aufrecht.“
Freundin: Auf einmal kam das zu so einem Höhepunkt, mit Seepferdchen und allen Sorten, was weiß ich von Erinnerungen hochholen, ich konnte es nicht mehr aushalten und ich sage; ‚Baby, weiß du was, ich…“ (schlägt ihn)
Madame nimmt den Fisch. „Wenn du willst, mache ich es nochmal, hä?!“
Freundin: „Ja.“
Fahrer: „Sorry!“

Ice Bucket Challenge
Nachdem der Initiator der ALS Ice Bucket Challenge, Corey Griffin (27), bei einem, Badeunfall gestorben ist, wird der weltweite Blödsinn, sich mit einem Kübel Eiswasser zu übergießen, nicht mehr zu stoppen sein. Auch George W. Bush hat sich daran beteilig (allerdings als typischer Warmduscher ohne Eis). Da lag die Assoziation zum von Bush erfundenen Waterboarding nah, „He, Leute, was ich hier freiwillig mache, soll Folter sein? Ist doch gar nicht so schlimm!“ „Ja, Opa, du hattest auch keinen Sack überm Kopf!“ Die Liste der prominenten Teilnehmer aus dem deutschen Sprachraum liest sich wie eine Liste der Leute, die ich lieber nicht näher kennen möchte (mit wenigen Ausnahmen).

Ich finde ja sowieso Milking besser …

… oder sich wie oben mit einem Fisch zu schlagen.

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2 Kommentare zu Schmocks Trendkompass – Sommerblues, dicke Luft und Fisch

  1. Kai Diekmann ist auch dabei – da wünscht man sich doch eine Ausweitung der „Challenge“: Wer hält es am längsten in einer Badewanne voller Eiswasser aus? Da Diekmann ja einer von denen ist, die immer den Größten haben und die Größten sein wollen, stünden die Chancen nicht schlecht, daß er sich dermaßen verkühlt, daß wir lange Zeit Ruhe vor ihm haben.
    Neulich sah ich im TV, daß sich eine Moderatorin während der Sendung begoß, mit der Aufforderung an den Schlagersänger Heino, er möge es ihr gleich tun. Der hat aber dankend abgelehnt. Soo blöd ist der gar nicht.

    Großartig, der Film. Ist das wirklich echt, oder „scripted reality“?

  2. trithemius

    Gute Idee, wenn sich all die Figuren eine „Spaßvogelgrippe“ (Titanic) einfangen würden, wäre die Welt schon ein klein bisschen besser.

    Den Film finde ich auch klasse. Er stammt aus dem satirischen flämischen TV-Format „Het Verhaal achter de Feiten“, in dem gezeigt wird, wie die Geschichten hinter den Nachrichten sein könnten. Im Beitrag „De Visfile“ (Der Fischstau) agieren die Radiomoderatoren Linde Merckpoel, Thomas de Soete und die Schauspielerin Tania Van der Sanden. Die beiden erstgenannten kennen wir im Teppichhaus schon hierher.
    „achter de veiten“ steht in der Nachfolge der legendären Sendung „In de gloria“ hier der berühmteste Sketch (Tania Van der Sanden mimt die Frau im Rollstuhl):

    Leider gibt es im deutschen Fernsehen nichts Vergleichbares. Hier denkt man immer noch, es wäre witzig, sich Hasenzähne in den Mund zu stecken, wie gestern erst auf Kika vom Comedian Bastian Pastewka gesehen.

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