Gewitterschwüle am Abend
Alle Bäume halten still wie
Weiber, die sich begatten lassen.
Regengeil, so regengeil,
Geil auf Grünen im Lenz.
Gottes Sperma prasselt.
(Trithemius)
Gewitterschwüle am Abend
Alle Bäume halten still wie
Weiber, die sich begatten lassen.
Regengeil, so regengeil,
Geil auf Grünen im Lenz.
Gottes Sperma prasselt.
(Trithemius)
Ich weiß gar nicht, ob sich hier ein Kommentar ziemt, halte es aber wie immer, wenn ich nicht gefragt werden: ich schreibe etwas dazu.
Die Frage, die sich mir quasi aufzwang war dein Verhältnis zur Kirche, das sich hier nicht als Glaubensfrage manifestierte. Ich gebe zu ein unsachlicher Kommentar, den ich mir auch bei Vegetariern häufig nicht verkneifen kann, worum geht es also?
Im übrigen hatte ich nicht den Eindruck, dass die windigen regenassen Peitschen keinen Ton hervorriefen, als sie das Laub berührten in der gestrigen Nacht, was mich zu den Weibern kommen lässt, die…
Jaja, ich bin in die Falle gelaufen und habe den Autor mit dem lyrischen Ich gleichgesetzt^^. Anstoß nehmend an unserer Freundschaft und mein daraus resultierendes Wissen, verleitete mich dies Gedicht derart darauf einzusteigen, dass ich völlig vergaß, dass Anstoß nehmen eigentlich schon gereicht hätte.
Was meinst du mit Verhältnis zur Kirche? Ich bin vor vielen Jahren aus dem bigotten Verein ausgetreten, hab also gar keins. Und woran nimmst du Anstoß? An der Metapher “Gottes Sperma”? Darf ich das nicht schreiben? Mir war so, als ich gestern abend beim Gewitter aus dem Fenster schaute. Die Bäume standen da wie gemalt und rührten sich nicht, wie wollüstig den Regen empfangend. Im Gedicht gibt es kein lyrisches Ich.
Ich würde jedem Gedicht ein lyrisches Ich zugestehen, auch wenn es nicht genannt wird, schon allein die Verfremdung zum eigenen geschriebenen Text bei seiner Ausstoßung in den “Äther Internet” ist mir Argument dafür genug.
Bei uns bewegte sich die riesige Kastanie durchaus im Wind, das kann aber einfach an dem anderen Beobachtungspunkt gelegen haben.
Und natürlich darfst du schreiben “Gottes Sperma”. Du darfst alles schreiben, ich las nur. Gott wirft bei mir immer Fragen auf, vor allem die Frage der allerletzten Konsequenz, die sich daraus ergibt.
Anstoß muss ich immer nehmen, wenn nicht, dann äußere ich mich auch nicht dazu.
Hm, hab nur versucht, eine Metapher zu finden für die Zweisamkeit der Planzenwelt mit dem Regen, ohne den kein Wachstum möglich wäre. “Grünen” bedeutet etymologisch “wachsen”. Und “geil” ist ja ebenfalls ein Begriff aus der Pflanzenwelt, man erkennt die alte Wortbedeutung noch in “geil wuchernd”. Das Gedicht war dir ein Anstoß, mir zu schreiben, oder hast du daran Anstoß genommen, dass ich sexuelle Metaphern benutzt habe?
Anstoß meinte ich nicht im Wortsinne von anstößig oder schlüpfrig oder dergleichen, sondern schlicht als Punkt, über den man nachzudenken hat, an dem man sich abarbeitet.
Wenn eine Pflanze zu viel gedüngt wird, dann vergeilt sie, den Ausdruck kannte ich noch aus frühen Tagen.
Lust und Mai und der liebe Gott.,
auch die Volksweise weiß ein Lied davon zu singen:
“Grüß Gott, du schöner Maien, da bist du wiedrum hier!
…
O holde Lust im Maien, …
…”
Weiterhin lustvollen Maigenuss wünsch ich dir.
Vielen Dank für das Zitat und die schönen Maigrüße. Inzwischen haben uns ja die Eisheiligen im Griff. Heute Servatius, morgen Bonifatius und am Dienstag dann die kalte Sophie. Trotzdem sonnige Grüße,
Jules