Prima, prima, endlich wird unsere Zukunft verlegt

Aber wohin? Man wird sie hoffentlich noch finden können. Oder gehört die Zukunft neuerdings der Telekom und sie darf die einfach verbuddeln? Vorstellen können wir uns die Zukunft trotzdem. Steht nämlich in Klein auf dem Schild. In Zukunft wird Fernkommunikation noch viel schneller. Das Blabla fliegt viel schneller um die Welt, und das verheißt noch mehr Blabla, Aufregung, Hektik, Stress, wie wir grad lustig sind. Wer allerdings mit dieser Zukunft nichts zu tun haben will, hat keine Zukunft, wird leider abgehängt und spielt nicht mehr mit.

Aber vielleicht definiert er seine Zukunft anders. Manche wollen nicht mal einen Fernseher. Unter diesen Leuten wird es vielleicht einmal chic, auch keinen Internetanschluss zu besitzen. Dann schmeißen sie noch ihre Handys weg, kündigen den Telefonanschluss, und wer mit ihnen zu tun haben will, muss einen Brief schreiben oder sie besuchen. Das wird natürlich ein ganz elitärer Verein sein. Nur wer wirtschaftlich unabhängig ist, kann sich diese Abschottung leisten. Der gesellschaftliche Status bemisst sich heute schon daran, wie schwer jemand zu erreichen ist.

Die meisten werden in die Kabel der Telekom flutschen, und viele werden ihr täglich Brot mit enorm beschleunigtem Blabla verdienen müssen. Sie werden nicht einmal mehr wissen, dass es auch ein Leben ohne Fernkommunikation gibt, denn sie werden von klein auf darauf gedrillt sein, Blabla zu konsumieren und zu erzeugen. Wer aber von der Arbeitswelt nicht gebraucht wird, kann trotzdem ans Blabla ran, denn er kann sich jetzt viel schneller einen Film aus dem Internet herunterladen, mitteilen, was er gerade isst oder andere wichtige Sachen machen, die ihm die Illusion der gesellschaftlichen Teilhabe geben.

Vielleicht werden in ferner Zukunft sich welche über die Glasfaserkabel hermachen, sie freibuddeln, durchhacken, weil sie ihrer Sogkraft entkommen wollen und den Freiheit verheißenden Strand suchen. Vielleicht wird es aber ganz wunderbar toll, doch das kann ich mir grad nicht noch toller ausmalen. Die Zukunft liegt leider schon unter der Erde. Aber oberirdisch und beinahe noch gegenwärtig scheint heute ganz prächtig die Sonne.

Dieser Beitrag wurde unter Ethnologie des Alltags veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Prima, prima, endlich wird unsere Zukunft verlegt

  1. Pingback: Abendbummel online – Der Teufel hat Kirmes |

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.