Ein Frauenflüsterer stürzt mich ein bisschen in Verzweiflung

Es war schön, um halb elf Uhr mit Jeremias Coster in der Morgensonne vor dem Café am Münsterplatz beim Aachener Dom zu sitzen, das bunte Treiben zu beobachten und zu frühstücken, wobei Coster nur einen Espresso trank. Er war ein bisschen durch den Wind, hatte wohl kaum geschlafen und war für seine Verhältnisse viel zu früh aufgestanden. Vor uns zogen die Stadtführer vorbei, fußlahme Touristen im Schlepp. Eine spanisch sprechende Stadtführerin blieb stehen und wandte sich dem Café zu, worauf die ganzen Spanierinnen sich ebenfalls vor uns aufreihten und neugierig guckten. Es hätte mich nicht gewundert, dass es wegen Coster geschah, dem stadtbekannten Professor für Pataphysik und Leiter des Instituts für Nachrichtengeräte an der RWTH Aachen. Aber wir waren wohl nur Teil des pittoresken Bildes, denn hinter der hübschen barocken Fassade des Cafés werden ja die berühmten Aachener Printen verkauft. Sie haben so ziemlich alle Größen, verschiedene Formen und Konsistenzen. Ich weiß nicht, wie man Printen auf Spanisch bewirbt, aber die Damen stürzten allesamt in den Laden und tauschten den Euro in Printen um. Ich hätte ja gedacht, die Stadtführerin würde sich in die andere Richtung drehen und was über den Dom erzählen, aber vielleicht gibt es ihn auch als Printe.

Bevor die jecken Spanierinnen aufgetaucht waren, hatten Coster und ich uns über die rätselhafte Natur der Frau unterhalten. Selbst Coster konnte nicht viel zur Erhellung beitragen, ganz im Gegenteil. Gut, er war ein bisschen durch den Wind, hatte wohl kaum geschlafen, war für seine Verhältnisse viel zu früh aufgestanden und hinter uns in der Printenverkaufsabteilung des Cafés hühnerte eine Kompanie Spanierinnen, aber seine Worte zum Thema Frau haben mich in leise Verzweiflung gestürzt. Coster sagte: „Manche beschäftigen sich mit einfacheren Theorien. Der Relativitätstheorie zum Beispiel.“

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