Teppichhaus intern – Dankeschön (2)

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In der phantastischen Erzählung „Die Musik des Erich Zann“ von H.P. Lovecraft berichtet ein Student von einem verwinkelten Haus in einer Sackgasse, wo er einmal gewohnt hat. Er vermag die Straße später nicht wieder zu finden, obwohl er die Pläne der Stadt mit großer Sorgfalt studiert. Seine Gesundheit und sein Gemüt haben in diesem Hause schwer gelitten.

Aus der Dachstube drangen bei Nacht sphärische Klänge an sein Ohr, wilde Musik einer Geige, die nicht von dieser Welt zu stammen schien. Über ihm in der Dachstube wohnte Erich Zann, der Kontakt zu uralten Wesen hatte, die vor Äonen auf die Erde gekommen waren.


Die sphärischen Klänge
, die man in der Online-Lesenacht hören konnte, stammen sehr wohl von dieser Welt. Sie flogen aus dem fernen Österreich heran. Komponiert und eingespielt hat sie ein faszinierender Mann, der keinen Kontakt zu außerirdischen Existenzen benötigt, um wunderbare Musik zu machen. Er betreibt seine multimediale Kunst in „der nur unscharf berechenbaren kulturellen randzone“, „abseits des mainstream und der mega-events“, wie er schreibt. Er ist ein Multitalent, schreibt, fotografiert, komponiert und musiziert. Seine Texte handeln oft vom sensiblen und genauen Hinschauen, was seine Eigenart ist. Deshalb haben auch seine Fotos etwas Magisches. Und im allem spürt man eine tiefe Menschlichkeit.

Die Musik wirkt anders als die des Erich Zann. Sie ist experimentell und trotzdem erbaulich. Alltagsgeräusche verschwinden mit und mit in der Verfremdung der musikalischen Klänge – sie verwandeln sich zu Musik aus der kulturellen Randzone, wo sich nur wenige Menschen aufhalten. Sie sind die Vorreiter unserer Kultur, denn sie suchen in der Randzone neue Wege und erweitern auf diese Weise unser Denken und somit den menschlichen Erfahrungsraum.

Die Idee, Martin Kurzweil für die „Wanderung ins Jahr 21346″ um einen Soundsplit zu bitten, ist mir leider erst spät gekommen. Ich wagte trotzdem, ihn drei Tage vorher zu fragen, was ziemlich dreist war, denn ich wusste, dass er mit seinen Projekten sehr beschäftigt ist.

Im Lesenacht-Text findet der Sportler und Flohmarkthändler Erlenberg eine alte Blechtonne. Er nimmt sie mit auf die Wanderung und setzt später einen Hasenkadaver hinein. Auf ihr schlägt er mit einem Knüttel einen Rhythmus, weshalb der Hase in der Tonne einen Totentanz aufführt.


Zu dieser Passage schickte
mir Martin Kurzweil einen wunderbar passenden Soundsplit. Leider gelang es mir in der Lesenacht nicht, die Datei in den Text einzufügen, so dass man auf Martins Blog klicken musste, um die Musik zu hören. Ich habe ihn parallel zum Teppichhaus offen gelassen, und so konnte ich die Musik hören, wenn ich schrieb. Viele Sätze des Lesenacht-Textes entstanden unter dem Eindruck von Kurzweils Musik. Sie war ein weiteres Zufallselement.

Herzlichen Dank, lieber Martin. Du hast uns ebenfalls mit deinem Beitrag zur Lesenacht bereichert. Leider konntest du selbst nicht teilnehmen, und doch waren wir multimedial miteinander verbunden.

Vielen Dank für deinen sphärischen Soundsplit lieber Martin!

Dreh die Boxen auf und lass den Hasen tanzen!

Dankeschön (1)

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15 Kommentare zu Teppichhaus intern – Dankeschön (2)

  1. Meine Güte! 8|

    …was für ein Aufwand, den man ohne Deine Dankeschöns als gemeiner Wanderer so gar nicht mitbekommt.

  2. möchte mich auf diese weise dem lob für martin gerne anschließen.

    • Er betreibt ein stilles Blog, das mehr Beachtung verdient. Mir fällt grad ein, dass ich ihn zum Blosgar vorschlagen kann.

      • oh, macht plumpaquatsch sich einmal mehr die mühe? war ewig nicht auf seinen seiten, krieg daher nicht alles mit, man muss prioritäten setzen. deshalb bin ich dann eher ein gelegentlicher stiller gast bei martin, gelegentlich still deshalb, weil ich doch hin und wieder kommentiere…

  3. Ich habe die Musik in dieser Nacht schon bewegend gefunden und ist sie noch immer für mich. War mitunter auch ein Grund, warum ich so „abgeglitten“ bin.
    LillY fragt sich: „Was kommt noch?“

  4. Oh weh, was habe ich verpasst. Von Musik habe ich bei unserer Wanderung absolut nichts mitbekommen. Liegt es am Safari-Browser vom Mac, oder habe ich an einer Stelle die Regieanweisungen der Direktion verschnarcht???

    Rupi, verwirrt

    • Das lag wohl daran, das Ihr zu sehr mit den Frauen beschäftigt wart, Sir Frieling, die sich in Ihren Arm gehängt hatten.

      Ein bisschen lag es auch daran, dass man nur umständlich an die Aufnahme herankam.

      Ihr seid also in jeglicher Hinsicht an der Panne unschuldig, meint
      Jules

      • Vor allem war ich mit dem Hin-und-Her-Hasten im trüben Tann beschäftigt, Eure Heiligkeit. Die Geschlechter waren dabei mitunter schwer auszumachen, und auch das Tasten auf den Tasten führte kaum weiter.

        Erbitte für künftige Gelegenheiten klare Regieanweisungen, um besser folgen zu können, da mein technisches Kenntnisstand maximal altersgerecht ist …

        Prinz Rupi grüßt Seine Prächtigkeit :wave:

  5. lieber jules,

    deine idee, eine lesenacht als wanderung zu gestalten, hat mich sofort angesprochen. jeder künstlerische weg ist im grunde auch nichts anderes als eine verwinkelte wanderung in oft ungewisse richtungen und über unabsehbare stationen und begegnungn.

    ein wesentlicher teil meiner künstlerischen arbeit basiert auf gegenseitiger inspiration. so fliegt man mitunter über die eigenen grenzen hinaus und landet an stellen, wo man alleine nie hingekommen wäre. schön, dass uns das auch hier passiert ist.

    ich verfolge deine texte nun schon lange, mal regelmäßiger, mal sporadischer – die anziehungskraft ist seit dem entdecken deiner seite ungebrochen.

    freut mich, dass dieses erste zusammenwirken eine so positive richtung genommen hat.

    mit lieben grüssen
    martin

  6. kleiner nachtrag: auf die geschichte von h.p.lovekraft bin ich gespannt, muss ich unbedingt lesen…

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