Zum internationalen Übersetzertag: Kamiel Kafka

Kürzlich, am 30. September, war der internationale Tag des Übersetzens. Aus diesem Anlass habe ich drei kurze Texte des flämischen Allroundkünstlers Luc Charles Zeebroek, besser bekannt als Kamagurka ins Deutsche übersetzt. Kamagurka ist ein Meister des absurden Humors. Man kennt ihn im deutschen Sprachraum fast nur durch seine schrägen Cartoons für Titanic, SZ und andere, nicht aber seine nicht minder skurrilen Texte. Hier also exklusiv im Teppichhaus ein Vorgeschmack, in der Hoffnung, dass sich bald ein Verlag für eine deutsche Ausgabe findet.

Der fatale Startschuss

Es waren mal zwei Jecken. Sie nahmen die Fahrräder und fuhren damit einen Berg hoch. Die Pointe dieses Witzes liegt auf der anderen Seite des Bergs, so dass niemand, auch ich nicht, sie kommen sieht. Die Fahrt ist sehr anstrengend, denn sie fahren nicht nur einen Berg hinauf, sondern haben auch noch heftigen Gegenwind. Auf der halben Höhe halten die zwei kurz an.

„Von hier aus wollen wir um die Wette fahren, um zu sehen, wer der schnellere Radfahrer ist“, sagt der eine Jeck. „Du fährst zur Spitze des Bergs, und ich zu seinem Fuß. Wir sind doch auf der halben Höhe, also ist der Abstand gleich.“
„Holla, Holla, hier stimmt was nicht!“, sagte der andere Jeck, „ich habe Gegenwind.“
„Schon klar“, sagt der eine, „um das zu kompensieren, nehme ich mein ganzes Gewicht mit.“
Gespannt warten die beiden Jecken auf den Startschuss.

Sie: „Paaf! Paaf!“

Schande, so ein guter Witz, und jetzt schießen Sie hier die zwei Jecken tot.“

Außerirdische

Es wurde wieder ein Haufen UFO’s gemeldet.
Selbst habe ich noch keins gesehen.
Vielleicht kommt es daher, dass ich nicht oft nach oben gucke.
Nein, wenn sie meine Aufmerksamkeit wollen, müssen die Außerirdischen aus dem Boden kriechen.

Ich persönlich habe keine Erfahrung mit Kornkreisen.
Aber ich habe schon Menschen gesehen mit einem Haarschnitt, der so seltsam ist, dass er wohl das Werk von außerirdischen Lebensformen sein könnte.

So gebe ich jetzt das Wort an ein Opfer:
„Heute Morgen wurde ich wach und meine Haare standen so!
Ich musste sofort an Kornkreise denken.
Ich fühlte übrigens eine seltsame Energie rund um meinen Schädel. Als ob ich noch Kontakt hätte.
Nein, ich glaube nicht, dass sie es schlecht mit uns meinen. Aber jetzt zu behaupten, dass die Außerirdischen uns nur das Allerbeste wünschen, nein, das hörst du mich auch nicht sagen.“

Falsches Gebiss

Ich wurde durch meinen Zahnarzt reingelegt.
Der Scheißkerl hat mir ein falsches Gebiss verpasst.
Ein sehr falsches Gebiss.
Es beißt ohne vorzuwarnen.


(Aus: Kamagurka; Kamiel Kafka’s nog niet verzamelde werk, Antwerpen 1997 –
aus dem Niederländischen übersetzt von Jules van der Ley)

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2 Kommentare zu Zum internationalen Übersetzertag: Kamiel Kafka

  1. Erik

    Lieber Jules,
    habe gerade nach langer Zeit wieder mal in Deinem Teppichhaus vorbeigeschaut.
    Ich hoffe, Dir gehts gut.
    Gott grüß die Kunst
    Erik aus Düsseldorf und Solingen

    • trithemius

      Lieber Erik,
      schön wieder von dir zu lesen! Anfang November werde ich das Teppichhaus vorläufig oder auch endgültig schließen. Insofern gut, dass du noch mal hier warst. Wie gehts dir, was machst du so?
      Danke, mir geht es soweit gut, aber ich muss mehr mit meinen Kräften haushalten. Im November habe ich einen kleinen Lehrauftrag zum THema Handschrift an der Bauhaus-Uni Weimar. Dann will ich mich einem Romanprojekt widmen, das z.T. autobiographisch die Lehrzeit als Schriftsetzer zum Thema hat.

      (Mist, jetzt sehe ich alter Heide mich gezwungen, deinen Gruß adäquat zu erwidern.)

      „Gott grüße sie!“
      Jules

      (Ich bin sicher, die Grußformel sollte der üblen Nachrede entgegenwirken, der Buchdruck sei Teufelswerk.)

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