Ein Fall fürs All – Das Raumschiff flog ziemlich tief

Gestern abend gesehen: „Ein Fall fürs All“ vom 30.09.2014 ZDF, Politsatire mit Urban Priol und Alfons. O-Ton ZDF:

Sternzeit 2014: Die Kabarettisten Urban Priol und Alfons haben genug vom politischen Chaos auf der Erde und flüchten auf der Suche nach einer besseren Welt mit ihrem selbstgebauten Raumschiff in die unendlichen Weiten des Orbits. Nur einmal pro Monat kommen sie zu einer satirischen Stippvisite auf der Erde für einen 45-minütigen Aufenthalt vorbei. Urban Priol darf als Raumfahrer mit „Ein Fall fürs All“ weitermachen im ZDF. Nun hat sich der Aschaffenburger Kabarettist den Franzosen Alfons als Partner gesucht.

Ich weiß nicht, welche Leute in der Sendung das Publikum abgaben, aber eigentlich hätten sie beim Anblick der größenwahnsinnigen Deko nach Hause gehen können. Jedenfalls dachte ich bei der TV-Ausstrahlung spontan: Oje, das kann nur noch schlechter werden. Es gehört zur Tradition von Kabarett, dass der politische Witz in Spielhandlungen eingebettet wird. Das hat bei Neues aus der Anstalt funktioniert und ist auch bei der Neuauflage, Die Anstalt, gelungen. Aber was Urban Priol, Emmanuel Peterfalvi als Alfons und die sich chronisch überschätzende Christine Prayon in ihrem albernen Raumschiff ablieferten, hätte die 6b des Fuzzi-Q.-Jones-Gymnasiums besser gekonnt. Wenn beispielsweise Alfons dem Publikum den Rücken zuwandte, um per Tastatur „der Planetenkonförderation“ irgendwas zu berichten, Priol durch eine Schleuse ein- und auslief oder Prayon, gestützt von einer Krücke, eine Phantasieuniform spazieren trug, dann war das Laienspielgruppe in ihrer ödesten Art.


„Croissants in Tuben“ – Ein Fall fürs All – ganze Sendung Gif klicken

Überhaupt Außerirdische: Wenn Menschen von Kontakten mit Außerirdischen berichten, habe ich mich oft gefragt, warum suchen sich die superklugen Außerirdischen denn immer solche Deppen aus? Jetzt haben diese Deppen sogar eine Kabarettsendung im ZDF. Kollege Noemix hat letztens ein schönes Wort geprägt: „humoristischer Kretinismus.“ Den gab es zuhauf. Als gutwilliger Zuschauer habe ich gehofft, darin noch einen guten politischen Witz zu entdecken, etwas wirklich erhellend Subversives. Aber die irre Deko hatte schon angezeigt, dass hier mit den Kanonen der Form nach den Spatzen des Inhalts geschossen werden sollte.

Apropos schießen: Schon kürzlich habe ich Satiresendungen kritisiert, in denen unreflektiert das regierungsamtliche Gejammer über den Zustand der Bundeswehr aufgegriffen wird. Was Priol und Konsorten hierzu in aller Breite ablieferten, war schlicht doof und könnte gut und gern auf dem nächsten Bundeswehrfest aufgeführt werden. Auch bei der Waffenindustrie würde man sich lachend auf die Schenkel klopfen.

Der zum Akkordeon singende Andreas Rebers war auch dabei, trug einen lustigen Hut und reimte, was so gerade eben noch zusammen zu bringen ist: „Halb Afrika hat Ebola“ – Uff! Ebola-Kranke können sich freuen, vor ihrem Tod noch leichthin trällernd ins deutsche Liedgut aufgenommen worden zu sein.

Im Abspann war gerade noch als einer der Autoren Hans Zippert zu entdecken, in besseren Zeiten Chefredakteur der Titanic. Inzwischen hat er aber für Springers Welt jahrelang den Kolumnisten- Clown gemacht, und in dieser feindlichen Umgebung sind ihm wohl die Zähne ausgefallen, was Witzchen ohne Biss erklärt.

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