Mal was Gutes über die Deutsche Bahn, ja, das gibt es

Morgen werde ich für drei Tage wegfahren. Als ich mir an Hannovers Hauptbahnhof die Fahrkarte holte, ist mir etwas Seltsames geschehen. Ich ziehe das Märkchen an der Aufrufesystemwartemarkenspendersäule und setze mich hin. Etwa zehn Leute sind vor mir. Da kommt plötzlich ein Bahnbediensteter zu mir, neigt sich freundlich herab und fragt, wo ich hin wolle. „Nach Aachen.“ „Dann kommen Sie mal mit“, sagt er, nimmt mir die Aufrufesystemwartemarke ab, strebt mit mir dem freien Schalter zu, an dem sonst nur die 1.-Klasse-Passagiere bedient werden, und übergibt mich einer attraktiven, erwartungsfroh lächelnden Dame. Die ist ein Muster an Kompetenz, fragt nicht viel, weiß sowieso, dass ich immer am Fenster sitzen will, findet zackzack die günstigste Verbindung, und derweil der Drucker schon meinen Fahrschein ausspuckt, weiß ich vor lauter Staunen nicht, wer ich bin. Aber da hilft sie auch, liest meinen Namen von der Bahncard und bringt ihn bezaubernd lächelnd in Erinnerung, indem sie mir noch einen schönen Tag wünscht. Was ist bloß los bei der Bahn? Haben die endlich ein Mittel gefunden gegen den hartnäckigen mehdornschen Pestvirus? Wenn jetzt auch noch der Zug unbestreikt fährt, nicht durch die Walachei umgeleitet werden muss, wenn es keine Betriebsstörungen hagelt … Der Start war jedenfalls vielversprechend. Weiter so, Deutsche Bahn! Werde erstklassig!

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11 Kommentare zu Mal was Gutes über die Deutsche Bahn, ja, das gibt es

  1. Sahst du irgendwie schlecht aus? „Dem armen Mann muß geholfen werden, der klappt mir hier gleich zusammen“, mag der Bahnbesienstete gedacht haben.

    Ah, nein, ich weiß: Das ist ein Beitrag aus Deiner Reihe „Mein surrealer Alltag“, oder? Ein Tagtraum, der Hergang so unwahrscheinlich wie die volle Tasse Kaffe, die in einem Deiner Filme im rechten Winkel an der Wand hängt, ohne auszulaufen.

    • trithemius

      Nachdem ich deine Vermutung gelesen hatte, habe ich gedacht, ja, der Mann hat Recht: Es ist surreal, mehr noch könnte man denken, es ist ein Bericht aus der Reihe ‚wunderbare Fügungen des Alltags‘. Vielleicht mache diese Reihe einmal, wenn ich genügend Material zusammen habe. Danke für die Anregung.

  2. Du hast es getan. Einfach so. Das kann nie gut enden. Den Morgen vor den Abend loben …

    • trithemius

      Die Mahnung stammt übrigens aus der Edda:
      Lobe am Abend den Tag
      Nach dem Tode die Frau,
      Das Schwert nach dem Hiebe.
      Bist du drüben das Eis,
      Das Ale nach dem Trunke.

      Mir gefällt hieran, dass die Mahnung positiv formuliert ist, man soll also loben, nur eben immer erst nachträglich. In der volkstümlichen Wendung: „Du sollst den Tag nicht vor dem Abend loben“, vermittelt sich mir eher die Idee: Du sollst nicht loben. Ich meine aber, es wird viel zu wenig gelobt. Vielleicht weil die volkstümliche Variante so verbreitet ist.

      Kann sein, dass ich was vergessen habe oder die Reihenfolge der Verse in der Mitte vertauscht. Ich habe diese Übersetzung der Edda (von Felix Genzmer) nicht mehr.

      Wunderlicher Weise hatte ich trotzdem eine vorzügliche Reise, der ICE lief wie auf Schienen, war überall pünktlich, der RE von Köln nach Aachen stand abfahrbeit, und es waren ganz neue Wagen; die Bahn hat sich diesmal wirklich Mühe gegeben. Nicht mal mein Fahrschein wurde kontrolliert.

      • Den Morgen nicht vor den Abend zu loben, beinhaltet auch ein gewisses Maß an fatalistischer Einstellung. So frei nach dem Motto: „‚Lächel. Es könnte schlimmer kommen.‘ Ich lächelte und es kam schlimmer …“
        Eine pessimistische Grundstimmung liegt dem zugrunde.

  3.  
    … dies sollte Dich doch veranlassen, auch einmal hierhin zu fahren (Für einige Spezialgüter, zum Beispiel Teppiche, ist er der größte Umschlaghafen weltweit.„)…

    Ich denke, so Teppichläden dem Internet gut…

    Mit vorzüglicher Zerknirschung

    Das Fossil
     

    • Berichtigung: vor „Für einige Spezialgüter… “ gehören Anführungsstriche; auch fehlt in „Ich denke, so Teppichläden dem Internet gut…“ das Wörtchen „tun“, welches hinter „Teppichläden“ bitte recht sehr positioniert zu denken wäre.

      Das Alter, die Hitze – ich bitte um Verständnis und wünsche angenehmes Text-Teppich-Knüpfen!

      (… der nämliche dämliche oben Genannte…)
       

  4. poe

    SOOO ein positiver eintrag in sachen deutsche bahn? toll!
    ich liebe die bahn! ich finde, dass die menschen sehr ungerecht sich der bahn gegenüber verhalten: die täglich gewaltige leistung als normales unerwähnendes ansehen, und wenn dann mal eine heizung in einem wagon ausfällt der bildzeitung melden *ha*
    ähnlich wie bei uns ITlern, lieber jules, laufen die PCs und Netze rund, verlangt niemand nach uns oder spricht gar: oh wie schön das doch alles immer tut, diese super-ITler, aber wenn ja der PC mal nicht startet oder auch nur eine Minute hängenbleibt: schiess-IT!
    liebe grüße zum montagmorgen
    ludwig

    • trithemius

      Du hast Recht, lieber Ludwig, meistens weiß man das gute Funktionieren alltäglicher Geräte oder Einrichtungen erst zu schätzen, wenn mal was schief geht. Und natürlich sind wir auch verwöhnt, klagen auf hohem Niveau. Das allseits beliebt Bahn-Bashing ist aber eine Folge von Versäumnissen und Fehlentscheidungen des alten Bahnvorstands um Hartmut Mehdorn. Daran krankt die Bahn noch immer, wenngleich auch positive Entwicklungen zu verzeichnen sind. Bei meinen zahlreichen Reisen zwischen Hannover und Aachen habe ich überwiegend schlechte Erfahrungen gemacht, wollte aber die eine gute auch nicht verschweigen, zumal sich das Positive über die ganze Reise erstreckte. Ein anderes Lob hier: http://abcypsilon777.blog.de/2008/11/06/na-geht-vergnueglich-reisen-deutschen-bahn-4991638/

      Schöne Grüße aus Hannover
      Jules

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