Zirkus des schlechten Geschmacks – Wohin mit dem Geld?

Banken kranken, krachen gar, und in vielen Drittweltländern droht der Hunger, denn die Nahrungsmittelpreise steigen, als würden angesichts der weltweiten Finanzkrise Lebensmittel gehamstert. An der drohenden Lebensmittelkrise sind Inder und Chinesen schuld, wird gerufen, denn sie äßen mehr als zuvor. Weil sie sich zunehmend mehr leisten können als zum Überleben notwendig ist, kaufen sie die Läden und in der Folge die Weltmärkte leer. Das klingt nahezu unverschämt, wo doch die westlichen Industrienationen die Gefräßigkeit für sich gepachtet haben.

Natürlich erhöht steigende Nachfrage die Preise. Doch es ist kaum zu glauben, Inder und Chinesen hätten gerade erst vor wenigen Tagen entdeckt, dass sie mehr Geld zur Verfügung haben. Wieso steigen die Weltmarktpreise über Nacht? „Der Kampf um Lebensmittel ist voll entbrannt und hat auch die Rohstoffmärkte mit voller Wucht erfasst“, schreibt WELT online. Und gibt im Vorspann des Artikels auch gleich einen guten Tipp:
guter-Tipp


Hier zeigt sich der
Zusammenhang zwischen der weltweiten Finanzkrise und der nun entflammten Lebensmittelkrise. Die Ursache ist marodierendes Geld. Nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) beträgt der Verlust aus der Finanzkrise eine Billion Dollar oder mehr. Ist dieses Geld eigentlich wirklich vernichtet, ist es einfach weg? Natürlich nicht. In den Jahren zuvor haben die Banken an den Risikoanlagen ungezählte Milliarden verdient. Die Gewinne aus den dubiosen Anlagegeschäften haben sie an ihre Aktionäre ausgeschüttet. Diese Milliarden liegen jetzt nicht unter Matratzen. Die Aktionäre wollen ihre Gewinne wieder investieren. Wohin mit dem Geld? Da der Immobilienmarkt zu unsicher geworden ist, suchen alle Investoren nach neuen Anlagemöglichkeiten. Da trifft es sich gut, dass die Nachfrage in Asien wächst. Also investiert man in den Lebensmittelmarkt. Und weil offenbar viele Anleger auf diesen Zug aufgesprungen sind, explodieren die Preise.

Die jetzt ausgeplünderten deutschen Landesbanken werden aus Steuermitteln gerettet. So werden die Risikogeschäfte der Hasardeure in Nadelstreifen nachträglich legalisiert, und das legalisiert gleichsam die Gewinne, die man zuvor gemacht, selbst eingesteckt und an Anleger verteilt hat. Auch dieses Geld trägt dazu bei, dass weltweit der Rohstoffmarkt ins Wanken gerät. In den westlichen Industrienationen wirkt sich die Lebensmittelkrise noch milde aus. Es trifft die Verursacher zuletzt. Zuerst büßen immer die am unteren Ende der Tafel, die Armen in den Ländern der Dritten Welt.

Gier ist keine Eigenschaft von Nationen. Gier ist eine private Angelegenheit. Wer weit oben an der Tafel sitzt, entscheidet selbst, ob er sich den Wanst voll schlägt, obwohl er längst gesättigt ist, oder ob er den Teller nach weiter unten durchreicht. Bevor man also mit dem Finger auf die so genannten Schwellenländer zeigt, wäre es gut, sich der eigenen Verantwortung zu besinnen. Doch Verantwortungsbewusstsein ist die Sache der Gierigen nicht. Das zeigt schon die Schamlosigkeit, mit der die WELT dazu rät, jetzt in den Lebensmittelmarkt zu investieren, also am Hunger der anderen zu verdienen.

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