Frau Nettesheim ist ein wenig ungnädig

trithemius & Frau Nettesheim

Trithemius

Warum haben Sie es denn jetzt noch mal schneien lassen, Frau Hol …

Frau Nettesheim
Nettesheim. Und die Herrscherin der Unterwelt heißt Holle oder Hel und nicht Hol.

Trithemius
Erst lassen Sie mich nicht ausreden, und dann schurigeln Sie mich.

Frau Nettesheim
Es wird Zeit, dass Sie die düstere Gedankenwelt verlassen, in die Sie sich und Ihre armen Leser mit der Geschichte in drei Tagen versetzt haben.

Trithemius
Darin spiegelte sich halt meine Verfassung, Verehrteste. Ich kann doch nicht immer nur rumjuxen, zumal im elenden Februar nicht, der heuer noch einen Tag mehr hatte als sonst.

Frau Nettesheim
Und deshalb haben Sie Ihre düstere Februarstimmung mutwillig bis zum 2. März ausgedehnt? Das kommt mir vor, als würde sich einer drei Tage auf einen Eisblock setzen und jammern, mir ist kalt.

Trithemius
Ich hatte gehofft, dass während des Schreibens viele Kommentare eingehen, die mir das Herz wärmen. Dann hätte sich der Lauf der Geschichte vielleicht zum Guten gewendet.

Frau Nettesheim
Sie brauchen ganz augenscheinlich Sonne, düsterer Herr. So eine verquere Idee habe ich schon lange nicht gehört.

Trithemius
Was denn, Frau Nettesheim, das war doch Teil meines Experiments. Ich wollte mich beim Schreiben von den Ideen anderer beeinflussen lassen.

Frau Nettesheim
Das hätten Sie im Prolog sagen müssen.

Trithemius
Ja, muss ich denn immer alles erklären? Konnte man es nicht gegebenenfalls erraten oder wenigsten ahnen und oder spüren, hinein interpretieren und so weiter?

Frau Nettesheim
Nein. Dazu war Ihr Prolog zu selbstbezüglich.

Trithemius
Sie sind heute irgendwie gnadenlos, Frau Nettesheim. Was sollen denn die Kunden denken?

Frau Nettesheim
Das hätten Sie sich fragen müssen, während Sie „Das Verzeichnis“ geschrieben haben. Sie haben einen einsamen Protagonisten erfunden, der keinen Besuch empfängt, und wundern sich, dass die Besucher wegbleiben?

Trithemius
Vielleicht hat es auch gar nichts mit mir zu tun, Frau Nettesheim. Als ich heute den Friseurladen betrat, saß mein Friseur einsam an der Kasse und sortierte Zettel. Das ließ er sofort bleiben und komplimentierte mich zum Haare waschen. Und als er später hurtig an meinen Löschen herumfitschte, sagte er plötzlich: „Wie ruhig es ist. Wo sind die alle?“ Und ich sagte: „Keine Sorge, die kommen wieder raus, sobald die Frühlingssonne scheint.“ Da habe ich ihm allerdings verschwiegen, wie frostig Sie derzeit gestimmt sind, Frau Nettesheim. Sie werden’s gewiss noch ein paar Tage schneien lassen. Vielleicht sollte man mal ein eisiges Strumtief nach Ihnen benennen. Helene klingt auch viel kühler als Emma.

Frau Nettesheim
Und Sie klingen heute, als wollten Sie sich bei mir unbeliebt machen.

Trithemius
Um Himmels Willen. Ich hab ja gar nichts gegen Eis. Es kann zuckersüß sein. Aber lassen’s trotzdem das Bettenausschütteln, liebe Frau Holle.

Frau Nettesheim
Ach, Trithemius. Ein Witz wird nicht besser, wenn man ihn zweimal macht.

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