Die zitternden Hände zweier Läufer

In seinem Essay Moderne Etymologie benutzt der Sprachphilosoph Fritz Mauthner folgendes Beispiel der Unmöglichkeit, sich mit der Etymologie dem Ursprung der Sprache zu nähern.

„Es ist, als ob die zitternde Hand eines laufenden Menschen den Faden in die Nadel einfädeln wollte, die die zitternde Hand eines an ihm vorüberlaufenden anderen Menschen hält.“ (Fritz Mauthner)

Zeichnerisch ist es natürlich möglich. In meinem Tagebuch habe ich es mal skizziert, fürs Blog animiert, aber nie veröffentlicht, weils peinlicher Quatsch ist.

Nadel und Faden - Gif-Animation nach einer Tagebuchskizzze - JvdL


Animation aus dem Ordner „Das heben wir nicht ins Blog“ als Beitrag zum Blogprojekt von Shhhhh, Der innere Zensor

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8 Kommentare zu Die zitternden Hände zweier Läufer

  1. iGing

    Also, überkritisch muss man ja nun auch nicht sein – ist doch mal was Lustiges. „Peinlichen Quatsch“ nenne ich was ganz Anderes, zum Beispiel wenn ein Akademiker den Film „Fack ju Göhte“ mit dem Hinweis auf den falsch geschriebenen Filmtitel kritisiert.

  2. Ich finde das überhaupt nicht peinlich. Ich finde, dass du mit deiner Illustration genau den Ton getroffen hast, den das Zitat vorgibt. Dass die Möglichkeit besteht, tatsächlich das Nadelöhr zu treffen, stellt ja den eigentlich angestellten Vergleich, den Mauthner hier vorgenommen hat, ins Absurde. Es ist nämlich noch nie eine Frage der Wahrscheinlichkeit gewesen, ob wir mit der Etymologie dem Ursprung der Sprache auf die Spur kommen, es ist eine Frage der Unmöglichkeit. Etymologen werden immer im Trüben fischen, da müssen wir uns nichts vormachen, und erst recht müssen wir da nicht eine so weit hergeholten Vergleich anstrengen. Die Zensur hätte bei Mauthner stattfinden müssen. Nicht bei dir.

  3. … und das „Wutsch“ ist doch einfach erikaesk:D

  4. trithemius

    Vermutlich wendet sich Mauthner gegen August Fick, den Autor des Wörterbuchs der indogermanischen Grundsprache (Göttingen 1868) und dessen vergebliche Suche nach dem Urrasiermesser, womit er seine Thesen von der indogermanischen Ursprache zu untermauern suchte.

    Dazu finde ich Mauthners Metapher passend, mein Gif aber gar nicht, weil es zu Ficks Stochern im Ungewissen etwas Albernes ins Bild setzt, ohne dass der Begründungszusammenhang auch nur angekratzt würde, so dass ich es hier im Kommentar nachholen muss. Ohne das Mauthnerzitat wäre es nur skurril.

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