Fragwürdiges aus der Welt der Gucci-Sonnenbrillen

Ein sonniger Samstagnachmittag am südlichen Ufer des Maschsees. Eine Gruppe von acht jungen Männern und Frauen kommt den Weg entlang. Einer entdeckt eine Sonnenbrille, die auf der Lehne einer Bank klemmt. Ergreift sie, zeigt sie erfreut rum, weil er sie als zweifellos teure Sonnenbrille von: „Gucci!“ erkannt hat und nimmt sie mit. Niemand aus der Gruppe widerspricht ihm. Auf der Bank haben zuvor ein Junge und ein Mädchen gesessen. Sie hatten wohl gerade ihr Abitur gemacht und sprachen über ihre Sprachkenntnisse und vor allem über Zukunftspläne. Mit dem Kopf in der Zukunft kann man beim Aufbrechen schon mal die Sonnenbrille vergessen.

Aber darf man eine teure Designer-Sonnenbrille, die auf einer Banklehne klemmt, so einfach mitnehmen wie Strandgut? Muss hier nicht davon ausgegangen werden, dass der Eigentümer noch in der Nähe ist, im hellen Sonnenschein den Verlust bald bemerkt und sich erinnert, wo er die Sonnenbrille gelassen hat? Wäre nicht zu erwägen, dass der Eigentümer der Brille zurückkommen wird, um sie zu suchen?

Ich saß noch eine Weile auf der Bank nebenan, aber das junge Paar sah ich nicht mehr. Warum nicht? Rechneten sie nicht damit, dass die Brille noch da sein werde? Oder war es ihnen zu lästig zurückzukommen, weil man sich einfach eine neue kaufen kann? Geht es so unehrlich und gleichgültig zu in Welten, in denen man Gucci-Sonnenbrillen trägt?

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