Beauftragt

Gestern war er wieder im Fernsehen: Das lebendige Beispiel geistlosester Sprachverwendung, das so entlarvend ist wie nur eins. Ich wundere mich immer wieder, dass es niemandem aufzufallen scheint, nicht dem Funktionsträger selbst, nicht seinen Auftraggebern, nicht unseren dünkelhaften Journalisten, die sich doch für die sensibelsten unter den Sprachverwendern halten. Jedes Mal, wenn der Begriff genannt wird, zucke ich zusammen und frage mich, bin ich denn wirklich so schrecklich allein auf diesem Erdball? Bin ich wirklich der einzige, der diese Wortprägung zu den Schmierigsten, Dreckigsten zählt, die sich deutsche Gehirne je ausgedacht haben?

Oder steckt dahinter eine kollektive Einsicht, eine stillschweigende Übereinkunft, von der ich nichts weiß, dass nämlich auch in einer zehntausendköpfigen Herde von Böcken nicht ein Bock geeignet ist, Gärtner zu werden. Welcher Bock war also gestern wieder im Fernsehen? Der „Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche“, der Trierer Bischof Stephan Ackermann.

Als vor fünf Jahren allerorten laut geklagt wurde über systematischen Missbrauch von Schutzbefohlenen durch katholische Priester, hat sich die aufgescheuchte Bischofkonferenz zusammengesetzt und beraten, wie dieser Schande zu begegnen wäre. Die Lösung: „Wir beauftragen jemanden, am besten einen von uns, einen Bischof.“ Seither ist der Trierer Bischof Stephan Ackermann von der deutschen Bischofkonferenz mit Missbrauch von nicht näher definierten Opfern, vermutlich Messdienern, Internatszöglingen und Ziegen beauftragt. So geht es eben zu in Deutschland: Alles wird legal, wenn eine übergeordnete Institution einen Auftrag erteilt. Es ist ja nicht der Missbrauch an sich zu tadeln, sondern der auftragslose Missbrauch, der aus reinem Spaß an der Freude.

Und weil der Missbrauchsbeauftragte natürlich alleine überfordert wäre, darf er auch delegieren, – mit einem eigens entwickelten und von der Bischofkonferenz abgesegneten Auftragszettel vermutlich. Früher Ablasszettel – heute Auftragszettel.

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