Volontär Schmocks Schmierzettel Juni – Betrunkene Igel

Erfahre, wovon andere nur reden.
(Tanja Weber, VIP-Service)

Im niederländischen Arnheim hat ein Passant einen betrunken Igel auf der Straße gefunden. Der hatte sich über eine Flasche Eierlikör hergemacht, die auf der Straße zerborsten war. Der Igel lag völlig besoffen in der klebrigen Brühe, unfähig sich zu rühren. Nur sein schleckendes Zünglein konnte einfach nicht vom Eierlikör lassen. Die Tierambulanz brachte den Igel ins Asyl, wo er seinen Rausch ausschlafen konnte. Er wird laut nieuwsblad.be freigelassen, wenn er wieder der Alte ist. Hallo? Wieder der Alte? Der hing doch schon an der Flasche.

Folgende Liste hätte früher in meinem Notenbuch stehen können. Will sagen: Die Namensträgerinnen müssten jetzt zwischen 30 und 40 Jahren alt sein und mitten im Berufsleben stehen: Andrea, Carolin, Christin, Christina, Emma, Janine, Katharina, Kathy, Katrin, Lara, Lena, Lisa, Janine, Marleen, Melanie, Michaela, Mila, Nadine, Paula, Rabea, Sandra, Sara, Sophia, Susanne, Svenja, Tanja. Sie alle sind beruflich durchgestartet. Leider in die falsche Richtung. Die genannten Damen senden mir wöchentlich nervige Werbemails, wobei Janine sich „zertifizierte Tarifberaterin“ nennt und Lara eine „Sexgarantie“ verspricht. Spätestens jetzt wird klar, dass es keine Namensliste aus meinem schlauen Notenbuch ist, denn Tarifschlampen habe ich nie unterrichtet, wobei ich für den späteren Werdegang meiner Schülerinnen weder eine Sex- noch eine andere Garantie abgeben kann. Hoch über mir lebt auch so eine Janine. Kommt jedes Mal die Treppe runter wie ein Sturmgewitter. Vermutlich freut sie sich so auf ihre Arbeit als zertifizierte Tarifberaterin. Sie kann gar nicht erwarten mir Mails zu schicken wie die hier:

„Guten Tag,
wir haben festgestellt, dass Sie zur Zeit möglicherweise in einem Krankenkassentarif versichert sind, der Ihnen kein optimales Preis-/Leistungsverhältnis bietet. (..)“

Geschissen! Gar nichts habt ihr festgestellt! Und, äh, soviel verschwendete Büro- und Lebenszeit! Man kann nur hoffen, dass die zertifizierte Tarifberaterin“ ein Spam-Bot ist und eben nicht meine Oberobernachbarin.


Lob des digitalen Zeitalters: Eingedenk langer Stand- und Wartezeiten im Büro der zertifizierten Tarifberaterin musste Josef Beuys immer seine Venen schonenden Hasenhosen tragen. (Montage: Trithemius – Größer: Klicken)

Einmal besuchte ich in Aachen eine Kunstgalerie, gelegen in einem Patrizierhaus der teuersten Gegend der Stadt, ging rauchend vor dem Haus auf und ab, da trat aus einem Nachbarhaus meine Exschülerin Julia im teuren Business-Outfit, schon als Schülerin ein ätherisches Wesen von himmlischer Klugheit. Julia hatte nach dem BWL-Studium Karriere gemacht, war „Finanzberaterin“ geworden, jettete zwischen Frankfurt, London und New York hin und her. Derlei Schreckliches musste ich da erfahren und fragte: „Oje! Bist du etwa eine von denen, die just die halbe Welt verzockt haben?“ „Ja, aber ich mache keine extremen Risikogeschäfte, sondern verwalte nur Fondsvermögen.“ Ausgerechnet Julia. Ich hatte sie immer gemocht. Ihre Klausuren waren mir stets eine Freude zu lesen gewesen. Wo hatte ich versagt? Hätte ich ihr zwischendurch mal ein saftiges „Ungenügend“ reinsemmeln sollen, damit sie sich mit Fragen von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit hätte beschäftigen müssen. Vermutlich hätte es nichts genutzt. Julia hätte mit den Achseln gezuckt und gesagt: Weiß doch jeder, dass Lehrer die Noten erwürfeln.

Wie der dicke Armin Laschet von der CDU. Als Lehrbeauftragter der RWTH Aachen sind ihm 30 Klausuren abhanden gekommen. Da hat er die Noten schlicht aus seinen Aufzeichnungen „rekonstruiert“. Seine wurschtige Notengebung ist nur aufgefallen, weil Laschet auch denen eine Note gegeben hat, die gar nicht mitgeschrieben hatten. Andererseits darf man vermuten, dass Fröschlein, die freiwillig beim Laschet im Seminar sitzen, größtenteils Mitglieder sind im Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) und selbst mal politische Karriere machen wollen, wozu der RCDS immer ein zertifiziertes Sprungbrett gewesen ist. Also, dann meckert man doch nicht, wenn Laschet nach Gutsherren Art die Noten verteilt. Hätten sich ein Beispiel an Julia nehmen sollen.

„Noten-Affäre bringt Laschet in Not“. Wer um Himmels Willen denkt sich solche Schlagzeilen aus? Ich würde auf den stockbesoffenen Igel tippen, aber der hockt ja noch in Arnheim in der Ausnüchterung. Nüchtern tät ich mich jedenfalls schämen, so zu titeln. Aber sich zu schämen ist out. Man macht es nicht mehr. Gehts denn sogar noch ein bisschen blöder? Zum Beispiel irgendwas mit Blatter und Blatt. So tief kann keiner sinken? Von wegen. Da unten agiert Chefkommentator Torsten Krauel von der Welt:

„Blatter-Rücktritt – Jetzt kann die FIFA das Blatt wenden“ Wer wissen will, wer sich derlei Sprachkotze aus den Borsten puhlt, der klicke auf das Bild und sehe sich Torsten Krauels schön geglättete Frisur genauer an. Und Entschuldigung beim Arnheimer Igel! Der ist übrigens, falls hier Kinder mitlesen, wieder nüchtern, was sich von Welt-Chefkommentator Torsten Krauel nicht zuverlässig sagen lässt.

Dieser Beitrag wurde unter Trendkompass abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Volontär Schmocks Schmierzettel Juni – Betrunkene Igel

  1. Ich fürchte, bei der Fifa wird sich kein Blatt wenden. Da ist man – im Gegenteil – noch steigerungsfähig: blatt, blatter, am blattersten.

    Der Arme Igel. Der wollte sich doch gar nicht besaufen. Der die Flasche zerdeppert hat, soll nächstes Mal lieber einen Karton Eier fallen lassen. Das ist billiger und bekommt dem Igel besser.

    • trithemius

      Die Komparation wird leider teuer: 7,50 Euro an die Namenwitzpolizei, zugunsten der Koninklijke Dronken Egel Hulp (KDEH).

      Es wird sich um ein Versehen handeln. Niemand lässt absichtlich eine neu gekaufte Flasche Eierlikör fallen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*