Editorial – Blogtypografie und mein elektronischer Bibliothekar

Liebe Leserin, lieber Leser,
bitte festhalten! Wir machen einen Zeitsprung ins Jahr 1979. Ich will einen Ritter zeichnen und brauche Anschauungsmaterial. Nachdem ich erfolglos meine Büchersammlung inspiziert habe, suche ich die Aachener Stadtbibliothek auf. Wir dürfen auf der ersten Etage nur einen Katalograum betreten. In der Kartei suche ich nach Büchern, von denen ich hoffe, dass sie Abbildungen von Rittern enthalten und fülle fünf Bestellzettel aus. Ein städtischer Angestellter in Livree nimmt die Bestellzettel an und bescheidet, dass die Bücher in zwei Stunden bereitliegen werden.

Bis Mitte der 80-Jahre war die Literaturrecherche in der Aachener Universitätsbibliothek noch genauso zeitraubend organisiert. Man füllte Bestellzettel aus und bekam nur einen Teil der gewünschten Bücher. Manche Bücher waren vorhanden, konnten aber nicht gefunden werden, weil sie verstellt waren. Dann gabs Nullzettel. Ein Jahr versuchte ich vergeblich W. Wattenbach, Das Schriftwesen im Mittelalter auszuleihen. Aus den Nullzetteln hätte ich mir ein Büchlein binden lassen können: „Das Bibliothekswesen Ende des 20. Jahrhundert.“

Zurück ins Teppichhaus des 21. Jahrhunderts. Schon länger hat mich die unpassende Höhe der Startvignetten gestört, so dass die letzte Zeile des ersten Abschnitts immer ein wenig tiefer hing als das linkseitige Bild. Inzwischen habe ich die meisten Vignetten schon auf die passende Höhe von 184 Pixeln gebracht. Einige wissen, dass die Vignetten nicht nur Schmuckelemente sind. Wenn man sie anklickt, flitzt mein elektronischer Bibliothekar durchs Archiv und trägt alle Beiträge zusammen, die in der Rubrik jemals erschienen sind, wie sich oben und bei früheren Beiträgen testen lässt. Der elektronische Bibliothekar verlangt keine sorfältig ausgefüllten Bestellzettel, vertröstet nicht auf später, gibt keine Nullzettel aus und vergisst auch keinen Beitrag. Überhaupt unterscheidet er sich stark vom livrierten städtischen Beamten. Der war auf seine Weise auch prima, aber gehört eben einer versunkenen Welt an.

Wenn Sie ganz nach unten scrollen, finden Sie in der rechten Randspalte so etwas wie einen öffentlichen Lesesaal. Sie können sehen, ob da jemand sitzt, aus welchem Land er kommt und warum er gekommen ist. Ich schaue da gerne rein, weil ich tun kann, was in einem öffentlichen Lesesaal unschicklich wäre. Ich kann mir anschauen, was die Leute gerade lesen. Wer über eine Suchphrase in den Lesesaal gefunden hat, liest ja nicht den aktuellen Beitrag, sondern vielleicht einen der 585 Texte in diesem Teppichhaus, den ich längst vergessen hatte. Dann klicke ich den Beitrag ebenfalls an, der elektronische Bibliothekar macht seine Arbeit und offeriert mir den gewünschten Text. Von solch einem imaginären Bibliothekar handelt die surreale Gruselgeschichte Das Verzeichnis, zu finden im gleichnamigen E-Book, für das ich hier noch einmal werben will.


(Amazon-Bestseller “Nachtschwärmer online” – größer: Klicken)

Die Urlaubszeit naht, mancher besitzt neuerdings für unterwegs ein Lesegerät wie der geschätzte Blogfreund und Kollege Lo. Was liest Lo zur Zeit? Das Teppichhaus-E-Book Nachtschwärmer online, wie er mir in einer freundlichen E-Mail mitteilte. Und weil ein geteiltes Vergnügen doppeltes Vergnügen ist, sprach er eine Kaufempfehlung aus, die ich gerne weitergebe. Als “Nachtschwärmer online” im März 2014 noch kostenlos zu haben war, stand es auf Platz 3 der Amazon-Bestsellerliste. Alle E-Books sind zu bekommen über die Werbeaufsteller der rechten Spalte.

Schöne Pfingsttage

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2 Antworten auf Editorial – Blogtypografie und mein elektronischer Bibliothekar

  1. Nullzettel gibt es immer noch, auch wenn sie viel seltener geworden sind. Das liegt allerdings nicht daran, daß Bücher weniger oft verschwunden sind, sondern an der weitverbreiteten Freihandaufstellung der Bücher. Angeregt durch die Servicefreundlichkeit amerikanischer Bibliotheken fand man, es sei nun an der Zeit, den Bibliothekar als griesgrämigen Gralshüter abzulösen durch eine freundliche Servicekraft, die den Kunden (der auch nicht mehr als “Benutzer” bezeichnet werden sollte) den Weg ans offen zugängliche Regal wies. Der Nullzettel ist also abgelöst worden vom nicht gefundenen Buch, immerhin braucht der Besucher nun nicht mehr auf den negativen Bescheid zu warten. Allerdings will er es in der Regel nicht wahrhaben, daß das Buch nicht da ist, geht zurück zur Information und nötigt den Bibliothekar, mit ihm ans Regal zu kommen. Mit viel Glück findet der es dann, weil er weiß, daß Studierende sich hier auch nicht anders verhalten als auf der Straße: Was sie nicht mehr brauchen, lassen sie da fallen, wo sie sich gerade befinden, und wenn man Glück hat, ist der vorherige Benutzer des Buches nur ein paar Meter weit gegangen, bevor er das Buch als unbrauchbar bewertet und wieder irgendwo abgelegt hat. Aber meistens hat man kein Glück. Was als Segen geplant war – die Freihandaufstellung – ist zu einem Fluch geworden. Wie war das noch schön, als es Nullzettel gab.

    • trithemius

      In der Aachener Diozösan-Bibliothek sollte man die Bücher im Lesesaal nach Gebrauch am Platz liegen lassen, um das falsche Einstellen zu verhindern. Von einem Nachteil der Freihandaufstellung in wissenschaftlichen Bibliotheken habe ich mal gelesen, dass nämlich Studenten Bücher verschwinden lassen, um ihre Chancen gegenüber Mitstudenten zu verbessern.

      Ins Lob der Nullzettel wollte ich nicht einstimmen. Das oben genannte Werk “Das Schriftwesen im Mittelalter”, das ich nur schwer bekommen konnte, kann man jetzt in Gänze im Internet einsehen (ich habs oben verlinkt.) Allerdings stellt sich das Glücksgefühl nicht ein, das mich damals umfing, als ich endlich erfolgreich war. Was leicht zu haben ist, hat leider nicht nur sein Gewicht eingebüßt. Freilich hat mich die Literaturrecherche früher viel Zeit gekostet. Ein Bibliotheksbesuch kostet jedesmal einen ganzen Nachmittag. Heute schaffe ich viel mehr in wesentlich geringerer Zeit. Die Intensität des Erlebens ist halt geschwunden.

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