Das Urteil des Schemjaka

„Das Urteil des Schemjaka“, ein russisches Volksmärchen in der Fassung von Giovanni Sercambi (1348 – 1424) hat mir so gefallen, dass ich die Inhaltsangabe im April 1993, heute vor 22 Jahren, in mein Tagebuch schrieb. In dieser Geschichte rührte mich die Figur eines armen Mannes namens Landrea, der unschuldig in schier aussichtslose Umstände gerät, dem aber am Schluss durch kluge Richter wirklich Recht zugesprochen wird, zu wundersam um nicht Märchen zu sein. (Ich hoffe, der Text ist lesbar, war zu faul, ihn noch mal abzutippen. Und ganz verzichten auf Handschrift sollten wir sowieso nicht.)

Hier eine inhaltlich abweichende Fassung als Gedicht, worin der weise Richter Schemjaka namentlich erwähnt ist. Dass im Urteil die Dame eine Sache ist, die man verschieben kann wie das Pferd, möge man den Zeitumständen anrechnen.

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14 Kommentare zu Das Urteil des Schemjaka

  1. Lo

    Wie schön, diese kleine Geschichte.
    Und wie weise der Richter urteilte.
    War schön zu lesen.
    Vielleicht auch gerade wegen der Handschrift. 😉

    • trithemius

      Freut mich. Die handschriftliche Fassung zu veröffentlichen war in Wahrheit viel mehr Arbeit als hätte ich den Text abgetippt. Denn die Scans der verschiedenen Seiten waren doch sehr unregelmäßig,

      so dass die Photoshop-Bearbeitung viel Zeit beanspruchte. Ich bin froh, wenns einigermaßen hinkommt und auch noch gelobt wird 🙂

  2. iGiing

    Ja, das war richtig angenehm, mal wieder einen zusammenhängenden handgeschriebenen Text zu lesen, der etwas umfangreicher war als die eigenen Notizen/Einkaufszettel. Die Handschrift anderer Leute kriegt man ja kaum mehr zu sehen.

  3. Zur dritten Geschichte fällt mir eine wahre Geschichte aus Detroit ein. Es geht um das momentan leerstehende große Book Building mit seinem hohen faszinierenden Turm. In den 50er Jahren sprang eine Frau in Selbstmordabsicht aus einen der obstersten Stockwerke. Beim Aufschlagen erschlug sie einen Mitarbeiter des Book Buildings, der gerade zu spät zur Arbeit kam …

    • Zur vierten freilich. Nicht zur dritten …

      • trithemius

        Was lehrt uns der Vorfall? Immer schön pünktlich zur Arbeit kommen! Etwas ähnlich Tragisches sind Egon Friedells letzte Worte. Während Nazi-Schergen mit seiner Haushälterin sprachen, um ihn abzuholen, nahm er sich das Leben, indem er aus dem 3. Stock sprang. Vorher warnte er Passanten: „Treten Sie zur Seite!“

        Auch gibt es bei der von dt. Ingenieuren geplanten Bagdadbahn die Warda-Brücke. Sie ist benannt nach einem dt. Ingenieur, der beim Brückenbau das Gleichgewicht verlor und in die Tiefe stürzte, dabei die Arbeiter im Tal laut schreiend warnte: “Waaarrrdaaaaa!!! (Achtung! Hier kommt noch was!) – „Waaarrrdaaaaa!!! – Allaha ismarladik! Auf Wiedersehen!“

  4. Gestern fiel mir beim Lesen dieser Deiner Geschichte immer nur „Der kaukasische Kreidekreis“ ein, wobei wir allerdings schon wieder bei Salomon wären, und da wollte ich gar nicht hin. Auch wenn man nicht so weise ist, es gibt immer zwei Möglichkeiten.

    Ich mag den russischen Humor durchaus.

    • trithemius

      Das Motiv des weisen Richters ist recht verbreitet. (Das Salomonische Urteil schon in der Bibel), Brechts Kaukasischer Kreidekreis geht ja auch auf eine ältere mündl. Überlieferung zurück.Offenbar sind weise Richter, der kluge Richtspruch, das gerechte Urteil so selten, dass sich die Beispiele ins kollektive Bewusstsein eingegraben haben. Gegenwärtig liest und hört man derlei nicht, sondern (und jetzt wird es humorlos) eher das Gegenteil angesichts des himmelschreienden Unrechts, das Nazi-Richter angerichtet haben, und sogar in der Bundesrepublik Karriere in der Politik machen konnten (Globke, Filbinger) oder angesichts einer grotesken Figur wie Richter Gnadenlos Ronald Schill, den jetzt das Proletenfernsehen noch hofiert.

  5. Ich erinnere mich, dass mich das Motiv des weisen Richters in meiner Jugend (Schulzeit) sehr ansprach. Die Sensibilität, die man in der Jugend für Gerechtigkeit besitzt, erreicht man – glaube ich – später im Leben nie wieder. Ich kann meinen Standpunkt auch erklären, bin aber gerade zu faul dazu. – Jedenfalls habe ich mich an dem Thema damals wohl so nachhaltig gelabt, dass der „weise Richter“ zwar meine volle Zustimmung findet, mich aber nicht mehr fasziniert. Das soll nun wirklich nicht heißen, dass Nazi-Richter (oder andere finstere Gestalten in der Richterrobe) Faszination auf mich ausüben. Kleists Dorfrichter Adam geht gerade noch so hin. 🙂 – Wie übrigens überhaupt jene zwielichtigen Gestalten, in deren unrechtem Tun noch wahrhaft menschliche Schwäche wie ein Abglanz von Unschuld erkennbar ist. Mir fällt da zum Beispiel ein Foto ein – mehrere jener Pour le Mérite-Fliegerasse bei einer privaten Geburtstagsfeier (im Fliegerhorst?). Ein in der damaligen Zeit seltener Schnappschuss ohne Pose. Einer erklärt den anderen eine Kampfsituation, deutet mit beiden Händen die Position der Flugzeuge an. In keinem der Gesichter eine Spur von Hass oder Hähme, sondern fast kindliche Begeisterung. Plötzlich begreift man, wie es möglich war, dass viele sich im Ersten Weltkrieg noch freiwillig zum Dienst an der Waffe gemeldet haben. Man verabredete sich zum Spiel der großen Jungs. Und was für ein grauenhafter Krieg wurde daraus!

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