Goethe und ich und ich und Goethe

Fundstück: Kakographie Trithemius – Papier, Filzstift, Spitzfeder, Schreibfeder, Tusche

Generationen von Germanisten und Literaturwissenschaftlern rätselten am sinnverwirrenden Hexen-Einmaleins aus Faust I herum. Es gilt aber Goethes eigene Deutung; es bedeutet nämlich nichts mehr oder anderes als da steht und spiegelt die Tatsache, dass sich auf die Sechs, so gut wie nichts reimt, außer Hex. Aus meinem Tagebuch, absichtlich hässlich geschrieben, veröffentlicht als heidnisches Gegengewicht zu den österlichen Jesusgedichten hier im Blog.

Dieser Beitrag wurde unter Schrift - Sprache - Medien abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

14 Kommentare zu Goethe und ich und ich und Goethe

  1. iGing

    „es bedeutet nämlich nichts mehr oder anderes als da steht“

    So ist es meistens.* Wer das verstanden hat, schreibt die besten Interpretationen!

    * Außer bei Celan natürlich.

    • trithemius

      Freut mich, wenn Sie mir zustimmen. Ich habe eine Frage immer abgrundtief gehasst: „Was will uns der Dichter damit sagen?“
      Sie geht so vollkommen an den Zufällen des schöpferischen Prozesses vorbei und nährt überdies die Fiktion, ein Autor würde das Gemeinte nicht aufschreiben so gut er kann, der Sinn seines Textes müsste erst von eifrigen Oberstudienräten ans Tageslicht gehoben werden, die ihr Pseudo-Wissen freilich auch nur aus Königs Erläuterungen haben.

  2. Ach, mit welcher Inbrunst die deutsche Geisteswissenschaft stets versucht, den Humor des Künstlers zu negieren, oder – wenn es sich gar nicht anders machen lässt – ungeahnten Tiefsinn in einem Scherz zu sehen. Und wie meisterlich Goethe das geschrieben hat. Beschwörender, betörender Unfug – vermutlich nachdem er sich oft genug über fehlende Reimworte geärgert hatte. Ich finde, Du hast das graphisch sehr gut umgesetzt. – Mich hat meine Dichtermuse offenbar so endgültig verlassen, dass mir nicht einmal ein Knittelvers gelingt. Daher auch mein scheinbares Übergehen Eurer österlichen Reimerei.

    Auf Amsel reimt sich nichts, darüber habe ich mich vor Jahren mal ausgelassen – zufällig auch anlässlich eines Fotogeschenks von dem gerade heute erwähnten Blogleser Spill.

    • trithemius

      Dankeschön fürs Kompliment!
      Zum Thema Reimen und Dichtermuse: Vielleicht tröstet es dich, dass ich an den vier Versen des Gedichts im Foto gut 24 Stunden gebraucht habe. Ich musste nämlich erst mal drüber schlafen, bevor sich alles fügen wollte. Beim Poetry-Slam reimen manche aus der Hüfte, ich kanns nicht. Danke für den Link zu einer tollen Fotodokumentation vom Werden der unreimbaren Amseln.

      Zu Goethes Dichtkunst und deren Zauberhier eine kleine Dramatisierung eines verbrieften Ereignisses. Viel Vergnügen!

      • trithemius

        Zur übereifrigen Goethe-Rezeption der deutschen Literaturwissenschaft gibt es die wunderbare Groteske von Alfred Polgar und Egon Friedell: „Goethe im Examen“, worin Goethe als verbummelter Schüler über Goethe geprüft wird und natürlich durchfällt. Habs mal mit Gunther Strack verfilmt gesehen, finde es aber leider im Netz nicht.

        • Diesen „Bummel durch die Zeit“ hast Du damals wirklich sehr schön geschrieben. Danke fürs Lesen-Dürfen! Und „Goethe im Examen“ erinnert mich daran, dass Rüdiger Safranskis „Goethe“ immer noch ungelesen auf mich wartet. Dass ich den lieben Menschen, die mir das Buch geschenkt haben, noch unter die Augen zu treten wage, zeugt von Unverfrorenheit. Es lässt sich nicht verleugnen: Mir fehlt nicht nur die Muse, sondern auch die Muße – und dies, obwohl ich über einen Mangel an Zeit nicht klagen kann. Womit wir wieder bei der Zeit wären …

          • trithemius

            Freut mich, dass der Bummel durch die Zeit dir gefallen hat. Zu deinem Wortspiel. Du bist eben nicht müßig, sondern schaffst sogar ziemlich viel. Zum Trost etwas von Dali:
            „Die Inspiration trifft mich beim Arbeiten an.“
            Ich halte es mit Schopenhauer, der vor zuviel Lesen warnt. Man ist ja beim Lesen fremder Gedanken meist wie ein Ochs hinterm Karren angebunden, der durch ausgefahrene Wege rollt. Womit ich nichts gegen Rüdiger Safranski sagen will. Eine meiner Exfreundinnen hielt große Stücke auf ihn.

  3. die flex und das flex (gerade leider zugrundegehendes lokal in wien) kamen ja auch erst viel später;-)

    • trithemius

      Hätte Goethe mal eine ordentlich Flex gehabt oder das Flex in Wien beehrt (dann wäre es bestimmt nicht zugrunde gegangen). 😉

  4. ich hab das jetzt das jetzt ein bisschen ausgebaut

    lieber gott, mach dass ich mich beim verlinken nicht verschrieben hab

  5. fast richtig gewesen;-)

    • trithemius

      Meinen Sie die Position des tonlosen „h“ in Ihrer Überschrift? Ist goldrichtig so, und dankeschön für die Verlinkung!
      (denken Sie beim Aufschreiben einfach an Trittenheim, Gott hilft sowieso nicht.)

  6. sie haben recht, ich bin eh eine agnostikerin.

    wussten sie übrigens, dass gott auf tschechisch buh mit ringerl überm u heißt? oder ist dieses „süddeutsche“ wort für flatulenz bei ihnen auch nicht geläufig?

    ps: ich meinte eigentlich die wiederholung von „das jetzt“ im vorigen kommentar. den titel hab ich selbstverständlich in böser, reißerischer absicht gewählt;-)

    • trithemius

      Sehens gnä‘ Frau, das ist mir nicht mal aufgefallen. „Buh“ ist mir ebenfalls unbekannt, aber es weist ja Ähnlichkeit mit „Pups“ auf.
      Die Bedeutung von tschechisch „Bůh“ ist lustig, sonst werden Flatulenzen ja eher mit dem Teufel assoziert.

      PS: Ich habe nichts Anderes von Ihnen gedacht 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*