Gefährliche Gedanken

Meistens habe ich keine Gedanken oder belanglose Alltagsgedanken, aber manchmal habe ich Gedanken, die sich später als gefährlich, zumindest aber als höchst lästig erweisen, weil sie etwas Blödes heraufbeschwören. Gestern klingelte es an meiner Wohnungstür. Da stand eine Frau im Treppenhaus und sagte: „Sie wissen sicher, dass Strom immer teurer wird. Ich kann Ihnen eine Alternative anbieten. …“ Ich unterbrach: „Von welchem Anbieter kommen Sie?“, und sie nannte mir ihren Verein. Indem sie anhob, weiter auf mich einzureden, sagte ich: „Ich schließe grundsätzlich nichts an der Wohnungstür ab. Schicken Sie mir ein schriftliches Angebot!“

„Aber dazu bin ich ja hier. Ich will Ihnen doch helfen“, sagte sie.
Ich bedankte mich höflich, und sie antwortete schnippisch: „Da nich für!“

Dieses „Da nich für!“
, wurmte mich gewaltig. Später fiel mir ein, was ich auf: „Ich will Ihnen doch helfen!“ hätte antworten sollen. „Sie wollen mir helfen? Schön! Dann bringen Sie mal mein Altglas zum Container.“ Hm, nicht schwer genug! Oder „Fangen Sie meine Vogelspinne wieder ein!“ Hm, ich hab leider keine. Etwas wirklich Schweres und Unhandliches würde sie ordentlich schrecken. Und jetzt kommt der gefährliche Gedanke: „Sie wollen mir helfen? Dann packen Sie mit an, meine Waschmaschine muss nämlich in den Keller.“ Und wenn sie sich nach der lästigen Schinderei im Keller schnaufend aufrichtet, ihr schmerzendes Kreuz streckt, könnte ich mich höflich bedanken, ohne dass ihr das dämliche „Da nich für“ in den Sinn kommen würde.

Eben steckte ich
Weißwäsche in die Waschmaschine und startete das 90-Grad-Programm. Auf dem Kontrollpanel fingen allerhand Lämpchen zu blinken an, Wasser strömte ohne Unterlass in die Trommel, und ich musste einiges tun, um einen Notstopp zu erreichen. Offenbar ist die Programmsteuerung defekt. Ganz plötzlich, ohne Vorwarnung! Man könnte meinen, die Waschmaschine gehorcht meinem gefährlichen Gedanken, damit ich einen Grund habe, sie in den Keller zu tragen. Aber zu spät. Die Billigstromfrau ist nicht mehr da, und ich wüsste nicht, wie sie zu erreichen wäre. Zum Glück will ich meine Waschmaschine überhaupt nicht in den Keller tragen. Dummes Ding! Das hieße, sie aufzugeben. Immerhin hat sie bei 60 Grad anstandslos gewaschen.

Musiktipp
Arsenal ft. Lydmor
Temul (Lie Low)


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