Editorial – Glücklich aus Schachteln

Liebe Leserin, lieber Leser! Liebe Freundinnen und Freunde dieses Blogs!
An einem Sonntagmorgen suchte ich in fünf Schachteln nach einem Dokument. Natürlich fand ich tausend andere Dokumente, das Gesuchte aber erst in der letzten Schachtel. Als ich noch darüber nachsann, welches Gesetz wirksam ist, wenn das Gesuchte sich stets findet, wo man zuletzt nachsieht, fiel mir auf, dass ich die letzte Schachtel zuerst in der Hand gehalten, dann aber gedacht hatte, darin wird das Dokument keinesfalls sein. Daraus erklärt sich die Überschrift vom vorvorletzten Beitrag. Der Satz: „Beim ersten hätte ich bleiben sollen“, wollte nicht so recht passen, bis mir einfiel, dass er eigentlich den Schachteln gegolten hatte.

Vor einigen Monaten saßen im „Vogelfrei“ zusammen der Blogger Konrad Fischer (hier besser bekannt als Herr Leisetöne), der Musiker Filipe d’Accord, ein kreativer junger Quantenphysiker, mit dem ich schon mal aufgetreten bin, der Soziologe Herr Putzig und ich. Filipe d’Accord erzählte von einer Idee, die er schon eine Weile hegt, nämlich eine Künstlergruppe mit dem Namen HACK zu gründen, was das Akronym aus Hannover Cünstler Kollektiv wäre, und dass zur Gründung als Kunstaktion eine Handvoll Gehacktes oder Mett gegen ein Fenster von Vogelfrei zu werfen wäre. Einzig Herr Putzig sträubte sich gegen die Idee. Konrad Fischer handelte mit dem Wirt die Erlaubnis aus, sein Fenster zu bewerfen, die Kellnerin Liz erbot sich, die Aktion zu fotografieren, ich schreib ein Manifest, mehr einen Essay und eröffnete das HACK-Blog, gestaltete das martialische Logo, wobei Zwiebelringe und Petersilie ein Garniervorschlag von Leisetöne ist, wollte die Sauerei aber nur digital in die Hände nehmen, denn ich bin bekanntlich Vegetarier.


Hannover Cünstler Kollektiv ( HACK) – Foto & Gif-Animation: Trithemius

Außerdem sollte der Ideengeber das in die Tat umsetzen. Erste Termine platzten, und allmählich geriet die Angelegenheit in Vergessenheit. Gut, die drei sind noch relativ junge Männer mit familiären oder beruflichen Verpflichtungen, die ich hinter mir habe, und Herr Putzig wollte sowieso nicht. Das HACK-Blog besteht allerdings und beschämte mich, weil da wenig bis nichts passierte. Letztens hat mich Blogfreund Merzmensch eingeladen, mich an seinem archäologischen Literatur-Projekt „Inspiring voyeurism“ zu beteiligen. Beiträge dazu veröffentliche ich jetzt im brach liegenden HACK-Blog und lade herzlich zu einem Besuch ein.

Der Freitagstexter- Wettbewerb ist jetzt leider nach hinten gerückt. Darum möchte ich ihn hier in Erinnerung rufen. Er geht noch bis Dienstagabend 23:59 Uhr.

Irgendwann im
Winter vor mehr als 20 Jahren hatte mein ältester Sohn ein Paar Schuhe, auf deren Ledersohlen ein Text eingeprägt war. Mich faszinierte die Idee, dass er beim Gehen die Biographie des Schuhmachers in die Welt trug, leider spiegelverkehrt. Als ich in einer der Schachteln das Blatt mit dem Abdruck fand, erinnerte ich mich, dass ich damals die neue Sohle mit Linoldruckfarbe eingewalzt und auf Papier gedruckt hatte. Für Sekundenbruchteile durchzog mich wieder das eigenartige Glücksgefühl, das mich früher immer beflügelte, wenn ich mich mit einem Aspekt der Schrift beschäftigt hatte.
Dazu demnächst mehr.

Bis dahin – bleiben Sie uns gewogen,
und beste Grüße, Ihr

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5 Kommentare zu Editorial – Glücklich aus Schachteln

  1. Hach ja, ich gelobe Besserung aber bisher schwimme ich hier nur so mit, denn bei allem, was ich mir vornehme, drängt sich mir ein gewaltiger Berg Arbeit auf, der angepackt und bearbeitet werden will, doch nichts scheint so schwer zu sein, wie damit zu beginnen, wenn das Eine doch das Andere bedingt, man vom Höckschen aufs Stöckschen gerät, und man am Ende sogar merkt, dass selbst der Satz, den ich soeben begann, wegen seiner vielen Bedingungen und Schlenker noch immer kein Ende finden konnte…

    • trithemius

      Verstehe ich ja, obwohl es eine Frage der Prioritäten ist.
      Eine junge Frau, die ich mal näher kannte, schreibt mir ab und zu in großen Abständen. Jedesmal glaubt sie, sich entschuldigen zu müssen wegen der Säumigkeit. Letztens schickte sie mir einen langen Brief, der damit anhob, sie habe ja gar keine Zeit zum Briefschreiben. Ich muss dann immer an den römischen Kaiser Septimius denken. Als er einmal abwimmelte, er habe keine Zeit, rief aus der Menge ein altes Weib: „Du hast keine Zeit? Dann sei kein Kaiser!“

  2. Falsche Suchstrategie, lieber Kollege. Sie müssen mit der Suche statt an der letzten Stelle bloß an der ersten beginnen ; )

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