Den Hunden ist das Werfen mit Schneebällen verboten


Als es jüngst
über Nacht geschneit hat und in den Morgen hinein, da wusste ich es bereits vor dem Aufstehen. Denn es heißt nicht nur, dass der Schnee leise rieselt, er macht es auch. Mit dem Rieseln senkt sich erstmal Stille über die Welt. Schaut man aus dem Fenster, dann ist alles von samtener Weiße umhüllt, und in den Lichtkegeln der Laternen blitzeln Schneekristalle inmitten kleiner Eiszapfen. Die ersten Autos rollen leis im Schritttempo dahin und stören die Ruhe kaum. Aller Alltagslärm und -dreck ist mild kaschiert. Die Welt liegt da in stiller Harmonie und Schönheit.

Bis der Mensch kommt und anfängt zu scharren, zu schippen und zu schieben. Passend zur Kakophonie der Schneeschaufeln entstehen in der Schneedecke unordentlich begrenzte fleckigschwarze Streifen der geräumten Wege, und wo Eile und Faulheit diktieren, fliegen schwarzes Granulat und Salz. Bald liegt der Schnee in schmutzigen Haufen; an den Straßenrändern vermatscht er zu einer knietiefen seifigen Brühe. Hunde in albernen Mäntelchen führen ihr Besitzer aus, pinkeln in den Schnee und verzieren ihn mit kleinen gekringelten Haufen. Der Schnee entlarvt: Die kleinen Köter machen den schlimmsten Schiss für die Hundebesitzer sich nicht mal bücken, weil sie glauben, dass sich das nicht lohnt, dass kleiner Schiss getrost in der Welt rumliegen darf. Rund um den Block, nur nicht vor der eigenen Haustür. Inzwischen pratschen die Autos flugs durch den Schneematsch und schleudern dir Passant ungefähr einen halben Eimer kalte Brühe ans Bein.

Betrachte o Mensch mal unbefangen das Vorher-Nachher-Bild. Ist es nicht wie eine kollektive Psychose, dass der Mensch seine Umwelt nur hässlich erträgt?
Ich höre schon den Einwand: „Aber wir müssen die Welt doch unwirtlich machen.“
Ja, wenn das ein Zwang ist, das ist freilich was anderes.

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