Auf die Welt gucken mit Frau Nettesheim



Frau Nettesheim

Nehmen Sie doch die Dinge wie sie sind, Trithemius.

Trithemius
Wie meinen?

Frau Nettesheim
Als wertfreie Realitäten, deren Bedeutung Sie selbst ihnen geben. Damit nehmen Sie eine beinah göttliche Sicht an, die Ihnen Seelenruhe und ein heiteres Leben beschert.

Trithemius
Verflucht, ja, das kann ich, Frau Nettesheim, aber gibt es nicht auch irgendwo Grenzen des Interpretierens? Sind nicht sehr oft die Realitäten so beeindruckend, dass man ihnen nur eine Bedeutung zumessen kann? Also, wenn mich ein Bus streift, kann ich mir dann eins pfeifen: „Och, is nur en Vogelschiss“, derweil mich die Sanitäter auf die Trage legen? Klar, ist vieles, was wir als Wirklichkeit wahrnehmen, in großen Teilen von uns interpretierte Wirklichkeit, aber das wirklich Wichtige, die Engstellen im Leben des Einzelnen, die sind auch durch die beste Interpretation nicht zu erweitern.

Frau Nettesheim
Diese Dinge muss man akzeptieren wie das Wetter. Und wenn man das nicht kann, dann muss man an der Änderung arbeiten. Aber das machen die wenigstens, sondern sie jammern und klagen.

Trithemius
Wenn einer auf der linken Seite nur einen Arm hat, kann er sich kaum einen zweiten erarbeiten.

Frau Nettesheim
Was grummeln Sie da in Ihren Prospekt? Wer will schon an der linken Seite zwei Arme? So ein absurdes Beispiele zaubern Sie nur aus dem Hut, weil Sie nicht zielbewusst genug vorangehen wollen.

Trithemius
Solange Sie meine Ziele nicht kennen, können Sie das gar nicht beurteilen, Frau Nettesheim.

Frau Nettesheim
Ich weiß vielleicht nicht genug über die Ziele Ihrer Wahl, aber ich weiß, welche Ziele Sie mit Nachdruck verfolgen sollten.

Trithemius
Ja, Mamma. Bitte betrachten Sie mich dann aus Ihrer göttlichen Draufsicht und bewerten Sie mich wie eine heiter lächelnde Göttin.

Dieser Beitrag wurde unter Frau Nettesheim abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Kommentare zu Auf die Welt gucken mit Frau Nettesheim

  1. Vorausdenker

    Das ganze Leben gewinnt nur durch unsere ganz persönliche Deutung eine Bedeutung. Selbst wenn wir nicht die ersten und auch nicht die letzten sind, die es so sehen. Wichtig ist, was für mich wichtig ist.

    • trithemius

      Kurios genug, steckt gerade das Gemeinsame aller Menschen in deinem letzten Satz. Also, was den Menschen auf die höchsteigene Weltwahrnehmung verweist, letztlich auch auf seinen Egoismus, das gerade eint ihn mit allen anderen Menschen. Was der Mensch als den eigenen persönlichen Anspruch der Weltaneignung ansieht, verweist auf das Universale. Das wird nur in jedem einzelnen auf je unterschiedliche Weise ausgeformt. Vielleicht sollte man sich denkend auf das Universale konzentrieren.

      • trithemius

        Will sagen, um sich gut zu verstehen, müssen sich zwei oder mehrere gegenseitig ihren Egoismus zugestehen, müssen auf einen Ausgleich der Ansprüche achten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*