Von der Sprache der Gehenden – an einem Karfreitag

Manche Paare, wenn sie jung sind und Hand in Hand daherkommen, gehen im Gleichschritt. Manche gehen im gleichen Rhythmus, aber spiegelschrittig. Mir scheint das die bessere Weise zu sein, wenn man in Eintracht miteinander schwingen will, denn indem sie spiegelbildlich gehen, ergänzen sie sich. Beim Gleichschritt passt sich einer von beiden dem anderen an.

Manche, namentlich die älteren, dunkel Gekleideten, er mit weißen Dauerwellen und einem langen schwarzen Mantel aus teurem Tuch, sie mit schwarzer Bolerojacke über dem Cocktailkleid, die gehen seitlich versetzt, sie etwa einen halben Schritt hinter ihm.

Sie ziehen eine Diagonale über den Platz, als wäre ein gut fünf Meter langes, unsichtbares Seil zwischen ihnen gespannt, so eines, mit dem die Asen den Fenriswolf gefesselt haben. Da gibt es die Erlösung erst beim Weltenbrand. Er hält den Kopf gesenkt, mehr ein Haupt, sie schaut zu Boden, was gewiss ein Unterschied ist, denn während sie den Blick auf die Myriaden Steinchen zu ihren Füßen richtet, scheint er in Gedanken versunken, so als er betrachte er ein inneres Bild. Das wird eine Szenerie aus dem Berufsleben sein. Andere Wichtige wie er schauen auf einen Plan, den sie gemacht haben und prüfen seine Tauglichkeit.

Sie dagegen zwingt sich gerade ein wenig Würde ab, mit ihren hohen Schuhen stabil durch den Kies am Boden zu gehen, dass es nicht zu staksig aussieht. Was eine Frau denkt, soll für den Mann ja ein Rätsel bleiben. Angenommen, sie dächte nur an ihre teuren Schuhe und den Kies, dann wäre ihr Denken aber dem seinen überlegen, denn sie wäre im hier und jetzt, er aber weiß gar nicht so recht, wo er ist, sieht nicht einmal die Sonne und das Grünen und Aufsprießen ringsum.

Ich steige auf mein Rad und fahre an der prachtvollen Freitreppe des wunderlichen Rathauses von Hannover vorbei Richtung Heimat.

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