Über das Zusammentreffen von Wörtern und Buchstaben

Die Runenmeister ritzten in Sparschreibung, wenn also der Auslaut eines Wortes und Anlaut des folgenden Wortes gleich waren wie bei „Runenmeister“ und „ritzen“, ließen sie einen Buchstaben weg. Jacob Grimm, der sich mit Runeninschriften beschäftigt hat, ließ sich vermutlich von dem Prinzip anregen, als er die Regel schuf, beim Zusammentreffen von drei gleichen Konsonanten wie in „Schifffahrt“ sei ein Buchstabe zu tilgen. Die Orthographiereform hat diese Sparschreibung rückgängig gemacht. Überhaupt führt sie oft zur Verlängerung der Texte durch Trennung ehedem zusammen geschriebener Wörter und die Schreibung mit Doppel-s statt Eszett.

Eigentlich will ich aber über ein stilistisches Problem schreiben. Es ist stilistisch unschön, wenn man Wörter zusammentreffen lässt, die mit gleichen Buchstaben aus- und anlauten wie eben beim Wortpaar „Runenmeister ritzten“. Derartige Kombinationen sind schwierig auszusprechen, weshalb ich sie zu vermeiden trachte. Doch mir scheint, dass mir vermehrt solche Kombinationen in die Sätze geraten, seit ich darauf achte. Die unpassenden Wörter bieten sich mir liebedienerisch an, was begünstigt wird durch die Tatsache, dass im Deutschen viele Wörter auf „r“ oder „n“ enden, Verben aber oft mit diesen Buchstaben beginnen:

Menschen nörgeln
Männer rauchen
Kinder raufen
Frauen nähen
Richter regeln
Lehrer reden
Frau Nettesheim meckert
Esel lesen nie
Sie irrlichtern nur ruhelos
…und denken nichts Spezielles.
Madame muss sicher raunen.
Teppichhaushumorexperten nöhlen nur rum.
Tölpel lächeln.
Spiegel lügen.
Kessel lecken
Vögel lärmen
Kabinettchef flucht
Kabinett täuscht
Engel lügen nicht
Musik klingt
Politik kostet
Mist stinkt
Merkel leugnet
Seehofer ratscht
Westerwelle errötet
Rösler redet
Gauck kommt
Wulff folgt
zu Guttenberg geht
SPD denkt
Grüne erklärt
Linke entdecken
Deppendorf folgert
Schausten notiert
Seibert twittert
Wahlanalyse ergibt
Sitzeverteilung geht
Wähler rätseln
Was soll’s …
Kommen nachts Tsunamis, sollte ein Notruf folgen.
Wiesel laufen nahezu ungebremst.

Um mich (sic!) von dieser Pest zu befreien, versuche ich es mit dem Prinzip „Benannt – gebannt”. Wer mir helfen will, ergänzt die Liste.

Mehr über Runeninschriften:
Buchstabenmagie
Nationalsozialistische Verirrungen in der Runenforschung
Ogham-Runen

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32 Antworten auf Über das Zusammentreffen von Wörtern und Buchstaben

  1. So ganz nebenbei schilderst du hier eine weitere Spielart, vor allem des Deutschen, die sich wahrscheinlich vor langer Zeit einmal eingebürgert hat – du kannst da bestimmt genaueres zu sagen. Die Punze des “n” diente Johannes Gutenberg und allen folgenden Schriftsetzern als guter Abstand zwischen den Wörtern – das heutige Leerzeichen. Bei vielen Wörtern und gerade dem von dir erwähnten “Schifffahrt” entfällt aufgrund unserer Neigung zum Komponieren dieser Abstand, was die 3fache Kombination des gleichen Konsonanten überhaupt erst möglich machte.
    Lautsprachlich, wenn wir im 7. Jahrhundert lebten und uns die Texte laut vorläsen, könnten dadurch noch ganz andere Dinge passieren oder sind vielleicht sogar passiert…

    • trithemius

      Der Inneraum des kleinen “n” ist in der Tat der ideale Wortabstand. Durch die mechanische Schreibmaschine haben wir uns an einen größeren Wortabstand gewöhnt. Inzwischen achtet man im Print immer seltener auf dieses Ideal, sondern opfert es, um unsinnigen Blocksatz bei zu engen Zeilen zu erzielen, wodurch sich die hässlichen Gießbäche ergeben. William Morris, der Erneuerer der Buchkunst, hat sogar den bewusst gesetzten Fehler befürwortet, um hässlich große Wortabstände zu vermeiden. Der Wortabstand wurde ja erst im 7. Jh. eingeführt, vorher hätten wir alle laut buchstabierend gelesen. Darauf hat Ivan Illich aufmerksam gemacht, wie du weißt. “Murmler im Weinberg des Textes”

  2. Frau Nettesheim meckert

  3. Teppichhaushomorexperten nöhlen nur rum.

  4. Lo

    Tölpel lächeln.
    Spiegel lügen.

  5. Merkel leugnet
    Seehofer ratscht
    Westerwelle errötet
    Rösler redet
    Gauck kommt
    Wulff folgt
    zu Guttenberg geht
    SPD denkt
    Grüne erklärt
    Linke entdecken
    Deppendorf folgert
    Schausten notiert
    Seibert twittert
    Wahlanalyse ergibt
    Sitzeverteilung geht
    Wähler rätseln
    Was soll’s …

  6. Kommen nachts Tsunamis, sollte ein Notruf folgen.

  7. Pingback: Treppenlift nach Hamburg – ohne Frau Nettesheim |