Lausiger, nasskalter Bummel mit Wulff, zu Guttenberg, Kerner, Friede Springer und Neelie Kroes

Was verborgen ist in den Häusern, Wohnungen, Zimmern der Stadt, präsentiert sich bei früher Dunkelheit durch erleuchtete Fenster. Letztens konnte ich in ein Zimmer schauen und sah an der Wand ein riesiges Bild von Johannes B. Kerner. Und wie ich mich noch fragte, wer schmückt denn sein Zimmer ausgerechnet mit einem Riesenposter von Johannes Baptist Kerner, dieser Mischwurst aus Geflügel und Schwein der Marke Gutfried, da bewegte sich der Kerl, wurde größer und größer, dann ein harter Schnitt und mir wurde klar, dass ich einer Täuschung erlegen war. Ich hatte Johannes Baptist Kerner auf einem gewaltigen Fernsehbildschirm gesehen. Der Vorname Baptist kommt aus dem griechischen und bedeutet „Täufer“. Johannes T. Kerner: „Ich taufe dich – mit Wurst.“

Diese Hanswurst-Qualität begegnet uns überall in den so genannten Leitmedien. Es herrscht dort ein Verblödungswettbewerb, und viele Deutsche sind wie verrückt danach, wollen nicht die kleine Verblödung, sondern die ganz große intravenös mit dem Gartenschlauch, wollen Riesenbildschirme und lesen die Bildzeitung. Ach ja: Kaum hat Neelie Kroes uns Herrn zu Guttenberg als EU-Internetwächter serviert, wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben, und diese Sau heißt Wulff und ist, glaube ich, unser Bundespräsident. Unvermittelt ist er aus der Versenkung aufgetaucht, vielmehr hat ihn BILD an den Ohren hervorgezerrt und seine Vorteilsnahme als Ministerpräsident von Niedersachsen angeprangert, derweil Christian Grüßaugust Wulff in Arabien Geschäfte für die deutsche Wirtschaft angebahnt hat.

Wieso Bild ausgerechnet jetzt die Vorwürfe gegen Wulff auftischt, er habe im Februar 2010 das niedersächsische Parlament über seinen Privatkredit belogen, liegt auf der Hand. Das ist Sperrfeuer, um zu Guttenberg aus den Negativschlagzeilen zu holen, der da schon recht angeschlagen am Boden lag. Man kann getrost davon ausgehen, dass BILD über alle wichtigen Politiker etwas in der Hinterhand hat, und wenn es Frau Friede Springer gefällt, lässt sie ihre Hetzhunde los.

Wieso ist eigentlich Christian Wulff nur mit Reichen befreundet und auch noch mit solch dubiosen wie Maschmeyer beispielsweise? Wieso ist er nicht auch mit einem Hartz-IV-Empfänger ganz dicke, der hier grad über die Limmerstraße läuft? Da wäre natürlich einzuwenden, der Hartz-IV-Empfänger könnte theoretisch morgen eine Stelle finden und wäre dann kein Hartz-IV-Empfänger mehr, sondern Geringverdiener. Und wer nur etwas Geringes verdient, könne nicht erwarten, dass der Bundespräsident persönlich bei ihm ein- und ausgeht. Außerdem hätten diese Leute keine goldenen Wasserhähne wie Maschmeyer, eventuell hätten sie gar keine Wasserhähne oder nur kaltes Wasser käme raus, wenn Herr Wulff sich dringend die Hände waschen müsse, aber nicht, weil er so vielen Diktatoren die Hand schütteln muss, sondern weil er fies vor Geringverdienern ist.

Noch mehr aber fragte ich mich, wieso die Leute dieses Gemauschel zu ihren Köpfen so klaglos hinnehmen. Zu Guttenberg wird EU-Internet-Befreier, Wulff stolpert wegen seiner komischen Freunde aus dem Flugzeug. Nichts davon ist wirklich existent im Alltag derer, die grad mit hängenden Köpfen über die Limmerstraße hasten. Unsere Politiker sind nur gewählt, aber wie fern sind sie jenen, die sie erdulden müssen, obwohl ja auch Arme und Kranke zu unserer Gesellschaft gehören, also auch die gewählten Politiker interessieren müssen. Warum fahren sie nicht manchmal mit der Straßenbahn wie einst der österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky, dessen private Telefonnummer sogar im öffentlichen Telefonbuch stand? Wie konnte es zum Abheben unserer politischen Elite kommen, warum ist ihnen das Leben der da unten scheißegal?

Die herrschende Klasse der Superreichen ist dabei, die Welt unter sich aufzuteilen, und viele unserer Politiker und Medienheinis sind dankbar und froh, wenn man sie mitmachen lässt und sei es, um sich mal aus goldenen Wasserhähnen zu waschen. Für dieses billige Vergnügen werden Völker systematisch verblödet. Und wenn es dann auch noch billige Wurst aus Knochenputz und Großbildschirme gibt, sind sie schon bestens bedient.

Guten Abend

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