Remember?! Remember?! Roter November! … zur politischen (Re-)Konstruktion starker Formen des Widerstandes

von Paul Duroy

Seit mehreren Wochen fühlen sich Demonstrierende nunmehr auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern aufgerufen, die Börsen zu besetzen, ”Occupy Wall Street”. Das ist alles sehr schick. Nur kommen die meisten wieder nicht. Und ich war auch noch nicht da.

Ich verspreche, das ich zumindest für meinen Teil nunmehr ein letztes Mal Stalin zitiere, der bekanntermaßen sagte, dass in Deutschland niemand jemals eine Revolution starten werde, weil auf dem Gras vorm Reichstag ”Rasen betreten verboten!!” stehen würde. Aber dazu ein bisschen weiter unten mehr.

”Occupy Wall Street”, das Problem ist das Label und die Marke, die sich daraus schöpfen lässt. Es war schon ein Renner, dass einer der Chefsprecher der Deutschen Sparkasse zum Dialog an die Occupy-Bewegung herantrat, wirklich geschockt aber war ich neulich eines Morgens beim Blick in die Tageszeitung, als ich eine ganze Seite voller Demo-Schilder und Guy-Fawkes-Masken sah und darunter das Label der ”Volksbanken-Raiffeisenbanken”. Da spürte ich, dass da etwas ziemlich schiefläuft.

Denn auch wenn diese Werbung zeigen sollte, wie ethisch verantwortlich man als Volksbank doch sei und wie verbunden man sich als verantwortungsvolle Bank den ”Bedenken” der gleichnamigen Träger fühle, so sehr stank hier doch der Fisch vom falschen Ende her. Hier nahm sich eine Bank der Symbole des Widerstandes an (eignete sie sich an) und warb mit der Occupy-Bewegung. So ein klitzekleiner Schritt ist es immer auf dem gar nicht langen Weg vom Label bis zur verwertbaren Marke.

Occupy Wall Street ist eine ziemlich kuschlige Sache und das von allem Anfang an. Die Unternehmen und kapitalistischen Institutionen, auch der sich abkoppelnde Polit-Betrieb, sie alle kuscheln gern mit Occupy, und Occupy kuschelt zurück, oftmals natürlich, ohne es zu merken. Occupy ist etwas Nettes, das man auch auf Facebook ziemlich schnell ”liken” kann. Und wer dann doch Bock hat und am Samstag in der Metropole gerade nichts anderes zu tun, schnappt sich seine Guy Fawkes-Maske für 9.90 Euro von Amazon (gibts da auch billiger im Fünferpack, schaut mal nach: ”Guy Fawkes-Maske” bei Google, dritter Treffer gleich: ”Shopping-Ergebnisse für: Guy Fawkes-Maske”) und geht zu Occupy. Ein Gutteil der Tantiemen für die Maske geht übrigens an die molochartige Time Warner Company, die die Lizenzen an der Maske trägt wegen des Filmes ‘V wie Vendetta”.

Occupy lässt sich auch schonmal eine Riesenrunde Freibier von einem Banker an der Börse in Frankfurt spendieren (so gelesen in der TAZ vom 27.10.), der Sympathie für die Demonstrierenden empfindet. Und als nächstes kommt Mitleid … hier wird einmal mehr der Widerstand eingekauft, um das dialektisch so notwendige radikal Entgegengesetzte einzukaufen und ins selbe Boot, ans selbe schlammige Ufer zu ziehen. So, wie eben der Kapitalismus funktioniert, indem er jegliches widerstrebende und obstruierende Gegenkonstrukt sich einverleibt.

Wer wie die Frankfurter Occupy-Bewegung zum vierten Samstag in Folge vom Städtischen Ordnungsamt Frankfurt brav gelobt wird (”Die Demonstrierenden verhalten sich wirklich sehr vorbildlich.”) und sich dann auch noch darüber freut wie Musterschüler Max über Lieblingslehrer Lämpelmanns Lob, muss fast notwendig erkennen, dass diese Form des Widerstandes irgendetwas noch sehr falsch angeht. Ein Lob vom Ordnungsamt für eine demonstrierende Bewegung … man stelle sich das einmal vor! Dieser Widerstand will im System bleiben und will sogar ein Lob dafür. Es müssen ja nicht gleich Barrikaden sein und das Ordnungsamt darf sicher weiter in aller Seelenruhe seine Knöllchen auch hinter den ein oder anderen Scheibenwischer eines herbeigereisten Demonstrierenden klemmen und Arm in Arm mit der Polizei und dem ein oder anderen rührseligen Banker und Manager die Demonstranten ein bisschen belächeln. Ist doch auchmal was anderes im altbekannten immergleichen Börsenbetrieb zwischen Zeilgalerie und Taubenstraße.

Jeder Widerstand hat die Form, die er verdient und die er sich selber prägt. Der echte Guy Fawkes wollte das House of Parliament in die Luft sprengen, die facebook-people dagegen setzen Masken auf und setzen sich vor die Börse oder vor eine Bank, campen ein bisschen zur Lagerfeuerromantik und pennen in kalter Nächten (dies ja doch) draußen vor der Börse. Sie sollten aber IN der Börse schlafen, DAS! wäre eine Form der Aneigung kapitalistischer Symbole durch den radikalen Widerstand und nicht umgekehrt. Wie die Menschen aus Ost-Berlin damals das Stasi-Hauptgebäude an der Normannenstraße okkupierten und plünderten, so müssten Demonstranten die Bankenviertel plündern und besetzen. Aber dafür reicht es hier noch lange nicht. Insofern ist Occupy der notwendig niedlich-nette Kuschelwiderstand mit Wohlfühl-Label, eine Sammelbewegung politisch diffusen Unbehagens, die irgendwie fast jeder liebhat.

So entsteht noch keine klare Frontstelllung. Eine solche Bewegung spiegelt allerdings bereits eine zum Ausdruck gebrachte Unsicherheit. Aber sie ist noch zu naiv und baut allein auf Formen politischer Schwarmdynamik (”wir sind die 99 %”), die nichts bewirken und eine Majorität konstruieren und für sich reklamieren, die in Wirklichkeit aber zuviele divergente Stimmen beinhaltet und notwendig moderat und zerrissen enden muss. Hier wäre weniger mehr. Unzufrieden können auch 50 Prozent mit richtiger Scheißwut im Bauch sein und das System verändern.

Es muss auch nicht notwendig jeder mit dem Stein in der Hand, der Schaufel und einem Barrikadenholz Richtung Regierungsviertel ziehen. Aber die Schaffung revolutionären Bewusstseins, die Bewusstbarmachung der Problematik des herrschenden Systems, das ist vor allen Dingen einmal wichtig. Das ist dieser neue Diskurs des Verlustes des Selbstverständlichen und des schon auf ewige Zeiten festgefügt geglaubten Finanz- und Kapitalsystemes. Dass das alles jetzt so rapide wegbricht und prekär wird und endlich auch die ersten bisher denk-resistenten Charaktere merken, dass die alleinige blinde Flucht in den Konsumismus die nagenden Fragen nicht beseitigt. Nagende Fragen lassen irgendwann Autos brennen und setzen noch harmlose Brandsätze an Bahngleise … aber irgendwann nagen diese Fragen fast notwendig tiefer und fester an allen Beteiligten. Ob in überschießender Wut, oder ratlosen Zeltabenden im Bankenviertel oder ein Brandsatz, der das System zerschlagen will, aber vorerst nur einen BMW verbrennt: all diese nagenden Fragen kommen und kommen und bleiben und sind auch gar nicht anders zu beantworten, auf längere Sicht, als durch die radikale Tat.

Das wirklich Zufriedenstellendste ist, dass fast rundweg in allen Medien der moderate Wischi-Waschi-Diskurs all dieser vielen und viel zu langen Jahre von zuvor nach und nach wegbricht. Dass die Sprache wieder radikaler wird. Dass dieser System-Sprech und die unsicher-verzagte Moderation auch bundesrepublikanischer Sicherheitsbefindlichkeiten ins Hintertreffen gerät, die immer so klang und leider oft noch klingt: ”Aber in Deutschland geht es uns doch noch vergleichsmäßg gut. Wer will denn auf Deutschland schimpfen? So schlecht ist unser Regierungssystem im übrigen gar nicht.” Möge die Zeit über diesen gefährlichen politischen Biedermeier-Quietismus hinwegrollen.

Wer versteht noch, was in Banken und Börsen gehandelt wird? Dass Europa niedergeht, Griechenland platt ist, wie die Politik versucht, das Chaos wieder einigermaßen ins rechte Lot zu bocken: wer versteht das denn noch?! Nicht einmal die Politiker selbst … die winken und winken nur noch die Gelder durch. Was ist denn das für eine Politik? EFSF…extrem fake, super-fake! ESM, Finanzstabilisierungsfaszilität … wie weit sind die eigentlich weg von uns … und der Realität? Die Medien können dazu nur noch kommentierend lamentieren, weil sie es selbst nicht mehr verstehen und auch zunehmend spüren, dass man dem Bürger mit so einem Mist nicht mehr zu kommen braucht. Die Politik selbst versteht natürlich auch nicht mehr, was sie da eigentlich tut und tritt müde und frustriert aus New-Economy-Briefings in entseelten Konferenzräumen, um weiter willig Gelder zu transferieren in die falschen Taschen.

Natürlich ist es da nun an der Zeit für die richtig große Rassel. Natürlich wird und muss es da knallen. Wir brauchen Basisdemokratie, wir brauchen liquid democracy, wir distanzieren uns massiv von der repräsentativen Demokratie, die in Wahrheit eine finanzgesteuerte Oligarchie ist und für willige bundesrepublikanische Wählerschäfchen taugt, nicht aber für mündige und aufgeklärte Weltbürger.

Wir distanzieren uns von der Lobby-Politik, die mit den Wirtschaftsbossen und der hohen Finanz in denkwürdigen high-office-relations ins Bett geht und uns das schäbige Ergebnis dann als ”notwendige Strukturpolitik” verkauft. Wir brechen mit der repräsentativen Demokratie, die uns nur verwaltet und knechtet und dienstbar macht für das System.

Wir brechen mit der Art und Weise, wie nur über uns verfügt, statt mit uns regiert wird. Ganz wie Küppersbusch es neulich wieder in der TAZ sagte, sind wir wie Stimmvieh gewesen, das alle vier Jahre seine Stimme ab-gibt, um dann wieder ganze vier verdammte Jahre lang stumm zu sein!

Da wählt man rot oder grün und holt sich dann die Schwarzen ins Boot und bekommt eine Stadtautobahn oder einen Tiefbahnhof vor die Haustür gesetzt, das verkaufen die uns dann als notwendige Infrastruktur, als Investitionspolitik, als Wachstumspolitik. Da werden Befindlichkeiten erdrückt und Bedenken wie einstmals grüne Landschaften mit dem Bulldozer hinweggeschoben. Das ist die Politik all dieser Jahre, das ist die Politik, die uns belogen hat und die unser Einverständnis immer erst im Nachhinein (wenn überhaupt) einholt, wenn schon alle Karten gelegt sind.

Wir fordern dagegen eine plebiszitäre Rätedemokratie. Wir fordern eine radikaldemokratische Politik ein, die den kapitalgesteuerten Leitreflexen der alten ”Demokratie” abschwört. Wir fordern und lösen ein das Ende einer Politik, bei der in entscheidenden Situationen der Ausgang immer gewiss war: dass das Kapital wieder siegt, dass das politische System dem Kapital wieder eine gemütliche und ihm genehme Nische einrichtet. Dem allen schwören wir ab.

Die Formen des Widerstandes gegen das auseinanderbrechende System werden notwendig noch schärfer werden. Erst wenn Demonstrierende in den Banken und Börsen schlafen statt draußen auf der Parkwiese mit amtlichem Plazet des Ordnungsamtes zu campieren, ist das alte Unterdrücker-System wirklich besetzt. Dann können wir unsere stolzen strahlenden individuellen Gesicher lächelnd ohne Masken im echten Leben herumtragen und euren ”echten” Gesichtern bei facebook die Guy-Fawkes-Maske aufsetzen…und zwar für immer, denn nur DORT solltet ihr die Masse der Anonymen sein! Im echten Leben aber, beim Sturm auf die Systeme, soll jeder seinen Namen und sein Gesicht stolz vor sich herzeigen.

Macht euch den Widerstand bewusst, findet eure Form des Bruchs mit dem System und handelt entsprechend…

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24 Antworten auf Remember?! Remember?! Roter November! … zur politischen (Re-)Konstruktion starker Formen des Widerstandes

  1. trithemius

    Liebe Leserinnen und Leser des Teppichhauses,

    ich freue mich, Ihnen und euch nach Evaimteppichhaus mit Paul Duroy einen weiteren Co-Autor vorstellen zu können. Ich schätze Paul schon lange als konsequenten, manchmal radikalen Quer- und Vordenker und überdies als wunderbaren Autor, dessen Texte mir nie lang genug sein können, zu lesen auch unter seiner Stehlampe Raumgewinner.blog.de.

    Lesen Sie selbst,
    Ihr Trithemius

  2. Lieber Paul Duroy,

    vielen Dank für diesen Artikel. Ich finde ihn mitreißend und sprachlich brilliant geschrieben.
    Inhaltlich bin ich so ratlos wie im realen Leben, wenn es um Revoluzzergeist geht. Klar, es ist schön, wenn die Gesellschaft aus lauter Individuen bestünde, die in plebiszitärer Manier ihr Geschickt mitbestimmen würden. Dafür allerdings fehlt es (noch?) an den Voraussetzungen:
    - am Bewusstsein, dass jeder sein Geschick in der Hand haben kann (WENN er es denn kann, und wer weiß das schon?)
    - an der notwendigen Bildung, die das Bewusstsein erst schärft und befähigt (ein kluger Schachzug des Systems, diese Bildung so vielen zu verweigern oder zu verleiden!)
    - am sozialen Gedanken – wir leben in der Zeit des konsumfreudigen, durch und durch hedonistischen Egoisten, der soziales Gewissen allenfalls dann spürt, wenn es seine Familie, seine Freunde oder sein kleines Viertel betrifft.

    Wie soll das alles geändert werden, ob mit oder ohne Maske?

    In einem Punkt allerdings gebe ich Ihnen Recht: Eine Kuschelrevolution kann nicht funktionieren. Die ist allenfalls Öl, nicht aber Sand im bislang gerade noch funktionierenden Getriebe. Vielleicht braucht es einfach noch ein wenig mehr des Leidensdrucks, damit auch der kuscheligste Unzufriedene bereit ist, einen Hammer in die Hand zu nehmen und damit ein paar Köpfe einzuschlagen.

    Beste ratlose Grüße
    von Evaimteppichhaus (aka DasEv)

    • Hallo liebe Ev,

      danke für Ihr so aufmerksames und fragenstellendes Lesen.

      Ich betone es in diesen und anderen meiner Texte immer wieder: natuerlich kann man die geforderten und proklamierten, also woertlich nur: ausgerufenen Ansaetze keinem anbefehlen oder allein durch die bloße Forderung die Umstaende aendern. Aber ich glaube zutiefst daran, dass der von Ihnen angedeutete anwachsende Leidensdruck die Dinge ins Rollen bringen wird. Anfangs waren erst alle noch ganz still, nun werden die kritischen Stimmen auch in Deutschland lauter und es wird weitergehen. Fast notwendig waechst das Ganze zur Groeße heran.

      Man darf natuerlich kein abruptes Wunder erwarten. Diese Dinge entwickeln sich zunaechst bis zum Wendepunkt der kritischen Masse nur sehr langsam, aber dann ist die Umkehr da.

      Es geht um die Foerderung des Bewusstseins, dass eine Aenderung des Systems moeglich ist. Natuerlich durch Bildung und mehr Aufklaerung und klarer Aussagen an die Benachteiligten, die noch nicht begreifen oder noch nicht begriffen haben, dass sie nicht am ihrem Job leiden, weil sie frueher in der Schule zu faul waren, wie man ihnen einreden moechte, sondern weil es ein System gibt, dass sie klein haelt. Menschen, die arbeitslos sind oder als moderne Tageloehner in der Leiharbeit stecken und denen man einreden moechte, sie seien das alles selbst schuld, da sie sich nicht durchgesetzt haetten.

      Es gilt, zu den Menschen auch zu sprechen, die keinen Mut mehr haben und resignieren moechten vor alledem. Und auch den Mut derer, die nur warten, aber sich noch nicht trauen, zu bestaerken und ihnen bewusst zu machen, dass sie ihr Leben aendern muessen.

      Natuerlich, das geht auch als Replik zu Heinrichs Kommentar unten durch, gibt es noch eine große Menge Gleichgueltiger, ein Heer der Indifferenten, die immer noch frivol genug sind, mitzumachen. Oder noch zu unreflektiert, als dass sie gerne konsequente Schluesse zoegen aus ihrem gegaengelten Leben.

      Aber dennoch muessen wir an die Veraenderung glauben und sie leben. Wir muessen auch den passiveren Charakteren zutrauen, dass sie ihr Leben auf eigene Wahl in die Hand nehmen statt sich gaengeln zu lassen.

      Der Hedonismus unserer Zeit, das Konsumdenken, die Frivolitaet eines jeden, der da immer noch mitmacht, das alles habe ich in der letzten Zeit hinreichend andernorts beschrieben. Wir werden noch eine lange Stange Geduld aufbringen muessen, bis es auch den Indifferenten zu bunt wird mit den bestehenden Verhaeltnissen.

      Und doch wird diese Zeit kommen, und es dauert nicht mehr lang.

      Man darf die revolutionaeren Gedanken gar nicht erst dadurch einzuschraenken beginnen, dass man sich fuerchtet vor einer Masse, die vielleicht nicht mitzieht. Das hemmt den Schwung revolutionaerer Ideen. Je ueberzeugter ”mein” revolutionaeres Bewusstsein ist, umso mehr reiße ”ich” die Menschen mit und gebe ihnen zu denken.

      Wie Sie ausklingend selbst schreiben: der Leidensdruck muss noch eine Weile wachsen, bis es zu groeßeren Verschiebungen der politisch-ökonomischen Verfasstheit dieses Systemes kommt.

      Auch Ratlosigkeit ist eine revolutionaere Tugend! Solange uns nur der starke Drang erhalten bleibt…es waere beaengstigend, haetten wir schon alle Antworten parat.

      Beste Grueße zurueck, liebe Ev!

  3. (ein kluger Schachzug des Systems, …. Kuschel-Öl ins Getriebe…

    Man könnte das System vielleicht stoppen, wenn es nicht so viele freiwillige Diener und Sklaven hätte, die aus Egoismus, Angst und Bequemlichkeit bewusst oder aus Unwissenheit das System unterstützen.

    Bei Richard K. Breuer habe ich gerade im Blog gelesen:
    http://1668cc.wordpress.com/2011/11/01/kleine-und-grose-konspirationen-oder-nur-ein-system/
    Der letzte Absatz erklärt, warum nicht einmal so gute Menschen wie dasEv, Paul Duroy oder Trithemius so ein “System” einfach ändern könnten, solange der Leidensdruck aller nicht groß genug ist. Egal ob in Griechenland oder der Wall Street.

    Gruß Heinrich

    • Lieber Heinrich,

      auch Ihnen besten Dank für den kritisch-aufmerksamen Kommentar.

      Sie haben die Veraenderung einschraenkenden und kontrastierenden Faktoren exakt benannt: ”Egoismus, Angst und Bequemlichkeit” und ich moechte noch hinzufuegen: Zauderhaftigkeit.

      Sie haben ja ganz recht: Soviele Menschen haben Schiss vor den Konsequenzen. Schiss, mal zu sehen, was passiert, wenn sie das, was sie sonst nur denken, auch wirklich einmal durchziehen. Schiss, den entschiedenen Weg zu gehen. Schiss, radikal anders zu leben. Schiss ihre bunte sueße Welt verlorengehen zu sehen…

      Warum wir unter solchen vermeintlichen Voraussetzungen scheitern koennten auf dem Weg zur Bewusstbarmachung der Neuen Zeit interessiert mich dabei aber nicht wesentlich, da ein solches Denken wiederum nur zur Zauderhaftigkeit bei den Entschlossenen fuehren wuerde.

      Das ”System” ist keine ferne konspirative Groeße, die sich gegen uns verschworen hat, es ist potentiell ein jeder von uns, der sich gleichschalten und in dieses System willfaehrig integrieren laesst und dadurch das System mitbildet. Deshalb muessen wir ausscheren und ganz viele Raedchen dazu bringen, mit uns auszuscheren, auch wenn dies eine Kaerrnerarbeit sein wird.

      Erst wenn die Menschen merken, dass sie mit den unmenschlichen Anforderungen des Systems nicht mehr Schritt halten koennen und fuer ihre Entbehrungen immer weniger belohnt, sondern dagegen vielmehr: immer mehr belastet werden, wird ihnen langsam bewusst, dass die Dinge schieflaufen. Ich zweifle nicht am ”dass” einer revolutionaeren Veraenderung, sondern, ganz so wie Sie selbst, lieber Heinrich, weiß ich um die Zeit, die die Neue Aufklaerung in Anspruch nehmen wird.

      Das ist kein Kampf der Einzelkaempfer, fuerwahr…

      Beste Grueße

  4. Der Leidensdruck führt doch nicht zum Aufbehren im positiven Sinne.

  5. Ja, DA spürt man, dass etwas schiefläuft.

    Trotzdem glaube auch ich: “(…) Jeder Gedanke, der sich frei regt und auf das Allgemeine geht statt nur an die Boerse, wird ein Funke sein fuer das, was kommen wird. (…)”

    Man muss an solchen Auswüchsen seine Empörung stählen.
    Venceremos!

    • Oh, sehr vielen Dank, liebe Eugene,

      für den Bild-Link zur Volksbanken-Werbung, ich selbst hatte das beim Verfassen meines Artikels nicht im Internet gefunden! Ruft man den Link auf, wird man nur wieder neu wuetend, fuerchterlich…

      Es geht um diese Funken, die sie aus meinem Roter-November-Manifest zitieren, das ”Stählen der Empörung”, wie Sie es so schoen nennen, und vor allem, dass wir uns diese Empörung dann nicht einfach billig weginterpretieren lassen hin zum etwas abfaelligen Begriff des ”Wutbürgers”.

      Danke fuer Ihre Solidaritaet…

  6. Liebe Frau Faust,
    wenn Sie Firefox benutzen, gibt es ein prima add-on

    Man klickt dann oben links auf ein Knöpfchen und schwupps werden auf beliebigen Internetseiten alle Artikel lesbarer dargestellt.
    Das Ergebnis sieht dann so aus (Bildschirmfoto)
    http://s11server.de/images/readability.jpg
    Die Links bleiben erhalten.

    Vielleicht gefällt Ihnen das?!

    Gruß Heinrich

    • noch einmal ups, lieber Trithemius,
      geben Sie die 3 Kommentare gar nicht frei. Das Readability-Add-On taugt nix. Es werden ja die Kommentare gar nicht angezeigt.

      • trithemius

        Upps, schon passiert, lieber Heinrich. Dieses Add-On habe ich auch schon einmal ausprobiert. Nach einer Weile aber funktionierte es nicht mehr.

      • Also ich habe das jetzt installiert. Das gefällt mir trotz der Schriftart richtig gut und erlaubt mir jetzt sogar in Blogs zu lesen, deren Layout reine Schikane ist. 1000 Dank, lieber Heinrich.

  7. Als heimlicher Duroy-Leser ( denn zum kommentieren fehlt mir meist die Muße ) begrüße ich den Schritt der Co-Autorschaft natürlich vollkommen. Leider, und das ist mir bei der vorliegenden Einschätzung besonders aufgefallen, korrespondiert meine Meinung zu dem Thema nur allzu sehr mit der hier geschilderten. Ich habe dies bereits in vorigen Kommentaren geäußert und beschränke mich deshalb auf uneingeschränkte Zustimmung.

    • trithemius

      Anfangs war ich voller Optimismus, habe aber auch das Problem der Vereinnahmung gesehen und schon gefürchtet, dass die Bewegung schnell sich verstricken könnte. Zumindest wie sich die Bewegung in Hannover darstellt, scheint mir das eingetreten zu sein. Mal abwarten, die für das Desaster in der Eurozone verantwortlichen Regierungen scheinen alles dafür zu tun, dass Occupy wieder Auftrieb bekommt. Den Rest besorgen die “Märkte”.

  8. Ich begrüsse ebenfalls den Co-Autor des Teppichhauses!
    Ich freue mich auf den Widerstandgeist hier, und zwar sehr!
    Wobei muss ich auch sagen, ich war bei den Frankfurter Occupy-Demos dabei, und genau die Gewaltlosigkeit des Ganzen hat mich beeindruckt. Das Problem ist, dass wenn in diesem Kontext Gewalt ausbricht, gewinnt die Bewegung zwar an Überzeugungskraft, wird aber zu einem leichten Angriffsziel der Medien/Politiker/anderer Gehirn-Wäsche-Einrichtungen => und Medien sind bekanntlich die besten Spielverderber jeder Protestbewegung. Und die Gewalt sorgt oft für die Diskreditierung der Bewegung.

    Doch genau die Gewaltlosigkeit plus schiere Vielfalt an Schichten, Altersstufen, Ethnien etc. etc. etc. war in Frankfurt zweifelsohne ein alarmierendes Signal, dass nicht nur irgendwelche Autonomen mal rumkrawallen ziehen, sondern die Bürger der Stadt Frankfurt – in aller Spiessigkeit und Biederlichkeit dieses Begriffes – aufstehen.

    In Frankfurt merkt man den Unmut immer mehr und mehr.

    Natürlich, Trithemius hat da auch recht: die Occupy-Bewegung ist in sich sehr inhomogen und es entwickelten sich die ersten Risse, Vereinnahmungen durch US-Techno-Sekten und Abgrenzungen voneinander… Das ist wohl in jeder Protestbewegungsgeschichte der Fall…

    Doch… Nicht, dass ich für den zivilisierten Unmut wäre (das ist doch zu bieder), doch ich anzweifle den unzivilisierten Unmut.

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