Sauerteig und viel Geschrei beim Poetry-Slam

Selbstverständlich ist es ein ehrenvolles Bemühen, wenn die Kollegen in der Schule Theatergruppen gründen und ihren Schülern das ausdrucksvolle Vortragen beibringen. Aber wenn sich derart geschulte junge Menschen bemüßigt fühlen, mit eigenen Texten bei einem Poetry-Slam aufzutreten, dann wünschte man sich oft, ihre Lehrer hätten sie lieber zu Nützlichem angehalten, etwa den Garten umzugraben oder etwas Hübsches zu häkeln.

Schon oft habe ich beim Poetry-Slam dieses arge Missverhältnis zwischen famoser Vortragskunst und schwachbrüstigen Inhalten erlebt. Da wird mit Kanonen der Form auf die Spatzen des Inhalts geschossen. Es tritt auf der junge wilde Dichter und trägt mit Pathos vor, wofür das Deutsche das schöne Wort Gefühlsduselei bereithält. Sein Text hat ein literarisches Du. Das ist der nichtswürdige Ex-Partner, der sich nicht wehren kann. Und das Publikum kann sich auch nicht wehren, weil es unschicklich ist, eitle Dichter mit faulen Tomaten zu bewerfen, wenn sie grad im Selbstmitleid zerfließen.

Gestern sah ich einen, der warf jede abgelesene Seite seines Manuskriptes mit großer Geste auf die Bühnenbretter. Man sollte wohl denken, er könnte sich die hohe Dichtkunst der Weinerlichkeit so aus dem Ärmel schütteln, dass er es nicht nötig hätte, sie zu verwahren. Er hat das Saure im Überfluss und ist jederzeit bereit, es zu füttern, zu teilen und weiterzugeben wie diesen ewig wachsenden Hermann-Sauerteig, woraus man sich einen trockenen Kuchen backen kann. Tatsächlich kommt der Hermann beim jüngeren Publikum gut an, denn was gibt es in einem jungen Leben schon Weltbewegendes außer Familie, Fernsehen, Alkohol, Drogen, Liebe und Liebeskummer.

Manche junge Frauen thematisieren ein Vaterproblem, und wenn da Andeutungen von Gewalt oder Missbrauch hervorbrechen, ist man ganz hilflos und peinlich angerührt, weil man ja nichts anderes tun kann als zuhören. Wirklich hilfreich ist das nicht, weil der Schmerz immer wieder auf der Bühne aktualisiert wird und durch seine Stilisierung etwas Eigenständiges bekommt, das von Slam zu Slam mitreist wie ein gemästeter Hockauf.

Die über 30-jährigen Poetry-Slammer sind oft sehr laut und reden über Werbespots, TV-Serien, ihr Verlorensein in der Welt, jammern übers Älterwerden oder geißeln mit Stimmgewalt ihre eigene Generation. Es gibt keine Hoffnung, da werden keine Auswege aufgezeigt, sondern all die kunstvoll gedrechselte Scheiße ist resignativ: So sind wir halt und können nicht raus aus unserer Haut. Manche rufen aus, ich bin ein Dichter, ein Sprachgenie, ich bin der Größte, kommen aber mit einem mauskleinen Text daher, in dem sie Luftschlösser bauen mit sich als Schlossherr oder Burgfrollein.

Gar schrecklich sind Slammer, die ihre Unfähigkeit zu schreiben thematisieren. Schreibblockaden kennt jeder Autor. Die wollen ertragen werden, aber es hilft nicht und man hat auch kein Recht, das geneigte Publikum ins öde Meer der eigenen Unfähigkeit zu schubsen. Wer gerade nix zu sagen hat, der stelle sich damit nicht auf die Bühne. Das Gegenteil verkörpern die Slammer, die mit einem ausgefeilten Text daherkommen und behaupten, sie hätten ihn unterwegs im Zug geschrieben oder sogar erst kurz vor dem Auftritt. Da weiß man gleich, es handelt sich um Genies, die nicht viel vom Schreiben verstehen, denn Schreiben ist Arbeit und gelingt selten so nebenher.

Die nur Witzigen sind besser zu ertragen, vor allem, wenn sie anschauliche Geschichten erzählen und vielleicht noch ein bisschen tanzen und singen. Eher selten haben Poetry-Slammer politische Themen. Und noch seltener sind Könner darunter, die wirklich etwas mitzuteilen haben und deren Sprachwitz und Vortragskunst nicht Selbstwert, sondern dem Thema dienlich sind. Um solche Leute zu hören, gehe ich gelegentlich zu einem Poetry-Slam. Aber als gestern in Hannover so ein larmoyanter Schreihals den Dichterwettstreit gewann, da hat es, als ich entkommen war, draußen natürlich geregnet, dunkel war’s auch schon und mein Licht am Fahrrad ging nicht, na klar.

Gut hingegen ist auch etwas gewesen, dass nämlich der Erlös der Veranstaltung an ‚Die Tafel‘ gespendet wurde, der souverän moderierende punkige Slammer, den wortgewaltigen, witzigen Klaus Urban wieder einmal zu erleben und während seiner beiden Auftritte seinen winzigen Hund zu halten, der in einer Tasche steckte, aus der nur der kleine Kopf herausguckte. Und ich unterhielt mich in der Pause mit einer jungen Slammerin aus einem Dorf in Ostfriesland, die als einzige ein politisches Thema behandelt hatte. Die Leute aus Ostfriesland sind offenbar besser als ihr Ruf. Das liegt vielleicht am weiten Horizont, weshalb man nicht ständig den eigenen Nabel besingen muss.
Den hat nämlich jeder.

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34 Kommentare zu Sauerteig und viel Geschrei beim Poetry-Slam

  1. Sie Ärmster, offenkundig fehlt Ihnen der rechte Zugang zu affektierterweise zum Vortrag gebrachter Befindlichkeitspoesie : (

    (Süddeutsche Zeitung)

    • trithemius

      Danke für den Spruch, dessen Sinn mir noch nicht so ganz aufgeht. Wenn ich mit meinem Feuerzeug eine Flasche Bier aufmachen will, ist dann kein poetischer Reiz möglich?

  2. Videbitis

    Das gilt aber nur für die Präventionspupser, die die Namensgruppe N – Ühn bearbeiten. Die Abteilungen für Präventionspupsen, die die Namensgruppen Ühm – Z, A – Cxz usw. bearbeiten, sollen erst im nächsten Jahr aufgelöst werden. Vor der Welle Poetry-Slammer, die dann auf uns zu kommt, kann man sich nur in acht nehmen.

    Ich war noch nie auf einem Poetry Slam, und nach Deiner Beschreibung muß ich das wohl auch nicht unbedingt nachholen.

    • trithemius

      Ja, da habe ich die Aushangtafel nicht gut genug studiert. Gut, dass du aufgepasst hast.

      Mein überspitzter Beitrag sollte dich nicht davon abhalten, mal einen Slam zu besuchen. Man kann Glück haben und originelle Texte hören.

    • Noch nie auf einem Slam gewesen zu sein, ist sicher eine „Bildungs“lücke. Gute Slams können höchst unterhaltsam und spannend im besten Sinne sein. Wenn er auch in vielem Recht hat, so zeichnet Trithemius doch ein m. E. zu negativ generalisierendes Bild. Und im übrigen: lieber schreibende junge Leute als …
      Also auf zum nächsten Slam – oder beser noch auf nach Hamburg zur Deutschen PoetrySlamMeisterschaft vom 19.-22. Oktober – da kommt man garantiert als Slam-Fan zurück!

      • trithemius

        „Lieber schreibende junge Leute als …“ vor dem Fernseher dahindümpelnde oder auf den Bänken von Spielplätzen herumlungernde – das scheint mir das wesentliche Argument, das mich widerlegt. Denn es ist genau das Argument, mit dem ich Blogger verteidige, deren Texte noch ein wenig Bearbeitung bedürften.
        Andererseits muss sich die Slam-Szene auch Kritik gefallen lassen, damit die Selbstverliebtheit die textliche Qualität nicht verbaut. Denn anders als Leser kostenloser Blogtexte bezahlt das Slam-Publikum Eintritt.

  3. Selbstverständlich ist es ein ehrenvolles Bemühen, wenn die Kollegen in der Schule Theatergruppen gründen und ihren Schülern das ausdrucksvolle Vortragen beibringen. Aber wenn sich unerhörte junge Menschen bemüßigt fühlen, mit eigenen Texte einen Blog zu schreiben, dann wünschte man sich oft, ihre Lehrer hätten sie lieber zu Nützlichem angehalten, etwa den Garten umzugraben oder etwas Hübsches zu häkeln. Oder einfach die Fresse zu halten.

    Schon oft habe ich beim Bloggen dieses arge Missverhältnis zwischen ungefragter Meinung und schwachbrüstigen Inhalten erlebt. Da wird mit Kanonen der Form auf die Spatzen des Inhalts geschossen. Es tritt auf der junge wilde Blogger und bloggt mit Pathos, wofür das Internet das schöne Wort „Spam“ bereithält. Sein Text hat ein literarisches Ich. Das ist der erfolglose Single, der sich nicht ertragen kann. Und das Internet kann sich auch nicht wehren, weil es unschicklich ist, eitle Blogger mit gemein veränderten Kommentaren zu dissen, wenn sie grad im Selbstmitleid zerfließen.

    Gestern sah ich einen, der warf jede noch so beschissene Idee seines Kopfes mit großer Geste in das Internet. Man sollte wohl denken, er könnte sich die bemitleidenswerte Ahnungslosigkeit so aus dem Ärmel schütteln, dass er es nicht nötig hätte, sie zu verwahren. Er hat das Saure im Überfluss und ist jederzeit bereit, es zu füttern, zu teilen und weiterzugeben wie diesen ewig wachsenden Hermann-Sauerteig, woraus man sich einen hübschen Mittelfinger backen kann. Tatsächlich kommt der Mittelfinger beim jüngeren Publikum gut an, denn was gibt es in einem Blog schon Weltbewegendes außer Familie, Fernsehen, Alkohol, Drogen, Liebe und deine Mutter?

    Manche weiblichen Blogger thematisieren ein Omaproblem, und wenn da Andeutungen von Kuchen oder Fünfmarkstück hervorbrechen, ist man ganz hilflos und peinlich angerührt, weil man ja nichts anderes tun kann als ein Video mit lustigen Katzen zu gucken. Wirklich hilfreich ist das nicht, weil die Oma immer wieder auf der Bühne ohnmächtig wird und durch ihr Alter etwas Unanständiges bekommt, das von Butterfahrt zu Butterfart mitreist wie eine Heizdecke mit Nikki Lauda Aufdruck.

    Die über 30-jährigen Blogger sind oft sehr viel jünger und reden über ihr Verlorensein im Edeka, jammern übers Dooferwerden oder geißeln mit Schreibgewalt ihr eigenes Leben. Es gibt keine Hoffnung, da werden keine Auswege aufgezeigt, sondern all die kunstvoll gedrechselte Scheiße ist resignativ: So sind wir halt und können nicht raus aus unserem Blog. Manche rufen aus, ich bin ein Blogger, ein Elefant, ich bin der kleine Muck, kommen aber mit einem schlecht recherierten Blog daher, in dem sie Luftschlösser bauen mit sich als Schlossherr oder Burgoma.

    Gar schrecklich sind Blogger, die ihre Fähigkeit zu schreiben thematisieren. Schreibblockaden kennt jeder Blogger. Die wollen ertragen werden, aber es hilft nicht und man hat auch kein Recht, das geneigte Internet ins öde Meer der eigenen Selbstüberschätzung zu schubsen. Wer gerade nix zu bloggen hat, der stelle sich damit nicht ins Internet. Das Gegenteil verkörpern die Blogger, die mit einem ausgefeilten Blog daherkommen und behaupten, sie hätten ihn im Club der anonymen Freunde der Lameness geschrieben oder sogar erst kurz vor dem Toilettengang. Da weiß man gleich, es handelt sich um Blogger, die nicht viel vom Toilettengang verstehen, denn Toilettengang ist Arbeit und gelingt selten so nebenher.

    • Was für ein geschmackloser Beitrag zur Diskussion! Und so viele Rechtschreibfehler. Sie sollten sich was schämen, Herr Ruppel. Das zeigt, wie weit es mit dem Slam her ist.

      • trithemius

        Wenn Sie sich dauerhaft siezen, Herr Ruppel, dann könnte das ein Hinweis auf eine seelische Störung sein.

        (Aber ich habe mir natürlich nur einen Spaß auf Ihre Kosten gemacht.)

    • trithemius

      Oje, da fühlt sich aber wer auf den Fuß getreten. Offenbar sind wir über die unterschiedliche Qualität der Poetry-Slam-Vorträge nicht einer Meinung. Es geht hier nicht um ein Gegeneinander von Bloggern und Slammern. Das ist albern, genau wie die Umformung meines Textes. Es war mir ehrlich gesagt zu mühsam, all die zusammengesuchten Ersetzungen durch Blogger und entsprechende Attribute zu lesen. Was Eigenes zu schreiben, ist immer besser, wenn man’s kann.

  4. Friederike

    Der Seitenhieb ist verstanden und aufgenommen. Und da hatte ich mich immer für einen zurückgenommenen Menschen gehalten. Es lag durchaus nicht in meiner Absicht, mich als pseudo-witziges Genie zu profilieren. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass ich meine Texte tatsächlich im Zug unterwegs zu Slams schreibe, weil ich gerade dann die Zeit dafür habe. Ich hatte angenommen, das wäre aus der nicht eben glatten Vortragsweise hervorgegangen. Auch ich bin der Überzeugung, dass Schreiben Arbeit ist, weshalb die mehrstündigen Zugfahrten ein Gutes in sich bergen.
    Anderweitig freue ich mich natürlich über das Kompliment weiter unten im Text (man ist ja ebenso undankbar wie genial) und wünsche noch eine gute Nacht.
    Mit freundlichen Grüßen
    Friederike

    • trithemius

      Mein Text ist natürlich völlig überzogen und vereint Erfahrungen, die ich bei verschiedenen Slams gemacht habe. Einmal tat ein Slammer so, als habe er sein Manuskript vergessen und deshalb noch rasch einen neuen Text geschrieben. Ein anderer hattte gar kein Manuskript und hat seinen Vortrag auf der Bühne frei erfunden. Das mag im Einzelfall sogar stimmen, zumal gerappte Reime, reine wie unreine, versatzstückartig aus anderen Texten stammen könnten. Als wiederkehrendes Element ist’s unglaubwürdig und riecht verdächtig nach Selbstinszenierung.

      Inzwischen fürchte ich fast, zu pauschal geurteilt zu haben, aber die Pauschalisierung ist ja das täglich Brot der Slam-Poeten. Dann muss man auch mal aushalten können, selbst zur Zielscheibe zu werden.

      Freundliche Grüße,
      Trithemius

      • Friederike

        Diese angebliche Spontandichterei habe ich erst einmal erlebt, als Freunde von mir aufgetreten sind. Allerdings war es ziemlich offensichtlich ein Scherz, als sie vorgaben, keinen Text mehr einstudiert zu haben und dann doch einen aus der Tasche zogen. Die Überraschung kam hinterher, als einer der anderen Teilnehmer sagte: „Ich hab echt geglaubt, ihr hättet keinen Text mehr.“
        Ja, die Szene braucht mehr Kritik und muss sich auch mal was gefallen lassen, das ist teils recht deutlich geworden. Von manchen Texten habe ich nicht ein Wort behalten, was deutlich deren Qualität zum Ausdruck bringt. Aber ich sollte nicht zu viel rummosern, ich fange ja auch gerade erst richtig an und habe mir schon einige Peinlichkeiten geleistet.
        Liebe Grüße
        Friederike

        • trithemius

          Danke für den Kurzbericht. Die Bereitschaft zur Selbstkritik ist offenbar in der Slam-Szene nicht besonders ausgeprägt. Es ehrt dich, wenn du da anders bist. Und Fehler zu machen, ist keine Schande, müssen einem auch nicht peinlich sein, denn wir sind ja Menschen und keine Automaten.

          Lieben Gruß
          Trithemus

  5. Ich fand nicht die Umformung von Herrn Ruppel albern, sondern Ihre Vorlage.
    Die Leute, die so herzzereißend Texte und Vorträge auseinander pflücken, sind selber nie über eine mäßigokaye Performance des Elfchens in der 2. Klasse gekommen.

    Vorallem dieser pädagogische Seitenhieb zu Anfang ist ja sowas von CDU.

    • trithemius

      Ich will gleich Ihre Wortschöpfung ausprobieren. Ihre inhaltliche Bemerkung ist daneben. Die Umformung von Herrn Ruppel passt doch hinten und vorne nicht. Der Beleidigungsfaktor ist mäßigokay, aber Bielefelder sind besser.
      Der Vergleich mit CDU würde mir zu denken geben, wenn Ihre Fähigkeit zu differenzieren besser ausgeprägt wäre.

      • trithemius

        Und noch was: Sie müssen das hier nicht lesen, können einfach wegklicken. Wenn Sie aber in einem Poetry-Slam sitzen, dann können Sie nicht so einfach rausgehen wegen eines Textes, der nach Ihrer Ansicht „niemals hätte geschrieben werden dürfen.“ Die Kategorie wird leider nie vergeben. Und ich bin zu höflich, die einzufordern. Das habe ich hier nachgeholt, im Einzelnen vielleicht ungerecht und polemisch, aber ich kann eben auch mal schlechte Laune haben und draufhauen. Das tun Slammer, wann immer sie wollen. Wenn ich aber solche Reaktionen wie die Ihre lese, dann reut mich das gar nicht. Sie kommen in mein Blog und lassen die Sau raus. Und wer macht hier wieder sauber?

  6. Soviel Blogmann

    Wollen Sie damit sagen, dass Sie hier lieber keine Kommentare hätten als Unordnung?
    Nun, das kann ich als Blogger nicht nachvollziehen.
    Wo wir bei Polemik sind: sie werden auch nicht gewzungen, zu Slams zu gehen, und der CDU-Vergleich ist so ein Slammerwitz. Mäßigokay und sinnlos, zaubert aber ein Schmunzeln in die traurigen Gesichter von Bloggern.

    Ihre inhaltliche Bemerkung war übrigens auch völlig daneben.
    Mama sagt immer, niemand sieht gerne in den Spiegel.

    Netter Blog, anyway.

    • trithemius

      Normalerweise führen wir hier inhaltliche Auseinandersetzungen und bemühen uns, persönliche Diffamierungen zu vermeiden. Das würde man im Gespräch Aug in Aug ja auch tun.

      Danke für das Lob, von dem ich nicht weiß, ob es eines ist, denn: „Nett ist der kleine Bruder von Scheiße“

      Ist wohl auch ein Witz.

  7. Sorry, lieber Jules. Gerne hätte ich dir beim Saubermachen geholfen. Aber leider habe ich nach der gestrigen erfolgreichen Vollendung meines Hausputzes die ganzen Putzmaterialien in den Schrank zurückgestellt und stehe nun mit leeren Händen in deinem Blog. Nicht mal ein winzig kleines Manuskript hab ich dabei…!
    Mal im Ernst: Ich versteh die ganze Aufregung nicht. Wer sich öffentlich äußert (sei es nun auf der Bühne oder im Internet), der muss eben auch mit allen möglichen Reaktionen und Kritikern leben.
    Ich persönlich werde auch weiterhin schreiben, wenn mir nach Schreiben ist – nicht nur, wenn ich etwas zu sagen habe. Wer’s nicht lesen mag, möge bitte wegklicken oder mir einen unflätigen Kommentar hinterlassen – mir egal. Wir Selbstdarsteller (und da zähle ich uns alle dazu) nehmen uns einfach ganz egoistisch das Recht heraus, uns mitzuteilen – und das ist gut so!

    Beste Grüße von Einer, die gleich mal ihr Putzzeug suchen geht. 😉

    • trithemius

      Die Sache scheint ja in gewisser Weise selbstreinigend zu sein. Ich hätte nicht gedacht, dass es ein Sakrileg ist, etwas gegen Erscheinungen in der hochgejubelten Slam-Szene zu sagen. Aber es gibt ja auch einsichtige und selbstkritische Stimmen. Die stehen jedem gut zu Gesicht, und dann schaut er, anders als die Mama von Frau Soviel Blogmann behauptet, auch gern in den Spiegel.

  8. Nein, wirklich nett.
    Ohne den ersten Satz, versteht sich. 😉

    • trithemius

      Muss aber schnell gehen. Die Rubrik „Briefe an die Leser“ hat am 12. Redaktionsschluss. (Vielleicht noch ein bisschen bissiger).

  9. Pingback: “Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche” |

  10. Larmoyater Schreihals

    Bei meinem Kommentar handelt es sich um den Auszug eines Kommentars, welchen ich auf einer anderen Plattform zu Ihrem Bericht formulierte:

    „Aber als gestern in Hannover so ein larmoyanter Schreihals den Dichterwettstreit gewann […]“ – Eine solche Meinung zu mir/meiner Vortragsweise darf und kann man sehr gern vertreten. Überaus feige finde ich es allerdings, diese in einem Blog der virtuellen Weltöffentlichkeit zu offenbaren, mit seiner Kritik aber nicht an den Menschen heranzutreten, den es eigentlich betrifft.

    Was die Gesamtbetrachtung des Formats „Poetry Slam“ in diesem Eintrag angeht, so gebe ich zu bedenken, dass eben dieses Format sich dadurch auszeichnet, dass es, JEDEM eine Plattform bietet und damit auch JEDER Art von textlicher Darstellung, sofern sie mit den Regeln des Formats konform geht. Kritik, gerade in negativer Form, ergibt sich dabei als eine Selbstverständlichkeit sondergleichen, weil nicht jeder Bestandteil der dargebotenen Bandbreite jeden Zuschauer anspricht/ansprechen kann.

    Damit müssen Slam-Poeten leben. Ich persönlich mag solch negative Kritik, so lange sie konstruktiv ist (und sich direkt an den Kritisierten richtet). Was mich diesbezüglich wirklich an Ihrem Artikel stört, ist, dass Sie sich konstruktiver Kritik komplett verwehren;

    „Es gibt keine Hoffnung, da werden keine Auswege aufgezeigt, sondern all die kunstvoll gedrechselte Scheiße ist resignativ“ – so heißt es, wie ich glaube zu meinem Text „Generation nichts“, wobei ich Sie in diesem Fall nicht mehr ernst nehmen könnte, da ich die 30 Jahre-Marke gewiss noch nicht geknackt habe, ja nicht mal die 20 – aber das nur nebenbei.

    Eigentlich ging es mir darum, dass sich dieses Zitat 1 zu 1 auf Ihren Kommentar zum Zweckreim-Slam verwenden ließe und dieses Paradoxon lässt mich nur noch augenrollend den Kopf schütteln.

    Bezugnehmend auf Ihren Vorwurf, die Szene der Slampoeten verwehre sich jeglicher Kritik grundsätzlich, so kann ich nicht anders, als zu bezweifeln, dass Sie sich wirklich näher mit der benannten Szene, bzw. den Individuen, welche diese Szene bilden, auseinandergesetzt haben.

    „Konstruktivität (der Kritik)“ lautet hierbei jedoch das Zauberwort, wie ich bereits mehrfach erwähnte. Der allergrößte Teil der Slam-Poeten, die ich bisher kennenlernen durfte, freute sich stets über kritische Auseinandersetzungen mit den eigenen Texten, ob diese aus den eigenen Reihen oder denen des Publikums stammten.

    Die Quintessenz Ihres Beitrages lässt sich jedoch auf drei simple Worte herunterbrechen: „Ihr. Seid. SCHEIßE!“ – Glauben sie wirklich, dass diese Art und Weise, Kritik zu äußern, jemanden dazu bringt, sein Handeln zu überdenken? Viel näher liegt es, mit einem deftigen: „Du bist selber SCHEIßE!“ zu kontern, wie dies mehr oder weniger in früheren Kommentaren geschehen ist.

    Abschließend noch ein paar Worte zur generellen Betrachtung von Kritik an Slamtexten und allem, was dazu gehört:

    Die erste Grundregel, mit der ich Poetry Slam angegangen bin, die jeder neue Slampoet von erfahreneren Poeten eingeflößt bekommt und die ich JEDEM neuen Slampoeten, der mir begegnet nahelege, lautet:

    Schreibe NIE für jemand anderen, als für Dich selbst. Schreibe nicht für den Applaus, schreibe nicht für die Wertung, bring nichts auf die Bühne, mit dem Du Dich nicht identifizieren kannst.

    Denn ein wesentlicher Bestandteil des Poetry Slams ist die Authentizität der auftretenden Poeten. Geht diese verloren, enden wir Slammer dort, wo vielerlei Musiker jeglichen Genres bereits verendet sind, bzw. bald verenden werden: In der Bedeutungslosigkeit und der Austauschbarkeit.

    Mit vorzüglicher Hochachtung

    _

    • trithemius

      Hallo,

      bewusst habe ich in meiner Polemik Ihren Namen nicht genannt, denn was ich von Ihnen in vorzüglicher Vortragsweise gehört habe, schien mir idealtypisch zu sein. Ähnliches, nur nicht so energisch vorgetragen, habe ich schon oft gehört. Während solcher Vorträge habe ich mich immer gefragt, wozu es denn gut ist, Fehler und Schwächen von Generationen aufzuzeigen, wenn da kein Gegenbild gezeichnet wird. Es fühlt sich ja auch eigentlich kaum einer wirklich angesprochen, wenn da erneut ein Sammelbegriff in die Welt gesetzt wird wie „Generation nichts“ in Anlehnung an „Generation Golf „, „Generation doof“ und wie sie alle heißen. Trotzdem, würden Sie sagen, was denn anders sein müsste, würden Sie mit Ihrer Stimmgewalt aufrufen, den Arsch endlich hochzukriegen und sich als politischer Mensch zu begreifen, der auch die Verpflichtung hat, an der Veränderung der gesellschaftlichen Unkultur mitzuwirken, dann hätten Sie meine Sympathie. Denn selbstverständlich stabilisiert die politische Enthaltsamkeit die bestehenden Verhältnisse, ist also auch politisches Handeln. Wenn die Jugend nicht protestiert, tut es niemand mit heißem Herzen. Vorgestern war ich auf einer Wahlveranstaltung der Linken. Da musste ich feststellen, politischer Protest wird von Grauhaarigen getragen. Junge Leute sieht man kaum oder sie tragen mit stierem Blick H&M-Tüten vorbei.

      Ihr Vorwurf, dass ich in meiner Polemik ebenfalls keine positiven Signale gebe, ist berechtigt. Ich habe da meinem Unmut nachgegeben und war mir schon beim Schreiben bewusst, dass etwas Wesentliches fehlt. Das habe ich versucht nachzutragen in dem Text: „Die schärfsten Kritiker der Eche waren früher selber welche“.

      Was die Fähigkeit zur Selbstkritik der Slam-Poeten angeht, so ist mir bisher eher das Gegenteil aufgefallen, die Starpose, die Pose des großen Dichters. Das gehört gewiss zur Selbstinszenierung auf der Bühne, kann man als Stilelement sogar durchgehen lassen, aber damit unterschätzt man sein Publikum. Ich lasse mir ungern ein X für ein U vormachen, und die Kunst des Schreibens ist nicht von Slampoeten erst erfunden worden.

      Grundsätzlich teile ich Ihre Ansicht, dass für Slams andere Maßstäbe gelten, da sie eben eine neue Ausdrucksform sind und insgesamt eine erfreuliche Erscheinung. Deshalb gehe ich hin, und oft bin ich beeindruckt von der Kreativität, die sich zeigen mag. Auch Ihren Rat an neue Slammer, authentisch zu bleiben, finde ich gut. Sie selbst sind, was Stimm- und Wortgewalt betrifft, eindrucksvoll. An meiner Kritik habe ich aber nichts zu ändern, lediglich die Form tut mir leid.

      Beste Grüße
      Trithemius

  11. Hossa, liebe Kollegen, werte Freunde der untergehenden Abendunterhaltung.

    Da schreibt einer endlich mal einen richtig schönen, subjektiven und saftig überspitzten Verriss eines poetischen Herrenabends, und die meisten Kommentar-Slammer flennen rum. Herrje. Ich habe beim Lesen der Kritik, so asbach sie auch sein mag, schmunzeln müssen. Monsignore Teppichmann trifft offenbar einen Nerv, wenn auch er dies mit Kanonen der Form tut. Ebenso gelungen finde ich die elegante und sehr wohl angebrachte Konjugierung des Eintrags durch Herrn Lars Ruppel. Encore, encore! Das ist doch bestens! Gabriel

    • trithemius

      Ja, es tut mir sehr leid um diese Slammer, doch sie können ihr Gekränktsein ja auf der Bühne verarbeiten und anschließend auf dem Manuskript rumstampfen. Aber Herr Ruppel soll was Eigenes schreiben und nicht auf meinen Worten dahersegeln.

      • Nein, nein. Des Ruppels Kommentar ist an Eleganz nicht zu überbieten. Das wissen Sie, darum tut’s ja auch auch so weh. Das müssen Sie schlucken, Herr Teppichmann, oder es meinetwegen auf der Bühne verarbeiten. Oder in einem Blog. Oder auf dem Liegefahrrad.

        So oder so: Mit freundlichen Grüssen! GV

        • trithemius

          Quatsch, ich habe gar kein Liegefahrrad, wie ich auch in keiner anderen Sekte bin. Ruppels Parodie muss ich nicht schlucken, sondern ich habe sie aus freien Stücken im Kommentar belassen.
          Hübsch eitel finde ich übrigens, dass man eine Googlemaske bekommt, wenn man Ihren Namen anklickt, wo der neugierige Leser natürlich brav Gabriel Vetter einträgt und sogar fündig wird. Selten hat sich mir jemand so auf dem Tablett präsentiert.

          Freundliche Grüße
          Trithemius

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