Professor Costers pataphysikalischer Mantel

Heute hatte ich den leichten Mantel an, der mir geschenkt wurde von Jeremias Coster, dem Professor für Pataphysik und Leiter des Instituts für Nachrichtengeräte an der RWTH Aachen. Er hatte ihn mir geliehen, als ich einmal bei ihm zu Besuch in Aachen war. Später schenkte er mir diesen Mantel mit den Worten: „Ich habe zwei davon.“ Auf der Limmerstraße duzt man sich gemeinhin. Aber wenn ich mit dem Mantel angetan in die Biobäckerei gehe und mir einen großen Milchkaffee bestelle, dann siezen die Biobäckereifachverkäuferinnen mich. Das verstehe ich gut, denn wenn ich Costers Mantel an habe, könnte ich zu mir selber Sie sagen.

Ich steige also gegen 17:30 Uhr auf mein altes, schwarzes Herrenfahrrad und radele zur Limmerstraße. Zu meinem Erstaunen zog der Fahrtwind durch Costers Mantel, denn ich trug darunter nur ein Hemd. Deshalb habe ich hinunter zur Limmerstraße eine Sorte Mantra geleiert: „Im tiefen Winter würde man 14 Grad plus freudig begrüßen.“ Dieser Gedanke half mir auszuharren, als ich vor der Biobäckerei meinen Milchkaffee trank und ein wenig in mein Notizbüchlein schrieb. Ich hoffte nämlich, die Werbeaufschrift der Linie 10 noch einmal zu sehen, die mir gestern aufgefallen war: „Wir geben der Reinigung ein Gesicht“. Die Linie 10 befährt die Limmerstraße in beide Richtungen im 10-Minuten-Takt, aber die gesuchte Aufschrift sah ich auf keiner der Straßenbahnen.

Ein großer älterer Mann mit Hemd und einem roten Pulli unter seiner hellen Jacke, Schnurrbart im Gesicht und Schirmkappe auf dem Kopf, baut sich vor mir auf und sagt mit Tenorstimme: „Wie ich rein ging, saßen Sie hier und rauchten, und wie ich rauskomme, sitzen Sie immer noch hier und rauchen – und lassen die Welt vorbeiziehen. So ist’s richtig! Schönen Abend noch!“

Sein Eindruck war leider falsch, denn ich habe gearbeitet. Ich muss schließlich verifizieren, ob meine Beobachtung von gestern richtig war. Wind kam auf, und die Limmerstraße bekam eine Gänsehaut. Da erinnerte mich Costers Mantel an zwei Dinge: „Fahr nach Hause, da ist’s angenehmer!“ und „Die Auskunft kannst du bequemer und verlässlicher bekommen“, nämlich so:

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