Eilnachricht! Aufruf zum Blogger-A-Flashmob am 11. Juli 2011



ngenommen, es gäbe einen Knall und ich würde mich auf einer Gartenparty im Jahre 1995 wiederfinden. Ich stünde mit drei anderen am Stehtisch, die Unterhaltung plätschert mal geradeso dahin, da würde ich sagen: “Ich habe heute per E-Mail einen Google-Analytics-Benchmarking-Bericht bekommen. Darin sind vor allem die statistischen Daten über Absprungverhalten interessant.“ Sie würden fragen, ob ich vielleicht ein Rad ab hätte. Oder sie würden denken, ich wäre so ein Verrückter, der gelegentlich in seinem Vorgarten sitzt und mit einem Fön auf herankommende Autos zielt, um die Geschwindigkeit zu messen. Jedenfalls würden sie mich für verwirrt halten.

In der Tat enthält der Google-Analytics-Benchmarking-Bericht verwirrende Details, in deren Bedeutung man sich erst einlesen muss. Da steigt eine neue Wissenschaft auf, die “Googleogie”, die ein Zweig der Rezeptionswissenschaft ist. In dieser neuen Wissenschaft wird Nutzerverhalten statistisch untersucht, beispielsweise die Besuchszeiten der Webseiten sowie die Absprungraten. Absprungverhalten hat es schon immer gegeben: eine Zeitung wird nur halb gelesen zusammengefaltet, ein Buch wird zugeklappt oder nach dem Kauf unbesehen ins Regal gestellt, aber man hat es nicht messen können. Daher haben die Autoren des Printmediums nie unter dem Gedanken leiden müssen, dass sie vielleicht gar nicht so oft gelesen werden wie sie glauben. Aber wir Blogger werden tagtäglich mit dieser Tatsache konfrontiert. Google schreibt:

„Im Vergleich zum Vorjahr weisen die Websites niedrigere Werte für ‚Seiten/Besuch’ sowie für die durchschnittliche Besuchszeit auf der Website und die Absprungrate auf.“

Das heißt: Webseiten werden weltweit seltener aufgerufen, aber auch die Absprungrate sinkt. Wenn es sich um einen anhaltenden Trend handelt, dann könnte man daraus schließen: die Internetnutzer lernen, mit dem Medium umzugehen und besuchen die Websites gezielter. Unerfreulich für jeden Anbieter im Netz ist nämlich die derzeit noch hohe Absprungrate von 47 Prozent. Fast jeder 2. sucht eine Website auf und huscht wieder weg.

Wenn ich mich quälen will, dann brauche ich nur im Statistiktool nachzusehen, wie lange die Besucher des Teppichhauses gelesen haben. Viele sind nicht mal eine Sekunde lang geblieben, und was kann man in nicht mal einer Sekunde schon lesen? Ich würde gern meine Texte so klein machen, dass sie in nicht mal eine Sekunde hineinpassen, um es den Herrschaften recht zu machen.

Von der Bibel wird gesagt, das Wichtigste stünde im ersten Buch, auf der ersten Seite, im ersten Satz und davon im ersten Wort am Anfang. Es ist ein A. Darin ist alles Wesentliche enthalten. Blogge ich also ein A. Wir alle sollten mal ein A bloggen, damit die Vorbeihuschenden sehen, welchen Kummer sie uns bereiten mit ihrer Geringschätzung unserer sorgfältig und mit Herzblut verfassten Texte.
Darum rufe ich auf zu einem


Montag, 11. Juli um 20:20 Uhr (nach der Tagesschau) bloggen wir nur ein A, nüchtern oder
kreativ gestaltet, je nach Belieben. Das geht mit einem Zeitstempel ganz einfach. Damit die Aktion wahrgenommen wird, bitte ich darum, sie auf allen Kanälen zu verbreiten, über Blogeinträge, Twitter, per E-Mail oder über facebook. Seien Sie Multiplikator. Aktivieren Sie Freunde, Bekannte, Unbekannte, Feinde – ich zähle auf Sie. Es wäre ungemein erheiternd, wenn man sich durch die Blogs klickt und überall nur ein A findet.

Tretet dAdA rein!

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111 Antworten auf Eilnachricht! Aufruf zum Blogger-A-Flashmob am 11. Juli 2011

  1. Guten Tach Herr Trinitus

    Ich habe mir erlaubt, auch son A nüchtern in die Welt zu mobben.
    Mit die Bibel hab ich zwar nix am Hut, aber ich muss schon sagen, dass beruhigt ungemein wenn man stundenlang auf son Buchstaben starrt.

    Und mit den komischen Zeittempel bin ich auch klar gekommen.
    (… naja, besser spät wie nie sacht meine Tante, als sie gestern mit 90 das erste Mal geheiratet hat.) ;-)

    Schöne Grüßchen
    copudor

    • trithemius

      Hallo, Herr copudor,

      Versenkung ist alles, auch wenn man dazu ein unschuldiges A mobben muss. Glückwünsche für Ihre Tante und

      viele Grüße
      Trittenheim
      (Geht vielleicht leichter)

      • Herr Trithemius, ich muss da mal was richtig stellen.
        Ich bin eine “SIE”, so richtig mit allem was dazu gehört! :-)

        ( …tz, alle tun so als wenn ich ein Kerl wär. Wie kommt das bloß.)

        Einen schönen Tach noch.

        • trithemius

          Wäre ich Ihnen auf der Straße begegnet, liebe Frau copudor, hätte ich mich gewiss nicht vertan. Bitte entschuldigen Sie meinen Irrtum. Ich werde ab jetzt überall schwören, dass Sie eine Frau sind, obwohl ich nur Ihre Worte zum Beweis anführen kann. ;)

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