Deutsche wollen sprechende Personenwaagen

Beim Discounter gibt es demnächst sprechende Personenwaagen. Ich habe schon ein sprechendes Virenschutzprogramm. Fünfmal am Tag erschreckt mich eine wohl modulierte Frauenstimme, so dass ich denke, ich sitze gar nicht zu Hause am Computer, sondern träumend in der hannöverschen U-Bahn und hätte an der letzten Haltestelle rausgemusst.

Was wird eine sprechende Personenwaage so alles daherquatschen, wenn sich einer draufstellt? „Uff, ich bin platt!“ Oder: „Du lieber Himmel, wer hat den Elefanten ins Bad gelassen?“ Oder: „Da leidet wohl jemand an Alzheimerbulimie – fressen und vergessen zu kotzen.“ Manche Singles kaufen sich vielleicht eine sprechende Personenwaage, weil sie sonst keinen haben, der mit ihnen spricht. Tragisch. Oder sogar komisch.

Die Dinge sollten nicht sprechen, ganz und gar nicht, weil Sprache eine menschliche Äußerung ist und ein Medium der zwischenmenschlichen Kommunikation. Meine Großmutter hatte als erste im Dorf ein Radio. Es war so groß wie eine Kommode. Der Freund ihres Sohnes kam zu Besuch, hörte die Stimme des Radiosprechers und flüchtete mit den Worten in ihren Schoß: „Tant, Tant, do is ene Minsch im Schaaf!“ (Tante, Tante, da ist ein Mensch im Schrank!) Nein, Kind, es ist die sprechende Waage. Sie meckert, weil sich lange schon keiner mehr draufgestellt hat.

Beim Discounter gibt es demnächst sprechende Personenwaagen. Sie werden den Bedarf vorher ermittelt haben, denn Discounter bieten nichts an, was keiner haben will. Deutsche wollen sprechende Personenwaagen. Das wundert mich nicht. Schließlich ist die Nachsprechpuppe Klein-Plapperle schon seit Jahren Bundeskanzlerin.

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6 Kommentare zu Deutsche wollen sprechende Personenwaagen

  1. Es gibt dafür bereits unterschiedliche Stufen von sprechenden Geräten oder Programmen. Die mich von was auch immer in Kenntnis setzenden, wie zum Beispiel meine Antivirensoftware, halte ich noch für harmlos. Viel schlimmer sind da die Geräte, die mir vorschreiben wollen, etwas genau so zu tun, wie sie es möchten. Navigationsgeräte gehören zu diesem Kaliber.
    Wenn von Ferne der Stau droht, freue ich mich immer ganz besonders. Denn plötzlich wird die Autobahn leer. Die meisten nutzen die kommende Ausfahrt, um dem Stau durch gekonnte Manöver auf Landstraßen und in kleinsten Kleckerdörfern zu entgehen. Endlich wird wieder ein wenig Ortskenntnis vermittelt. Und bleibt der Blick am gotischen Kirchturm auch nicht haften, die Stimmung innerhalb des Gefährts schwingt sich zu ungeahnten Höhen hinauf, wenn der Bauer mit Traktor…

    • trithemius

      Danke für den Hinweis. Just über eine weitere Folge der Navigationsgeräte schreibe ich gerade. Es ist aber ein längerer Text, dauert noch. Witziger Weise geht es darin auch um das Leben auf den Dörfern.

    • trithemius

      Du hast natürlich recht, was die Handlungsanweisungen von Maschinen betrifft. Vielleicht muss man bei der sprechenden Personenwaage seine Körpergröße eingeben, und dann sagt sie dir, ob du über oder unterm Idealgewicht liegst. Am Ende wählt sie sich noch über den Wlan-Anschluss ins Internet ein und teilt der Krankenkasse und der Lebensversicherung ihre Befunde mit. Die erhöhen dann die Beiträge, wenn einer zu dick oder zu dünn ist.

  2. Ich erinnere mich an den Prospekt. Es gab da auch ein sprechendes Blutdruckmessgerät. Nur einen Lachsack hatte der Laden nicht im Angebot …

    • trithemius

      Genau, das Blutdruckgerät spricht auch. Er würde erschaudern, wenn mir jedesmal eine Stimme den Befund mitteilen würde. Man weiß ja auch nicht, was die in Extremfällen sagen. Da ist ein Lachsack wesentlich angenehmer und sehr hilfreich, wenn man gar nichts zu lachen hat.

      • Der morgendliche Dialog eines Einsamen mit seinen sprechenden Geräten:
        Blutdruckmessgerät: „Bluthochdruck! Hab ich’s dir nicht gesagt? Du isst zu fett! Erst das fette Essen und dann deine Sauftouren. Kein Wunder, dass du Bluthochdruck hast. Los wieg dich!“
        Waage: „Willst du mich kaputt machen? Du bist zu fett! Ich bin doch nur bis für 200 Kilo konstruiert! Los beweg dich! Und mach endlich Sport!“
        Elektrische Zahnbürste: „Zwei Minuten sind um! Deine Zähne werden eh nie besser. Solltest unbedingt wieder für nen Zahnarztbesuch sparen. Los, stell mich ab!“
        Küchenuhr: „Es ist 6:39! Los auf zur Arbeit.“
        Navigationsgerät: „Links habe ich gesagt! Links! Aber der Herr will nicht hören, immer den eigenen Willen durchsetzen. Links! Mach schon! Links! Jetzt RECHTS! Re-hechts. das ist daaaaa, wo der Daumen li-hinks ist! Wohl Bohnen in den Ohren, oder was?“
        Der eigene Chef: „Guten Morgen.“

        Mir fällt nur negatives ein, nervendes, wenn elektronische Geräte plappern können …

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