Die Papiere des PentAgrion (13) – Das Netz des Satans

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Also spricht Aldebert

Also spricht Aldebert:

Du klagst, es wäre nicht leicht, ein Höfling zu sein. Dein Herrscher kenne keine Gnade, verfolge jede leise Kränkung mit bodenlosem Grimm. Unentwegt müssest du ihm zu Diensten sein. Seine Metze hingegen sei eine schwarze Witwe. Wer ihr nutze, den hebe sie an die Brust. Sei dieses Spiel vergessen, finde sich der Narr ganz unten an der Tafel, allein mit seiner Not, dem Bischof könnte der Treuebruch sich offenbaren.

Was also, frage ich Dich, hält dich dort am Hofe?

Es sind die Vorrechte eines Manns im Zentrum der Herrschaft. Draußen im Lande küsst man dir die Füße. Weht dein Hauch vorbei, saugt ein jeder ihn ein. Abgesehen von denen, die schon als Unzufriedene geboren wurden und das Antlitz deines Universums beschmutzen.

Du hast also Macht, und es kommt dir zu / der gutgläubigen Menschen vereinte Kraft. Teilst sie nur mit wenigen. Du hast Wissen über das Tun und Lassen deines Bischofs. Dieses Herrschaftswissen ist dir wie Honig. Mehr noch ein Lebenselixier, das dich in der Sänfte schweben lässt. Sobald du den Bischofsitz verlassen hast, kannst du dich in der Aufmerksamkeit von Hunderten sonnen, ja, von Tausenden, die auf verschiedenen Wegen von dir gehört, von Mund zu Ohr, von Schrift zu Auge. Mal wirst du als Quelle deiner Ergüsse genannt, mal hast du eine Intrige gesponnen und lässt boshafte Kunde durchsickern. Du streust Gerüchte und machst dich davon. Sollen andere sich das Maul verbrennen. Das kann deine Position nur stärken. Du stiftest an, dass man hinter dem Rücken des Bischofs feixt und seine Metze schamlos betrachtet. Du spielst ein Ränkespiel. Gleichzeitig betreibst du die Ausbreitung deiner Macht, reißt dir Stücke aus dem Land, eignest dir an, wonach dich gelüstet. Verkommene Mönche legen falsche Urkunde für dich an, statt die heiligen Worte zu kopieren.

Ja, du bist ein Spieler mit hohem Einsatz, verstehst zu gewinnen, weil du die heimlichen Regeln im Reich verstehst. Und der süßeste Sieg, das ist eine hohe Beute mit geringem Einsatz, mit einem Strich deiner Feder, mit einem Wink deiner Hand. Wenn das niedere Volk zu dir spricht: Wir dienen Euch für Gotteslohn, – dann weißt du genau, warum du am Hofe des Bischofs bist.

Solche, die so mächtig, verderbt und gerissen sind wie du, kultivierte Bestien des Zusammenlebens, immer bereit, die Schneide des geschliffenen Verstands zu führen und andere lustvoll zu verderben, sie behandelst du mit Respekt. Ihr steht in Verbindung mit der Gabe der Schrift. Sie kam von Gott, aber von euch wird sie missbraucht.

Auf dein Geheiß schleppen sie einen Mann herbei. Du befiehlst, ihm den Kopf zu scheren. Mit wundem Haupt sinkt er vor dir auf die Knie, und du schreibst auf den blanken Schädel dieser armen Kreatur deine Botschaft. Dann werfen sie den Mann ins Loch, wo er hockt, bis ihm die Haare gewachsen. Ist seine Mähne gesprossen, zerrt man ihn zurück ans Licht. Du nennst ihm sein Ziel. Mit einem Tritt schickst du ihn auf den Weg, damit er lernt zu laufen und nicht wagt zu säumen. Was hast du ihm auf den Kopf gepinselt? Was verbirgt sich unter seinem Haar? Er weiß es nicht, wüsste es nicht, würde man ihm die Kopfhaut abziehen und vorlegen. So ahnt er nicht, derweil er läuft, die Nachschrift unter deiner Botschaft:

„Und nun, mein Bruder im Geiste, memoriere meine Worte. Dann schlage dem Boten den Schädel ein und wirf ihn unter die Schweine!“

Da sinkt er hin, der tumbe Mann, dem die Freiheit versprochen, als man ihn sandte. Deine Nachricht / er trug sie auf dem Haupte treu, über gefahrvolle Wege hinweg. Dein schmählicher Brief aber hat befohlen: Dieses Kind Gottes hat seinen Zweck erfüllt / als Laufbursche im Netz der Ränke, der geschliffenen Bosheit, der gemeinen Lust an den verderbten Auswüchsen der unersättlichen Gier.

Warum also beschmutzt du mein Ohr mit deinen Klagen? Hast du es nicht besser angetroffen als dein Bote? Soll ich dir den Schädel rasieren und dir aufschreiben, wer du bist, damit der Engel des Herrn erkennt, wohin sein Flammenschwert gehört? Was grinst du mich an, du hässlicher Schädel, du Speichellecker vor dem Herrn? Wähnst du dich sicher, weil du Zacharias verführt, die Anzahl der Engel zu mindern? Glaubst du, deine Ränke werden überdauern / über Jahrtausende hinweg? Ich sage dir, du Wicht, höre meine Worte: Dereinst wird es freie Menschen geben, mit eigenem Kopf und besser vernetzt als du. Sie werden mutig sich erheben und dein verderbtes schwarzes Netz in Stücke hauen.

=> Fortsetzung: Hellwach auf der Dornröschenbrücke
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12 Kommentare zu Die Papiere des PentAgrion (13) – Das Netz des Satans

  1. Du lieber Himmel, wo kommt denn dieser Text her? Hier sollte was ganz anders stehen.

    • Starker Tobak überhaupt und abends um 22°° Uhr erst recht. Als Quellenangabe würde ich diese machen:Quellenangabe.
      Das muss ich erst verdauen, dann schau’n wir weiter.
      🙂

      • Starker Tobak, zweifellos, aber hautnah an der Realität dieser Zeit.

        • Eben habe ich noch mein Zettelchen in den Zettlkasten geschoben und merke, dass das jetzt ja Teil 13 ist. Na denn kein Wunder, dass sich das heute und hier so unheilvoll anhört, aber Freitag ist erst morgen. Schiet auf Aberglauben.
          Düwel ok.
          :))

          • Kein Wunder, du merkst alles. Ich wusste gar nix davon, denn ich hatte nicht auf den Kalender geguckt. Allmählich fügen sich die Dinge ohne mein Zutun. Das ist nahezu unheimlich. Wie kommt dieser Text überhaupt in mein Blog? Ich glaube, da hat sich einer in meine WLAN-Verbindung eingehackt. Ich sage nur: Obernachbar!

            • „Herr Trittenheim, ich musste nicht schmunzeln!“,
              ich habe eher noch eine Zigarrette mehr geraucht.
              Das ist wirklich hier ein wenig unheimlich, dabei dachte ich, Rotjäckchen würde nun so langsam auf ein harmonisches Verstehen hinlenken.
              Ich fürchte, du hast beim Ausforschen des Obermieters nicht auf Rotjäckchen gewartet, ich habe dich gewarnt. Schon am Obelisken musste sie dir in misslicher Lage helfen, als ein Mann um die Ecke des Sockels gekommen war und dir seine Faust ins Gesicht gestreckt hat So etwas scheint wohl üblicherweise bei der Suche nach Papier(en des PentaAgrion) zu passieren? Im entwendeten Brief von Adgar Allen Po, den uns sittingfool zukommen ließ, habe ich das jetzt auch so gelesen: … ich möchte Ihnen raten, schleunigst Reißaus zu nehmen, sobald er verstanden hat, was Sie eigentlich meinen; denn zweifellos wird er versuchen, Sie niederzuhauen.
              Also ein Fazit, vertraue Rotjäckchen und lass sie nicht wieder entschwinden, wenn du sie auf der Reise triffst, und vor allem, maule sie nicht an, dann wird dir auch kein Unheil zuteil werden.
              🙂

  2. Die Akte PentAgrion: alles Literatur oder was?
    Seit einiger Zeit gibt es Anspielungen, wonach die Papiere des PentAgrion lediglich ein litererisches Projekt, ein „Internetroman“ sein sollen.

    Dies scheint durch diese Veröffentlichung der Quelle selbst bestätigt zu sein:

    Pressemitteilung

  3. Die Akte PentAgrion: alles Literatur oder was?
    Seit einiger Zeit gibt es Anspielungen, wonach die Papiere des PentAgrion lediglich ein litererisches Projekt, ein „Internetroman“ sein sollen.

    Dies scheint durch diese Veröffentlichung der Quelle selbst bestätigt zu sein:

    Pressemitteilung

  4. Jajaja, Einhard, und ich dachte, du bist mein Freund! Man möge diesen Trackback-Link komplett ignorieren. Niemals lesen. Sonst: Flammendes Schwert und so.

  5. Interessant, wenn man bedenkt wie sich die Zeitspannen der Nachrichtenübermittlung verkürzt haben. Heute geht es ja in Bruchteilen von Sekunden. Wenn man erst noch Haare wachsen lassen muss sind es ja gut und gerne zwei bis drei Monate. Um so erstaunlicher, dass die Möglichkeiten einen unglaublichen Fortschritt erfahren haben, aber der Missbrauch und die Verdummung der breiten Masse auch. Heute würde dem guten Mann sicher ein Chip implantiert. Und wenn in der Bild stünde, es wäre durch Einsetzen eines Chips eine Krankheit zu verhindern, dann würden sich sicher auch genug Freiwillige finden. Und dann noch ein schönes Foto von Kai Dieckmann in seinem Blog, wie er sich auch so ein Ding verpassen lässt.

    Schönen Tag

    • Die Welt hat sich damals offenbar langsamer bewegt. Inzwischen rast sie, eben weil wir diese raschen Kommunikationskanäle haben. Ohne sie wäre eine Finanzkrise auch nicht möglich. Wenn man die Billionen, die täglich digital um den Globus sausen, mit der Schaubkarre befördern müsste …

      Dass die Kommunikation sich immer mehr vom Material abkoppelt, hat natürlich auch positve Effekte. Man rasiert den Boten eher selten noch die Köpfe. Aber ich habe mal gelesen, dass bei der russischen Armee noch Anfang des 20. Jahrhunderts Meldehunde in Gebrauch waren. Ich weiß nicht, wie schnell das Fell eines Hundes nachwächst. Aber offenbar ließ man sich selbst im Kriegshandwerk mehr Zeit.

      Schon vor Jahren las ich, dass sich Besucher einer Diskothek einen RFID-Chip implantieren lassen können, was ihnen den VIP-Status verschafft. Sie müssen am Eingang nicht warten, man kennt ihre Getränkevorlieben, und auch die Getränkerechnung wird über den Chip abgebucht. Verrückt ist tatsächlich, dass Orwells Überwachungsideen sich ganz anders realisiert haben als er 1948 voraussehen konnte. Die Leute lassen sich wie Idioten freiwillig überwachen, wenn man ihnen ein paar Gummibärchen dafür verspricht. Oder eben das, was du dir ausgedacht hast, mit Kai Diekmannn als Vorreiter. Dass er jetzt ein Blog hat, spricht eindeutig gegen das Bloggen.

      Dankeschön, wünsche ich dir auch

  6. Über eine Eigentümlichkeit, ja ich würde eher sagen Spitzfindigkeit, bin ich noch gestolpert, und zwar, wenn ich rückverfolge, von Teil 14 zu 13 zu 5c, von Tauben (geflügelten Boten) zu Karnickeln. Also ich esse, glaube ich, gern Hasenbraten, gibt es aber nicht so oft, in meiner Küche jedenfalls nicht, weil es mittlerweile so wenig Feldhasen mehr geben soll, und Tauben esse ich gar nicht, die Stadttauben sollen auch nicht schmecken, aber das nur am Rande. Dieser Papst Zacharias war ja ein ziemlicher Einfaltspinsel mit seinen Hasen und seiner Fruchtbarkeit, gut wir reden auch gern vom „Hoppeln“, und woran hat Herr TT gedacht, als er von der Ohnmacht erwachte und in das huldvolle Antlitz der Rotjäckchendoppelgängerin schaute, an Karnickel, nur das die verbrannt wurden, aber da war ja schon wieder der Herr Stijn van de Voorde im Spiel. Die Zahlenspiele hatten mich nicht interessiert, die Fibronaccizahlen hattest du mir ja schon an anderer Stelle erklärt, also was anfangen mit den gebrannten Karnickeln?
    Diese Exploration hat mich nicht in der Abschlussbeurteilung dieses deines Exponates beeinflusst, aber grübeln musste ich doch darüber.
    😉

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