Papiere des PentAgrion (12) – Licht hinter der Schwärze

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Leibniztempel

Mitten in der Nacht erwachte ich. Warum nur? Eine Weile lag ich wach und schaute auf die Ostwand zu meinen Füßen. Durch einen Spalt im Vorhang drang das warme Licht der Straßenlaterne und malte bizarre Schatten auf die Tapete, ein sich heftig bewegendes Muster kleiner Blätter. Indem ich versuchte, Bilder in den Schatten zu sehen, kam die Erinnerung an meinen Traum zurück.

Ich war unterwegs im Hannöverschen Georgengarten. Da lockte mich der Leibniztempel, denn seine Inschrift blitzte golden im Licht der späten Nachmittagssonne. Als ich die Stufen hinaufstieg, trat hinter einer Säule eine Frau hervor. Sie trug einen tibetischroten Mantel. Es war meine Postbotin. Ich sagte: „Sie haben mich letztens mit Ihrem Klingeln unter der Dusche erwischt, und ich habe mit meinen nassen Füßen die Dielen rutschig gemacht, so dass ich beinah ausgelitten wäre, nachdem ich Ihnen die Haustür geöffnet hatte. Später bin ich hinunter gegangen und habe hoffnungsfroh meinen Briefkasten aufgeschlossen. Er gähnte mich an, zeigte mir nur seinen grauen Blechrachen. Jetzt frage ich Sie, Verehrteste: Warum klingeln Sie mich unter der Dusche hervor, wenn Sie gar keine Post für mich haben? Bedenken Sie doch, dass ich gute Nachrichten erwarte. Aber sie bleiben aus, Tag um Tag, umrunden vielleicht gerade den Mond oder verstecken sich albern kichernd hinter der Hausecke. Daher ist meine Enttäuschung über den leeren Briefkasten doppelt groß gewesen. Und nun, ich finde Sie ungemein attraktiv, kann jedoch nicht umhin, Ihnen zu grollen. Da hilft Ihnen auch der schöne Mantel nicht, auf den Sie mich sorgsam gebettet haben, nachdem mich ein Mann in schwarzer Lederjacke mit der Faust geschlagen hatte.“

Sie lächelte entschuldigend und trat nah heran, berührte versöhnlich meinen Unterarm und sagte: „Versetzen Sie sich bitte in meine Lage. Sie sind der einzige, der mir öffnet. Auf Sie kann ich mich verlassen. Drücke ich hingegen andere Klingeln, warte ich ebenfalls vergeblich und muss mich des unguten Gefühls erwehren, dass Ihr Obernachbar auf der 4. Etage neben dem Haustelefon steht und albern kichert. Denn täglich empfängt er Post. Und da sein Briefkasten nicht etwa überquillt, sondern an jedem Morgen einen leeren Magen hat und mich mit gierig aufgerissenem Maul empfängt, muss dieser Mieter sich im Haus aufhalten.“

„Ach“, sagte ich, „Sie befinden sich im Irrtum. Der geleerte Briefkasten besagt so gut wie gar nichts. Dieser Mieter könnte ebenso gut schon im Morgengrauen das Haus verlassen und am Abend zurückkommen. Das entzieht sich doch Ihrer Kenntnis. Ja, es wäre sogar möglich, dass er nur bei Nacht ins Haus schleicht und wieder geht.“

„Sie haben vermutlich recht“, sagte sie, hauchte mir einen Kuss auf die Wange und trat hinter die Säule zurück.

„Warten Sie!“, rief ich und eilte ihr nach. Der Platz hinter der Säule war leer. Nur leise Schritte hörte ich. Da wurde ich wach, und diese verstohlenen Schritte waren draußen auf der Treppe, verstummten vor meiner Wohnungstür, ein Schaben wie von einer Hand auf dem Holz, ein Kichern, und dann stieg jemand die Treppe hinauf.

Erst dann erwachte ich und wusste eine Weile nicht warum. Da hoffte ich, der Morgen würde sich bald ankündigen. Es ist plausibel, dachte ich, dass die Postbotin just bei mir klingelt. Denn hier fließt Information, anders als bei ihren anderen Klingelversuchen. Information sucht sich immer den leichtesten Weg.

Vor vielen Jahren hat mir das Glühbirnenmodell von Edward de Bono die Sache veranschaulicht. Auf einem Brett sind Glühbirnen angebracht und allesamt mit einer Leitung verbunden. Zwischen den Glühbirnen befinden sich erregbare Schalter. Sie sind wie Türen, die sich öffnen, wenn ein Stromimpuls kommt. Diese Schalter sind lernfähig. Ihre Erregungsschwelle sinkt, wenn ein Impuls hindurchgegangen ist. Hat sich nun ein Impuls einmal einen Weg gebahnt, ist es plausibel, dass ein nächster Stromfluss erneut die Tür öffnet und die Glühbirne dahinter zum Leuchten bringt.

Stromflüsse können in diesem Modell von verschiedenen Punkten ausgehen, wie es beim menschlichen Gehirn über die verschiedenen Sinneskanäle der Fall ist. Impulse kommen von verschiedenen Enden, finden ein Tor, dessen Erregungsschwelle schon durch einen vorangegangenen Impuls herabgesetzt ist, und so leuchten bestimmte Glühbirnen auf, andere aber nicht. So ähnlich kann man sich die Funktion des menschlichen Gehirns vorstellen. Der Aufmerksamkeitsimpuls des Denkens fließt auf Wegen, die bereits begangen wurden. De Bono sagt, das sei ein Modell des natürlichen Denkens. Im natürlichen Denken bestätigt sich das Denken selbst. So macht es nichts, ob die Information über eine bestimmte Sache positiv oder negativ ist. Angenommen, man hat einem Kind von früh auf gezeigt, dass man es für blöd hält, dann ist die Struktur „Ich bin blöd.“ angelegt. Sagt man ihm nun, „du bist doch nicht blöd!“, werden die Glühbirnen des gedanklichen Musters, „ich bin blöd“ aktiviert. Denn im natürlichen Denken gibt es nicht die logische Funktion Ja oder Nein.

Demagogen nutzen dieses natürliche Denken. Sie trachten danach, in den Medien genannt zu werden, egal, ob aus guten Gründen oder schlechten. In jedem Fall werden sie in den Köpfen der Menschen wichtiger und wichtiger.

Zum Glück gibt es im Denken des Menschen auch höhere Ebenen. Diese Ebenen kennen sehr wohl Ja, Oder und Nein. Logik und Moral sorgen dafür, dass bestimmte Tore gesperrt werden, so dass der Aufmerksamkeitsfluss des Denkens sie nicht öffnen kann, obwohl er früher hindurch geflossen ist. Nun kann es aber sein, dass hinter den mit gutem Grund schwarzen Birnen sich Glühbirnen finden, deren Strahlkraft eine Wohltat wäre für den Menschen selbst und für Probleme, die er gedanklich zu lösen hat. Sie zum Leuchten zu bringen, ist eine schwierige Angelegenheit. Denn man muss einen Weg finden, die dazwischen liegenden Sperren zu umgehen.

Ach, ich habe nur über diese Sache nachgedacht, eigene und De Bonos Ideen vermischt, um meine leise Furcht zu umgehen. Sie kam von der Hand, die im dunklen Hausflur über meine Wohnungstür strich. So bin ich meinem geheimnisvollen Obernachbarn beinah dankbar, denn er hat mir abverlangt, die Sache wieder zu durchdenken. Lieber hätte ich mich länger mit der Frau im Leibniztempel unterhalten. Aber das Leben ist eben nicht immer nur Vergnügen. Wer möchte schon in vergnüglicher Blödheit versinken und nur noch darin umhertorkeln?

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25 Antworten auf Papiere des PentAgrion (12) – Licht hinter der Schwärze

  1. Morgen :oops:

    Die ichschaffeesgeradenochnnicht! Besucherin

  2. Morgen :oops:

    Die ichschaffeesgeradenochnnicht! Besucherin

  3. Viele, wenn ich mich so umsehe. ;)

    Tipps für das Verhalten im Zoo: “Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Ansicht, nach der die Männer zumeist die Initiative ergreifen, haben Forscher herausgefunden, dass die Kontrolle über das Geschehen in Wirklichkeit bei den Frauen liegt. Schon bei der ersten sinnlichen Kontaktaufnahme sind es die Frauen, die den Anfang machen – ohne dass die Männer es bemerken. Es sind bestimmte Signale, die erotisches Interesse anzeigen: Ein zielgerichteter Blick von einigen Sekunden, das Heben der Augenbrauen (eyebrow flash), Zurückwerfen des Kopfes (head toss) oder der Haare (hair flip) und andere Verhaltensweisen sind den Verhaltensforschern als Flirt-Repertoire bestens bekannt … Das ganze Spiel der Annäherung ist ein kompliziertes Geschehen, bei dem die Partner sich gegenseitig erkunden und abtasten. Die Frau zeigt dabei eine gewisse Sprödigkeit, die ihre Attraktivität durchaus erhöht. Sie signalisiert dem Mann, dass die Dame nicht so leicht zu haben ist, macht sich daduch „wertvoller“ und eine Eroberung umso lohnenswerter. Kommt es zu einem ersten Gespräch, hängt viel davon ab, wie häufig die Flirtenden bei dieser Begegnung lächeln oder lachen.”

    Kann es sein, daß die Dame immer bei Dir klingelt, um Dir ganz anders gemeinte Signale zu schicken? Selbst ihre gewisse Sprödigkeit in Deinem Traum scheint darauf hinzudeuten. Augenbrauen, Kopfbewegung, Haupthaarflug und abgestufte Lachlaute könnten Auskunft geben, welche Lampen leuchten – das heißt für Dich: Früh aufstehen, um sie abzupassen, wenn sie mit der Post kommt.

    • Rotjäckchen und der Wolf, der irgendwann mal Wackersteine im Bauch hatte.
      Sag mal ehrlich, wär es dir nicht lieber gewesen, es wäre die kommunikative visuell sehr ansprechende junge Dame im tibetisch roten Mantel gewesen, die sich dir auf die Bettkante gesetzt hätte, anstelle des grauseligen besserwisserischen Kerls, der dir Bauchweh oder besser gesagt “Fullbuuk” bereitet hat, wie man hier so schön im hohen Norden textet. War er nun grauselig oder nur lästig, auf alle Fälle hat er dich auf dem falschen Fuß erwischt, zugetextet, bzw. zugebrettert.

      Erstes Indiz einer Schreibunlust, aber dann kommt es noch dicker: “Darum eine Schreibhemmung, denn nachdem ich PentAgrions vernichtende Analyse der menschlichen Sprache gelesen hatte, konnte ich nicht einem Wort mehr trauen.”

      Und nun erzählt dir der tibetische Mantel, nein, die junge Postbotin von dem prallgefüllten Briefkastenbauch deines Obernachbarn mit seinem etwas eigenwilligen Gehabe, sie erzählt gerade von dem Nachbarn, der dir sowieso suspekt ist, wie du dem Herrn Coster erzählst im Gespräch um die Herkunft der PentAgrionpapiere.
      Warum nur? Eine Warnung?

      Hier kommt Aldebert ins Spiel.
      Wie war das nochmal mit dem Aldebert, Himmelbriefe nicht zu knapp, eigenwillige Stellung in der Gesellschaft, Verführer, … irgendwie doch ein Rattenfänger, aber ein gewitztes Kerlchen, wie mir scheint.
      Sein Hokuspokus scheint noch bis heute nachzuwirken. So jedenfalls meine ich das wundersame “Hineinsehen” in Stockflecke an einem alten Ölschinkens einschätzen zu müssen.
      Ist das die Nachtmahr, oder auch -alb, die dich in Traumwelt oder Wachwelt verfolgt und die auf dem alten Ölgemaälde dem Erzengel Michael die Stirn bietet?

      Sei also bitte vorsichtig, wenn du nach dem Namen des Obermieters schaust, oder warte, wenn das Rotjäckchen wieder klingelt.

      • Nachdem ich Ihre klugen Kombinationen gelesen habe, Mrs Holmes, muss ich mir eingestehen, dass die Ereignisse um die Papiere des PentAgrion weit früher begonnen haben als ich dachte. Verdächtig ist vor allem, dass dieser Kerl auf meiner Bettkante in allen landschaftlichen Zungen zu mir gesprochen hat. Denn auch PentAgrion behauptet, er habe alle seine Befunde über die verschiedenen menschlichen Kulturen in der jeweiligen Landessprache verfasst.

        Ebenso plausibel erscheint in diesem Licht der prallgefüllte Briefkasten. Es müssen nicht unbedingt Himmelsbriefe sein. Vielleicht ist es auch Fanpost. Es gibt doch eine bislang kaum beachtete Spur zu einem Flirter in Nürnberg. Wer sagt denn, dass der Kerl wirklich in Nürnberg lebt? Alles könnte gefakt sein, auch das komische Foto, das Sie mal entdeckt haben, Mrs Holmes. Tatsächlich könnte PentAgrion schon einmal die Erde besucht und sich im 8. Jahrhundert Aldebert genannt haben.

        Das alles sind Spekulationen. Aber man kann ihnen eine gewisse Plausibilität nicht absprechen. Wie gut, dass Ihr genialer detektivischer Spürsinn solche Früchte trägt.

        Herzlichst dankt
        Ihr Watson

        • P.S.: Gerade fällt mir ein, dass PentAgrion auch mit dem rasenden Rundfunkreporter Stijn van de Voorde identisch sein könnte. Das wäre mir irgendwie lieber, dann könnte ich ausschließen, dass mein Obernachbar PentAgrion ist.

          • P.P.S.: Man bedenke auch, dass Aldebert auf dem Gemälde im Pataphysischen Institut exakt dargestellt ist wie Van de Voorde hier: http://www.stubru.be/muziek
            Er hat nur statt einer Banane einen Apfel in der Hand. Das ist plausibel, denn Bananen kannte man im 8. Jahrhundert noch nicht, zumindest wrid der Maler sich das gedacht haben, dieser Kurzweil aus Wien. Übrigens kenne ich einen Musiker Martin Kurzweil (Kratochwil) aus Wien. Er hat die Musik zu den Lesenächten komponiert.
            http://abcypsilon777.blog.de/2008/11/13/mach-4-interaktiven-lesenacht-teppichhaus-5030227/

          • Darauf wollte ich sowieso schon eingehen, ob nun hier oder an der entsprechenden Romanstelle, also hier.
            Ne, ne, so lassen wir dich nicht aus, du schickst uns mit dem Herrn Stijn van der Voorde auf eine Rallye, wir suchen ihn an allen Ecken und Enden der Welt, und nun soll er so ein plötriger Beratungsfuzzi sein, so nicht.
            Also Schreiber der PentAgrionpapiere ist er sicher nicht, ob Überbringer, da möchte ich mich nicht festlegen, ein wenig zwielichtig ist er schon.
            In die Antarktis bin ich ja noch brav gefolgt, die Pornofilmangelegenheit hat mich fast meinen Internetaccount gekostet, ich versteh sie bis heute nicht.
            Und dann hatte ich ja noch so einen leisen Verdacht, aber das mal “nur so”, hier wollte ich doch nicht nur auf den wunderbaren Clip zur Arbeit eines Ethnologen hinweisen, da steht auch etwas von einem Mann im Mescalinrausch und einer gelben Banae im Zusammenhang mit der Weltformel.
            Meine Zweifel an der Identidität des Herrn Stijn van der Voorde hatte ich ja auch schon, als ich dich auf Bärenwatch schickte.
            Na auf alle Fälle muss der Herr, von dem wir hier reden, sich irgendwie in dem Dreiländereck bei Aachen herumtreiben, aber dafür suche ich jetzt keine Beweise mehr, ich bin schon ganz irre, und finde in meinem eigenen Zettelkasten kaum noch, was ich suche.
            Deshalb mache ich erstmal Schluss, weitere Ausführungen folgen später.
            Einen schönen guten Morgen.
            :-)

            • Guten Morgen, liebe Marana,

              du hast vermutlich recht. Van de Voorde ist alles mögliche, aber bestimmt nicht PentAgrion. Er hätte sich sonst längst gemeldet und es bestritten.
              Übrigens glaube ich nicht, dass die im Mescalinrausch erhaschte Weltformel außerhalb des Rausches gilt. Denn bekanntlich folgt die Welt der geistigen Entrückung ganz anderen Gesetzen.

        • Es gibt viele nahe liegende Spuren, die uns nicht interessieren – dj is god:

          http://www.youtube.com/user/pentagrion#p/a

          dass im nahe liegenden die verborgene Wahrheit liegt, wusste schon E. A. Poe, aber vielleicht ist uns das auch zu langweilig ;)
          http://www.zeno.org/Literatur/M/Poe,+Edgar+Allan/Erz%C3%A4hlungen/Der+entwendete+Brief

          • :) )
            “Ihr Lümmel”, ich gebe es ja zu, zunächst war ich etwas verwirrt, als ich Teil 13 las und Zusammenhänge versuchte zu erlesen. Abends um 22°° Uhr ist man noch weniger helle, …. Aber als ich diesen deinen Beitrag fand, fiel es mir wie Schuppen von meinen blinden Augen.
            :) )
            Ihr könnt euch nicht verstecken, man hat euch im Vesier, ein Internetroman erziehlt und bedarf eben der Aufmerksamkeit.
            :yes:

            Die Erzählung von Poe um den entwendeten Brief hat mich nun- ich habe erst jetzt Zeit gefunden, ihn zu lesen- erst richtig erheitert, als wenn er “unser Spiel” beschrieben hätte.
            Einige Sätze für die, die nicht so viel Zeit und Lust zum Lesen haben.

            »Wenn es eine Sache ist, die Nachdenken erfordert«, … »so ist es besser, wir prüfen sie im Dunkeln.«

            … ›sonderbar‹ …

            … Es hat uns alle so verwirrt, daß die Geschichte so einfach ist und man ihr doch nicht beikommen kann.«

            »Nämlich um es gleich vernichten zu können«, sagte Dupin.

            »Wie wäre es«, fragte ich, »wenn Sie uns die Einzelheiten Ihrer Suche darlegen würden?«

            »Selbstverständlich blickten Sie auch in D.s Papiere und in die Bücher seiner Bibliothek?«

            … las eine genaue Beschreibung der inneren und namentlich der äußeren Beschaffenheit des vermißten Dokumentes vor.

            »Rat einholen, wie?«

            Er hielt es nie für wahrscheinlich oder für möglich, daß der Gesandte den Brief aller Welt vor die Nase gelegt hätte, um eben auf diese Weise alle Welt von der Entdeckung fernzuhalten

            Diese Wahrnehmung genügte. Es war mir klar, daß man den Brief wie einen Handschuh umgewendet, in seine ursprüngliche Form zurückgefaltet und mit einem neuen [314] Siegel versehen hatte.

            Und wenn du mir jetzt dieses noch übersetzt, (ich habe nämlich nie Französich gelernt in der Schule und später auch nicht), ist’s perfekt.

            ›… Un dessein si funeste,
            S’il n’est digne d’Atrée, est digne de Thyeste.‹

            Sie stehen in Crébillons ›Atrée‹.«

            :-)

            • PS: Ich finde deinen Kommentar zum “Verstecken” heute auf der anderen, der dunklen Seite nicht mehr wieder und bin auch ein wenig ungeduldig, sonst hätte ich den auch noch verknüpft. Diese Teppichknüpferei!
              :-)

              • Huch, ich überprüfe gerade die Verknüpfungen noch einmal und finde beim zweiten Teppichknoten dieses: “Dieser Eintrag existiert nicht oder ist nur für Freunde sichtbar.” Schnell geguckt, ausgeloggt bin ich doch nicht, dann könnte ich doch hier nicht schreiben, und vorher hatte ich doch schon eine Überschrift gelesen und mir schon einen Antwort dazu ausgedacht. Du heiliger Klabautermann, was ist hier nur los? Man kann gar nicht so schnell lesen und schreiben, wie man reagieren will. ‘Ne alte Frau ist doch kein D-Zug.
                Dann trinke ich jetzt erstmal den five o’clock tea (Miss MaraMarple lässt grüßen) und dann sehen wir weiter.
                :-)

                • Welchen Eintrag meinst du, Marana? Der Freundeintrag ist wieder da. Ich wollte ihn rüberschieben ins andere Blog, aber das geht nicht.

                  • Ja, es ging um das “Abschlußfeuerwerk”, aber ich habe dort eben geguckt, dort ist man so ernsthaftiglich, deshalb kopiere ich den schon geschriebenen und abgespeicherten Kommentar lieber hier hinein:

                    O, ooo, dann hatte “mein Ingo”, der wo der Oldie ist, ja intuitiv zu recht genölt. Er begleitet meine Blogaktivitäten gern mit unverholenem Spott, und als ich ihm erzählte von: “… diese verstohlenen Schritte waren draußen auf der Treppe, verstummten vor meiner Wohnungstür, ein Schaben wie von einer Hand auf dem Holz, ein Kichern, und dann stieg jemand die Treppe hinauf.”
                    “Das ist der Gerichtsvollzieher.”
                    “??”
                    “75 % Alles muss raus!”
                    Er hielt einen Flyer von einem Teppichhaus in der Hand.

                    Wobei ich anmerken möchte, ich habe schon viele Teppichhäuser nach dem Räumungsverkauf jümmers und jümmers weitermachen sehe.
                    Gruß vom olen Moorwif.

                    Danksagungen kommen später. Wird erstmal wirklich weitergespielt? Wenn ja, dann komme ich heute abend wieder ins Teppichhaus.
                    :-)

                    • Tatsächlich ist es so, das hat dein “mein Ingo” richtig erkannt. Das Teppichhaus begann mit einem Ausverkauf der schlechten Gefühle. Ich hatte nämlich einen solchen Prospekt gefunden, in dem ein Teppichhändler die rührende Geschichte seiner schlimmen Herzerkrankung erzählte, weshalb er nun schweren Herzens (hehe) die Teppiche weit unter Wert verkaufen müsste. Da habe ich gedacht, gut das Teppichhaus übernehme ich, hab mich einen Dreck um den Herzkranken gekümmert, die schlechten Gefühle verramscht, und siehe da, alles war in kurzer Zeit leer. Weiße Farbe her, die Wände geweißt, so entstand das Teppichhaus Trithemius. Und eine Filialleiterin fand sich auch sofort. Sie war ursprünglich eine mahnende Stimme gewesen, die sich in meine traurigen Gedichte eingeschlichen hatte. Da holte ich sie natürlich raus, damit sie mich besser ermahnen konnte.
                      Ihr bringt mich auf die Idee, dass ich am 10. November auch wieder einen Ramschverkauf machen könnte. 75 % Preisnachlass auf nichts, das müsste der Laden doch brummen.

            • Das kann nicht leider nicht. Und Madame Spracherkennung ist in dieser Hinsicht keinen Deut besser.

              • Na dann nehme ich eben den Google Übersetzer:

                > … Ein Design so fatal,
                Wenn es der Atreus würdig ist, der Thyestes würdig. “

                Sie stehen in Crebillon> Atreus “.”

                Hmm, aber den Sinn der Aussage konnte man sich sowieso schon denken.

                PS: Ich staune aber, wie wendig Madame Spracherkennung mittlerweile geworden, Kompliment an die Dame.
                :-)

        • Ich hatte eine seltsame Begegnung im Nürnberger Bahnhof. Wie ich da am Bahnsteig stand und wartete, bemerkte ich einen jungen Mann mit einer schwarzen Lederjacke, der in enger werdenden Kreisen um mich herumlief. Ich beobachtete ihn kurz aus dem Augenwinkel, schaute dann aber wieder gedankenverloren auf die des Zuges harrenden Schienen und hörte Musik aus meinen Ohrstöpseln.
          Ich erschrak fast zu Tode, als ich mich nach einigen Minuten zur Seite wandte: Er stand direkt vor mir. Eine Armeslänge entfernt. Er schaute mir unverwandt ins Gesicht, hatte wohl abgewartet, bis ich ihn anblicke.
          Kaum weilte mein verblüffter und fragender Blick auf seinem Gesicht, bedeutete er mir mit einer Geste, meine Ohrstöpsel herauszunehmen.
          Vor lauter Verdattertheit tat ich das auch.
          Er lächelte ein geradezu hinreißendes Lächeln, seine braunen Augen funkelten mich an, mir wurde schwach in den Knien und irgendwie kribbelig im Magen.

          Und dann öffnete er den Mund und sagte, noch immer warm und betörend lächelnd:

          Anz panotz! Umä, umä!
          Glig darang fes grichten schläh.

          Nu passönlen draber rild,
          Dras vaslochten, schäder filt.

          Velz neplicht, velz dröger nir?
          Velz badricht, velz schang den Lir.

          Anz panotz! Umä, umä!
          Sung verdröcht.
          Galerrn feppäh.

          Noch bevor ich irgendwie darauf reagieren konnte, strich er mir zart mit einem Finger über die Wange – und drehte sich um. Verschwand im Treppenaufgang und ward nicht mehr gesehen.

          War er das? Der Flirter von Nürnberg?

    • Vielen Dank für die Bedienungsanleitung, lieber Videbitis! Auch deinen Rat sollte ich mal in Erwägung ziehen, natürlich nur aus ethnologischen Gründen, quasi eine Art Feldforschung machen, um zu sehen, ob die Anleitung auch für Hannöversche Frauen gilt. Dann könnte ich ganz unverfänglich darüber berichten, völlig objektiv, wie es sich für Wissenschaft gehört. Interessant ist auch die Frage, ob die Befunde des Henning Engeln [sic!] (sollte er nicht eigentlich Engel oder Satan heißen?) auch in der Welt des Traums ihre Gültigkeit haben. Freilich habe ich die Technik noch nicht drauf, steuernd in ein Traumgeschehen einzugreifen.

    • Der Leipnitztempel scheint der attraktive Teffpunkt für und mit attraktiven Frauen zu sein, meinst du wirklich, dass der Herr Trithemius noch der Nachhilfe bedarf?
      ;)

      • Schwerenöter? 2. Frühling? Alles falsch: Trithemius ist ein Meister der sokratischen Hebammenkunst: Tut ganz ratlos, hat aber so viele Leerstellen in seinem Text, daß man als Leser, dem Gebot der Aufmerksamkeit folgend, schnell nach Rat in den Weiten der Netze sucht, um ihn weiterzugeben, lernt dabei aber selbst so viel, daß Trithemius sich ins Fäustchen lacht, denn er wußte schon längst Bescheid, und nun weiß es auch der Leser und hat noch Spaß dabei. Ganz schön tricky. Ich würde mich inzwischen nicht wundern, wenn die ganze PentAgrion-Geschichte eine bloße Erfindung ist!!

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