Die Papiere des PentAgrion (9) – Aus der Welt gerutscht

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Tranchot_Otzenrath„Von den Bären Kanadas wird berichtet, dass sie immer dieselben Pfade benutzen, wobei sie sorgsam darauf achten, stets in die Fußstapfen ihrer Ahnen zu treten“, sagte Coster. „Auf diese Weise sind die kanadischen Wälder von einem Netz von Pfaden durchzogen, in dessen Struktur sich die Erfahrungen der Alten ausdrücken. Dieses Wegenetz hat sich über die Generationen hinweg selbst organisiert. Es kein kosmischer Weltvermesser gekommen und hat den Bären die Spuren gelegt. Versuch und Irrtum und neuerlicher Versuch. Das reicht, aber es fordert viele Opfer.“

Coster nippte an seinem Espresso und fuhr fort: „Niemand muss den Bären zeigen, wo die Passagen durch ihre Welt zu finden sind. Es reicht ihnen zu spüren, wo andere schon vor ihnen gelaufen und gut vorangekommen sind. Natürlich kann sich diese Form der Weltaneignung fatal auswirken, wenn sich die Bedingungen verändern. Wenn plötzlich eine von Menschen gebaute Straße die Pfade quert oder ein tückischer Morast sich auftut, wo immer schon der Permafrostboden einen festen Tritt erlaubt hatte. In solchen Bereichen ist die verlässliche Struktur der Pfade zerstört, und da niemals ein Bär sich über seine Welt erhoben hat, wird er eine neue Passage nicht finden, sondern im zerstörten Wegenetz umherirren. Viele Bären tapsen ins Verderben, bis neue Spuren gelegt sind von jenen Bären, die zufällig einen anderen Weg gefunden haben. Doch eine Struktur, die über Jahrhunderte gewachsen ist, kann sich nicht in wenigen Jahren selbst reparieren. Daher bringt ein zerstörtes Wegenetz die ganze Art in Gefahr.“

Ich hörte kaum hin. Was gehen mich die Wege der Bären an. Von Aachen bis Hannover ist mir nie ein Bär begegnet. Und nun war ich verwirrt. Eine Weile schon hatte ich nicht über meinen Tellerrand geblickt, hatte nicht mehr auf die Aussicht geachtet, die ich von meinem Platz auf die Welt hatte, ja, ich hatte glatt vergessen, dass wir in einem Drehrestaurant saßen. Unsere Teller, Tassen und der Tisch, auf dem sie standen, Coster zu meiner Rechten und der freie Stuhl zwischen uns, das alles hatte mir die trügerische Gewissheit gegeben, auf festem Grund zu sein. Wie ich aber den Blick hob, weil Coster über den Obelisken des Tranchot zu reden begann, und ich folgsam nach draußen auf den Lousberg sah, an dessen Ende sich der Obelisk erhebt, da wunderte ich mich. Die trotzige Säule stand im Licht. War die Sonne nicht eben schon verschwunden? War sie erneut aufgetaucht oder gab es eine zweite Sonne? Für einen Moment flogen mich heimatliche Gefühle an.

„Zwei Sonnen ziehen über die Himmelsbahn des Planeten Usjh. Eine folgt der anderen nach. Daher verfügte ein jedes Lebewesen auf Usjh über einen transparenten Zwillingsschatten.“

„Wie meinen?“, fragte Coster. „Hast du das in den Papieren des PentAgrion gelesen?“

„Vermutlich“, sagte ich und blickte wieder hinaus. Die Sinnestäuschung war verflogen. Nicht die Sonne hatte sich verzogen, sondern das Restaurant hatte sich weiter gedreht. Nur die Kellnerinnen und Kellner schienen über diesen Dingen zu stehen, sprangen vielmehr hurtig über den Spalt im Boden und trugen die Tabletts von einer Welt in die andere.

„In der Welt mit zwei Sonnen ist das Leben ganz anders als hier“, sagte ich. „Stehen beide Sonnen klar und hell am Himmel, leuchten sie jeden Winkel aus. Ist eine Sonne hinter Wolken, mildert die zweite den Schatten. Sind aber beide verdeckt, ist der Schatten tiefer als auf der Erde, und folgt darauf sogar die Nacht …

„Ich wüsste gern, wie sich das Leben auf einem solchen Planeten organisiert“, unterbrach mich Coster. „Man müsste es in einem Modell simulieren. Alles andere wäre Spekulation. Ohne Modell lässt sich über die Organisation des Lebens nichts Verlässliches sagen. Nicht einmal das uns vertraute irdische Leben verstehen wir ohne eine bildhafte Idee von der Welt. Die sich selbst organisierenden Netzwerke des Lebens haben den Charakter des Selbstverständlichen. Daher werden diese Strukturen nicht als solche wahrgenommen. Erst ein Weltbild erschließt sie. Aber dieses Bild darf den Gegebenheiten nicht 1:1 entsprechen. Eine Landkarte 1:1 nutzt dir gar nichts. Man muss vereinfachen, Informationen ausdünnen, damit die Karte eine Orientierung ermöglicht.“

„Die Sprache ist eine solche Karte“, sagte ich. „Ohne sprachliche Begriffe ist ein Lebewesen völlig in der Welt, gleich den Bären. Wenn aber Erinnerung und Erfahrungen in Wörter gefasst werden, sind diese Wörter wie Landkarten, mit denen man sich über die Welt erheben kann. Weißt du, Coster, oft fühle ich mich unglücklich, als wäre ich aus der Welt gerutscht. Vermutlich habe ich dann zu sehr in sprachlichen Begriffen gelebt und mich nicht geerdet in der Natur. Und ich sage dir jetzt etwas, mein Freund, auch an dir kann ich mich erden. Wenn ich sehe, wie genussvoll du deinen Espresso schlürfst, dann ist mir das mehr als alle sprachlichen Philosophien dieser Welt.“

„Umarme manchmal einen Baum. Vergiss auch nicht, das Leben zu genießen, denn ich kann dir schließlich nicht immer zur Seite stehen. Ich muss weg. Paul, mein Student, wartet schon. Aber wir werden nicht über Pataphysik reden, sondern im Goldenen Einhorn gemütlich einen heben. Wirst du mit in die Stadt gehen?“

„Nein, ich habe noch etwas Zeit, bis mein Zug fährt. Ich will vom Obelisken aus über Aachen schauen und den Eindruck mit nach Hannover nehmen.“

Wir trennten uns an der Blausteintreppe hinab zum Kerstensche Pavillon. Ich sah Coster hinterher, bis seine schlanke Gestalt hinter einer Windung der Treppe verschwand. Dann schlenderte ich hinüber zum Aussichtspunkt. Die Brüstung war dicht besetzt. Familien, Paare, ganze Ausfluggruppen drängten sich am Gitter und genossen den Blick auf die Stadt. Bald würde die Sonne hinter einer Wolkenbank verschwinden und ihre Wärme mitnehmen. Ich wartete beim Obelisken auf einen freien Platz und sah mir die Ich-war-hier-Marken am Sockel an.

Von Napoleon beauftragt, hatte der Geograph Jean Joseph Tranchot diese Triangulations-Säule im Sommer 1807 errichten lassen. Von diesem und anderen Obelisken aus hatte er die Umgebung vermessen und das erste verlässliche Kartenwerk der Rheinlande erstellt. Sieben Jahre später, am 2. April 1814 stürzte der Obelisk. Er wurde nicht umgerissen, wie man es mit den Denkmälern überwundener Tyrannen tut, sondern fiel ohne erkennbare äußere Einwirkung in sich zusammen. Zur gleichen Zeit befahl in Paris der Senat die Absetzung Napoleons. Ein unerklärliches Zusammentreffen der Ereignisse.

1815 fiel das Rheinland an Preußen, der Obelisk wurde wieder aufgebaut. Tranchots Kartenwerk jedoch war nach Paris verbracht worden und nicht mehr zugänglich. Der auf Geheimhaltung bedachte Preußenkönig Friedrich II hatte kein Interesse an einer neuen Kartographie. So wurde das öffentliche Kartennetz des Tranchot für eine ganze Weile zum schwarzen Netz, einem Netz nur für Eingeweihte.

Ich umrundete den Obelisken. Da kam ein Mann um die Ecke. Er trug ein Kind auf dem linken Arm. Die Rechte streckte er aus. Ich weiß nicht, ob er dem Kind etwas zeigen wollte oder ob er auf mein Gesicht zielte. Jedenfalls hinterließ er einen bleibenden Eindruck bei mir, eine frische Narbe am Kinn.

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37 Kommentare zu Die Papiere des PentAgrion (9) – Aus der Welt gerutscht

  1. Es liegt so in der Natur von Folgen, dass sie alle mit jeder vorangegangenen und jede mit allen nachfolgenden Folgen irgendwie… ah… wie sagtest Du? … verknüpft sind. Dabei fällt mir ein: Gehen denn bei blog.de keine Target-Links? Habe das mal versucht und nicht hinbekommen. Ich sollte die Frage mal im Hilfe-Blog stellen.

    Das mit den Bären ist tragisch. Ich hätte allerdings gedacht, dass den Bären in so einem Fall der Große Bär den richtigen Weg weist.

    • Welche Orientierungshilfe würden Target-Links bieten?

      Wie die Bären sich vom Großen Bären den Weg weisen lassen, dieses stimmungsvolle Märchen wäre erst noch zu schreiben.

      • Mit einem Target-Link verlinkt man nicht nur auf eine Webseite, sondern auf eine bestimmte Stelle auf dieser Seite. Dazu „markiert“ man ein Wort als Ziel und fügt dem Link dieses Ziel an. Sehr hilfreich, wenn man auf einer Seite mit viel Text auf eine bestimmte Stelle verweist.

        Ein Bärenmärchen würde ich wirklich gerne mal schreiben. Ich mag Bären, fühle da eine gewisse Gemeinsamkeit. Bären sind ja Einzelgänger. Die Weibchen ziehen ihre Jungen allein auf und jagen sie in die Welt hinaus, wenn es Zeit ist, sich wieder zu paaren. Junge Bären sind sehr anhänglich und müssen von der Mutter vertrieben werden, denn um mehr als einen Wurf kann sie sich nicht kümmern. So ungefähr habe ich das auch gemacht. [lacht]
        Der Große Bär war das erste Sternbild, das mein Großvater mir am Himmel zeigte. Ich hatte das Gefühl, er stünde immer genau über unserem Balkon und hätte deshalb eine besondere Bedeutung für mich.

        • Danke für die Eräuterung des Target-Links. Ja, das wäre freilich sehr hilfreich. Bin gespannt, was man dir im Hilfeblog sagt.

          Was das Bärenmärchen betrifft: „Es gibt nichts Gutes / außer: Man tut es.“ (Erich Kästner)

          • Habe inzwischen im Hilfe-Blog zwei Antworten bekommen, die ich aber noch ausprobieren muss. Wenn Du selbst schauen möchtest…

            http://hilfe.blog.de/2009/10/26/target-links-7244774/

            • Zunächst wusste ich nicht so recht, was ich von deiner Frage halten sollte, aber jetzt, da ich von einer Verlinkung zur anderen springe, wäre eine Wortkennzeichnung sehr hilfreich, dann muss man nicht jedesmal den ganzen Eintrag durchforsten.
              Übrigens, ich verstehe nicht die Bohne von der HTML- sprache (wieder eine Sprache im pentAgrionschen Sinne), aber dieses „target nicht erlaubt“ lese ich oft genug, wenn ich Bilder oder Verknüpfungen in einen Kommentar setzte. Nach der Devise „Probieren geht über Studieren“ finde ich bisher dann einen anderen Weg, aber frag mich nicht welchen, um ans Ziel zu kommen.
              Nichts für ungut,
              Gruß marana.

              • Es hakt sehr oft im System, so dass ich mich an Target-Links gar nicht heranwage, schon wegen der Fehlermeldung, von der Marana spricht. Wenn ich beispielsweise html-Codes verwende, um nur verschiedene Schriftgrößen zu definieren, sieht alles in der Voransicht richtig aus. Beim Versuch zu veröffentlichen kommen dann diese Fehlermeldungen. Und zurück gehts auch nicht mehr, denn nach einer Korrektur steht „In Bearbeitung“ da, veröffentlichen geht nicht mehr. Das wurde auch schon im Hilfe/Fehlerblog angemahnt, ist nach wie vor nicht behoben.

              • Wenn man sich mit einem Computer mal „auf Basic“ verständigen musste, dann ist HTML so wie Holländisch für einen Deutschen. Man versteht schon mal fast die Hälfte. Ich habe mit Computer-Arbeit angefangen, bevor Windows auf den Mark kam, und meine ersten Webseiten gebaut, als noch der Wahlspruch galt: Wer a little Bit nicht ehrt, ist a lot of Bites nicht wert, und das Einbinden von Bildern von fremden Webseiten per Link ein Frevel war, weil es den Traffic auf der fremden Webseite erhöhte, ohne dass deren Autor etwas davon hatte, außer dass der Betreiber der Plattform ihm eventuell wegen Überschreitung seines Kontingents die Seite sperrte. Ich schreibe wirklich lieber in HTML statt den Wizzard zu benutzen, aber einiges scheitert schlicht an dem mir verborgen bleibenden CSS des Blog-Layouts. Angeblich kann man es ändern, nachdem man gefragt worden ist, ob man sich damit auskennt, aber wenn ich kühn behaupte, dass dem so ist, wird mir trotzdem das CSS nicht angezeigt. Und im Moment sind die Grundeinstellungen meiner gerade installierten neuesten Browser-Version so sicher, dass er blog.de nicht mal erlauubt, den Code zum Einbinden meiner eigenen Bilder zu generieren. Und ich habe gerade überhaupt keinen Bock mich mit dem Problem zu beschäftigen. 🙁

                Ebenfalls nichts für ungut
                Gruß cuenta…….

                • Dann bist du ja ein alter Hase, ich habe mich nur unter Zwang mit dem Computer schon als altes Weib intensiv für meine Verhältnisse beschäftigen müssen, weil wir sehr günstig ein Softwareprogramm für unseren Betrieb anschaffen konnten, das im Aufbau war und wir sagen sollten, was wir brauchen, aber schon unter Windows, Datenbank Acces, die „DOSE“ habe ich nur marginal erfahren. Und dann habe ich geackert, wie eine Blöde, nur, damit ich mit dem Programmierer sprechen konnte. Selbst 10-Finger-blind-schreiben musste ich erst lernen, ich konnte bis dato gar nicht mit der Schreibmaschine schreiben, dafür gab es doch Sekretärinnen. Du kennst doch noch den alten Witz, „Und was steht denn auf Ihrem Computer?“ „Eine Blumenvase,“ und du kennst auch sicher den Spruch, der Chef muss es immer noch ein wenig besser wissen als die Angestellten. Seitdem ich das nicht mehr brauche, vergesse ich so langsam alles, aber eine gewisse Sicherheit über das, was ich kann und auch nur will, ist geblieben. Deshalb habe ich mir seinerzeit auch blog.de als Plattform ausgesucht, als ich davon in der Zeitung las, weil ich selbiges als sehr anwenderfreundlich empfand.
                  Gut, das gehört hier nicht in die Story, aber ich finde es lustig, sich auch darüber mal auszutauschen.
                  Gruß marana. 😉

                  • Verehrte Damen,

                    dann will ich auch mal was Biographisches beisteuern. Ich habe mit Atari-Basic begonnen und Spiele programmiert, sogar Preise gewonnen damit, später Schüler in GW-Basic unterrichtet, DOS gelernt, und dann kam Windows und hat das scheinbar alles unnötig gemacht. Heute stehe ich auf dem Standpunkt, dass Software, die einen immensen Speicherplatz benötigt, auch gefälligst zu funktionieren hat. Das gilt auch und besonders für die Blogsoftware. Wir bekommen hier ständig neue Tools, aber die einfachsten Sachen funktionieren manchmal nur, wenn man betet. Ich bin aber ein abgefallener Katholik und bete nicht mehr. Ich will hier publizieren und nicht an der Blogsoftware verzweifeln. Hab auch keine Lust, mich ständig mit meinem Werkzeug zu beschäftigen. Klar, alles ist komplexer als eine Bohrmaschine. Aber ich habe denen von Blog.de schon mehrmals gesagt, dass ich keine neuen Finessen will, sondern nur zuverlässig veröffentlichen und nutzen, was angeblich geht. Die Suche etwa, sie funktioniert wie sie will, und ich bin noch nicht dahinter gestiegen, wieso es so schwer sein kann, sie ordentlich zu programmieren, dass sie z.B. Tippfehler ignoriert und alternativ sucht, wenn eine erste Suche nicht erfolgreich war, weil man eine falsche Option benutzt hat. (Ganzer Satz, alle Wörter, beliebige Worte.) Man kriegt nicht mal hin, richtig „beliebige Wörter“ zu schreiben, obwohl ich dem Team schon gesagt habe, dass der Plural von „Wort“ im lexikalischen Sinn „Wörter“ heißt. Nach dem Roman werde ich hier erst mal aufhören, denn das ist nicht das einzige, was mich an Blog.de nervt.

                    Beste Grüße
                    und schon wieder nichts für ungut
                    Jules

                    • :)) Der Düwel sitz im Detail, erinnert mich daran, dass ich irgendwann mal in meinem Blog den Regierungstrojaner gebeten habe, doch, wenn er denn nun schon mal da ist, bitte meine Rechtschreibfehler zu korrigieren, damit es nicht so auffällt, dass ich Legasthenikerin bin, nur der Duden hilft mir, das zu verschleiern. Delhalb chatte ich auch nicht, und höre jetzt damit auf, aber vielleicht werde ich dadurch wieder wach, denn mir fallen fast die Augen zu.
                      :))

                    • Wäre es so, dann bist du das perfekte Beispiel, dass die Kenntnis der Orthographie nichts mit Intelligenz zu tun hat, wie überhaupt die schwächeren Köpfe sich am besten an Regeln halten können.

                      Meine Verehrung und vielen Dank für die aufmerksame Begleitung des Romanprojekts. Ohne dich wäre es nur halb so schön für mich.

                    • Na, dann darf ich es dir hier dann doch sagen, ich habe heute mittag schon deine Einwände gelesen und habe bei der Gartenarbeit auch schon die Anworten entwickelt und formuliert „im Kopp“, aber du verlangst deinen „followers“ einiges ab, nicht nur suchen und finden, nein, dann auch noch lesen und verstehen, und dann das „elende“ Knüpfen des Teppichs (siehe eben besprochene Technik, aber ich habe mir durch „das Spielen“ hier einige noch nicht geübte Mechanismen angewöhnt, es wird immer besser), aber heute bin ich einfach zu müde. „Morgen geht’s weiter.“ (Das werde ich jetzt nicht verlinken.) Ich freu mich drauf.
                      Na denn, bis denn. Wie heißt es so schön bei uns, erstmal ein Stündchen schlafen, und dann ins Bett, vielleicht bin ich dann wieder inkonsequent.
                      :wave:

                    • Guten Morgen marana,
                      guten Morgen Trithemius,

                      und der Wunsch erfolgt schon wieder in Eile, weil die berufliche Pflicht ruft. Jetzt wollte ich… ja, was wollte ich eigentlich. Mir fällt soviel dazu ein, was Ihr beide geschrieben habt. Ach, ja, deshalb wollte ich mich bei Dir, Trithemius erst mal dafür entschuldigen, dass wir hier Deinen Roman unsachlich missbrauchen. Dann lese, ich dass Du nach dem Roman hier aufhören willst, und dazu fällt mir noch mehr ein. Ich „spiegele“ meine Blog-Einträge nämlich schon seit einiger Zeit anderswo, oder ich versuche es zumindest, weil ich nie so richtig hinterher komme. Das hat nicht mit dem Trachten nach mehr Popularität zu tun, sondern mit dem Gefühl, dass mein Geduldsfaden irgendwann mal reißt.

                      Aber um auf maranas Antwort an mich zurückzukommen: So ein Rückblick auf meine Hassliebesgeschichte mit dem Computer und dem Internet wäre vielleicht mal eine Thema für ein, zwei, drei… Einträge.

                      Und nun muss ich…. ))))))))))))))))))))))))))))))

                    • :)) Ein wenig Pflichten habe ich auch noch, deshalb habe ich an anderer Stelle auch schon vorm Frühstück geschrieben.
                      :))

                    • PS: Ich traue immer noch am meisten dem Papier, deshalb drucke ich meine Blogeinträge ab und an aus in Form einer Broschüre sogar auch mit den Kommentaren, weil ich diese für die Würze des Bloggens halte. Du kannst es immer beim Blogende oder Zwischenstopp auf meinem Blog beobachten.
                      🙂

  2. Die Akte PentAgrion: Spuren ins BlogLand
    Blicken wir aber zum Anfang unserer Überlegungen zurück, stoßen wir auf eine auffällige Ähnlichkeit, denn die „Heimstatt“ des Audi TT, Györ, heißt auf deutsch: Raab.

    „Raab“ ist nichts anderes, als eine alte Schreibweise von – Rabe. (vgl. hier)

    Au…

  3. Die Akte PentAgrion: Spuren ins BlogLand
    Blicken wir aber zum Anfang unserer Überlegungen zurück, stoßen wir auf eine auffällige Ähnlichkeit, denn die „Heimstatt“ des Audi TT, Györ, heißt auf deutsch: Raab.

    „Raab“ ist nichts anderes, als eine alte Schreibweise von – Rabe. (vgl. hier)

    Au…

  4. Ein Delta, ein abschmelzender Gletscher und ein Geleemodell entstehen durch riffelndes, furchendes, auswaschendes und fließendes Wasser (Coster läßt den Regen chaotisch tropfen und dann abfließen) auf einem wie auch immer vorgegebenem Untergrund, und zeigen das Bild eines wie auch immer geartet Netzes.

    Wie im Flussdelta verliert sich der Leser der PentAgrionpapiere, im antarktischen Gletscher verliert sich die Spur eines Radiomoderators, und gegenüber dem Geleemodell eines englischen Kreativitätsforschers verliert sich das Regen-Zugfenster-Gleichnis in Ungenauigkeit.

    Die von Wasser ausgewaschenen netzartigen Kerben und Strukturen von Erdkruste, Eis und Gelee lege ich übereinander, verknüpfe drei Namen und mache eins aus drei, … eine Kollage des Deltas der Weltordnung.

    Kiek de hew it.
    Ist das nun Traumwelt oder Wachwelt?

    Und übrigens stellte ich nicht irgendwo in den Raum, dass der Lousberg vor langer, langer Urzeit am Rand eines Deltas lag?

    Und zu allerletzt ein Spielchen zu „Ich-war-hier-Marken“, ich nenne es mal (Ver)knüpfspiel. Dieser Killroy reizte dich u.a. zu einem Blogeintrag Nov. 2007, und als ich mich Dez. 2008 wegen des Hundes am Ausguck an dieses Grafittimännchen erinnerte, fand ich deine Teestunde im Teppichhaus, verkniff mir jedoch einen Verknüpfungskommentar, weil’s für dich sicher schon ein „alter Hut“ war und zum anderen dort schon so ausgiebig kommentiert war.
    Was lernen wir daraus? Es gibt keine alten Hüte.
    🙂

    PS: Jetzt wird mir so langsam klar, warum der Herr Stijn Van de Voorde so dringend gesucht wird.
    :))

    • Noch eine kleine erläuternde Korrektur an meiner Delta-Weltordnungs-Kollage.

      Leser -> Ich-Autor -> Trithemius
      Kreativitätsforscher -> Kreativitätsmanager -> Coster
      Radiomoderator -> Wissenschaftsreporter -> Stijn Van de Voorde

      Drei Schauplätze, drei Protagonisten.

      Und der Ethnologe umkreist die Erde in einem Sateliten und schaut zu.
      Man sieht den Satelitenstreifen auf der Bilddarstellung vom Obelisken und man sieht die Lichtreflexe in einer Bilddarstellung des blauen Hauses.
      🙂

      ;D Jetzt reicht’s.
      Das wird ja sonst ein Flickerteppich.

      • Wie gut, dass du so schön sortierst und lose Enden verknüpfst, liebe Marana. Das hilft nicht nur dem Leser, sondern auch mir immer wieder. Inzwischen wächst sich deine Arbeit zu einem echten pataphysischen Forschungsprojekt aus, das quasi in Echtzeit die Entwicklung des Romans begleitet. Auch ein solches Forschungsprojekt hat es in der Geschichte der Literatur noch nie gegeben. Du betrittst also absolutes Neuland, was natürlich für alle Beteiligten gilt.

        • Eigentlich, ja eigentlich wollte ich mich ja mit dem Dummtüch etwas zurückhalten, aber … diese Geschichte bei poci begeistert mich doch zu sehr. Könnte nicht der vermisste Herr Stijn Van de Voorde von den Eisbären direkt zu den Berner Bären umgezogen sein und dort in den Bärenhöhlen herumkrauchen? Handelt es sich bei dem sogenannten Pornofilm am Valentinstag (ich kenne die Tragzeit der Bären nicht) möglicherweise um die Bärenbrunft, die er beobachten konnte? Auf alle Fälle sollten wir in den nächsten Tagen mal etwas intensiver die Bilder der aufgestellten Videokameras beobachten.
          Glück auf!
          :))

        • Das mit dem Neuland kann man wohl sagen, aber ich hätte schon etwas eher die Bären-Gebrauchsanweisung erkenen sollen. Man(ich)fummelt mich erst so nach und nach hinein in die Exploration.
          :yes:

          • Du hast mir grad mit dieser Verknüpfung einen Brief geschickt, den ich jetzt lesen konnte, als wäre er nicht von mir, denn ich hatte den Text vergessen. Er taucht auch nicht in den Manuskriptsammlungen auf, die ich angelegt habe. Beinah könnte man ihn als Abschlussbotschaft lesen. Ich danke dir. Jetzt brauche ich das nicht noch einmal zu sagen.

  5. Wer in die Fußstapfen seiner Vorgänger tritt, hinterlässt keine eigenen Spuren, sagt ein chinesisches Sprichwort. Ausser er ist freilich ein Problembär Stoiberschen Ausmaßes und droht direkt am Münchener Hauptbahnhof in den Flieger nach Kanada einzuchecken. Kanada? Yes, he känn a da hinwolle.
    Ja, die Besetzung der Rheinlandes hat jene Gegend schon stark geprägt. Zu jener Zeit wanderte auch der Kopf des „Appolinaris“ von Remagen nach Düsseldorf und nach Ende der Besetzung wieder zurück, wo ihn von Dassel damals aus seinem Schiff abgeladen hatte.

    • Das unterscheidet uns von den Bären, wir müssen sogar ab und zu aus den tradierten Spuren raus, damit das Denken nicht immer durch alte Karrenspur holpert und der Wirklichkeitg nicht mehr gerecht wird.

      Wieso hört man eigentlich nichts mehr vom Problembären Stoiber? Hat er etwa still und heimlich schon die komplette Bürokratie der EU gerissen?

      Chaos-im-Gepaeck

  6. Lieber Jules,

    Du weißt, ich verfolge Euer Projekt mit Spannung, auch wenn ich es mir versagt habe, daran teilzunehmen, weil ich vielleicht am einen Tag ein Stündchen Zeit habe, aber an den beiden nächsten schon wieder mehrere Stündchen zuwenig. Das würde mich einfach zu sehr wurmen…

    Doch nun möchte ich doch gern was sagen (ich wusste nicht, unter welchem Eintrag es am besten passt, also habe ich einfach mal diesen gewählt):

    Wenn die Wahrnehmung also individuell ist und darum nicht geteilt werden kann, und Sprache ungefähr, dann ist Kommunikation doch eigentlich Glückssache. Oder?

    Sind zwei oder mehrere Menschen zusammen, kommt auch noch die Körpersprache und der Tonfall dazu. Und die Situation an sich spielt ebenfalls eine Rolle. Ist die Sprache selbst das Gerüst? Die gesprochene Buchstabenkombination? Oder ist es eventuell doch eher die Körpersprache? Wo liegt die Priorität? Ist sie willkürlich auf das Wort festgelegt worden? Das Wort ist doch, wenn man’s genau nimmt, eine Abstraktion. Ginge das auch mit Körpersprache?

    Durch das Schreiben, besonders im Internet, fehlen ja alle Komponenten außer den Buchstaben. Darum drückt eine email auch oft lediglich die Stimmung desjenigen aus, der sie liest (wenn man nicht z.B. Emoticons verwendet). Es ist mir selbst schon so gegangen, dass ich eine mail las und in keiner guten Stimmung war. Dann war die mail auch unfreundlich und spiegelte nur, wie es mir ging. Las ich sie später, in besserer Laune, noch mal, war die Unfreundlichkeit darin womöglich verflogen.

    Ein früherer Freund von mir sagte gern: „Man kann sich nicht verstehen. Man kann nur versuchen, sich nicht misszuverstehen.“

    Und weil ich das schlüssig finde, versuche ich mich immer, wenn es mir wichtig ist, so präzise wie möglich auszudrücken, um die Missverständnisse gering zu halten. Besonders im Schreiben.

    Und sagt Pentagrion denn eigentlich etwas zu den Archetypen? Die gibt es doch in fast allen Kulturen, sprachraumübergreifend. Sind sie nicht also auch so etwas wie Bärenspuren? Oder wie eine Spange, die die Erzählkulturen zusammenhält?

    Das fiel mir eben alles so in den Sinn und jetzt in diesen Kommentarkasten…

    Und nun muss ich schon wieder eilen.

    Liebe Grüße und weiterhin gutes Gelingen, Theo

    • Liebe Theo,

      dass du zu wenig Zeit hast, dich am Projekt zu beteiligen, finde ich sehr schade. Um so mehr freut mich dein Kommentar. Ich halte das Gelingen von Kommunikation tatsächlich für Glücksache. Es gibt viele unwägbare Einflussgrößen. Sobald ein Medium der Fernkommunikation im Spiel ist, besteht auch immer die Gefahr des Rauschens auf dem Übermittlungskanal.

      Beispiel: Du schreibst eine Einladungskarte, lädtst darin jemanden ein, die Karte geht aber auf dem Postweg verloren. Du denkst, warum antwortet dieser Mensch nicht, er könnte sich wenigstens die Mühe machen abzusagen. Der von dir Angeschriebene wiederum ärgert sich, dass er keine Einladung bekommen hat, schmollt und meldet sich nicht. Daraus kann sogar der Abbruch der Kommunikation resultieren. Erst letztens las ich von einer Frau, die ins Kloster gegangen war, weil ihr Jugendfreund sich nicht mehr gemeldet hatte. Seine Postkarte wurde erst nach Jahrzehnten in einem Postamt wiedergefunden, war wohl zwischen Dielenbretter gerutscht oder so. Man stellte die Karte also nachträglich zu. Da sagte die Nonne, jetzt sei es auch gut so. Es habe wohl nicht sollen sein.

      Die von dir angesprochene Problematik bei E-Mails ist mir schon oft aufgefallen. Man muss dabei berücksichtigen, dass viele Äußerungen auch mehrdeutig sind und daher auf verschiedene Weise verstanden werden können, je nach Disposition, wie du sagst.
      Menschliche Kommunikation ist am Zuverlässigsten, wenn sie auf mehreren Kanälen gleichzeitig abläuft, wenn Sprache von Mimik und Gestik begleitet wird. Hinzu kommen noch die völlig außerbewussten biochemischen Signale.

      Und trotzdem gibt es auch hier Kommunikationsstörungen, wie jeder schon erlebt hat und was die Aussage deines Freundes zusammenfasst. Watzlawick unterscheidet hier zwischen Inhalts- und Beziehungsaspekt der Kommunikation. Ein Streit etwa wird auf der Inhaltsebene ausgetragen, obwohl eigentlich die emotionale Basis gestört ist, etwa die Chemie. Oder umgekehrt, man unterhält sich angeregt über ein Thema, obwohl man eigentlich nur am Miteinandersein interessiert ist.
      Bei einem Streit sieht Watzlawick die Probleme auch bei einer unterschiedlichen Interpunktion der Ereignisfolgen, also einer je unterschiedlichen Wahrnehmung darüber, wann der Hader wie begonnen hat. „Du hast angefangen!“ „Nein, du!“

      Archetypen wie Bärenspuren, das gefällt mir. In tiefenpsychologischer Hinsicht bin ich da skeptisch. Das Ideengebäude von C.G.Jung etwa ist mit großer Vorsicht zu genießen. Er war eine schizoide Persönlichkeit, was sich jetzt erst richtig erhellt, nachdem sein geheimes Rotes Buch veröffentlicht wurde.

      Natürlich kann man sagen, dass es in allen Kulturen gewisse Universalien gibt. So spürt vermutlich jeder geistig gesunde Mensch den Drang zu helfen, wenn jemand zu ertrinken droht. Das gilt aber nicht in Notzeiten, wenn das eigene Überleben in Gefahr ist. Nur so lässt sich erklären, dass Strandräuber das Ertrinken von Schiffspassagieren sogar absichtlich herbeiführten. Auch kann die Selbstdefinition einer Kultur dazu führen, dass in ihren Augen verächtliche Menschen nicht wie Mitmenschen behandelt werden.

      In allen Kulturen gibt es magische Ideen und somit religiöse Vorstellungen. PentAgrion erklärt sie als Mechanismus, der dem Menschen hilft, die scheinbar unerklärlichen Ereignisse in seinem Leben zu deuten und als Wunsch, das Unglück zu vermeiden und Glück herauf zu beschwören. Er sagt aber auch, dass dem ein Trugschluss zugrunde liegt, weil es dem Menschen an Überblick mangelt. Letztlich organisiere sich das Leben nach Plausibilität. Dazu später mehr.

      Liebe Grüße und danke für deinen Kommentar,
      Jules

    • Liebe Theo,

      ich frage mich ja schon längere Zeit, wie es die Menscheit bislang geschafft hat, im Internetzeitalter zu überleben, wo im Grunde nur noch Buchstaben ausgetauscht werden, deren Sinn häufig mißverstanden wird; man muß dabei ja nichtmal zur Fremdsprache und deren mehr oder weniger gelungenen Übersetzung greifen.

      Entweder mein Glaube an das Gute im Menschen – analog zu „Man kann sich nicht verstehen. Man kann nur versuchen, sich nicht misszuverstehen.“ – besteht überraschenderweise zu recht oder aber das dicke Ende kommt noch.

      Vielleicht ist aber auch der Siedepunkt noch nicht erreicht.

      Oder aber viele Menschen sind schlicht der Statistik – die reine Buchstabenkombination macht mWn nur rund 13% der zu vermittelnden Information aus – überlegen.

  7. Zur Problematik der Karten im Maßstab 1:1 hat sich ja Umberto Eco ausgiebig geäußert, der übrigens sich bei Googlebooks ausgerechnet in einem Buch zur Kommunikation im 19. und 20. Jahrhundert zitiert findet.

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