Die Papiere des PentAgrion (4) -6Destruktiv, Fortsetzung

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Am-Kerstenschen-Pavillon

Der Kerstensche Pavillon stand einst am Annuntiatenbach, war das Gartenhaus der reichen Patrizierfamilie Mantels gewesen. Im Jahr 1907 kauften die Aachener den Pavillon, rissen ihn ab Stein für Stein und translozierten ihn auf die Mittelterrasse des Lousbergs, wo er ähnlich im Hang steht wie an seinem ursprünglichen Platz im Garten der Familie Mantels.

Bevor ich Jeremias Coster kennen lernte, hatte er eine Weile oben im Dachgeschoss des Pavillons gewohnt, wie vorher und nach ihm andere Professoren der Technischen Hochschule Aachen. Eine bessere Studierstube hätte ich mir nicht denken können, und für einen Pataphysiker ist das Dachgeschoss dieses barocken Patrizier-Tempels erst recht der ideale Ort, so über der Stadt, ihr nächtliches Blinken unter dem Sternenhimmel vor Augen oder die blitzende Sonne auf den Dächern.

Am Portal des Pavillons war ich selten gewesen, meist an der hinteren Tür, denn unten ist man als Fußgänger gefährdet. Da kommt die Fahrstraße um die Kurve, hoch zum Drehturm. Also, der Turm dreht sich nicht, sondern das Café auf dem alten Wasserturm. Was meinst du, wenn man in so einem Drehturmcafé einen Löffel in den Kaffee steckt, muss man dann gar nicht umrührn, weil sich der Kaffee um den Löffel dreht?

Telefon klingelt. Eine Frau sagt:
„Hier ist die Weinhandlung Hannover.
Bin ich mit der Traube verbunden?
„Nein.“
„Oh, da habe ich mich verwählt.“
„Ja.“
„Dann bitte ich um Entschuldigung!“
„Tschüs.“

Entschuldigung? Da oben steht noch der Fehler im Wort „umrühren“. Es fehlt ein „e“, aber man sieht nicht, dass es fehlt, denn es ist ja nicht da. So ein Anruf bringt mich ganz durcheinander. Man hat mich schon für vieles gehalten, und manches davon war nicht schmeichelhaft für mich. Aber warum sollte ich die Traube sein? Das gibt keinen Sinn, wäre mir auch unangenehm. Man wird als Traube zertreten und gesoffen oder zerbissen und geschluckt.

Der rasche Aufstieg zum Kerstenschen Pavillon hatte mich erst recht erhitzt. Mir perlten die Schweißtropfen von der Stirn, als ich vor der herrschaftlichen Treppe stand, und das sollte mir oben noch peinlich werden. Die Flügeltür war offen, ich drückte sie auf und trat in die Halle. Sie ist, wie man sich denken kann, beinah höher als weit. Hohe Decken befreien den Kopf. Ich bin sicher, unter der genormten Deckenhöhe 2,40 Meter werden andere Gedanken gedacht als unter einer hohen Decke, die achtungsvoll zurückweicht. Unter solch einem eigenen Himmel fühlt der Mensch sich erhaben. Es drückt das Lebensgefühl gekrönter Häupter aus und sogar das einer Stadtpatrizierfamilie, stolz und hochaufgerichtet. Sich erhöhen durch die Architektur. Das ist ein beneidenswertes Privileg. Die Aachener haben dieses Privileg an ihre Bürger übertragen. Man muss nur zur rechten Zeit kommen, um die Türen offen zu finden.

=> Fortsetzung von „-6Destruktiv“

Google-lügt

Nebenher: Google lügt. „Tod auf dem Dachboden von Trithemius am …“ Das ist zweimal nicht wahr. Ich bin nicht am 11.10. auf meinem Dachboden gestorben. Er gehört nämlich gar nicht mir.

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22 Kommentare zu Die Papiere des PentAgrion (4) -6Destruktiv, Fortsetzung

  1. google – jaja, da war mal wieder der dativ dem genitiv sein tod – verzeihung dem lombardio, ach was red ich…

    und wenn sich so ein turm schnelll genug dreht, dann bruacht man den löffel im kaffee nur gut festhalten, irgendwann beginnt sich die flüssigkeit nämlich mitzudrehen. aber dann käme keiner der gäste mehr zum trinken, allerhöchstens noch zu kotzen…

    • Der Genitiv ist nicht klarer. „Tod auf dem Dachboden des Trithemius.“ Auch hier weiß man nicht, ob das Genitivattribut „des Trithemius“ sich auf Tod oder Dachboden bezieht. „Tod des Lombardi auf dem Dachboden des Trithemius“, wäre freilich noch schlimmer.

      Du kennst dich also aus mit schnellen Drehtürmen. 😉

  2. Aber gestorben bist du? Auch wenn es nicht dein eigener Dachboden war? Aber deinen eignen Tod gestorben – oder war das auch nicht deiner?

    • Allenfalls metaphorisch, gestorben vor Angst.

      • Genitiv hin oder her, dem Hinweis, doch ruhig mal wieder zu googlen, bin ich gefolgt, zumal auch die STIKO in der Empfehlung zur Impfung gegen die Neue Influenza A (H1N1) in ihrem Epidemiologisches Bulletin bei der Literaturrecherche ununwunden zugibt: Ferner fanden eine manuelle Suche sowie Recherchen über GOOGLE statt.
        (aber das nur am Rande)
        Also gut, natürlich fand ich das sehr aufschlussreiche uns schon bekannte „Das Traktat des PentAgrion (Kneipengespräch)“ -Trackback – aber zum anderen auch bei YouTube einen pentagrion’s Channel. Hatte ich das bei den vorangegangenen Recherchen übersehen, oder war ich durch die filmische Darstellung des Dachbodens erst aufmerksam geworden?
        Egal, den am 29.10. eingestellten Beitrag spulte ich ab und bemerkte bei 1.21 ein Gesicht, dass sich direkt uns, den Betrachtern, zuwandte.
        Absicht?
        Egal, die neuere spektralfotoanalytische Explorationstechnik kam erneut zum Einsatz, doch leider stoppte die Exploration, als es interessant zu werden schien.

        Bildentschlüsselung

        Nun steh ich da, ich armer Tor, nur dümmer noch, als je zuvor.
        🙂

        • O Gott, ich fühle mich ertappt. Hätte STIKO in der Empfehlung zur Impfung gegen die Neue Influenza A (H1N1) in ihrem Epidemiologischen Bulletin doch bloß nicht geschrieben: „Ferner fanden eine manuelle Suche sowie Recherchen über GOOGLE statt“ und dich so ermuntert. Bist du sicher, dass die „spektralfotoanalytische Explorationstechnik“ nicht in Wahrheit Fotoshop heißt? Du kannst dir vorstellen, dass mir das deutlich lieber wäre. Denn wer möchte schon der Schädel in so einem Mann sein?

          Das dubiose Kneipengespräch in der Kölschkneipe des Münchner Bloggers Careca ist mir nicht entgangen (Trackback). Ich werde darauf zurückkommen, weil mir da einiges noch rätselhaft ist.

          • Ich bin mir über gar nichts sicher, Googlerecherchen bergen unbedingt die Gefahr der Fehlinformation in sich, hab ‚ ich da nicht gelesen; „Nebenher: Google lügt.“

            Mir scheint, da bin ich nicht nur auf dem Holzweg sondern vor allem auf einem Irrweg gelandet.
            🙂

            • Manche Irrwege sind so verlockend gut gemacht, wie dieser hier, da möchte man durchaus eine Weile unterwegs sein. 😉

              • „However cleverly you sneak up on a mirror… your reflection always looks you straight in the eye.“

                Du kannst mir sagen, was du willst, irgendwie erinnern mich die Ereignisse hier doch teuflisch an einen Film von ca. 1987, in dem ein Detektiv den Auftrag erhält, einen Musiker zu suchen, ich glaube der Film war von Alan Parker.

                Hier wird nach einer Verbindung zu einem sammelnden, suchenden, beschreibenden Literaten gesucht.
                Manchmal machen URL’s seltsame Zicken. Ist womöglich während deiner Beschäftigung mit den Papieren, die so despektierlich PDF-Seiten genannt werden, doch einiges auf deiner Festplatte verblieben?

                Sei wachsam!

  3. Das Traktat des PentAgrion (Kneipengespräch)

    „Das Kölsch in der Hand ist aller Anfang Schand“, pflegte mein Vater zu sagen und trank am Wohnzimmertisch sein Altbier.

    Das war damals. Wie der Vater so der Sohn. Damals hatte ich es auch gern getrunken. Mit einem Schuss Malzbier drinnen. Oder…

  4. Solche architektonische Errungenschaften lassen die Pariser Gassen verblassen.

  5. Traube? Da schwant mir Einiges. Der Anbau von Trauben bedeutet harte Arbeit, mühsame Existenzsicherung – war das eine versteckte Drohung? Denkbar wäre auch, dass sich hinter dem vermeintlichen Verwähl-Anruf ein Hinweis auf eine Metamorphose versteckt hat, die du duchmachen sollst oder wirst. Denn aus der Traube wird ja der Wein…. *grübel*

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