Volontär Schmock kommentiert: Einhalten in der Krise

Zuschauer fragen – Bundeskanzlerin Merkel antwortet (RTL)

Angela Merkel: “Bis jetzt ist gar nichts in die Hose gegangen. Aber ich kann Ihre Angst verstehen (…) Meine Bitte, halten Sie durch.”

Der legendäre, weil leider tote Dichter und Cartoonist, Robert Gernhardt, hat einmal ein wunderbares Blatt in der Titanic veröffentlicht. Auf der weitläufigen Terrasse eines hübsch in der Landschaft gelegenen Hauses krümmen sich verschiedene Gestalten, Männer und Frauen mit qualvoll verzerrten Gesichtern. Einige winden sich und halten sich den Bauch, andere haben ein Bein angewinkelt und schnüren offenbar etwas ab. Die Bildunterschrift verrät, was die Leute da machen bzw. nicht machen. Sie nehmen teil am Selbsterfahrungs-Kursus: “Drei Wochen Stuhlverhalten mit Verpflegung in der Toskana.”

Ob Frau Merkel auch an solch einem Kursus teilgenommen hat, so dass sie den gewaltigen Schiss „bis jetzt“ noch einhalten konnte, der doch so dringend erforderlich wäre. Ich weiß nicht, was ihr Proktologe empfiehlt, aber ich würde raten: das Faulige muss raus, auch wenn es in die Hose geht. Sie wird nicht auf mich hören, sondern tapfer halten und für sich behalten. Denn wenn schon vor der Wahl der Mist ihrer Krisen- und sonst was Politik herauskäme, wenn es also gewaltig aus dem Hosenanzug zum Himmel stänke, – es würde uns den Atem rauben. Das würden wir nicht durchstehen, niemals durchhalten, denn längst mangelt es uns an Kraft. Sie ist quasi weg. Wo ist sie hin? Sie ist privatisiert und gehört jetzt der CDU. Das schreibt sie auch noch frech auf Plakataushänge: „Wir haben die Kraft.“ In Geiselhaft.

Vielleicht hat Robert Gernhardt sich diesen Stuhlverhaltungs-Kursus gar nicht ausgedacht, sondern den gab es wirklich. Merkel hat da trainiert, von der Leyen, Baron zum Guttenberg, fast alle. Und die krummen Figuren von der SPD, diese liebedienerischen Lakaien des Kapitals, waren auch dort und bildeten sogar die Toskana-Stuhlverhaltungs-Fraktion.

Stuhlverhalten. Wer diese Kraft hat, bleibt an der Macht. Nach der Wahl wird bekannt werden, woraus diese Macht sich speist: aus alles zu vernichten drohenden Biogaswerken. Wo jetzt „Biogaswerken” steht, stand zuerst „Politikergesäßen“. Ich habe das geändert, weil es nicht nur um Politiker geht, sondern auch um die gesellschaftliche Oberschicht, die Besitzenden. Aber es bleibt sich gleich, ob man sich vor Macht oder vor Reichtum krümmt. Krampfhaftes Halten und Behalten ist kein Lebenssinn, sondern eine sexuelle Perversion. Anders gesagt: Davon steigt einem irgendwann die Scheiße in den Kopf. Hoffentlich schickt der Weltgeist bald ein ordentliches Abführmittel.

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22 Antworten auf Volontär Schmock kommentiert: Einhalten in der Krise

  1. Sehr schön gesagt! Ich tue mir das gerade im TV an, schauderhaft!

  2. Jetzt, wo auch Du zu Fä-Kahlschlägen ansetzt, was mir Polter-Proll doch behagen sollte, bin ich wieder gar nicht so entzückt: es kommt alles zur falschen Zeit, ach…

    Allein: das Problem des los Lassens ist ein sehr verbreitetes und sehr menschliches, und das sage ich als Fach-Fossil!

    Ich bin überhaupt kein Fan von Politiker-Karikaturen (Karikaturen im wörtlichem und im übertragenem Sinne), weil: bringt doch nix außer, dass man halt mal Dampf abgelassen hat, aber in der vorletzten oder letzten “Titanic” (ich kieke da gelegentlich rin mitte Oogen, wenn ich im Medien-Leasing-Point verweile, früher Bibliothek) war Frau Merkel als wechseljährlich abgekonterfeit (oder so ähnlich); dieses ließ mich denn doch grienen.

    Leider funktioniert “Zatoo” bei mir nicht (steckt wieder die NSA dahinter: gute Arbeit, Jungs), so dass ich mir das Spektakulum colossale auch nicht rein ziehen kann.

    Guten Abend, gute Woche, gutes Leben!

    Das Fossil

    • Wann wäre denn die richtige Zeit gewesen?

      Du meinst: Nicht loslassen – die Befriedigung durch Zurückhaltung?

      Karikaturen von Politikern sind immer eine heikle Sache. Nur wen man für wichtig ansieht, karikiert man. Also ist jede Politikerkarikatur auch ein Ausdruck von Wertschätzung. Genscher wurde in der Titanic als “Genschman” karikiert. Genscher war darauf stolz und spielte selbst häufig auf seine Comicfigur an.

      So also ganz deiner Meinung, der Schuss kann nach hinten losgehen, und trotzdem ist es manchmal befreiend, einen ordentlichen Politikerwitz zu sehen, sei es als Karikatur oder Fotomontage. Aber der reine Klamauk in Verkleidung wie ihn Matthias Riechling in diversen Politikerrollen betreibt, der macht die Karikierten nur populärer.

      Kanzlerduell: Wir können die Highlights bald bei YouTube sehen.

      Beste Grüße aus Hannover
      Dein Trittenheim

      • P.S.: Die von dir so genannten “Fä-Kahlschläge” sind ja nur eine Erweiterung der Worte von Frau Merkel. Sie wird doch wohl gewusst haben, welches Sprachbild sie mit “nicht in die Hose gegangen” bemüht, mit einer Durchhalteparole garniert.

      • Es kommt zum, sorry, Miserere (Medizin)

        Auf besagter Zeichnung (auch als Postkarte erhältlich gewesen) ist auch ein grüner Flatulenzkegel abgebildet, einem saftigem Arsche entweichend, und der Text lautete: “3 Wochen Stuhlverhalten mit Verpflegung in der Toskana”; alternativ wurde zudem kollektives Menstruieren im Mondschein auf La Gomera angeboten; so was merke ich mir…

        Das weiß ich ja eben selbst nicht (Zeitpunkt). Aber Du musst Dich nicht nach mir richten. Chch. – Sorry! Ich meine ja nur!

        Und das ist wieder was Anderes: der mit den Ohren ist ja nochmal ‘ne ganz andere Liga.

        Aber mir ist das auch egal – ich kieke eben “Arizona Dream”, und mein Entzücken ist völlig meinerseits, und die Liste bei “amazon” wird immer länger…

        Ach ja – danke für den Tip: an Youtube habe ich gar nicht gedacht.

        Fahren Sie bitte fort, mein Herr: insgesamt und überhaupt!!!

  3. Im Prinzip ist es eigentlich schon egal, wer an der Spitze unseres Landes an chronischer Obstipation leidet. Ob Schwarz ob Rot oder Dunkelrot, ob Gelb, Grün oder Blau, wessen Gesäß einmal mit den Sitzgelegenheiten im Bundestag in Berührung kam, ist angefixt und auf Lebenszeit auf den Machterhalt fixiert. Und es spielt dabei keine Rolle ob als regierendes oder oppositionelles Mitglied des hohen Hauses. Zumindest die Bestuhlung der Regierungspartei sollte deshalb in Zukunft polsterlos ausfallen.

    Spielen zu Beginn mancher Politikerkarriere noch Ideale eine tragende Rolle, werden diese mit länger dauernder Parteizugehörigkeit vom Streben nach Macht und Einkommenserhalt verdrängt und abgelöst. Wen wundert es da noch, wenn heilige Schwüre des nicht-koalierens mit dem politischen Gegner plötzlich relativiert werden und vogelwild sondiert und um Ämter und Posten geschachert, verzeihung, verhandelt wird.

    Wer noch zur Wahl geht muss sich verraten und verkauft vorkommen. Da können die Merkels und Steinmeiers dieser Republik sich duellieren so lange sie wollen, die wirklichen Fragen werden nicht beantwortet, das Dunkel erhellt kein Licht, weil der Wähler weiter hinter selbiges geführt wird.

    Da hilft nur eine Überdosis Laxantien, die nicht nur den aufgestauten Mist der Politiker in die Kanalisation befördert, sondern die ganze bundesdeutsche
    Parteienlandschaft gleich mit. Dieses Land muss weg vom kunterbunten Parteinfilz. Politiker zu sein muss ein Ehrenamt werden, eine Aufgabe, auf die nicht nur den Amtsinhaber sondern auch die Menschen, die er/sie vertritt mit Stolz und Ehre erfüllt!

    Dieses Land braucht keine Parteiprogramme und auch keine Rededuelle, es braucht Lösungsvorschläge und Menschen, die sie in die Tat umsetzen und zwar unabhängig von Geschlecht, Religionszugehörigkeit oder sonstiger Eigenschaften und Vorlieben!

    • Ich bin entzückt, werter Herr. Toll geschrieben, eine gute Erweiterung der Metapher und eine stolze Forderung. Grundgesetzt sagt ja auch: “Die Parteien wirken an der Willensbildung MIT.” Inzwischen glauben die aber, ihnen gehöre dieses Land.

  4. Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken,
    der Maschinist in dumpe Lethargie versunken,
    die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
    der Funker zu feig, um SOS zu funken.
    Klabautermann führt das Narrenschiff
    volle Fahrt voraus – und Kurs aufs Riff.

    Im ganzen unter: http://www.youtube.com/watch?v=8Lz_qPvKCsg

    Und schließlich:

    So legt euch denn, ihr Brüder,
    In Gottes Namen nieder;
    Kalt ist der Abendhauch.
    Verschon uns, Gott! mit Strafen,
    Und laß uns ruhig schlafen!
    Und unsern kranken Nachbar auch!

  5. Schöne Scheiße!
    Hat Merkel das wirklich so gesagt? Das lässt ja tief in ihre eigene Selbstwahrnehmung blicken.

  6. In den Kopf, genau. Und da kommt es dann heraus, gequirlt und in Massen, das konnte man gestern Abend wieder schön mit ansehen und -hören. Länger als zehn Minuten hält man das aber nicht aus. Fernsehjournalisten schon, denen scheint das so viel Spaß zu machen, die rühren darin noch stundenlang herum. Unappetitlich und abstoßend.

    • Ja, so ein Fernsehduell ist schwer auszuhalten. Ich habe mit mir gerungen, ob ich mir das antun soll, um evtl. darüber zu schreiben, oder ob ich aus Gründen der Psychohygiene darauf verzichten soll. Die war mir dann doch wichtiger.

  7. dein eintrag hat bei mir toll als “abführmittel” gewirkt, mein lieber jules, habe schon während des lesens, schier in die hose gepinkelt vor lachen …
    wie herrlich du gernhardt und merkel in gewohnter trithemius-manier köstlichst, für alle oberundunterschichten super verwertbar verquickt hast!
    liebe grüsse
    vom ludi

    • Es zeichnet dich aus, dass du noch herzhaft lachen kannst, lieber Ludi, auch wenn der Text mir ein wenig derb geraten ist. Aber manches muss eben einfach raus, bevor es im Kopf verheerend wirkt. ;)

      • ja, also bei solch furiosen einträgen, da kann ich schon herzhaft lachen!
        meistens kommt mir aber doch eher das grosse gähnen die kehle hoch beim lesen von blogeinträgen, aber niemals bei dir hier in der weltbekannten teppichhausuni :)

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