Naturerfahrung, Naturbesitz und Kunst

Zu den Köpfen der Einwohner von Eupen stauen sich 25.000.000 Kubikmeter Wasser. Zwei Bäche speisen die Wesertalsperre, die Weser und der Getzbach. Beide entspringen im Hohen Venn, einem Hochmoor in den belgischen Ardennen. Der Getzbach fließt von Süden herein. Er hat an seinem Unterlauf ein tiefes Tal gegraben, aus dem mächtige Föhren heraufragen. Vor Jahren bin ich oft mit dem Rad zur Wesertalsperre gefahren, habe ihre Staumauer überquert, fuhr dann weiter um den See oder steil hinab nach Eupens Unterstadt. Manchmal aber folgte ich dem einsamen Getzbachtal bis hinauf ins hohe Venn.

Hier bist du allein mit dir und der Natur, hörst nur das Surren der Gangschaltung, das Knirschen kleiner Steinchen unter den Reifen, deinen Atem, denn es geht steil bergan, und über dir das immerwährende Rauschen der Föhren. Sie nötigen dir Achtung ab, wenn du ihr Reich durchquerst, denn sie waren schon hoch und mächtig, bevor deine Großeltern geboren wurden. Und kommen nicht Männer mit Motorsägen, rast keine Feuersbrunst über sie hinweg, dann werden die Föhren noch dastehen, lange nachdem du vergangen bist. Sie haben ihre eigene Zeit, wiegen sich, wenn der Wind ihre Wipfel peitscht, sie trotzen dem heftigen Gewitterregen, sie tragen gewaltige Schneelasten, sie ragen geheimnisvoll in dichten Nebel. Und wenn die Sommersonne das Land grell bescheint und kleine Blasen aus dem Asphalt des Weges treibt, die leise klickend unter deinen Reifen zerplatzen, wenn der Schweiß dir unentwegt von der Stirn zu Boden tropft, bei solcher Sommerhitze verströmen die Föhren einen würzigen Duft, der dich benebelt.

Der Anstieg zwingt zur Langsamkeit, denn er ist lang und kann nur bewältigt werden, wenn man seine Kräfte einzuteilen versteht. Und immer dann auf den vielen Windungen dieses Weges durch das Getzbachtal fühlte ich mich gar nicht eins mit der Natur, sondern kam mir vor wie ein Eindringling, der die rauschende, duftende Sprache des Landes nicht versteht und auch niemals lernen wird. Unter diesen Föhren hast du nur ein kleines Leben, und was du auch machst und tust, was du auch denkst und sorgst, es ist unter ihnen ohne Belang. Sie brauchen dich nicht.

Ich weiß nicht, was man aus ihren Stämmen macht, wenn die Föhren gefällt, zerhackt und zersägt sind. Ob Brennholz daraus wird oder Zeitung mit eitlen Botschaften, die am nächsten Tag schon vergessen sind, vielleicht auch Tisch oder Stuhl. Ich weiß auch nicht, was der Künstler Tom Otto sich denkt, wenn er den lebendigen Baum mit totem, verbrauchtem Holz behängt, das rein zufällig zum überflüssigen Stuhl geworden ist. Stühle im Baum, das ist beinah, als würde man Gehacktes auf einer lebendigen Sau drapieren. Aber natürlich ist das ein müßiger Vergleich.

Stühle rücken vor
Die Installation im Hannoverschen Georgengarten, 350 Stühle an und in einem Baum, lässt viele Interpretationen zu. „Es geht uns gut“ nennt Tom Otto sein Werk. Vielleicht zu gut? Offenbar ist von allen Lebewesen nur der Mensch dem Wahn verfallen, sich Herr der Welt zu nennen, der sich die Erde untertan machen darf. Er hat sich selbst dazu legitimiert, indem er seine Vermessenheit dem Wort eines erfundenen Gottes zugeschrieben hat. Denn nicht ein Gott hat den Menschen nach seinem Vorbild gemacht. Es war umgekehrt. Der Mensch hat sich den Götzen nach seinem Maß gezimmert, um die eigenen Untaten zu rechtfertigen, seine Ängste zu bändigen und seine Unwissenheit zu kaschieren. Das ist Glauben, und im Glauben steckt Vermessenheit und manchmal sogar verheerender, blutiger Irrsinn.

Baum. Das ist ein Wort für eine Sache, die der Mensch nicht versteht. Alle Wörter sind nur Etiketten, und wenn wir über die Welt palavern, dann tauschen wir unsere Etiketten aus wie Abziehbildchen. Die Wörter erlauben uns zu begreifen, doch das hat nichts mit Verstehen zu tun, sondern ist purer Wortaberglaube. Unsere Wörter sind wie tote Stühle, die den lebendigen Baum okkupieren. Der Stuhl ist ein Sitzgestell. Und Sitzen ist Besitzen. Das macht der Mensch mit dem Hintern. Anders gesagt: Ärsche machen sich die Welt untertan. Tretet dADA rein!

Das Kunstwerk von Tom Otto ist eine von vielen Installationen, die vom 4. Juli bis 9. August unter dem Titel „Sind im Garten“ im Georgengarten zu sehen sind.

Dieser Beitrag wurde unter Teppichhaus Intern abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

61 Kommentare zu Naturerfahrung, Naturbesitz und Kunst

  1. sieht aus wie ein stuhlrebirthing….vom arsch zurück in den stamm…
    etwas ähnliches hab ich schon mit bänken gesehen..
    schade das du ihn nicht etwas länger nach sinn oder unsinn der aktion befragt hast…naja stühle halt sagen sicher welche,aber kein gegenstand wurde so oft immer wieder „neu“ designed wie ein stuhl

    • Das hast du gut bemerkt, Stühle gibt es schon so lange und sie waren immer ein Spiegel der Zeit. Stühle hatten übrigens schon Lehnen als man sich noch gar nicht daran anlehnen durfte 😉

      • @ CaptainCook

        Wie du schon sagst, Stühle spiegeln den Zeitgeist und auch gesellschaftliche Konventionen. Das mit den Lehnen wusste ich nicht. Kannst du es mal erläutern?

        • Ich glaube bis in die Gründerzeit lehnte man sich nicht an, man saß – Haltung bewahrend 😉 – weiter vorne aufrecht im Stuhl. Hab ich mal irgendwo gelesen. Daran liegt es auch daß viele antike Stühle am Ansatz der Lehne brechen, die Lehne war nur Zierrat und nicht für die Belastung ausgelegt der sie heute ausgesetzt ist.

          • aha, interessant, lieber käptn!

            die gerade aufsteigende lehne der biedermeierstühle lässt darauf schliessen, dass körpersprachliche bescheidenheit am platze war, nachdem die frühen europäischen revolutionen den barocken pomp hinwegfegten. denn die sitzmöbel aus jener zeit waren doch noch sehr robust und luden sogar mit von seitenlehnen gerahmten breiten polsterflächen und runden rückenlehnen geradezu zum sonnengöttlichen hinfläzen ein…

            *über die tastatur gebeugt* jenne 🙂

    • @ Popanz
      „Stuhlrebirthing“ gefällt mir gut. Was Tom Otto zu seiner Installation sagt, ist unter dem Link zu lesen. Mehr ist eigentlich nicht nötig. Oder: Es ist eigentlich schon zuviel. Wenn ein Künstler sein Werk erklärt, und es überzeugt, nimmt man seine Interpretation für die eigentliche. Überzeugt es nicht, wendet man sich ab. Also sollte dann doch besser der Betrachter eigenständig urteilen.

      Thema Design: Es ist schon erstaunlich, wieviele Stuhlformen sich hier versammeln, und gewiss sind die Varianten Legion.

  2. „Der Mensch hat sich den Götzen nach seinem Maß gezimmert, um die eigenen Untaten zu rechtfertigen, seine Ängste zu bändigen und seine Unwissenheit zu kaschieren. Das ist Glauben, und im Glauben steckt Vermessenheit und manchmal sogar verheerender, blutiger Irrsinn.“

    Diesen Satz sollte man mit Kreuzstich sticken und dem papst schicken, damit er ihn sich übers Bett hängt!

  3. super, die Installation. Sinn oder Unsinn sind hier
    keine passenden Kategorien, denke ich. Auch klar, dass Ähnliches immer schon mal da war, also wandern wir weiter !

    http://www.artisart.de

    • nicht jede kunst ist sinnvoll…
      manche wollen ja nur provozieren,aber gerade diese dinge finde ich dann mit am besten…
      kunst ist alles was jemand macht,es gibt eh nur zwei kategorien
      die macher und die laberer…(solch ein bild könnte ich oder meine dreijährife tochter auch malen) warum tun sie es dann nicht?

    • Mir gefällt sie auch gut, und ich habe keinen Moment über Sinn oder Unsinn nachgedacht, denn das sind keine guten Kategorien für Kunst. Was die Ähnlichkeit betrifft. In Hannover lebte und arbeitete Kurt Schwitters, und ein bisschen wirkt sein Geist hier noch nach.

  4. spannend.
    die installation und dein text dazu.

    beide nehmen mir die ruhe.
    die installation an der natur-
    und dein text an meiner oberflächlichen ersteinschätzung der installation.

    dank dir für beides,
    lisa

    • Beunruhigen wollte ich dich nicht, Lisa. Meine Interpretation ist nur eine von möglichen Interpretationen. Die Offenheit für verschiedene Deutungen ist ja das Wesen des Kunstwerks. Die Installation hat auch ästhetische Qualität, auf die bin ich gar nicht eingegangen. Zudem finde ich sie ziemlich witzig. Ach, und jeder Stuhl hat eine Geschichte.

      Grüße aus Hannover,
      Jules

  5. Ausgezeichneter Stuhlgang!

    Sorry! – Und nein, keine Angst: ich fange nicht wieder mit meiner Zugehörigkeit zu gewissen Schichten und Klassen an, vermittels der ich eines derartigen Kalauers fähig bin; das habe ich mit meiner inneren Untergruppe durch gearbeitet…

    Mir schien, dass der Künstler ein kleines Problem hätte, sich „zu zeigen“; die alte Geschichte: nur in dem „sein“ zu wollen, was man im Werk bringt?

    Philosophie nach Mitternacht, ich bitte um Entschuldigung! Der war wahrscheinlich nur schwer beschäftigt, der Mann! Und ich glaube, der hat auch keine Schuldgefühle, weil er keiner „vernünftigen Arbeit“ nach geht…

    Hm.

    Der blaue Stuhl „sticht raus“, nebenbei bemerkt… Und dann hatte ich die „Vision“, dass auf jedem Stuhl Eine(r) sitzen täte; auch auf denen, die auf dem Baum „besetzbar“ sind…

    „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen!“ Richtig, Herr Schmidt…

    Leider habe ich auch einen kleinen Fehler in Deinem Text entdeckt, der wieder einmal was ganz was Edles darstellt* (die letzten Sachen waren ja, wie Du zustimmen wirst, mehr so Geplänkel, was ja aber auch sein soll, nich‘): „Ärsche machen sich die Welt untertan“; Du hast die falsche Zeitform gewählt; ich neige dazu, eher Präteritum empfehlen zu wollen. Man kann auch gar nix dagegen machen: die sind überall…

    Und manchmal finde ich es gut, dass es mir manchmal nicht gut geht…

    Wann hat dADA die nächste Sprechstunde?

    Mit freundlichen Grüßen in diverse Gärten

    Der Graphodino

    ———————
    * Ich wünsche umgehend Föhren ab zu schreiten; zum Beispiel…

    • Das Wort Stuhlgang meint tatsächlich ursprünglich den (nächtlichen) Gang zum Toilettenstuhl und ist dann per Bedeutungsverschiebung zum Euphemismus für menschliche Exkremente geworden, verkürzt als „Stuhl“. Ich hatte die Assoziation bewusst vermieden, freue mich aber, dass du dich traust und einfach auf die Kacke haust, wobei ich mich vorsorglich für das Wort „haust“ entschuldige.

      Deine Vision gefällt mir, denn all diese Stühle sind ja einst besessen worden, die meisten sogar von verschiedenen Personen, so dass so ziemlich auf jedem Stuhl mehrere Personen übereinander sitzen müssten, was bei der gekonnten Verkeilung mit Kabelbindern durch Tom Otto gewiss zu zusätzlichen Verrenken nötigen würde. Das gäbe ein tolles Bild ab.

      Zum Glück ist Kunst keine „vernünftige Arbeit“, denn es reicht ja schon, was andere mit ihrer „vernünftigen Arbeit“ in der Welt anrichten.

      In der Tat wirkt Tom Otto nicht sehr zugänglich, aber ich hatte ihn ja auch bei seinem schweißtreibenden Schaffen gestört, und da wusste er ja auch noch nicht, dass er später im Teppichhaus zu sehen sein würde. Das habe ich ihm nämlich erst später gesagt. Und da meinte er: „Werbung ist immer gut.“

      Präteritum: „Ärsche machten sich die Welt untertan.“ wäre ein bisschen irreführend. Das würde suggerieren, dass sie es in der Vergangenheit gemacht haben, jetzt aber nicht mehr tun. Dann schon besser Perfekt, weil’s in die Gegenwart reicht: „Ärsche haben sich die Welt untertan gemacht.“

      „Und manchmal finde ich es gut, dass es mir manchmal nicht gut geht…“ finde ich hübsch einsichtig. So kann dir auch niemand nachsagen, dir ginge es zu gut.

      dADA hat immer Sprechstunde, das verspricht mit besten Grüßen,

      Dein Trittenheim

      • Wenn dADA immer Sprechstunde hat, dann kann es aber nichts Seriöses sein.

        Kchch. – Ich hatte mir ja schon so was gedacht; was mich betrifft (ich rede ja eher selten von mir), so plane ich die Gründung der Außerplanetarischen Opposition (APO)…

        Natürlich hast Du wieder einmal Recht: ich hätte statt „Präteritum“ schreiben müssen „eine Vergangenheitsform“ oder so, denn Präteritum ist ja kein Synonym für eine solche, sondern bereits eine genau umschriebene Variante dieser Formen; da war ich schon in der Schule ’ne Niete: ich habe zwar alles richtig geschrieben, was natürlich aus heftiger Lektüre resultierte, konnte es aber nicht erklären, und wusste die Regeln nicht usw.; ich war aber auch nicht so sehr sauer darüber…

        Das mit dem „schweißtreibendem Schaffen“ hatte ich ja schon vermutet; Du weißt doch, wie das ist mit den Privatphilosophen: sie nehmen irgend einen Aufhänger, um ihre werten Thesen zu illustrieren.

        Das Bild mit Leuten auf den Stühlen ist mir sogleich gekommen; aber ich gehe nicht mehr zum Arzt, ich war schon so oft bei Dr. Freudlos, und dann macht der immer mit der Anna Lyse rum.

        Beste Grüße nach Trittenheim und Hannover und überhaupt!

        Dein dinosauer fossiler Virtuellenbogenschützengardenkamerad G.

    • sie machten und machen und werden weiter machen, wenn wir sie machen lassen

      http://www.youtube.com/watch?v=UP23UiUojIQ

      greetz

      • … wieder ’ne „Lücke“: die Band habe ich zwar schon Dutzende Male gehört – aber nicht gehört…

        • Schon fast zu spät, die Combo hat sich aufgelöst. Punk war ja auch 80er. Und was bleibt sind die Folgen eines verblassten Frühlingssturms, also ein gelangweilter Sommer.

          • Hihi. – Sie nannten ihn „Mr. to late“…

            Aber so lange man den Sachverhalt so cool formulieren kann (das mit Frühling und Sommer), ist die Spitze des Altersschmerzes doch schon wieder abgebrochen (oder so ähnlich)…

            • Das Alter ist doch eine schöne Sache. Ich würde nicht sagen, dass das weh tut – außer vielleicht im Rücken. Der Körper lässt etwas nach, aber die meisten Menschen sind im Alter viel ausgeglichener. Also, kein Grund das Alter schlecht zu machen oder gar zu leugnen. Ich kannte mal einen alten Mann, der war schon jenseits der 60, gab sich aber immer für viel jünger aus. Keine Ahnung warum er das tat, wo er es doch gar nicht nötig hatte. Vielleicht hat ihm das Rückgrat Schmerzen bereitet. Wer weiß? Ich meine nur, jemand der nicht zu seinem Alter steht, hat auch sonst keinen Mumm.
              In diesem Sinne: Prost auf das Alter!

              • Öhm… ja… in Prinzip richtig.

                Aber wenn es nur der Rücken wäre!

                Das aber alles nicht im Ernst ganz ernst gemeint habend, verbleibt

                Herr Paläo-Zoo-Direktor Dino

                • Sehr geehrter Herr Zoo-Direktor, sorry, da bin ich etwas abgeschweift… wir übertragen doch gerne mal unsere Emotionen auf andere. Ich wünsche Ihrem Rücken und allem was sonst noch schmerzt beste Genesung!

                  Greetz

                  • Dat is‘ schon okay… – Mir tut gar nix weh, nur, wenn ich lache (das habe ich jetzt, glaube ich, bei Tünnes und Scheel, geleast)…

                    • Ausgezeichnet!

                      Kurz prüfen… Kein Stechen hinten links!

                      Der Beitrag hat aber einen kleinen Haken: so lange dermaßen mit „Schnuffi“ rum springen – is‘ schon wieder ’ne Leistung…

                      Chch.

                    • Stimmt, darum wünsche ich dir weiter gute Genesung. Denn der digitale Tanz nach einem analogen Papagei, der Monologe führt, ist ohne Singen blass. Nur furchtlos mannhaft mit Mikro in der Hand, kann der Sänger weitergehen und tanzt den ganzen Tanz.

                    • Meine Güte, ich sags ja: das Wiener Café lebt – virtuell…

                    • Hey Vorstadtindianer, wie wäre es mit Nachtkaffee? Fahr mit mir ins Morgenland. Wann fängt er an, der Morgen, fragst du nur. Morgen ist nicht, wo man gestern war und heute ist, sondern wo wir werden, was wir wollen, aber nie sind – Gedankenspiel. Ho, ho erzähl mir nichts, sagst du. Ich sag, hey hey – und du – kuckst nur. Hey, schau her, was wäre, wenn die Sonne nicht im Westen unterging: dann wär im Morgen sein, nicht allzu schwer. Ho, und wer bitte sehr, mag das denn nun, sagst du. Soll die Sonne im Osten untergehen. Ohne Untergang gibt’s auch keinen Neuanfang. Hey, aber wenn wir nur so tun, als wäre das erstrebenswert, sag ich nun, können wir das Morgen heute schaffen –
                      Und das wäre, wenn es keinen Abend gäbe: keine Grenze die dem Morgen umstände.

                    • Ach. – Das klingt wieder so enthusiastisch; außerdem fällt mir ein, dass ich Kaffee kaufen muss…

                      Und bedanke ich mich doch gar artig für den Versuch frischen Zuspruchs!!!

                      Häff fann!

                    • Jemand sagte einmal zu mir, er hätte geträumt, wenn man nur lange genug in eine Richtung geht kommt man ans Meer: Gehst immer eine Strecke weiter und weiter und es wird wärmer und heißer und die Sonne scheint dir ununterbrochen aufs Gesicht. Es ist der heiße Sonnenschein, der die Straße schmückt, der schmerzt wie entzückt. Und dann plötzlich bist du da leila leilala, am Strand – ganz frei. Deine schweren Stiefel an den Rucksack gebunden und es gibt nichts mehr das dich einengt. Die Posaunen erschallen ta tarata, der Sommer ist da. Du springst ins Meer und spürst die frischen Wellen wallewalle, überall.

                    • Hm. – Es wäre schon wieder Theoretisieren, dazu was zu sagen

                      Icke donk o scheen für die poetische Touristik-Werbung!!!

                    • Na, da wird die Touristikbranche aber arm, wenn in Zukunft alle nur noch im Traume reisen.
                      Theorien sind, vor allem ungeachtet der Praxis, schön und wertvoll. Kannste also gerne äußern.

                    • Nee – besagte Branche wird sich drauf einstellen; ganz bestimmtst (wie Herr Koch sagen würde)…

                      Außerdem: wenn sich Leute in virtuellen Räumen kloppen, tun sie es vielleicht nicht mehr in der „realen“ Welt; das hat zwar jetzt nicht mehr wirklich was mit Touristik zu tun, aber trotzdem hat das jetzt nicht nur witzisch gemeint

                      Das Fossil

  6. Ausgezeichneter Stuhlgang!

    Sorry! – Und nein, keine Angst: ich fange nicht wieder mit meiner Zugehörigkeit zu gewissen Schichten und Klassen an, vermittels der ich eines derartigen Kalauers fähig bin; das habe ich mit meiner inneren Untergruppe durch gearbeitet…

    Mir schien, dass der Künstler ein kleines Problem hätte, sich „zu zeigen“; die alte Geschichte: nur in dem „sein“ zu wollen, was man im Werk bringt?

    Philosophie nach Mitternacht, ich bitte um Entschuldigung! Der war wahrscheinlich nur schwer beschäftigt, der Mann! Und ich glaube, der hat auch keine Schuldgefühle, weil er keiner „vernünftigen Arbeit“ nach geht…

    Hm.

    Der blaue Stuhl „sticht raus“, nebenbei bemerkt… Und dann hatte ich die „Vision“, dass auf jedem Stuhl Eine(r) sitzen täte; auch auf denen, die auf dem Baum „besetzbar“ sind…

    „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen!“ Richtig, Herr Schmidt…

    Leider habe ich auch einen kleinen Fehler in Deinem Text entdeckt, der wieder einmal was ganz was Edles darstellt* (die letzten Sachen waren ja, wie Du zustimmen wirst, mehr so Geplänkel, was ja aber auch sein soll, nich‘): „Ärsche machen sich die Welt untertan“; Du hast die falsche Zeitform gewählt; ich neige dazu, eher Präteritum empfehlen zu wollen. Man kann auch gar nix dagegen machen: die sind überall…

    Und manchmal finde ich es gut, dass es mir manchmal nicht gut geht…

    Wann hat dADA die nächste Sprechstunde?

    Mit freundlichen Grüßen in diverse Gärten

    Der Graphodino

    ———————
    * Ich wünsche umgehend Föhren ab zu schreiten; zum Beispiel…

  7. Ich hab‘ eben tatsächlich erst gelesen: „In den Köpfen der Einwohner von Eupen stauen sich 25.000.000 Kubikmeter Wasser.“ Ich entschuldige mich aber gleich mal bei den Eupenern: hab‘ seit heute Urlaub und bin das irgendwie nicht mehr gewöhnt…

    Aufbaumende Stühle! Ob die da oben vielleicht Nester bauen? Oder einfach wegfliegen? Oder ist dort oben eine Art Stuhlbehörde, bei dem sich so ein Stuhl in regelmäßigen Abständen melden muss: „Es geht mir gut. Ich werde ausbiebig besessen und zwischendrin auch mal herumgeschoben und so.“?

    Mir tun Bäume in Parks, so prächtig sie auch präsentiert werden, immer ein bisschen leid, weil sie meistens isoliert stehen und ja hauptsächlich schmückendes Element für von Menschen abgezirkelter Natur sind. Da ist so ein Wald schon was ganz Anderes, dort fühlt man sich eher als der Eindringling, der man eigentlich ist.

    Dank Deiner Beschreibung mit einem Hauch von Föhrenduft in der Nase, – Deine Theo

    • Dann hätten sie in der Tat gewaltige Wasserköpfe. Und ja, ich verstehe, das du das Eupenern nicht mehr gewöhnt bist, liebe Theo 😉
      Schade, dass wir nie da gewesen sind, als ich noch in Aachen lebte. Man soll in Eupen sogar ein Schokoladenmuseum haben. http://www.chocojacques.be/
      Das Aufbaumen kannte ich bisher nur von Fasanen, aber du hast recht, die Stühle tun’s offenbar auch, aber nur in Parks. Sach ma, gibt es in Hannover überhaupt Föhren? Hab noch keine gefunden.

      Lieben Gruß
      Dein Jules

      • Jaja, das Eupenern, das braucht Übung. 😉

        Ob’s hier Föhren gibt, weiß ich gar nicht, ehrlich gesagt. Müsste man mal gucken gehen.

        Das Schokomuseum habe ich sogar mal im Fernsehen gesehen, da hing im Hintergrund ein großes Blechschild von „Sprengel Schokolade Hannover“. :))
        Zum Glück ist mit Deinem Wegzug von Aachen kein Betretungsverbot für die Region ausgesprochen worden, so dass es uns immer noch möglich wäre, da mal hinzufahren…

  8. Was der Titel der Installation »Es geht uns gut« dem Betrachter mitteilen will, wird mir offengesagt nicht recht klar – vielleicht ein Menetekel im Sinne von »Wenn’s dem Stuhl zu gut geht, geht er auf’n Baum klettern.«? Wer weiß.
    (Herrn Ottos Kabelbinder-Frickelei lässt an Karl Valentins Betrachtung denken, »Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.«)

    • Mir scheint auch, dass der Titel eher sinnverstellend ist.
      Übrigens steht unweit von dieser Installation das Wilhelm-Busch-Museum, wo man derzeit eine wunderbare Karl-Valentin-Ausstellung zeigt.

  9. Was der Titel der Installation »Es geht uns gut« dem Betrachter mitteilen will, wird mir offengesagt nicht recht klar – vielleicht ein Menetekel im Sinne von »Wenn’s dem Stuhl zu gut geht, geht er auf’n Baum klettern.«? Wer weiß.
    (Herrn Ottos Kabelbinder-Frickelei lässt an Karl Valentins Betrachtung denken, »Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.«)

  10. Ich hatte erst den Eindruck, das Kunstwerk würde Dir nicht gefallen, vermutlich wegen des abfällig klingenden Vergleichs mit der hackbeschmierten Sau. Also sammelte ich übers Wochenende Argumente, die für das Kunstwerk sprechen, denn mich hat es auf Anhieb positiv angesprochen, aber nun lese ich in Deinen Kommentaren, daß es Dir auch gefällt. Schön schön.

    Ich finde auch, der Künstler sollte nicht soviel Interpretationshilfe geben, er redet das Werk kleiner als es ist.

    Und nicht zuletzt Dein Text: Super!

    • Wenn mir ein Werk nicht gefällt, mache ich mir nicht soviel Arbeit damit. Ich hatte Tom Otto bei der Arbeit zufällig entdeckt. Und für den Film bin ich ein zweites Mal hingefahren. Ja, und dann fand ich es schwierig, den Titel und die Installation zur Deckung zu bringen. Da bin ich froh, dass es doch irgendwie geklappt hat. 😉

      Ich finde auch, dass viele Künstler besser nichts zu ihren Arbeiten sagen. Die wenigsten sind mit ihren Worten so gut wie mit ihrer Kunst. Anders wären sie ja auch Autoren oder Dichter geworden.

      Es gibt übrigens einen ähnlichen Film bei Youtube, wo Otto genau das macht, was du meinst.
      http://www.youtube.com/watch?v=tT2LfGNFLm8

  11. einen langsamen fahrradritt aufwärts durch ein tal … hhhmmm… das ist was feines … mann wird gezwungen viele gedanken einfach mal passieren zu lassen, das gehirn zu lüften und das vegetative nervenkostüm wie wild werkeln zu lassen … aber dann irgendwann kommt die klugheit zurück, besonders bei dir und schon gibt es stuhlgangskunst im freien … herrlich ;D

    • Manchmal vermisse ich die Ardennen, obwohl natürlich auch in der Nähe von Hannover ordentliche Berge sind, der Deister, das Weserbergland, und der Harz ist auch nicht weit. Die Weser hier ist freilich etwas breiter als die im Hohen Venn.
      „Stuhlgangskunst“, das hast du hoffentlich nicht abwertend gemeint oder doch 😉 ?

      • nöööö jules … gehen die nicht, diese stühle … *hehe*

        ich kenne die ardennen nicht mal, ach gott, wo liegen die denn? aber im harz, da ist es schön und am rande in goslar besonders, da war ich zur cebit-zeit mal, das hat gut getan! das musste unbedingt mal ansehen!

  12. einen langsamen fahrradritt aufwärts durch ein tal … hhhmmm… das ist was feines … mann wird gezwungen viele gedanken einfach mal passieren zu lassen, das gehirn zu lüften und das vegetative nervenkostüm wie wild werkeln zu lassen … aber dann irgendwann kommt die klugheit zurück, besonders bei dir und schon gibt es stuhlgangskunst im freien … herrlich ;D

  13. gern wäre ich durch jene stuhlreihen geschlendert, allein fesselt mich heimatlich noch einiges ans stühlchen… nichtsdestotrotz war es wieder einmal schön, mir ein wenig zeit für diesen wissenswerten beitrag und seine kommentare nehmen zu können.

    ganz liebe grüsse aus dem tale, lieber jules!

    so winke ich noch flink vom bächlein herüber, bis zum nächsten mal, jenne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*