Teppichhandels-Traditionsunternehmen vor dem Aus?

In London, so war gestern in den Nachrichten zu hören, sind 50 Zentimeter Schnee gefallen. Die Stadtverwaltung hat sogleich kapituliert und den Londonern empfohlen, bei diesem Unwetter zu Hause zu bleiben. Wir auf dem Festland hingegen sind ja an derlei Bedingungen gewöhnt. Sobald Schnee fällt, wird in den Medien sofort das „Schneechaos“ ausgerufen, und indem Chaos das absolut Ungeordnete ist, denkt sich jeder: „Das absolut Ungeordnete habe ich mir irgendwie schlimmer vorgestellt“ – und geht seinen üblichen Geschäften nach. Tatsächlich scheinen sich die Wetterbedingungen chaotisch zu verändern. Wie anders ist zu erklären, dass ausgerechnet Aachen im Januar 2009 mit 125,7 Stunden Sonnenschein den Sonnenrekord brach. Einst wurde Aachen als Regenloch geschmäht, denn dort herrschten überwiegend Westwinde und bliesen in rascher Folge Regenwolken vom Atlantik heran. Daher musste der gut situierte Aachener immer einen Taschenkamm und einen Schirm mit sich führen. Im Januar fiel jedoch nur die Hälfte der sonst üblichen Regenmenge. Schade, dachte ich, und ausgerechnet jetzt bin ich da weg. Meine Wohnung in der Aachener Junkerstraße hatte fünf große Fenster, die alle von der Sonne beschienen wurden. Da hätte ich vielleicht sogar eine erkleckliche Summe an Heizkosten sparen können.

Von wegen.
Heute bekam ich von den Aachener Stadtwerken (STAWAG) die Schlussabrechnung. Die STAWAG will von mir für acht Monate Gasverbrauch eine Nachzahlung von 5299,42 Euro. Da hatte ich meinen Ruin vor Augen: „Teppichhaus Trithemius vor dem Aus!“ Ich muss unter Angela Merkels Rettungsschirm flüchten. Und wenn sie mich unter den Flügel nimmt, wird die Bundesregierung das insolvente Teppichhaus verstaatlichen, um die Grundversorgung der Bevölkerung mit Teppichen zu sichern. Vorher wird Frau Nettesheim vermutlich radikale Preisnachlässe von 35, 50 und gar 65 Prozent ausrufen, damit die kostbaren Teppichhaus-Webstücke nicht in die Hände von ignoranten Bundesbeamten fallen, die vom Teppichhandel soviel verstehen wie vom Zocken mit Steuermitteln. Zuerst will ich aber die Schrottplätze von Hannover nach leichtsinnig entsorgten Postbank-Tresoren absuchen. 170.000 vergessene Pinunzen würden mir schon aus der Klemme helfen.

Unbedachte-Geldverbrennung
Aber ein Blick nach draußen verriet: Schneechaos! Mindestens fünf Millimeter Schnee in Hannover. Daher blieb ich sicherheitshalber drinnen und wählte die Nummer der STAWAG zwecks Gnadengesuchs. Nach gefühlten fünf Stunden Warteschleifenmusik meldete sich ein Kundenberater namens Plum. Ich sagte, dass ich wegen meiner Chaosrechnung anrufen würde, die ja mehr als zehnmal so hoch sei wie im letzten Jahr. Ich hätte wohl versehentlich nicht nur meine Wohnung, sondern das ganze Haus beheizt. Er rief sich die Zahlen auf den Bildschirm und sagte überrascht: „Das kann nicht sein.“ „Finde ich auch. Ich habe einen Pfefferminzschlag gekriegt.“ „Den hättisch an Ihrer Stelle auch jekrischt!“, sagte Herr Plum mit schwerer Aachener Zunge. Ach, und sogleich durchströmten mich süße Heimatgefühle, die Herr Plum sofort ausbremste: „Sie sin ja weg!“ „Aber das ist doch kein Grund, mich auszuplündern“, wandte ich ein. „Nein, isch sperr de Reschnung ersma, un dann muss einer hinfahren un nochma den Zähler ablesen.“ So liegt das Schicksal des Teppichhauses in den Händen eines, der hinfährt.

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