Abendbummel online – Lächeln kostet

Stattliche 35 Meter über das Stadtgebiet von Hannover auf erschreckende 89 Meter über dem Meeresspiegel erhebt sich der Lindener Berg. Heute fuhr ich zweimal mit dem Rad drüber weg, allerdings etwas unterhalb seiner gewiss völlig vereisten Kuppe, da ich nicht genau wusste, ob man ganz oben ohne Sauerstoffmaske auskommt. Als ich noch in Aachen lebte, hätte ich mich getraut, denn da war ich an größere Höhen gewöhnt. Ein Anstieg von 35 Metern gilt dort nicht als Berg, sondern höchstens als namenloser Hubbel, über den man kein Wort verliert. Trotzdem war ich gespannt, was ich hinter dem Hubbel so alles finden würde, wie überhaupt die Erkundung meiner neuen Heimatstadt unterhaltsam und erbaulich ist. In Aachen grüßte mich jeder Laternenmast, und hier grüßt mich so gut wie keiner.

Hannover ist eine
exklusive Stadt. Du kannst nicht einfach in ein Fachgeschäft für Künstlerbedarf treten, um beispielsweise einen Radiergummi zu kaufen. Es reicht auch nicht, wenn du sagst, du wärest extra mit dem Rad über den steilen Lindener Berg gefahren, hättest also erheblich Mühen auf dich genommen und den mannigfaltigen Gefahren auf vereisten Radwegen getrotzt, keine einzige Laterne hätte dich gegrüßt, und trotzdem hättest du durchgehalten, denn die exklusiven Radiergummis würden auch jenseits des Berges gerühmt. Nein, du musst Mitglied werden, und das darfst du nur, wenn du auf einem Anmeldeformular glaubhaft beurkundest, dass du entweder Künstler bist, Kunststudent, Grafik-Designer, Kunstdozent oder sonst ein Papierbeknüseler.

Die gewünschten Bilderrahmen kaufte ich jedoch nicht, obwohl ich dachte, jetzt biste hier Mitglied und kaufst nur zwei Bögen Fotokarton DIN-A1. Da wird die exklusive Dame an der Anmeldung denken, dass sie sich ihr Mitgliedbegrüßungslächeln hätte sparen können. Egal, ich muss auch sparen. Die Rahmen kaufte ich daher im Baumarkt, weshalb ich ein zweites Mal über den Lindener Berg fuhr. Dort waren die Rahmen billiger, aber es gab kein Lächeln von der Bilderrahmenfachverkäuferin. Da wusste ich, was den Preisunterschied ausmacht zwischen sündteuer und spottbillig, was freilich nicht nur in Hannover so ist.

Guten Abend

Gerahmt habe ich unter anderem den hier, und der hat auch nichts zu lachen.
Aufmüpfige Zahnpasta

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42 Kommentare zu Abendbummel online – Lächeln kostet

  1. 😉 🙂 :)) 😀 :yes: hiermal eweng gratis lächeln

    weil Hannover kostet auch so noch genug obwohl’s nur en Hubbel hat – aber mach dir nix draus hier in Bayern würden wir deine Aachener Berge auch nur Hubbel nennen – ist eben alles relativ

    • Da kann man nich meckern, herzlichen Dank für fünfmal lächeln. Du hast natürlich wie meistens Recht, allerdings gebe ich zu bedenken, dass in Aachens Umgebung 12 bis 16 Prozent Steigung allemal zu finden ist, und die fahre mal mit dem Rad hoch.

      • Im Rheinland war ich ein begeisterter Radfahrer aber wegen solcher Steigungen hab ich mir hier in Bayern es Radfahren weitgehend abgewöhnt – wenn überhaupt fahre ich am Kanal lang und da die Schiffe auch keine Steigungen schaffen ist es da schön eben.

  2. Die Zahnpasta-Karrikatur ist nicht schlecht, *lach*. LG

  3. Ich denke mal, du sprichst von Boesner. Ist natürlich ein geiler Laden, bei dem man viel Geld lassen kann. Da ist es doch eine liebevolle Geste der Geschäftsführung, neue Kunden zu warnen und ihnen erst einmal eine Clubkarte anzudienen.

  4. Du bist ein sportlicher Künstler.
    In Zürich gibt es viele Privatclubs. An der Tür öffnet sich ein Guckloch und der Rausschmeisser frägt: „Sind sie Mitglied“. Ein Freund von mir, hatte immer die gleiche Antwort: „Ja, wollen sie sehen?“.

    • Einen Rausschmeißer habe ich da nicht gesehen, und auch das Rotlicht war eher weiß, lieber Poc. 😉 Is aber trotzdem ein „geiler Laden“, wie Rupi behauptet.

    • „Sportlicher Künstler“ Ich dachte, mal gelesen zu haben, Picabia sei auch Boxer gewesen, finde aber die Belegstelle nicht mehr. Es trifft jedoch auf den Boxer-Poeten Arthur Cravan zu, der im Jahr 1917 mal gemeinsam mit Man Ray, Duchamp und Picabia aufgetreten ist: „Man Ray: ‚Cravan kam mit einer halben Stunde Verspätung an, er trug einen Koffer bei sich und stammelte betrunken einige Entschuldigungen zu der versammelten Gesellschaft hin. Dann machte er den Koffer auf und fing an, schmutzige Wäsche herauszuwerfen. Zwei Saalwächter stürzten sich auf ihn . . .‘ Doch auch hier sind sich die Zeitgenossen nicht einig. Breton behauptet, Cravan habe sich nackt ausgezogen.“
      http://www.zeit.de/1991/16/Jetzt-weine-ich

  5. Interessante Informationen, wie immer von Dir und ein guter Link.

    Bei Cravan habe ich es auch gelesen: Poet und Boxer.
    Im Cabaret Voltaire war eine Ausstellung:

    http://cabaretvoltaire.ch/aktuell/aktuell.php?ID=128

    Am 5. Dezember, als ich in Zürich war, war leider geschlossen. Das ist auch Dada.

    Für Dada würde ich mich auch nackt ausziehen.

    poc

  6. Ich habe Deine verschiedenen Zeichnungen angesehen.
    Alle finde alle gut. Diese („Badezimmer“) gefällt mir besonder gut. Ein ganzer Comic, in dieser Art, wäre sicher ein grosser Erfolg.

    poc

    • In diesem Stil gibt es drei Cartoons, eine Zeichnung wurde in der Titanic veröffentlicht, doch leider habe ich das Original an eine Freundin verkauft. Dass ich mit dem Zeichnen aufhörte, daran ist ein bisschen der damalige Chefredakteur der Titanic, Hans Zippert, schuld. Ich sagte ihm nämlich, ich wolle nicht nur Texte, sondern mehr Zeichnungen in der Titanic veröffentlichen, und er antwortete: „Dann musst du erst Greser und Lenz umbringen.“

      • Die Antwort von H.Z. ist natürlich sehr blöd!

        In Deinen zweiten Blog hat es auch interessante Zeichnungen und Gestaltungen.

        Hier ein Link:

        http://www.eriks-deae.de/home

        kann Dich auch interessieren?

        Eine Art Online-Comic.

        Bei dieser Gelegenheit, wir sind im Januar und Du bist jetzt in Hannover. Wie geht es dem Projekt „In Arte Voluptas“?

        Letzte Frage:

        Wo sind Deine schönen und praktischen „Knöpfe“ im Blog?

        Liebe Grüsse

        poc

        • Heute beim Radfahren habe ich noch an „In Arte Voluptas“ gedacht und ein bisschen bedauert, dass ich es habe verschieben müssen. Mal sehen, wann ich wieder Zugang habe. Hier in Hannover gibt es einen Buchdruckerei-Museumsverein, den ich demnächst einmal aufsuchen will, in der Hoffnung, dass mich die Begegnung mit der alten Druck- und Bleisatztechnik wieder in Stimmung bringt.
          Danke für den Link zum Online-Comic-Projekt. Es war mir schon woanders begegnet, der Zeichner kann wirklich was. Leider ist mir die Thematik zu fern.

          Die praktischen Knöpfe sind durch die Zwangsumstellung auf den neuen Design-Wizard quasi weggezaubert. Ich weiß zwar dank Felix vom Team, wie ich sie wieder herzaubere, doch ich hatte noch keine Zeit und wenig Lust auf die Fummelei. In meiner neuen Wohnung ist noch soviel zu tun. Morgen erst kommt ein Installateur für die Küche, und richtig fertig sind auch die anderen Räume noch nicht. Ich bitte also um etwas Geduld.

          Lieben Gruß und gute Nacht
          Jules

  7. ach du schande…heuer gehts ja hochintelektuell zu… ´ne kundenkarte für´n künstlerbedarfkauf…mannmannmann, nee, ich hab sogar der metro meine karte vor dieselben geschmissen…

    aber – klasse kartongs!

  8. Wie, in dem Baumarkt brauchtest Du keine Kundenkarte? Was sind das denn für verlotterte Zustände in Hannover?

  9. Jetzt versuch ich doch mal mit Dir Kontakt aufzunehmen. Auf die Seite gestoßen bin ich nehmlich über Deine Geschichten aus der Lehrzeit. Ich war nämlich auf der Suche nach Druckereimuseen und habe „Gott grüß die Kunst“ gegoogelt.
    Es war an einem Sonnabendnachmittag und meine Maschine druckte so vor sich hin.
    Außerdem bin ich gebürtiger Hannoveraenr und bin als Kind vor 45 Jahren den Lindener Berg mit dem Fahrrad runtergefahren. Ich habe da sogar die Kunst des Radfahrens erlernt. Die schwarze dann in Neuss, und heute drucke ich in Düsseldorf.
    Jetzt also die Frage: Wo und wie ist dieser Buchdruck-Geschichtsverein in Hannover zu erreichen?
    Gruß
    Erik

    • Hallo Erik,

      witzig, in Neuss habe ich ja auch Schriftsetzer gelernt. Das Druckereimuseum wird betrieben vom Freundeskreis Schwarze Kunst e.V. Eine Homepage hat er offenbar nicht, doch das fand ich im Internet:

      „Der Freundeskreis Schwarze Kunst e.V. erhält das nahezu verschwundene Schriftsetzer-, Buchbinder- und Buchdruckerhandwerk und macht es der öffentlichkeit zugänglich. Die Werkstatt ist eingerichtet im Stil einer typischen Lindener Hinterhof Druckerei der 50er Jahre und als lebendiges Museum konzipiert.“

      Limmerstraße 43
      30451 Hannover
      Tel.: 220 82 53

      Gott grüß die Kunst
      Trithemius

  10. mannomann, Radiergummis in Hannover scheinen das Zeug zum Running Gag zu haben… und dem Mann auf dem Bild kann ich nur zustimmen, Zahnpasta sollte einem nicht doof kommen dürfen. Aber das gilt eigentlich für alles aus der Tube 😀

  11. ach, immerhin hat der mensch auf deinem bild zahnpasta…

    und bei uns im knauberbaumarkt fragen die mich jedes mal, ob ich keine kundenkarte haben will – aber vielleicht hat hannover keinen knaubermarkt

  12. uh, da habe ich ja so einiges verpasst! und darf nun nachsitzen! ich dachte die ganze zeit: naja der jules muss erst sesshaft werden im neuen domizil. und was sehe ich: das teppichhaus „brummt“

    da liegen bestimmt irgendwo bärenfelle, deucht es mir :>>

    den stil deiner comics finde ich sehr erfrischend und angenehm, lieber jules. besonders, wenn die szene im bad handelt: du hast sogar keine mühe gescheut, die wasserperen anzubringen. 🙂

    *begeistert den hut lüft* jenne

  13. Hey Trithemius,

    danke für den Hinweis auf meine Seite !

  14. Pingback: Aquarell

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